The Hateful 8

The Hateful 8

The Hateful 8

The Hateful 8 / The Hateful Eight – Originaltitel: The Hateful Eight – Regie: Quentin Tarantino – Drehbuch: Quentin Tarantino – Kamera: Robert Richardson – Schnitt: Fred Raskin – Musik: Ennio Morricone – Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Walton Goggins, Jennifer Jason Leigh, Tim Roth, Michael Madsen, Demián Bichir, Bruce Dern, Zoë Bell, Channing Tatum u.a. – 2015; 165/185 Minuten

Inhaltsangabe

John Ruth ist mit seiner Gefangenen Daisy Domergue unterwegs nach Red Rock, um für die Gangsterbraut Kopfgeld zu kas­sie­ren. Unterwegs nimmt er einen weiteren Kopfgeldjäger mit und einen Mann, der angeblich den ermordeten Sheriff von Red Rock ersetzen soll. Als sie bei einem Schnee­sturm Zuflucht in Minnies Mieder­waren­laden suchen, finden sie dort statt ihr vier Fremde vor. Ruth argwöhnt, dass mindestens einer von ihnen vorhat, Daisy zu befreien ...
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Kritik

"The Hateful 8", allesamt Banditen und Kopfgeldjäger, repräsentieren die kapitalistische Gesellschaft. Bis sich alle gegenseitig umgebracht haben, regieren Hass und Geldgier, Gewalt und Gesetz­losigkeit, Rassismus und Militarismus.
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Kapitel 1: Die letzte Kutsche nach Red Rock

Einige Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg will der afroamerikanische Kopfgeldjäger Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) mit den Leichen von drei von ihm getöteten Banditen nach Red Rock/Wyoming, um die ausgesetzten Prämien – insgesamt 8000 Dollar – zu kassieren. Nachdem sein Pferd in der verschneiten Prärie verendet ist, hält Warren eine sechsspännige Kutsche auf. Der Kutscher O. B. Jackson (James Parks) erklärt ihm, er müsse seinen gut zahlenden Fahrgast fragen, ob er die Toten aufladen und mitfahren dürfe.

Bei dem Reisenden handelt es sich um einen weiteren Kopfgeldjäger. John Ruth (Kurt Russell) trägt den Spitznamen „Henker“, weil er seine Opfer nicht tötet wie Marquis Warren, sondern lebend der Gerichtsbarkeit übergibt, obwohl das schwieriger ist als Leichen zu transportieren. Alles andere lehnt John Ruth als Lynchjustiz ab. Allerdings lässt er sich nach dem Kassieren der Prämien auch nicht das Spektakel der Hinrichtung entgehen. Jetzt ist er mit der steckbrieflich gesuchten Gangsterbraut Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) unterwegs nach Red Rock. 10 000 Dollar sind auf sie ausgesetzt. Sicherheitshalber hat er sie mit Handschellen an sich gefesselt. Immer wenn sie eine freche Bemerkung macht, rammt Ruth ihr den Ellbogen ins Gesicht. Widerwillig lässt er Warren einsteigen, nachdem dieser seine beiden Revolver dem Kutscher übergeben hat.

Weil sich die beiden Kopfgeldjäger acht Monate zuvor schon einmal trafen, weiß John Ruth von einem Brief, den Marquis Warren besitzt und von dem dieser behauptet, er habe ihn von Abraham Lincoln bekommen.

Kapitel 2: Schweinehund in der Pfanne

Während Ruth sich den mit der Anrede „Lieber Marquis“ beginnenden Brief noch einmal ansieht, spuckt Daisy Domergue darauf. Zwar reagierte Warren nicht darauf, als ihn die ordinäre junge Frau einen Nigger nannte, aber jetzt schlägt er ihr reflexartig ins Gesicht, und zwar so heftig, dass sie aus der Kutsche geschleudert wird und über die Handschellen ihren Bewacher mitreißt.

Die Kutsche hält. Aus dem Nirgendwo kommt zu Fuß ein Mann, der ebenfalls mitfahren möchte, weil sein Pferd zusammenbrach. Er nennt sich Chris Mannix (Walton Goggins) und behauptet, er sei nach Red Rock unterwegs, um dort das Amt des kürzlich ermordeten Sheriffs zu übernehmen. Weil Ruth das nicht glaubt und Mannix noch mehr misstraut als Warren, schließt er mit dem anderen Kopfgeldjäger ein Bündnis.

Chris Mannix hat bereits von Major Marquis Warren gehört. Während der Weiterfahrt berichtet er, sein Vater habe in der Schlacht von Baton Rouge/Louisiana am 5. August 1862 für die Konföderierten gekämpft, Warren paradoxerweise für die Union. Später sei Warren aus einem Lager für Kriegs­gefangene geflohen. Zu diesem Zweck habe er es angezündet, und dabei seien 47 Südstaatler verbrannt. Deshalb gäbe es auch für Marquis Warren ein Kopfgeld zu kassieren.

Kapitel 3: Minnies Miederwarenladen

Wegen eines aufziehenden Schneesturms suchen Ruth, Warren und Mannix mit der Gefangenen Zuflucht in Minnies Miederwarenladen. Weder die Eigentümerin Minnie Mink (Dana Gourrier) noch ihr Lebensgefährte Sweet Dave (Gene Jones) sind da. Ein zwielichtiger Mexikaner, der sich Bob (Demián Bichir) nennt, gibt vor, das Anwesen während Minnies Besuch bei ihrer Mutter zu bewirtschaften.

Die Neuankömmlinge sind nicht die ersten Gäste. Vor ihnen trafen bereits drei Männer ein: der seine Erinnerungen niederschreibende angebliche Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), der greise Konföderierten-General a. D. Sanford („Sandy“) Smithers (Bruce Dern), der unterwegs ist zum Grab seines Sohnes in Red Rock, und der englische Henker Oswaldo Mobray (Tim Roth), der nach Red Rock gerufen wurde, um den Mörder des Sheriffs hinzurichten.

Weil John Ruth argwöhnt, dass unter den Anwesenden jemand sein könnte, der Daisy Domergue befreien und ihn um die 10 000 Dollar Kopfgeld bringen wolle, entwaffnet er mit Warrens Hilfe sowohl den Cowboy als auch den Henker.

Beim Eintopf-Essen bezweifelt Chris Mannix, dass Abraham Lincoln einem Schwarzen wie Marquis Warren einen Brief geschrieben hat. Der Kopfgeldjäger gibt den Betrug ohne weiteres zu. John Ruth empört sich darüber.

Nachdem Warren in Reichweite des Generals einen Revolver hingelegt hat, behauptet er, Smithers‘ Sohn getötet zu haben. Chester Charles Smithers (Craig Stark) sei mit ein paar anderen Weißen auf der Jagd nach Schwarzen gewesen. Warren will ihn gezwungen haben, sich splitternackt auszuziehen und bei Eiseskälte durch die verschneite Prärie zu gehen. Nach zwei Stunden sei Chester Charles zusammengebrochen und habe um eine Decke gebettelt. Warren malt dem entsetzten Vater aus, wie er dessen Sohn zu Fellatio zwang und ihn dann erschoss. Als der General zur Waffe greift, erschießt Warren ihn.

Kapitel 4: Domergue hat ein Geheimnis

40 Sekunden vorher goss jemand Gift in die Kaffeekanne. Daisy Domergue beobachtete es. Während sie Gitarre spielt, trinken John Ruth und der Kutscher O. B. Jackson vergifteten Kaffee, und Daisy hindert sie nicht daran. Nach einer Weile schenkt sich auch Chris Mannix eine Tasse Kaffee ein. In dem Augenblick, in dem er sie zum Mund hebt, erbricht Ruth einen Schwall Blut über den Tisch. Sterbend schlägt Ruth auf die an ihn gefesselte Daisy Domergue ein. Nachdem sie ihre Schneidezähne eingebüßt hat, kriegt sie seinen Revolver zu fassen und erschießt ihn. Warren nimmt ihr die Waffe sofort ab.

O. B. Jackson stirbt an dem Gift.

Weil Chris Mannix beinahe von dem Kaffee getrunken hätte, geht Warren davon aus, dass einer der anderen drei Männer das Gift in die Kanne kippte. Bob kann es nicht gewesen sein, denn der spielte zur fraglichen Zeit Klavier. Allerdings beschuldigt Warren ihn, Minnie und Sweet Dave umgebracht zu haben. Die Afroamerikanerin Minnie Mink hasste Latinos und hätte ihren Laden niemals einem Mexikaner anvertraut. Nachdem Warren weitere Indizien aufgezählt hat, erschießt er Bob.

Als Nächstes nähert Warren sich Daisy Domergue mit der Kaffeekanne und droht, ihr den Inhalt gewaltsam einzuflößen. Daraufhin gesteht Joe Gage, dass er den Kaffee vergiftet habe. Bevor Warren darauf reagieren kann, erhält er einen Schuss ins Gemächt, und zwar von unten durch den Fußboden. Oswaldo Mobray nutzt die Gelegenheit und schießt auf Chris Mannix, trifft ihn allerdings nicht tödlich, und der Schwerverletzte schießt ihn ebenfalls nieder.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Kapitel 5: Die vier Passagiere

Oswaldo Mobray, der Mexikaner und Joe Gage trafen am Vormittag mit Daisys Bruder Jordan („Jody“) Domergue (Channing Tatum) in Minnies Miederwarenladen ein. Die Banditen, die zur selben Bande wie Daisy gehören, ermordeten Minnie, Sweet Dave, deren Hausmädchen Gemma (Belinda Owino), den Kutscher und Six-Horse Judy (Zoë Bell), die Besitzerin des Gespanns, mit dem sie kamen. Sie wussten, dass John Ruth mit Daisy auf dem Weg nach Red Rock vorbeikommen würde und wollten ihn hier überfallen, um das Mädchen zu befreien. Den greisen General Sanford Smithers ließen sie am Leben. Die Leichen der anderen warfen sie in den Brunnen, und als die Kutsche eintraf, in der sie nur John Ruth und Daisy vermuteten, versteckte sich Jody im Keller.

Er schoss Marquis Warren zwischen die Beine.

Letztes Kapitel: Schwarzer Mann, weiße Hölle

Mit der Drohung, Daisy Domergue zu erschießen, bringt Chris Mannix ihren Bruder dazu, die Falltür zu öffnen, seine beiden Revolver herauszuwerfen und selbst nach oben zu kommen. Warren tötet ihn mit einem Kopfschuss. Er will auch Daisy Domergue töten, aber in seinem Revolver sind keine Patronen mehr, und Chris Mannix weigert sich, ihm eine andere Waffe zu geben.

Daisy behauptet, dass in Red Rock 15 weitere Bandenmitglieder für ihre Befreiung bereitstünden. Sie versucht, Chris Mannix einzuschüchtern und ihn zugleich mit dem auf ihren Bruder ausgesetzten Kopfgeld in Höhe von 50 000 Dollar zu ködern. Er soll den schwer verletzten Marquis Warren umbringen. Mannix misstraut ihr jedoch, zumal sie ihn nicht warnte, als er von dem vergifteten Kaffee trinken wollte.

Joe Gage, der als Einziger noch unverletzt ist, zieht eine verborgene Waffe, wird aber sofort von Mannix und Warren erschossen.

Während Daisy Domergue sich befreit, indem sie John Ruths Arm mit einer Machete abhackt, verliert Chris Mannix das Bewusstsein, und Marquis Warren liegt ebenfalls hilflos da. Sie streckt bereits die Hand nach Mannix‘ Revolver aus, da kommt dieser wieder zu sich und schießt sie nieder. Warren hält ihn davon ab, Daisy durch einen Kopfschuss zu töten. Das wäre zu gut für sie, meint er. Sie soll hängen. Mit letzten Kräften knüpfen die beiden sterbenden Männer Daisy an einem Deckenbalken auf.

Chris Mannix lässt sich den gefälschten Lincoln-Brief geben und liest ihn laut vor. „Schöner Einfall“, kommentiert er – und zerknüllt das Papier.

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Der Schnee-Western „The Hateful 8“ dreht sich um Hass und Geldgier, Gewalt und Willkür, Selbstjustiz und Gesetzlosigkeit, Rassismus und Militarismus. Im Mittelpunkt stehen Banditen und Kopfgeldjäger, die Quentin Tarantino möglicherweise als Repräsentanten der kapitalistischen Gesellschaft versteht. Am Ende haben sich die Barbaren alle gegenseitig umgebracht. Im Kontrast dazu steht der Brief Abraham Lincolns, also des US-Präsidenten, der die Sklaverei abschaffte – aber bei dem Schriftstück handelt es sich um eine Fälschung.

Das Blutbad ist bis zur Absurdität überzeichnet. „The Hateful 8“ wirkt theaterhaft, und das ist vermutlich von Quentin Tarantino auch so gewollt. Er scheut auch nicht vor der Dialoglastigkeit zurück. Wobei die Dialoge allerdings geschliffen sind.

In der zweiten Hälfte erinnert das Szenario an Whodunit-Krimis nach Romanen von Agatha Christie wie „Mord im Orient-Express“ und „Tod auf dem Nil“: Alle sind in einem Raum versammelt, und Major Marquis Warren entlarvt wie Hercule Poirot anhand von Indizien und Schlussfolgerungen die Täter.

Quentin Tarantino erzählt die Geschichte mit Ausnahme des 5. Kapitels („Die vier Passagiere“) chronologisch. Zu Beginn des 4. Kapitels („Domergue hat ein Geheimnis“) springt er ein paar Minuten zurück, und im 3. Kapitel wird in einer Rückblende gezeigt, wie Major Marquis Warren den Sohn des Generals tötet.

Dass die kaputte Haustüre jeweils eingetreten und anschließend mühsam zugenagelt werden muss, damit der Schneesturm sie nicht aufdrückt, funktioniert als Running Gag.

Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh und alle anderen Darsteller überzeugen mit ihren schauspielerischen Leistungen. Tim Roth ahmt dabei bewusst Christoph Waltz in den Rollen Hans Lada („Inglourious Basterds“) und King Schultz („Django Unchained“) nach.

Selbstironisch weist Quentin Tarantino im Vorspann darauf hin, dass es sich bei „The Hateful 8“ um seinen achten Spielfilm handelt.

Das Drehbuch für „The Hateful 8“ wurde im Januar 2014 unauthorisiert im Internet verbreitet. Daraufhin veranstaltete das Los Angeles County Museum of Art am 19. April 2014 eine öffentliche Lesung von Quentin Tarantino, Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Tim Roth und anderen.

Die Dreharbeiten in Telluride/Colorado dauerten vom 23. Januar bis zum 12. März 2015. Dabei zertrümmerte Kurt Russell versehentlich eine 145 Jahre alte Gitarre aus dem Museum der 1833 von dem deutschen Einwanderer Christian Frederick Martin gegründeten Gitarrenfirma in Nazareth/Pennsylvania. Offenbar hatte es jemand versäumt, das wertvolle Instrument rechtzeitig durch eine Attrappe zu ersetzen.

Robert Richardson verwendete für „The Hateful 8“ anamorphe Objektive, wie sie zuletzt Mitte der Sechzigerjahre verwendet wurden und belichtete das Filmmaterial im Format Ultra Panavision 70.

Ennio Morricone komponierte nach mehr als 30 Jahren erstmals wieder eine Filmmusik. In „The Hateful 8“ sind auch einige frühere Kompositionen von ihm zu hören. Er wurde dafür mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch Jennifer Jason Leigh als Nebendarstellerin und Robert Richardson für die Kameraführung.

Im Original stammt die Erzählerstimme von Quentin Tarantino. Tim Knauer spricht in der deutsch synchronisierten Fassung. Deutsche Synchronstimmen in „The Hateful 8“ (Dialogbuch: Christoph Cierpka, Michael Schlimgen):
Engelbert von Nordhausen (Major Marquis Warren), Manfred Lehmann (John Ruth), Vera Teltz (Daisy Domergue), Stefan Kurt (Oswaldo Mobray), Matthias Deutelmoser (Chris Mannix), Ekkehardt Belle (Joe Gage), Carlos Lobo (Bob), Martin Kautz (O. B. Jackson), Reinhard Glemnitz (Sanford Smithers), Isabelle Höpfner (Six-Horse Judy), Daniel Fehlow (Jordan Domergue) u.a.

Außer der 168 Minuten langen Fassung gibt es noch eine längere „Roadshow“ mit einer fast vier Minuten langen Ouvertüre, ein paar zusätzlichen Filmminuten und einer 12-minütigen Pause.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

Quentin Tarantino: Reservoir Dogs. Wilde Hunde
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