Der Auslandskorrespondent

Der Auslandskorrespondent

Der Auslandskorrespondent

Der Auslandskorrespondent / Mord – Originaltitel: Foreign Correspondent – Regie: Alfred Hitchcock – Drehbuch: Charles Bennett, Joan Harrison, James Hilton, Robert Benchley – Kamera: Rudolph Maté – Schnitt: Dorothy Spencer – Musik: Alfred Newman – Darsteller: Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, George Sanders, Albert Bassermann, Robert Benchley, Edmund Gwenn, Eduardo Ciannelli, Harry Davenport, Martin Kosleck, Frances Carson, Ian Wolfe u.a. – 1940, 120 Minuten

Inhaltsangabe

Der Verleger einer New Yorker Zeitung, der mit den Berichten seiner Auslandskorrespondenten über die Lage in Europa unzufrieden ist, schickt 1940 den Reporter Kenneth Jones zu einem Interview mit dem niederländischen Pazifisten Van Meer nach London. Weil Van Meer angeblich verhindert ist, an einem Kongress der Universal Peace Party in London teilzunehmen, folgt Jones ihm nach Amsterdam – und steht dort neben ihm, als er von einem Attentäter erschossen wird ...
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Kritik

"Der Auslandskorrespondent" gehört nicht zu den besten Filmen von Alfred Hitchock, nicht zuletzt, weil eine politische Stellungnahme fehlt, aber der Thriller ist einfallsreich inszeniert und spannend.
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Mr Powers (Harry Davenport), der Verleger einer New Yorker Zeitung, befürchtet 1940, dass es in Europa zum Ausbruch eines zweiten Weltkriegs kommen wird. Weil er mit den Berichten und Analysen seiner Auslandskorrespondenten unzufrieden ist, schickt er Kenneth Jones (Joel McCrea) nach London, einen Reporter, der im geeignet erscheint, weil er kürzlich einen Polizisten schlug. Vor dem Abflug rät er ihm, sich als Auslandskorrespondent einen glaubwürdigeren Namen zuzulegen: Huntley Haverstock.

Am Flughafen in London wird Kenneth Jones alias Huntley Haverstock von seinem alkoholkranken Kollegen Stebbins (Robert Benchley) abgeholt und ins Hotel gebracht.

Auf einem Kongress der Universal Peace Party im Hotel Savoy soll Jones den niederländischen Pazifisten Van Meer (Albert Bassermann) interviewen. Zufällig begegnet er ihm bereits auf dem Weg dorthin, und sie teilen sich ein Taxi. Im Foyer spricht Jones mit einer selbstbewussten jungen Dame, der er freimütig gesteht, nicht Huntley Haverstock, sondern Kenneth Jones zu heißen. Bevor sie ihn stehen lässt und zur ersten Reihe geht, stellt sie sich mit „Smith“ vor und erklärt, das sei nicht ihr richtiger Name. Als sie zu Beginn der Veranstaltung eine Ansprache hält, begreift Jones, dass er soeben mit Carol Fisher (Laraine Day) sprach, der Tochter Stephen Fishers (Herbert Marshall), des amerikanischen Präsidenten der Universal Peace Party. Der Ehrengast Van Meer sei leider verhindert, erklärt Stephen Fisher. Das wundert Jones, denn bis vor wenigen Minuten war Van Meer noch da.

Zu einer weiteren Versammlung der Universal Peace Party fliegt Jones nach Amsterdam. Auf der Freitreppe vor dem Gebäude, in dem der Kongress stattfinden soll, wartet er auf Van Meer, und als dieser über die Stufen heraufkommt, begrüßt er ihn. Van Meer blickt ihn irritiert an und erkennt ihn offensichtlich nicht wieder. Im nächsten Augenblick drängt ein Mann mit einer Kamera (Charles Wagenheim) Jones zur Seite und erschießt Van Meer aus nächster Nähe. Dann flieht er. Jones rennt ihm nach und sieht, wie er zu einem Komplizen ins Auto einsteigt. Um den Mörder weiter verfolgen zu können, hält Jones ein anderes Auto an. Zufällig sitzt Carol Fisher darin. Scott Ffolliott (George Sanders), ein Bekannter Carols, der den Wagen lenkt, fährt den Mördern nach. In der Nähe einer Windmühle ist das andere Fahrzeug plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.

Jones fällt auf, dass sich die Drehrichtung der Windmühlen-Flügel ändert und vermutet, dass damit einem über dem Gebiet kreisenden Kleinflugzeug ein Signal gegeben wird. Das von der Straße verschwundene Auto findet er in der zur Windmühle gehörenden Garage. Jones dringt in die Mühle ein und belauscht eine Gruppe von Männern. In einem Nebenraum stößt er zu seiner Verblüffung auf Van Meer, der zwar noch von einer Droge benommen, aber unverletzt ist. Er wurde entführt, und um dies zu vertuschen, inszenierten die Verschwörer die Erschießung eines Doppelgängers. Die Kidnapper wollen Van Meer mit dem inzwischen gelandeten Flugzeug wegbringen und zwingen, die Geheimklausel aus einem unlängst von zwei europäischen Staaten geschlossenen Vertrag zu verraten. Jones holt zwei Gendarme, doch als sie die Mühle durchsuchen, sind die Verschwörer mit ihrem Opfer fort und das Auto ist auch nicht mehr da.

In seinem Hotelzimmer wird Jones am Abend von zwei angeblichen Polizisten aufgefordert, sie zum Revier zu begleiten, wo seine Aussage protokolliert werden soll. Jones durchschaut, dass die beiden Männer ihn ermorden wollen und flieht durchs Fenster des Bads. Auf einem Mauervorsprung arbeitet er sich zu einem anderen offenen Fenster vor, klettert hindurch – und steht zufällig in Carols Bad.

Carol glaubt ihm zunächst weder seine Geschichte noch seine Liebeserklärung, lässt sich dann aber überzeugen und fliegt mit ihm zusammen zurück nach London, um ihren Vater darüber aufzuklären, dass Van Meer nicht tot ist, sondern entführt wurde. Stephen Fisher hat gerade eine Unterredung mit einem Diplomaten namens Krug (Eduardo Ciannelli), geht jedoch mit seiner Tochter und Jones in einen anderen Raum und hört sich an, was sie zu sagen haben. Jones warnt ihn vor Krug, denn dieser gehörte zu den Männern in der Mühle, also zu Van Meers Entführern. Fisher verspricht, weitere Erkundigungen einzuholen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Stattdessen beauftragen Krug und Fisher den Privatdetektiv Rowley (Edmund Gwenn), Jones zu ermorden. Zuerst versucht Rowley, den Journalisten vor ein Auto zu stoßen, aber das misslingt ihm. Danach geht er mit ihm zur Aussichtsplattform eines Kirchturms hinauf. Als er Jones einen kräftigen Stoß geben will, dreht dieser sich um und tritt zur Seite. Durch den Schwung stürzt Rowley selbst in die Tiefe.

Als Drahtzieher des Mordanschlags und auch der Entführung verdächtigt Jones den Präsidenten der Universal Peace Party.

Scott Ffolliott rät Jones, Carol zu entführen. Damit könne er Fisher erpressen, Van Meer freizulassen. Es widerstrebt Jones, Carol etwas vorzumachen, denn er liebt sie aufrichtig, aber er überredet sie, mit ihm aufs Land zu fahren. Ffolliott soll Fisher die Forderung überbringen. Am Abend erfährt Jones durch einen Anruf, dass es Ffolliott noch nicht gelang, mit Fisher Kontakt aufzunehmen. Er muss Carol also noch einen Tag länger in Cambridge festhalten. Um sie nicht zu kompromittieren, nimmt er zwei Hotelzimmer. Sie argwöhnt allerdings, er wolle sich nachts an sie heranmachen und kehrt verärgert zu ihrem Vater zurück.

Der versucht an diesem Abend in einem Hotelzimmer, in dem Van Meer von seinen Komplizen festgehalten wird, die geheime Vertragsklausel herauszubekommen. Unerwartet wird Ffolliott von der zu den Verschwörern gehörenden Rezeptionistin mit einer Pistole ins Zimmer gestoßen. Sie hat ihn dabei ertappt, wie er in der Halle herumschnüffelte. Ffolliott kann schließlich durch ein Fenster entkommen. Als die Polizei eintrifft, findet sie in dem Zimmer nur noch Van Meer bewusstlos vor.

Am nächsten Morgen fliegt Fisher überstürzt mit seiner Tochter in die USA. Jones und Ffolliott, die rechtzeitig von der Absicht erfuhren, nehmen dieselbe Maschine.

Während des Flugs kündigt Fisher seiner Tochter an, dass man ihn voraussichtlich nach der Ankunft in den USA verhaften werde und beichtet ihr, Van Meer aus politischen Gründen entführt zu haben. Die Präsidentschaft in der Friedensorganisation benutzte er nur als Tarnung für seine wahren politischen Aktivitäten.

Über dem Atlantik wird das Flugzeug von einem deutschen Schiff abgeschossen und stürzt ins Meer. Ffolliott, Jones, Carol, Fisher und ein paar andere Passagiere überleben den Aufschlag und retten sich auf eine abgebrochene Tragfläche. Als diese unter dem Gewicht der Menschen zu sinken droht, lässt Fisher sich ins Wasser gleiten und opfert sein Leben für seine Tochter und die anderen.

Ein Schiff rettet die Überlebenden. Weil der Kapitän der „Mohican“ auf Neutralität achtet, verbietet er jede journalistische Betätigung an Bord, aber es gelingt Jones, seine Redaktion telefonisch über die Entführung Van Meers durch Stephen Fisher zu informieren, bevor das Schiff England erreicht. Damit hat er einen Scoop. Powers ist begeistert.

Am Ende sehen wir Kenneth Jones in London. Er hält gerade eine live im amerikanischen Hörfunk übertragene Ansprache, als ein Luftangriff beginnt. Statt wie die Angestellten des Senders einen Schutzraum aufzusuchen, redet Jones weiter und ruft seine Landsleute dazu auf, die Freiheit notfalls mit Waffen zu verteidigen.

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Nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen im September 1939 erhielt Alfred Hitchcock den Auftrag, den 1935 veröffentlichten Roman „Personal History“ von Vincent Sheean (1899 – 1975) zu verfilmen. Der amerikanische Schriftsteller beschäftigte sich darin mit der Krise in Europa nach dem Ersten Weltkrieg. Um mit den aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten, wurde das Drehbuch immer wieder umgeschrieben, bis Charles Bennett und Joan Harrison eine Endfassung vorlegten, die nur noch wenig mit der Romanvorlage zu tun hatte.

Weil die USA sich bis zum Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 aus dem Krieg herauszuhalten versuchten, enthält „Der Auslandskorrespondent“ keine klaren politischen Stellungnahmen. Stattdessen konzentriert Alfred Hitchcock sich auf das Thema Täuschung: Jones soll sich Haverstock nennen, Carol heißt nicht Smith, ihr Vater spielt falsch, und bei einem Mordopfer handelt es sich um einen Doppelgänger.

Um welchen Vertrag bzw. um welche Geheimklausel es bei der Entführung des niederländischen Pazifisten Van Meer geht, wird in „Der Auslandskorrespondent“ nicht geklärt; es handelt sich um eine Art MacGuffin.

Einen Meilenstein in der Geschichte des Films bildete die Trickaufnahme des Flugzeugabsturzes. Die Fenster des im Studio nachgebauten Cockpits waren mit Reispapier bespannt. Darauf projizierte man Aufnahmen der Meeresoberfläche, und zwar so, dass es aussah, als stürze das Flugzeug ab. Zu einem bestimmten Zeitpunkt löste ein Knopfdruck die Verriegelung eines gefüllten Bassins. Die Wassermassen zerrissen die Projektionsflächen und ergossen sich ins Cockpit.

Alfred Hitchcock ist in einem Cameo-Auftritt als Zeitung lesender Passant in London zu sehen.

In den deutschen Kinos lief der Film 1961 in einer zensierten, um gut zwanzig Minuten gekürzten Fassung unter dem Titel „Mord“. Die Filmmusik von Alfred Newman hatte man gegen eine andere ausgetauscht. Das ZDF ließ 1986 den Film in seiner ganzen Länge neu synchronisieren und verwendete die Übersetzung des Originaltitels: „Der Auslandskorrespondent“.

Synchronsprecher in „Mord“, 1961: Harald Juhnke (Kenneth Jones), Kerstin de Ahna (Carol Fisher), Wolfgang Eichberger (Stephen Fisher), Horst Naumann (Scott Ffolliott), Walther Suessenguth (Van Meer), Ernst Konstantin (Stebbins), Werner Peters (Rowley), Klaus W. Krause (Powers).

Synchronsprecher in „Der Auslandskorrespondent“, 1986: Sigmar Solbach (Kenneth Jones), Heidi Treutler (Carol Fisher), Thomas Reiner (Stephen Fisher), Frank Engelhardt (Scott Ffolliott), Hans Paetsch (Van Meer), Bruno W. Pantel (Stebbins), Werner Peters (Leo Bardischewski), Günter Sauer (Powers).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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