Die Vögel

Die Vögel

Die Vögel

Die Vögel - Originaltitel: The Birds - Regie: Alfred Hitchcock - Drehbuch: Evan Hunter, nach der Erzählung "Die Vögel" von Daphne Du Maurier - Kamera: Robert Burks - Schnitt: George Tomasini - Geräusche: Bernard Herrmann - Darsteller: Tippi Hedren, Rod Taylor, Suzanne Pleshette, Jessica Tandy, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt, Lonny Chapman, Joe Mantell u.a. - 1963; 115 Minuten

Inhaltsangabe

In einer auf Vögel spezialisierten Tierhandlung in San Francisco begegnet die Millionärstochter Melanie Daniels dem Rechtsanwalt Mitch Brenner. Als sie ihn in seinem Elternhaus in Bodega Bay überraschen will, bringt sie zwei Liebesvögel mit. Kaum angekommen, wird sie von einer Möwe angefallen. An verschiedenen Stellen sammeln sich unruhige Vögel. Als sie die Bewohner der Kleinstadt angreifen, bricht Panik aus ...
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Kritik

Auch wenn die Handlung nicht durchgehend plausibel ist, sollte man "Die Vögel" gesehen haben, denn mit dem Horrorthriller lieferte Alfred Hitchcock das Vorbild für zahlreiche weitere Filme. Bemerkenswert ist auch der Soundtrack, der nur aus Geräuschen besteht.
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In einer auf Vögel spezialisierten Tierhandlung in San Francisco begegnen sich die verwöhnte Millionärstochter Melanie Daniels (Tippi Hedren) und der sarkastische Rechtsanwalt Mitch Brenner (Rod Taylor).

Melanie beschließt, Mitch mit einem Geschenk für seine kleine Schwester Cathy (Veronica Cartwright) zu überraschen, die am nächsten Tag Geburtstag hat. Sie kauft ein Paar Sperlingspapageien, die auch Liebesvögel genannt werden, doch in der Kanzlei erfährt sie, dass Mitch bereits fort ist und das Wochenende mit seiner Mutter Lydia (Jessica Tandy) und Cathy in einem Landhaus in Bodega Bay verbringen will. Also setzt Melanie sich in ihren Sportwagen und fährt zu dem zwei Stunden entfernten Ort.

An der Küste wird sie unerwartet von einer Möwe angegriffen und verletzt. An mehreren Stellen in Bodega Bay sammeln sich unruhige Vögel.

Von Lydia Brenner wird die ungebetene Besuchern argwöhnisch belauert. Für die Nacht kommt sie bei der Lehrerin Annie Hayworth (Suzanne Pleshette) unter, die mit Mitch eine Beziehung hatte, bis dessen Vater starb. Annie warnt die Besucherin vor der herrschsüchtigen Mutter, die ihren Sohn nicht an eine andere Frau verlieren möchte.

Bei Cathys Geburtstagsfeier greifen die Vögel scharenweise an, und am Abend dringen Hunderte von Sperlingen durch den Kamin in das Haus ein.

Am nächsten Tag stößt Lydia Brenner auf die Leiche eines Farmers. Die Vögel haben ihm in seinem Haus die Augen ausgehackt. Melanie verspricht der schockierten Frau, unverzüglich zu der von Vögeln belagerten Schule zu fahren und Cathy nach Hause zu holen. Erneut greifen die Vögel Kinder an. Der Lehrerin Annie gelingt es zwar, Cathy vor den immer aggressiveren Möwen, Raben, Finken und Sperlingen zu schützen, aber sie kommt dabei selbst ums Leben.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Die Brenners und ihre Besucherin verbarrikadieren sich im Haus und vernageln Türen und Fenster mit Brettern, aber die Vögel tauchen plötzlich auf dem Dachboden auf und verletzten Melanie. Danach steht sie unter Schock. Weil Melanie ärztliche Hilfe benötigt und in dem Haus ohnehin niemand sicher ist, verlassen es die Bewohner. Überall sitzen Vögel. Sie greifen jedoch nicht mehr an. Langsam gehen Mitch, seine Mutter, seine Schwester und Melanie durch ein Spalier von Vögeln zum Auto und fahren los.

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Der längst als Klassiker geltende Horrorthriller „Die Vögel“ trägt den gleichen Titel wie eine Erzählung von Daphne Du Maurier aus dem Jahr 1952, aber Evan Hunter (Drehbuch) und Alfred Hitchcock übernahmen aus der literarischen, in England spielenden Vorlage nur das Motiv der die Menschen angreifenden Vögel. Eine Erklärung, warum die Vögel so aggressiv sind, liefern sie nicht. Einige Rezensenten fühlten sich deshalb berufen, den Plot zu deuten, etwa als Zurückschlagen der vom Menschen ausgebeuteten Natur oder als Metapher der gestörten Beziehungen in der Familie Brenner („Die Vögel sind in dem Film wie die Plage in Ödipus‘ Theben“ – Slavoj Žižek: Warum greifen die Vögel an? In: Slavoj Žižek u. a.: Was Sie immer schon über Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 2002, ISBN 3-518-29180-7).

Einige Szenen sind zwar nicht plausibel, aber es ist Alfred Hitchcock gelungen, einen durchgehenden Spannungsbogen und eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Die Trickaufnahmen (für die es damals noch keine Computer gab) wirken sehr bedrohlich. Dafür gab es eine „Oscar“-Nominierung. Völlig neu war die Idee, auf jegliche Musikuntermalung zu verzichten und für den Soundtrack stattdessen nur Geräusche zu erzeugen: Der Komponist Bernard Herrmann ließ auf einer Art Synthesizer – dem Trautonium des deutschen Musikers Oskar Salas – Vogelschreie und das Geräusch schlagender Flügel nachahmen. Natürliche Vogelstimmen sind in „Die Vögel“ nicht zu hören.

Bei der Hauptdarstellerin Tippi Hedren (eigentlich: Nathalie Kay Hedren) handelte es sich übrigens um die Mutter von Melanie Griffith.

Trotz des Titels ist der Film „Die Vögel II“ (1994), in dem Tippi Hedren eine Nebenrolle spielt, kein Sequel von „Die Vögel“.

Nachtrag: In dem Küstenort Capitola östlich von Santa Cruz/Kalifornien verendeten am 18. August 1961 massenweise Sturmtaucher. Damals konnte man die Ursache des Vogelsterbens nicht erklären. Erst ein halbes Jahrhundert später überprüften Wissenschaftler die Hypothese, dass die Vögel mit Domoinsäure vergiftet waren und fanden Hinweise auf eine massive Wucherung (Algenblüte) der dieses Gift produzierenden Kieselalge Pseudo-nitzschia im Sommer 1961 vor der Küste von Santa Cruz (Bericht in „Nature Geoscience“, Januar 2012). Die Vögel können das Gift mit den gefressenen Fischen aufgenommen haben.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006 / 2012

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