Pulp Fiction

Pulp Fiction

Pulp Fiction

Pulp Fiction – Originaltitel: Pulp Fiction – Regie: Quentin Tarantino – Drebuch: Quentin Tarantino und Roger R. Avary – Kamera: Andrzej Sekula – Schnitt: Sally Menke – Musik: Karyn Rachtman – Darsteller: John Travolta, Uma Thurman, Samuel L. Jackson, Harvey Keitel, Bruce Willis, Tim Roth, Steve Buscemi, Amanda Plummer, Rosanna Arquette, Christopher Walken, Ving Rhames, Angela Jones, Laura Lovelace, Phil LaMarr, Frank Whaley, Susan Griffiths, Eric Clark, Brad Parker u.a. – Produktion: Lawrence Bender und Danny De Vito – 1994; 150 Minuten

Inhaltsangabe

"Pulp Fiction" ist eine originelle Gangsterfilm-Groteske mit Versatzstücken aus Cartoons und Groschenromanen, in dem Profikiller während ihrer gleichmütig erledigten "Arbeit" flapsig über Gott und die Welt sinnieren und die Qualität von Hamburgers in Europa und Amerika vergleichen.
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Kritik

Ein bis in die Details ausgefeiltes Drehbuch, schräge Dialoge, eine hervorragende Kameraführung, großartige Schauspieler und vor allem Quentin Tarantinos ganz besonderer Humor haben "Pulp Fiction" längst zum Kultfilm gemacht.
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(1) Los Angeles. Unterwegs im Auto unterhalten sich Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) und Vincent Vega (John Travolta) über das Gewicht und die Qualität der Hamburger, die man in Amsterdam zu essen bekommt. Während sie in ein Mietshaus gehen, diskutieren sie darüber, ob eine Fußmassage bei einer verheirateten Frau einem Ehebruch gleichkomme oder nicht. Sie benehmen sich, als ob sie einen gewöhnlichen Handwerkerjob zu erledigen hätten. Dann drücken sie eine Wohnungstür ein. Die vier Männer in dem Apartment wollten den Gangsterboss Marsellus Wallace um einen Aktenkoffer betrügen (über dessen Inhalt wir nie etwas erfahren). Jules probiert erst einmal von dem Hamburger, den einer von ihnen gerade essen wollte, trinkt einen Schluck Sprite und erschießt dann ganz nebenbei den auf einer Couch liegenden Mann. Er gibt vor, den biblischen Propheten Hesekiel zu rezitieren:

Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und da steht weiter: Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.

Danach tötet Jules einen weiteren Mann. Plötzlich stürmt einer der vier Kleinganoven, der sich im Bad versteckte, herein und schießt. Jules und Vincent bleiben stehen, bis er sein Magazin leer geschossen hat. Dann blicken sie sich an, heben ihre Pistolen und erschießen ihn. Jules hält es für einen Fingerzeig Gottes, dass er durch keinen der Schüsse verletzt wurde, aber Vincent glaubt an nichts. Mit dem Koffer und Marvin (Phil LaMarr), dem einzigen Überlebenden der Kleinganoven, verlassen die beiden Auftragskiller die Wohnung.

(2) Während der Fahrt zu Marsellus Wallace (Ving Rhames) unterhält sich Vincent vom Beifahrersitz aus mit Marvin, der hinter ihm Platz genommen hat. Als er sich dabei umdreht und der Lauf seiner Pistole zufällig in Marvins Gesicht zielt, übersieht Jules eine Bodenwelle, und ein Schuss löst sich. „Oh, Scheiße Mann“, schimpft Vincent. „Es war ein Unfall!“ Sie fahren zu Jules Bekannten Jimmie (Quentin Tarantino), stellen den Wagen bei ihm in die Garage und rufen ihren Boss an. Der beauftragt Winston Wolf (Harvey Keitel), sich um den Vorfall zu kümmern. In der Attitüde des überlegenen Problemlösers sorgt Mr. Wolf dafür, dass Jules und Vincent das Wageninnere vom Blut und der verspritzten Hirnmasse säubern und fährt dann mit ihnen zum Schrottplatz, um die Leiche loszuwerden.

(3) Bevor Jules und Vincent nun endgültig zu Marsellus Wallace fahren, frühstücken sie in einem Schnellrestaurant. Jules zeigt sich überzeugt, das an diesem Morgen erlebte Wunder sei ein Zeichen für ihn, dass er wieder ein anständiges Leben führen solle. Während Vincent auf der Toilette ist, beschließt ein an einem anderen Tisch sitzendes Pärchen einen Raubüberfall. Der Junkie Pumpkin (Tim Roth) und seine Braut Yolanda „Honey Bunny“ (Amanda Plummer) springen auf, fuchteln mit Pistolen herum und zwingen die Gäste, Schmuck, Brieftaschen und andere Wertsachen in einen Müllsack zu werfen. Jules verweigert Pumpkin den Aktenkoffer. „Die Wahrheit ist: du bist schwach“, sagt Jules zu ihm. „Und ich bin die Tyrannei der bösen Männer.“ Er öffnet den Koffer und zeigt Pumpkin den Inhalt (den wir als Zuschauer nicht sehen können). Im nächsten Augenblick hält er ihm die Pistole an den Kopf. Hysterisch vor Angst springt Yolanda auf einen der Tische. Jules redet beruhigend auf sie ein und fordert Pumpkin auf, das Geld in seiner Brieftasche zu zählen. Es sind 1500 $. Die schenkt er ihm. Er lässt das Pärchen laufen, weil er wieder an das Wunder denkt. Als Vincent zurückkommt, meint er: „Ich finde, wir sollten jetzt gehen.“

(4) In der Bar ihres Bosses begegnen sie dem Boxer Butch Coolidge (Bruce Willis), der gerade von Marsellus Wallace bestochen wurde, bei einem der nächsten Kämpfe seinen schwächeren Gegner siegen zu lassen, damit die Gangster hohe Summen auf den Außenseiter wetten und auf diese Weise viel Geld machen können.

(5) Weil Marsellus Wallace an diesem Abend keine Zeit hat, soll Vincent seine junge Frau Mia (Uma Thurman) ausführen. Um sich in Stimmung zu bringen, besorgt Vincent Heroin und setzt sich einen Schuss. Mia schnupft rasch noch etwas Kokain, bevor sie ihrem Begleiter zum Wagen folgt und mit ihm ins Restaurant „Jackrabbit Slims“ fährt, wo die Gäste in den Karosserien klassischer Straßenkreuzer sitzen und die Bedienungen auf Buddy Holly (Steve Buscemi), Elvis Presley, Marilyn Monroe, James Dean und Jerry Lewis getrimmt sind. Mia schlägt vor, am Tanzwettbewerb teilnehmen, aber Vincent hat dazu keine Lust. „Hat mein Mann dir nicht gesagt, du sollst mich ausführen und alles tun, was ich will?“, fragt Mia. „Ich will hier tanzen und gewinnen.“ Er muss mit ihr auf die Bühne.

Danach bringt Vincent die Frau seines Bosses wieder nach Hause. Während er im Badezimmer überlegt, ob er sich nicht jetzt besser verabschieden sollte, findet Mia in seinem Trenchcoat Heroin, hält es für Kokain und zieht etwas davon durch die Nase. Als Vincent wieder ins Wohnzimmer kommt, liegt sie halbtot und mit blutiger Nase auf der Couch. Vincent zerrt sie ins Auto, rast los und ruft unterwegs den Dealer Lance (Eric Stoltz) an, der ihm das Heroin verkaufte. Der will nichts mit dem Unglücksfall zu tun haben, aber Vincent besteht darauf, dass er hilft. Der hysterisch verängstigte Dealer bereitet eine Adrenalinspritze vor, verlangt aber, dass Vincent sie Mia ins Herz stößt. Die junge Frau kommt wieder zu sich. Vincent fährt sie erneut nach Hause. Natürlich darf Marsellus Wallace von dem Vorfall nichts erfahren.

(6) Am Abend des folgenden Tages findet der Boxkampf statt, den Butch verlieren soll. Butch hat sich gerade an seine Kindheit erinnert. Bevor sein Vater im Kriegsgefangenenlager in Vietnam gestorben war [Vietnam-Krieg], hatte er seinen Kameraden Captain Koons (Christopher Walken) gebeten, seinem Sohn eine goldene Uhr zu überbringen, die in seiner Familie stets der nächsten Generation weitergegeben wurde. Trotz größter Schwierigkeiten hielt Captain Koons Wort und brachte dem Jungen das Andenken.

(7) Butch setzt sein ganzes Geld auf sich selbst und schlägt seinen Gegner entgegen der Vereinbarung so zusammen, dass dieser an den Folgen stirbt. Dann springt er durch ein Fenster und flieht in einem Taxi. Marsellus Wallace gerät außer sich und hetzt seine Leute auf Butch, der sich mit seiner Freundin Fabienne (Maria de Medeiros) im River Glen Motel verabredet hat.

(8) Am nächsten Morgen sucht Butch nach der goldenen Uhr. Fabienne hat beim Packen in seiner Wohnung vergessen. Trotz des Risikos fährt Butch los, um das Andenken an seinen Vater zu holen. Selbstverständlich bewacht Marsellus Wallace das Apartment. Als Butch ankommt, besorgt er jedoch gerade ein paar Donuts, und Vincent sitzt mit dem Roman „Modesty Blaise. Die tödliche Lady“ von Peter O’Donnell in der Toilette. Butch, der glaubt, allein in seiner Wohnung zu sein, nimmt seine Uhr vom Nachttisch und will sich noch rasch in der Küche einen Toast rösten. Da bemerkt er die Maschinenpistole auf der Anrichte. Gleich darauf hört er die Toilettenspülung. Erschrocken packt er die Waffe und richtet sie auf die Tür. In dem Augenblick, als Vincent ahnungslos hereinschlurft, springen die Brotscheiben aus dem Toaster, und Butch feuert. Tödlich getroffen bricht Vincent zusammen.

(9) Auf dem Weg zurück ins Motel überquert zufällig Marsellus Wallace vor ihm die Straße. Erschrocken tritt Butch aufs Gaspedal, fährt den Gangsterboss um, gerät aber ins Schleudern und rast gegen eine Hauswand. Beide kommen mit dem Leben davon. Sie liefern sich ein Feuergefecht und geraten dabei in den Laden des Pfandleihers Maynard. Butch prügelt auf Wallace ein, bis ihn Maynard mit einem Gewehrkolben bewusstlos schlägt.

Als Butch und Marsellus Wallace wieder zu sich kommen, sitzen sie gefesselt und geknebelt auf dem Boden. Offenbar handelt es bei Maynard und seinem inzwischen hinzugekommenen Freund, dem Polizisten (!) Zed (Peter Greene), um Sadisten. Butch und Marsellus schwitzen vor Todesangst. Während die perversen Verbrecher Marsellus Wallace vergewaltigen, gelingt es Butch zu fliehen. Als er jedoch die Schmerzensschreie des Gangsterbosses hört, kehrt er um, ergreift ein herumliegendes Schwert und befreit ihn. Wallace verspricht Butch, ihn nicht weiter zu verfolgen, wenn er Los Angeles verlasse und zeitlebens über den entwürdigenden Vorfall schweige. Butch kehrt auf Zeds Motorrad in das Motel zu seiner Freundin zurück und fährt mit ihr fort.

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Quentin Tarantino erzählt in „Pulp Fiction“ eine burleske Odyssee durch die Welt des organisierten Verbrechens in Los Angeles, und zwar nicht chronologisch, sondern in Episoden, die er „Vincent Vega und Marsellus Wallaces Frau“, „Die goldene Uhr“ und „Die Bonnie-Situation“ nennt. Dabei wechselt er mehrmals zwischen verschiedenen Orten, Zeiten und Handlungssträngen hin und her, bis der fulminante Bilderbogen wieder mit dem bereits anfangs gezeigten Raubüberfall im Schnellrestaurant endet.Reihenfolge der Szenen in „Pulp Fiction“:

  • Raubüberfall im Schnellrestaurant (3)
  • Jules und Vincent dringen in die Wohnung der vier Kleinganoven ein (1)
  • Butch bei Marsellus Wallace (4)
  • Vincent besorgt sich Heroin und führt Mia aus (5)
  • Captain Koons überbringt dem kleinen Butch die goldene Uhr des Vaters (6)
  • Butch nach dem Boxkampf, auf der Flucht (7)
  • Butch holt die goldene Uhr aus seiner Wohnung und tötet Vincent (8)
  • Butch überfährt Marsellus Wallace und gerät mit ihm in die Gewalt der Sadisten (9)
  • Fortsetzung der Szene in der Wohnung der vier Kleinganoven (1)
  • Tod Marvins (2)
  • Komplette Frühstücksszene im Schnellrestaurant (3)

„Pulp Fiction“ ist eine originelle Gangsterfilm-Groteske mit Versatzstücken aus Cartoons und Groschenromanen („pulp“) der Dreißiger- und Vierzigerjahre. Quentin Tarantino greift die gängigen Klischees und Typisierungen auf, erliegt ihnen aber nicht, sondern spielt ironisch und raffiniert mit ihnen. Da sinnieren Profikiller während ihrer gleichgültig erledigten „Arbeit“ flapsig über Gott und die Welt; es kommt schon mal vor, dass einer der Ganoven einem anderen aus Versehen mitten ins Gesicht schießt, weil das Auto gerade über eine Bodenwelle fährt! Das Leben ist nicht so wichtig, das Sterben auch nicht. Quentin Tarantino zeigt die erschreckende Banalität des Verbrechens, aber in der Szene im Pfandhaus lässt er uns auch in die Abgründe der Gesellschaft blicken.

Ein bis in die Details ausgefeiltes Drehbuch, schräge Dialoge, eine hervorragende Kameraführung, großartige Schauspieler wie John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, Harvey Keitel und vor allem Quentin Tarantinos ganz besonderer Humor haben „Pulp Fiction“ längst zum Kultfilm gemacht – auch wenn man über die Ästhetisierung der Gewalt geteilter Meinung sein kann.

„Pulp Fiction“ wurde 1995 in Cannes mit der „Goldenen Palme“ ausgezeichnet. Ein „Oscar“ wurde für das Drehbuch von Quentin Tarantino und Roger R. Avary verliehen. „Oscar“-Nominierungen hatte es auch für den Film als solchen gegeben, für die Regie, den Schnitt sowie die Darsteller John Travolta, Samual L. Jackson und Uma Thurman.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2002

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1979 denkt Jorge Semprún über seine Zeit im KZ Buchenwald und sein politisches Engagement in den vergangenen Jahrzehnten nach. Dabei bilden sich Assoziationsketten von verschachtelten Erinnerungen, Wiederholungen und Variationen.
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