Bird

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Bird - Originaltitel: Bird - Regie: Clint Eastwood - Drehbuch: Joel Oliansky, nach Chan Parkers Memoiren - Kamera: Jack N. Green - Schnitt: Joel Cox - Musik: Lennie Niehaus - Darsteller: Forest Whitaker, Diane Venora, Michael Zeinicker, Samuel E. Wright, Keith David u.a. - 1988; 155 Minuten

Inhaltsangabe

1954 – ein halbes Jahr vor seinem Tod – ist der vierunddreißigjährige Saxophonist Charlie ("Bird") Parker aufgrund seines Alkohol- und Drogenmissbrauchs ein menschliches Wrack. – In Rückblenden sehen wir Episoden aus dem Leben des legendären Jazzmusikers.

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Kritik

"Bird" ist keine chronologische Biografie, sondern ein fragmentarisches Porträt einer widersprüchlichen Persönlichkeit. Es handelt sich um einen ernsten, unaufgeregten, bewusst unspektakulär inszenierten Film mit viel Jazz und Atmosphäre.
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1954 – ein halbes Jahr vor seinem Tod – kommt der vierunddreißigjährige Saxophonist Charlie („Bird“) Parker (Forest Whitaker) von einem Konzert nach Hause, wundert sich, dass seine Ehefrau Chan (Diane Venora) ihn noch in die Wohnung lässt und erzählt ihr, er sei ganz konfus und habe auf der Bühne versehentlich andere Stücke als die Band intoniert. Charlie Parker ist aufgrund seines Alkohol- und Drogenmissbrauchs ein menschliches Wrack. Als eine der beiden kleinen Töchter aufwacht und weint, eilt er ins Kinderzimmer. Als er merkt, dass Chan ihm voller Angst nachläuft, fragt er sie leise: „Du wirst doch nicht glauben, dass ich dem Kind etwas antue.“ Sie sind beide noch nicht über den kürzlichen Tod ihrer Tochter Pree hinweggekommen. Charlie Parker teilt seiner Frau mit, er habe kürzlich bei einem Notar ein Testament hinterlegt und sie als Alleinerbin eingesetzt. Chan will davon nichts wissen und weint beim Gedanken an seinen Tod. Er geht ins Bad. Nach einer Weile klirrt es. Chan sieht nach: Charlie krümmt sich am Boden vor Schmerzen. Neben ihm liegt eine ausgetrunkene, zerbrochene Jodflasche. Entnervt lässt Chan ihn nach diesem Selbstmordversuch in eine geschlossene Nervenheilanstalt einweisen. Aber bereits nach kurzer Zeit sucht sie den Leiter der Anstalt auf und setzt durch, dass sie ihren Mann wieder mit nach Hause nehmen kann.

In Rückblenden folgen Episoden aus dem Leben des legendären Jazzmusikers.

Beispielsweise überredete er einmal zwei Musikerfreunde, seiner damaligen Geliebten Chan Richardson ein Ständchen zu bringen, und als sie das Fenster öffnete, ritt er auf einem Schimmel vor. Um sich das Pferd leihen zu können, hatte er eigens sein Saxophon versetzt.

Vor seinem Aufbruch nach Hollywood (1945) gestand Chan ihm, dass sie von einem anderen Mann schwanger war. – An der Westküste boykottierten die meisten Rundfunksender die Bebop-Combo von Charlie Parker und Dizzy Gillespie (Samuel E. Wright). Daraufhin wurden auch die Konzerte abgesagt, und Dizzy Gillespie kehrte vorzeitig nach New York zurück. Charlie Parker hatte gerade eine Blondine namens Audrey (Anna Levine) kennen gelernt und blieb noch einige Zeit in Kalifornien – bis er durchdrehte, weil er aufgrund der strengeren Kontrollen kein Heroin bekam. Im Juni 1946 brach er zusammen. Als er nach acht Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wurde und nach New York zurückkehrte, wollte niemand das Risiko eingehen, ihn zu engagieren, aber Chan – die inzwischen von ihrer Tochter Kim entbunden worden war – setzte sich dafür ein, dass er auftreten konnte.

Mit drei anderen schwarzen Jazzmusikern und dem weißen Trompeter Red Rodney (Michael Zelniker) reiste Charlie Parker durch die Südstaaten. Wegen der Rassenprobleme gaben sie Red dabei als „Albino-Schwarzen“ („Albino Red“) aus. Als Charlie merkte, dass sein weißer Freund ebenfalls heroinsüchtig geworden war, versuchte er, ihn davon abzubringen und hörte selbst auf, Drogen zu nehmen. Aber nach ihrer Rückkehr wurde Red Rodney von der Drogenpolizei in New York festgenommen und zu einer längeren Haftstrafe verurteilt. In Ermangelung seines Trompeters löste Charlie Parker sein Quintett auf und experimentierte mit einer Streicher- und Harfenbegleitung.

Chan hatte inzwischen drei Kinder. Als Charlie Parkers zweijährige Tochter Pree krank wurde, begann er, erneut Heroin zu spritzen. Prompt verurteilte ein Richter (Matthew Faison) ihn zu drei Monaten Gefängnis, setzte die Strafe allerdings zur Bewährung aus.

„Ich gehe zu einem Leberdoktor, zahle 50 Dollar, und er hilft mir nicht. Dann gehe ich zu einem Magendoktor, der mir auch nicht hilft, nur dass ich da 75 Dollar zahle. Dann gehe ich zu einem Mann in einem Hauseingang, zahle 10 Dollar, der gibt mir etwas Shit, und meine Leber- und Magenschmerzen sind weg.“ (Charlie Parker in „Bird“)

Als Pree 1954 starb, brach Charlie Parker vollends zusammen.

Am 12. März 1955, eine Woche nach seinem letzten Auftritt in dem ihm zu Ehren „Birdland“ genannten New Yorker Nachtklub, erlag der fünfunddreißigjährige Jazz-Musiker in einer von seiner Verehrerin Baroness Nica de Koenigswarter (Diane Salinger) gemieteten Suite im Hotel Stanhope einem Herzinfarkt.

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Statt einer chronologischen Filmbiografie (Biopic) setzen Joel Oliansky (Drehbuch) und Clint Eastwood (Regie) ein halbes Jahr vor Charlie Parkers Tod an und erzählen dann in assoziativen Rückblenden vom Leben des legendären Jazzmusikers. Sie vermeiden theatralische bzw. klischeehafte Interpretationen wie die vom selbstzerstörerischen Genie und versuchen nicht, die Widersprüchlichkeit von Charlie Parkers Charakter aufzulösen. Ihr fragmentarisches Porträt ist respektvoll, einfühlsam und differenziert. Die lichtarmen Bilder wirken nostalgisch, aber nicht larmoyant. „Bird“ ist ein ernster, unaufgeregter, bewusst unspektakulär inszenierter Film mit viel Jazz und Atmosphäre.

Die im Film zu hörenden, digital nachbearbeiteten Aufnahmen stammen von Charlie Parker. Einige davon wurden von Chan Parker zur Verfügung gestellt. Auf ihren Memoiren basiert auch Joel Olianskys Drehbuch.

Forest Whitaker wurde bei den Filmfestspielen 1989 in Cannes mit einem Darstellerpreis ausgezeichnet, und in der Kategorie „Bester Ton“ gab es für „Bird“ einen „Oscar“.

Neben Musik aus Igor Strawinskys Suite „Der Feuervogel“ (Wiener Symphoniker unter Leitung von Wolfgang Sawallisch) und dem Lied „Be My Love“ (Mario Lanza) sind folgende Jazzstücke in „Bird“ zu hören:

  • Maryland, My Maryland: Lennie Niehaus
  • Lester Leaps In: Charlie Parker, Monty Alexander, Ray Brown, John Guerin
  • Reno Jam Session: Lennie Niehaus, James Rivers, Red Rodney, Pete Jolly, Chuck Berghofer, John Guerin
  • Young Bird: James Rivers, Pete Jolly, Chuck Berghofer, John Guerin
  • I Can’t Believe That You’re In Love With Me: Charlie Parker, Monty Alexander, Ray Brown, John Guerin
  • Why Do I Love You?: James Rivers, Lennie Niehaus
  • Moonlight Becomes You: Ronny Lang, Gary Foster, Bob Cooper, Pete Christlieb, Chuck Findley, Conte Candoll, Rick Baptist, Dick Nash, Bill Watrous, Barry Harris, Chuck Berghofer, John Guerin
  • Moose The Mooche: Charles McPherson, Jon Faddis, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • Ornithology: Charlie Parker, John Faddis, Mike Lang, Chuck Domanico, John Guerin, Charlie Shoemake
  • Lover Man: Charlie Parker, Charles McPherson, John Faddis, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • April In Paris: Charlie Parker, Barry Harris, Chuck Berghofer, John Guerin, Streicher
  • All Of Me: Charlie Parker, Monty Alexander, Ray Brown, John Guerin
  • Jewish Wedding: Charles McPherson, Red Rodney, Walter Davis jr., John Guerin
  • One For Red: Red Rodney, Mike Lang, Chuck Domanico, John Guerin
  • Now’s The Time: Charlie Parker, Charles McPherson, Red Rodney, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • Albino Red Blues:, Red Rodney, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • Cool Blues: Charlie Parker, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • Laura: Charlie Parker, Barry Harris, Chuck Berghofer, John Guerin, Streicher
  • Parker’s Mood: King Pleasure, John Lewis, Percy Heath, Kenny Clarke
  • This Time The Dream’s On Me: Charlie Parker, Monty Alexander, Ray Brown, John Guerin
  • Ko Ko: Charlie Parker, Walter Davis jr., Ron Carter, John Guerin
  • Buster’s Last Stand: Ronny Lang (Altsaxophon), Band
  • Parker’s Mood With Strings: Charlie Parker, Barry Harris, Chuck Berghofer, John Guerin, Streicher
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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