Zum Schweigen verurteilt

Zum Schweigen verurteilt

Zum Schweigen verurteilt

Zum Schweigen verurteilt - Originaltitel: I Confess - Regie: Alfred Hitchcock - Drehbuch: George Tabori und Will Archibald, nach dem Theaterstück "Nos Deux Consciences" von Paul Anthelme - Kamera: Robert Burks - Schnitt: Rudi Fehr - Musik: Dimitri Tiomkin - Darsteller: Montgomery Clift, Anne Baxter, Karl Malden, O. E. Hasse, Brian Aherne, Dolly Haas, Roger Dann, Charles André, Judson Prat), Ovila Legare, Giles Pelletier u.a. - 1953; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der Sakristan Otto Keller beichtet Pater Logan, er sei bei einem Diebstahl ertappt worden und habe den Zeugen umgebracht. Der Geistliche wahrt das Beichtgeheimnis, obwohl er selbst unter Mordverdacht gerät, weil der Täter eine Soutane trug. Als sich herausstellt, dass der Ermordete eine Freundin des katholischen Priester erpresst hatte, scheint auch das Tatmotiv aufgeklärt zu sein. Aus Mangel an Beweisen wird Pater Logan zwar freigesprochen, aber man hält ihn weiterhin für schuldig ...
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Kritik

Die Spannung entwickelt Alfred Hitchcock in "Zum Schweigen verurteilt" nicht aus der Aufklärung des Mordes, sondern aus dem moralischen Konflikt des katholischen Priesters und den psychologischen Entwicklungen. Neben dem Drehbuch bestechen v. a. die expressionistischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen.
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Otto Keller (0. E. Hasse), der aus Deutschland stammende Sakristan der Marienkirche in Quebec, wird bei einem Diebstahl von dem Rechtsanwalt Vilette überrascht. Keller ermordet den Zeugen und eilt dann in die Kirche, obwohl es bereits auf Mitternacht zugeht. Pater Michael Logan (Montgomery Clift), der Keller und dessen Frau Alma (Dolly Haas) vor einem halben Jahr Arbeit und Unterkunft verschafft hatte, schaut nach ihm. Der Sakristan beichtet sein Verbrechen. Er habe nicht mit ansehen können, dass seine Frau mit ihren schönen Händen so hart arbeiten muss, und deshalb Geld beschaffen wollen, behauptet er. Noch in der Nacht berichtet er auch Alma, was geschehen ist.

Am Morgen geht er zu Vilette, denn es ist Mittwoch, und mittwochs arbeitet er bei dem Rechtsanwalt im Garten. Er tut so, als habe er die Leiche gefunden und alarmiert die Polizei.

Bei seinen Ermittlungen am Tatort beobachtet Inspektor Larrue (Karl Malden) durchs Fenster, dass Pater Logan aufgeregt vor dem Haus auf- und abgeht, bis eine Dame eintrifft, mit der er kurz redet.

Zwei Mädchen, die zur Tatzeit von ihrer Tante nach Hause gingen, sagen aus, sie hätten einen Priester aus Vilettes Haus kommen sehen. Daraufhin befragt die Polizei alle katholischen Priester in Quebec, wo sie am Vorabend waren. Sie haben alle ein Alibi – bis auf Pater Logan, der schweigt, statt zu sagen, wo er zur Tatzeit war und um wen es sich bei der von Larrue beobachteten Dame handelte.

Als Keller beobachtet, dass Pater Logan von der Polizei zum Verhör abgeholt wird, trägt er seiner Frau auf, die blutbefleckte Soutane, die er ihr zum Waschen gab, erst einmal liegen zu lassen.

Pater Logan wird beschattet. Auf diese Weise erfährt Inspektor Larrue von einem Treffen Logans mit Ruth Grantfort (Anne Baxter), die Ehefrau des Abgeordneten Pierre Grantfort (Roger Dann). Der Staatsanwalt Willy Robertson (Brian Aherne), der mit den Grantforts befreundet ist, ruft Ruth an und berichtet ihr, dass man sie mit dem mordverdächtigen Priester gesehen hat. Da eilt sie ins Polizeipräsidium, und ihr Mann folgt ihr. Ruth sagt freiwillig aus, um Logan zu retten.

Sie und Michael Logan, der damals noch kein Priester war, hätten vermutlich geheiratet, wenn nicht der Krieg ausgebrochen wäre. Logan meldete sich aus Verantwortungsgefühl sofort freiwillig. Während seiner Abwesenheit fand Ruth Arbeit als Grantforts Sekretärin, und weil sie nichts mehr von Logan gehört hatte, willigte sie in eine Eheschließung mit ihrem Chef ein. Als die Soldaten zwei Jahre später aus dem Krieg zurück kamen, wartete Ruth im Hafen auf Logan, der noch nicht wusste, dass sie verheiratet war. Sie saßen stundenlang in einer Wiese, und Logan erzählte von seinen Kriegserlebnissen, bis sie von einem Gewitter überrascht wurden, sich in einen Pavillon flüchteten und darin die Nacht verbrachten. Am anderen Morgen wurden sie von dem Rechtsanwalt Vilette gesehen. Fünf Jahre lang traf sie dann weder Vilette noch ihren inzwischen zum Priester geweihten Freund. Kürzlich tauchte Vilette wieder auf: Er hatte Probleme mit dem Finanzamt und wollte, dass Pierre Grantfort sich für ihn einsetzte. Ruth sollte das bewirken. Andernfalls drohte der Anwalt, dem Abgeordneten zu erzählen, was er über Ruth und Michael Logan wusste. In ihrer Verzweiflung wandte Ruth sich an den Priester. An dem Abend, als Vilette ermordet wurde, fuhren sie mit dem Auto herum und überlegten, was sie tun sollten. Logan wollte am nächsten Morgen zu dem Anwalt gehen und sich anschließend vor dessen Haus mit Ruth treffen.

Ruth sagte aus, sie sei an dem Abend bis 23 Uhr mit Pater Logan zusammen gewesen und glaubte, ihm damit ein Alibi verschafft zu haben. Aber da korrigiert der Gerichtsmediziner seine erste Angabe: Der Mord fand nicht um 23 Uhr, sondern erst eine halbe Stunde später statt. Also kann Logan der Täter sein. Und jetzt gibt es auch ein Motiv. Damit schlägt Ruths Entlastungsversuch ins Gegenteil um: Michael Logan wird verhaftet und unter Mordanklage gestellt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wird eine blutbefleckte Soutane gefunden. Die Blutgruppe stimmt mit der des Toten überein.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Obwohl er mit einem Todesurteil rechnen muss, wahrt der Priester das Beichtgeheimnis auch während der Gerichtsverhandlung. Keller dagegen lügt bei seiner Zeugenaussage und behauptet, um 23.45 Uhr in der Marienkirche auf Pater Logan gestoßen zu sein, der einen völlig verstörten Eindruck auf ihn gemacht habe, sich aber nicht von ihm helfen lassen wollte. Mit raffinierten Fragen und Zusammenfassungen zieht Staatsanwalt Willy Robertson das Netz der Indizien um den Angeklagten immer enger zusammen. Trotzdem wird Michael Logan von den Geschworenen aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Zähneknirschend ordnet der Richter an, ihn freizulassen. Die Zuschauer protestieren, und in der Menschenmenge vor dem Gerichtsgebäude gerät der Priester in eine bedrohliche Lage. Als Alma Keller das sieht, kann sie nicht mehr schweigen. Sie läuft hin und ruft: „Er ist unschuldig.“ Im nächsten Augenblick wird sie von ihrem Mann erschossen.

Auf der Flucht ermordet Keller auch noch den Küchenchef eines Hotels, in dem er sich verstecken will. Aber er hat keine Chance: Die Polizei stellt ihn und erschießt ihn. Pater Logan gibt ihm die Sterbesakramente.

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Alfred Hitchcocks Thriller „Zum Schweigen verurteilt“ (auch: „Ich beichte“) basiert auf dem Theaterstück „Nos Deux Consciences“ von Paul Anthelme aus dem Jahr 1902. Das Drehbuch schrieben die renommierten Bühnenautoren George Tabori und William Archibald.

Die Spannung entwickelt Alfred Hitchcock nicht aus der Aufklärung des Mordes, sondern aus dem moralischen Konflikt des katholischen Priesters, der das Beichtgeheimnis wahrt und eine Frau zu schützen versucht, obwohl er dadurch selbst unschuldig unter Mordverdacht gerät, während der Mörder, den er durch die Beichte kennt, die Lage des Priesters durch Lügen verschlimmert, um seinen eigenen Kopf zu retten.

„Zum Schweigen verurteilt“ besticht nicht nur durch ein vorzügliches Drehbuch, sondern auch durch expressionistische Schwarz-Weiß-Aufnahmen und ausgezeichnete schauspielerische Leistungen.

Die Außenaufnahmen drehte Alfred Hitchcock in Quebec, und die Studioszenen entstanden in Hollywood.

An „Zum Schweigen verurteilt“ knüpfte der Theaterregisseur Robert Lepage 1995 mit seinem Filmdebüt „Der Beichtstuhl“ („The Confessional“) an. 1989, nach dem Tod ihres Vater, versuchen die beiden Stiefbrüder Pierre und Marc Lamontagne, in Quebec mehr über ihre Eltern herauszufinden und stoßen dabei auf Spuren aus dem Jahr 1952, die mit Alfred Hitchcocks Dreharbeiten zu „Zum Schweigen verurteilt“ zu tun haben.

Der Beichtstuhl (1995, 100 Minuten) – Originaltitel: Le Confessional, The Confessional – Regie: Robert Lepage – Buch: Robert Lepage – Kamera: Alain Dostie – Schnitt: Emmanuelle Castro – Musik: Sacha Puttnam – Darsteller: Lothaire Bluteau, Patrick Goyette, Jean-Louis Millete, Kristin Scott Thomas; Ron Burrage u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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Mario Vargas Llosa - Das Paradies ist anderswo
Mario Vargas Llosa porträtiert in 22 Kapiteln abwechselnd Flora Tristan und Paul Gauguin. Ausgangspunkte sind Flora Tristans letzte Lebensmonate und Paul Gauguins letzte Lebensjahre. Von früheren Erlebnissen der beiden erfahren wir in Rückblenden.
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