Die 39 Stufen

Die 39 Stufen

Die 39 Stufen

Die 39 Stufen – Originaltitel: The 39 Steps – Regie: Alfred Hitchcock – Drehbuch: Charles Bennett, Ian Hay, nach dem Roman "Die neununddreißig Stufen" von John Buchan – Kamera: Bernard Knowles – Schnitt: Derek N. Twist – Musik: Hubert Bath, Jack Beaver, Charles Williams – Darsteller: Robert Donat, Madeleine Carroll, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie, Helen Haye, Frank Cellier, Wylie Watson u.a. – 1935; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Als Richard Hannay eine Frau kennenlernt, die sich als Agentin ausgibt und behauptet, ihre Aufgabe sei es, Spione daran zu hindern, ein Staatsgeheimnis ans Ausland zu verraten, glaubt er ihr kein Wort. Noch in derselben Nacht wird sie in seiner Wohnung in London erstochen. Die Polizei verdächtigt Hannay als Mörder und fahndet nach ihm. Weil man ihm nicht glauben würde, dass er unschuldig ist, versucht er es zu beweisen – aber dazu muss er den Spionagering auffliegen lassen ...
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Kritik

Alfred Hitchcock erzählt in einem Tempo, das 1935 atemberaubend gewesen sein muss. Die Dialoge sind pointiert, und es fehlt in "Die 39 Stufen" auch nicht an Komik.

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In einer Music Hall in London kommt es beim Auftritt des Gedächtniskünstlers „Mr Memory“ (Wylie Watson) zu einem Tumult. Es fallen Schüsse. Das Publikum gerät in Panik und drängt zu den Ausgängen. Der Kanadier Richard Hannay (Robert Donat) findet sich vor dem Gebäude mit einer Frau (Lucie Mannheim) wieder, die sich mit dem Namen „Smith“ vorstellt. Hannay nimmt sie mit in sein Apartment am Portland Place.

Die angebliche Mrs Smith erzählt ihm, sie sei Geheimagentin und habe zwei Männer beschattet, die zu einem ausländischen Spionagering gehörten und dabei seien, ein für die Verteidigung Großbritanniens wichtiges Geheimnis auszukundschaften. Ihre Aufgabe sei es, das zu verhindern. Aber man habe sie in der Music Hall erkannt. Um den beiden gegnerischen Agenten zu entkommen, schoss sie in der Music Hall in die Luft und löste die Massenpanik aus. Hannay glaubt ihr kein Wort, doch als er aus dem Fenster schaut und zwei Männer vor dem Haus stehen sieht, ändert er seine Meinung.

Daraufhin vertraut ihm die Agentin an, dass sie mit Vornamen Annabella heißt. Sie müsse als Nächstes nach Schottland, erklärt sie, sagt etwas von „39 Stufen“ und erwähnt, dass der britische Chef des ausländischen Spionagerings ein gefährlicher Mann sei, dem an einer Hand ein Teil des kleinen Fingers fehle.

Nachts taumelt Madeleine zu Hannay ins Schlafzimmer und bricht tot über ihm zusammen. In ihrem Rücken steckt ein Messer.

Die Tote hält eine zerknüllte Landkarte von Schottland in der Hand, auf der der Ort Alt-na Shellach markiert ist.

Als der Milchmann (Frederick Piper) ins Treppenhaus kommt, erzählt Hannay ihm, er habe die Nacht mit einer Geliebten verbracht und wage sich nun nicht aus dem Haus, weil draußen der Ehemann und der Bruder der Frau warten würden. Verständnisvoll leiht der Milchmann ihm daraufhin seinen weißen Kittel, und Hannay entkommt den beiden auf der Straße lauernden Agenten.

Seine Haushälterin findet am Morgen die Leiche in seiner Wohnung und alarmiert die Polizei.

Zu diesem Zeitpunkt sitzt Hannay bereits in einem Zug nach Schottland. Als er in der Morgenausgabe einer Zeitung einen Artikel über den Mord am Portland Place entdeckt, ahnt er, dass er nicht nur von Geheimagenten verfolgt wird, sondern auch unter Mordverdacht steht. Um seine Unschuld zu beweisen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Spionagering auffliegen zu lassen und Annabellas Mörder zu überführen.

Als Polizisten im Zug auftauchen und nach ihm suchen, küsst Hannay eine Fremde und täuscht so die Beamten. Aber die Blondine – sie heißt Pamela (Madeleine Carroll) – glaubt nicht, dass er unschuldig als Mörder verdächtigt wird und ruft die Polizisten zurück. Durch einen Sprung aus dem Zug entgeht Hannay der Verhaftung.

Zu Fuß gelangt er zu einem Bauernhaus in Schottland. Dort gibt er sich als Arbeit suchender Chauffeur aus. Der Bauer John Crofter (John Laurie) glaubt nicht, dass es in der Gegend Beschäftigungsmöglichkeiten für einen Chauffeur gibt. Allenfalls könne Hannay es bei Professor Jordan (Godfrey Tearle) und dessen Frau Louisa (Helen Haye) versuchen, die seit einiger Zeit in Alt-na Shellach wohnen.

Gegen Bezahlung erhält Hannay von Crofter ein Bett für die Nacht. Beim Abendessen erkennt Crofters Ehefrau Margaret (Peggy Ashcroft) den von der Polizei Gesuchten anhand eines Fotos in der Zeitung. Als ihr Mann hinausgeht, erklärt Hannay ihr, warum nach ihm gefahndet wird und was er vorhat.

Am nächsten Morgen hört Margaret Streifenwagen, die sich nähern. Sie weckt Hannay und warnt ihn. Dadurch wacht auch ihr Mann auf. Als Crofter die beiden zusammen sieht, nimmt er an, sie hätten ihn betrogen. Bevor er den Polizisten verraten kann, dass der Gesuchte bei ihm im Haus ist, gibt Margaret Hannay einen dunklen Mantel ihres Mannes und verhilft ihm zur Flucht durch die Hintertüre.

In Alt-na Shellach lässt Hannay sich unter dem Stichwort „Annabella Smith“ bei Professor Jordan melden. Hannay vertraut ihm seine Erlebnisse offen an und meint zum Schluss, Annabella habe ihn vor einem Mann mit verstümmeltem Finger gewarnt. Da hebt Jordan seine rechte Hand und zeigt ihm, dass am kleinen Finger zwei Glieder fehlen. Jordan erklärt ihm, er könne ihn nicht laufen lassen und legt ihm eine Pistole hin, mit der er sich töten soll. Als Hannay nicht bereit ist, sich selbst das Leben zu nehmen, schießt der Chef des Spionagerings auf ihn, und er geht zu Boden.

Doch Hannay ist nicht tot. Crofters Kirchengesangsbuch, das noch in der Brusttasche des Mantels steckt, fing die Kugel ab. Hannay flieht und sucht Hilfe beim nächsten Polizeirevier. Dort gibt er sich als Mordverdächtiger zu erkennen und erklärt Sheriff Watson (Frank Cellier), dass Professor Jordan auf ihn geschossen habe und dabei sei, Staatsgeheimnisse ans Ausland zu verraten. Watson tut so, als glaube er ihm. Tatsächlich ist er mit Jordan befreundet und ruft heimlich Verstärkung herbei. Diesmal entkommt Hannay der Festnahme durch einen Sprung aus dem Fenster.

Auf der Flucht gerät er in die Assembly Hall und wird mit dem noch nicht eingetroffenen Hauptredner einer Wahlveranstaltung verwechselt. Hannay bleibt nichts anderes übrig, als aus dem Stegreif eine Rede zu halten. Das Publikum jubelt ihm zu. Unter den Zuhörern befindet sich jedoch zufällig auch Pamela. Sie erkennt den dreisten Kerl sofort wieder, der sie im Zug küsste und alarmiert die Polizei.

Hannay wird festgenommen und zusammen mit Pamela, die als Zeugin gegen ihn aussagen soll, zu einem Wagen gebracht. Unterwegs merkt Hannay, dass es sich bei den angeblichen Polizisten um Agenten des Spionagerings handelt. Als eine Schafherde die Straße blockiert, ketten die Bewacher Hannay und Pamela mit Handschellen aneinander. Trotzdem bleibt Hannay nicht im Auto sitzen, sondern zwingt Pamela, mit ihm davonzulaufen.

Sie verstecken die gefesselten Hände, als sie sich in einem Gasthaus ein Zimmer nehmen. Die Wirtin (Hilda Trevelyan) hält die beiden für ein Liebespaar.

Während Hannay schläft, gelingt es Pamela, sich von den Handschellen zu befreien. Sie schleicht sich aus dem Zimmer. Zufällig hört sie, wie zwei der falschen Polizisten von der Rezeption aus telefonieren, und aus den Äußerungen schließt sie, dass Hannay ihr doch die Wahrheit gesagt hat, also kein Mörder ist. Da legt sie sich wieder schlafen.

Am nächsten Morgen begleitet sie Hannay nach London. Sie geht allein zu New Scotland Yard, um den geplanten Geheimnisverrat zu melden. Im Luftfahrtministerium fehlen jedoch keine Geheimdokumente. Die Ermittler interessieren sich auch nicht sonderlich für die Spionageangelegenheit, sondern hoffen stattdessen, dass Pamela sie zum Mörder vom Portland Place führt und lassen sie deshalb observieren.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Pamela geht ins „Palladium“ und sucht im Publikum einer Varieté-Vorstellung nach Hannay. Der entdeckt an der Brüstung einer Loge Jordans Hand, und als Mr Memory auftritt, durchschaut er, dass dieser den Inhalt der Geheimdokumente auswendig gelernt hat. Danach wurden die Papiere zurückgelegt. Laut fragt Hannay den Gedächtniskünstler: „Was sind die 39 Stufen?“ Mr Memory, der nur darauf trainiert ist, sein Wissen zu demonstrieren, antwortet wahrheitsgemäß, dass es sich dabei um einen ausländischen Spionagering handele. Bevor er mehr sagen kann, schießt Jordan ihn nieder. Bevor Mr Memory stirbt, sagt er den Inhalt der Geheimdokumente auf. Im Kern handelt es sich um die Formel für einen neuartigen Flugzeugantrieb.

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Bei „Die 39 Stufen“ („The 39 Steps“) handelt es sich um eine Verfilmung des 1915 von John Buchan veröffentlichten Romans „Die neununddreißig Stufen“ („The Thirty-Nine Steps“). In der literarischen Vorlage wird jedoch zu Beginn nicht eine Frau erstochen, sondern ein Agent namens Franklin P. Scudder. Die 1967 im Diogenes Verlag erschienene deutschsprachige Übersetzung von Marta Hackel soll im Januar 2010 neu aufgelegt werden (240 Seiten, ISBN 978-3-257-20210-6, 9.90 €).

Bei der Hauptfigur handelt es sich um einen Mann, der zu Unrecht unter Mordverdacht gerät und nicht nur von verbrecherischen Agenten, sondern auch von der Polizei verfolgt wird. Er muss sich der Festnahme entziehen, um seine Unschuld beweisen zu können. Dieses Motiv greift Alfred Hitchcock in seinen Filmen „Über den Dächern von Nizza“, „Der falsche Mann“ und „Der unsichtbare Dritte“ wieder auf.

Wenn man bedenkt, dass der Thriller „Die 39 Stufen“ bald fünfundsiebzig Jahre alt ist, staunt man über das Tempo, in dem Alfred Hitchcock die Geschichte entwickelt. Richard Hannay stolpert von einer gefährlichen Situation in die nächste. Dabei fehlt es nicht an Komik, etwa wenn Hannay mit Handschellen an eine widerspenstige Frau namens Pamela gefesselt ist. Madeleine Carroll – sie spielt Pamela – war übrigens die erste der „kühlen Blondinen“, die Alfred Hitchcock als Darstellerinnen bevorzugte. Bei der Szene, in der Hannay unerwartet eine politische Rede halten muss und das Publikum mit improvisierten Worthülsen zu Beifallsstürmen hinreißt, handelt es sich um eine gelungene Satire. Hervorzuheben sind auch die pointierten Dialoge.

Alfred Hitchcock ist in einem Cameo-Auftritt als Passant zu sehen, der an einem Linienbus in London vorbeiläuft.

In Deutschland lautete der Titel zunächst „39 Stufen“. Erst später kam der Artikel dazu: „Die 39 Stufen“. Die ursprüngliche Synchronfassung wurde 1966 durch eine vom ZDF in Auftrag gegebene ersetzt (Buch: Eberhard Storeck, Regie: Lothar Michael Schmitt). Synchronsprecher in der Fassung von 1966: Claus Jurichs (Richard Hannay), Lis Verhoeven (Pamela), Hans Cossy (Professor Jordan), Ingrid Andree (Annabella), Eva Kinsky (Margaret), Thomas Reiner (Mr Memory) u. a.

Ralph Thomas und Don Sharp drehten Remakes von „Die 39 Stufen“.

Die 39 Stufen – Originaltitel: The 39 Steps – Regie: Ralph Thomas – Drehbuch: Frank Harvey, nach dem Roman „Die neununddreißig Stufen“ von John Buchan – Kamera: Ernest Steward – Schnitt: Alfred Roome – Musik: Clifton Parker – Darsteller: Kenneth More, Taina Elg, Brenda De Banzie, Barry Jones, Reginald Beckwith, Faith Brook, Michael Goodliffe, James Hayter, Duncan Lamont, Jameson Clark, Andrew Cruickshank, Leslie Dwyer, Betty Henderson, Joan Hickson, Sid James, Brian Oulton u.a. – 1959; 95 Minuten

Die 39 Stufen – Originaltitel: The Thirty Nine Steps – Regie: Don Sharp – Drehbuch: Michael Robson, nach dem Roman „Die neununddreißig Stufen“ von John Buchan – Kamera: John Coquillon – Schnitt: Eric Boyd-Perkins – Musik: Ed Welch – Darsteller: Robert Powell, David Warner, Eric Porter, Karen Dotrice, John Mills, George Baker, Ronald Pickup, Donald Pickering, Timothy West, Miles Anderson, Andrew Keir u.a. – 1978; 100 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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Alan Hollinghurst - Die Schönheitslinie
Alan Hollinghurst hat "Die Schönheitslinie" präzise aufgebaut, und seine elegant geschliffene Sprache wirkt wie poliert. Die Einfälle funkeln in diesem atmosphärisch dichten Entwicklungsroman. Die Diskrepanz zwischen dem Getue der Reichen und der Wirklichkeit ist recht komisch und wird überdies ironisch aufs Korn genommen.
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Alan Hollinghurst

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