Henning Mankell. Wallanders letzter Fall

Henning Mankell. Wallanders letzter Fall

Henning Mankell. Wallanders letzter Fall

Originaltitel: Henning Mankell. Wallanders letzter Fall – Regie: Daniel Lind Lagerlöf – Drehbuch: Micke Hjorth – Kamera: Mats Axby – Schnitt: Anders Nylander – Musik: Henrik Lörstad – Darsteller: Rolf Lassgård, Marie Richardson, Lars Melin, Kerstin Andersson, Lia Boysen, Dag Elfgren, Gustaf Skarsgård u.a. – 2007; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Als Kurt Wallander gerade die Polizeischule absolviert hatte, stellte er einen vermummten Mörder. Weil er es nicht fertigbrachte, auf ihn zu schießen, entkam der Täter und tötete die Mutter von Wallanders Patenkind Ewa. 20 Jahre später stirbt Ewa durch eine Überdosis Heroin. Zur gleichen Zeit kommt es in Ystad zu einem Bandenkrieg unter Drogenhändlern. Bei den Ermittlungen glaubt Wallander, den Mörder von damals wiederzuerkennen, und er setzt alles daran, ihn diesmal nicht wieder davonkommen zu lassen ...
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Kritik

Frei nach Motiven der Erzählung "Die Pyramide" von Henning Mankell entstand der spannende Fernsehfilm "Henning Mankell. Wallanders letzter Fall", in dem Rolf Lassgård wieder sehr überzeugend die Rolle des Polizisten Kurt Wallander spielt.
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Ystad 1985. Kurt Wallander (Gustav Skarsgård) hat gerade die Polizeischule absolviert und seinen Dienst angetreten. Jemand alarmiert die Polizei, weil in einem Krämerladen der schwedischen Kleinstadt niemand ans Telefon geht. Der junge Polizist will nachsehen. Vor dem Geschäft trifft er auf Anne und ihr Baby Ewa. Kurt Wallander ist mit Anne und ihrem Ehemann Lasse (Dag Malmberg) gut befreundet und der Pate von Ewa. Deren Mutter möchte gerade etwas einkaufen. Kurt Wallander bittet sie, kurz zu warten, betritt den Laden – und sieht den Inhaber tot am Boden liegen. Aufgeregt greift er zum Telefon. Da steht der vermummte Mörder vor ihm. Kurt Wallander richtet seine Dienstwaffe auf den Mann, bringt es jedoch nicht fertig, ihn zu töten. Der Verbrecher entkommt deshalb und erschießt Anna, die ihm im Weg steht.

Das Trauma, nicht geschossen und dadurch Annas Tod verursacht zu haben, lässt Kurt Wallander nicht mehr los.

Zwanzig Jahre später wird Kommissar Kurt Wallander (ab jetzt: Rolf Lassgård) mit seinen Kollegen zum Wrack einer Privatmaschine gerufen, in dem die verkohlten Leichen von zwei Männern liegen. Offenbar wurde das Flugzeug abgeschossen. Während der Spurensuche erhält Kurt Wallander einen Anruf von Lasse und eilt nach Malmö ins Krankenhaus: Seine Patentochter Ewa (Moa Gammel) ist an einer Überdosis Heroin gestorben. Sie hinterlässt eine kleine Tochter, Hannah, um die sich nun die Sozialstation kümmert.

Als Kurt Wallander sich in Ewas Apartment in Malmö umsieht, lernt er deren Freundin Emma (Lia Boysen) kennen, eine Sozialhelferin, die früher selbst drogensüchtig war und sich nun um Junkies kümmert.

Beim letzten Eintrag in Ewas Taschenkalender handelt es sich um einen Termin im Restaurant „Alamo“. Dort wartet Kurt Wallander in seinem Wagen, bis ein paar Männer auftauchen. Die fragt er nach Ewa, aber sie behaupten, keine Frau dieses Namens zu kennen. Einer der Männer dreht eine brennende Zigarette zwischen seinen Fingern, genauso wie es der vermummte Mörder in dem Laden vor dreißig Jahren getan hatte. Wallander ist sofort sicher, dass er den Täter von damals vor sich hat.

Der Verdächtigte heißt Helmut Böhle (Dag Elfgren).

In der Nacht explodiert ein Handarbeitsladen, der den Schwestern Anna und Emilia Eberhardsson gehörte. Deren Leichen werden in den Trümmern gefunden. Augenscheinlich handelte es sich nicht um einen Unfall, etwa durch eine Gasexplosion, sondern um Mord, denn die Spurensicherer finden die Reste einer Bombe, die durch einen Pulsmesser ausgelöst wurde. (Als Zuschauer wissen wir mehr als die Polizei: Böhle schoss nicht nur das Flugzeug ab, sondern er überfiel auch Anna Eberhardsson, knebelte und fesselte sie, bevor er ihr einen Pulsmesser anlegte und das Gerät mit einer Sprengladung verkabelte. Dazu erklärte er ihr, die Explosion werde ausgelöst, sobald ihr Puls den eingestellten Wert überschreite oder die Verbindung abreiße. Als Emilia einige Zeit später das Geschäft betrat und ihre Schwester befreien wollte, detonierte der Strengstoff.) Im Tresor der Eberhardsson-Schwestern findet die Polizei viel mehr Bargeld, als das Handarbeitsgeschäft hätte abwerfen können – und ein mit Heroin gefülltes Stahlgefäß.

Die Polizei vermutet seit Jahren, dass Yngve Holm, der Bruder der Schwestern, den regionalen Drogenhandel kontrolliert, konnte ihm bisher aber nichts nachweisen. Es ist zu vermuten, dass jemand das Flugzeug abschoss, mit dem das Heroin nach Schweden geschmuggelt wurde, und Holms Schwestern ermordete, um ihn als Drogenhändler auszuschalten und sein Netzwerk an sich zu reißen. Kurt Wallander glaubt auch zu wissen, dass es sich dabei um Böhle handelt, aber Maja Thysell (Marie Richardson), seine Kollegin und geschiedene Ehefrau, befürchtet, dass er den Fall zu persönlich nimmt und nur darauf aus ist, seinen Fehler von damals wiedergutzumachen.

Kurt Wallander lässt sich weder von Maja noch von der Dienststellenleiterin Lisa Holgersson (Kerstin Andersson) davon abhalten, auf eigene Faust weiter zu ermitteln.

Als Holms Komplize Frank Walder in einem Parkhaus erschossen und seine Tochter von Böhle entführt wird, bittet der Drogenhändler die Polizei um Hilfe. Er ist bereit, sich mit dem Konkurrenten zu treffen und sich vorher eine Abhörvorrichtung auf die Brust kleben zu lassen. Doch Böhle kommt nicht allein zum Treffpunkt, sondern er hat das Mädchen bei sich. Es trägt einen Sprengstoffgürtel, der drahtlos mit einem Pulsmesser an Böhles Handgelenk verbunden ist. Fällt sein Puls unter 60 oder steigt er über 90, explodiert die Sprengladung. Er rät Holm deshalb, alles zu unterlassen, was ihn aufregen könnte.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Lisas Team, das den Treffpunkt umstellt hat, sieht ohnmächtig zu, wie Böhle seinem Kontrahenden das Abhörmikrofon von der Brust reißt und wieder zum Auto zurückgeht. Die Scharfschützen dürfen nicht schießen, denn wenn Böhles Herz zu schlagen aufhört, wird Holms Tochter von der Sprengladung zerfetzt. Plötzlich rennt Wallander los und schlägt Böhle von hinten mit einer Eisenstange nieder. Dessen Puls sackt ab, fällt jedoch nicht unter die kritische Marke. Einige der Scharfschützen, die offenbar von Böhle bezahlt wurden, eröffnen das Feuer auf Wallander. Der zerrt Böhle und Holms Tochter in den Wagen, springt hinters Lenkrad und gibt Gas.

Nach einer Weile hält er an, befreit das Mädchen von dem Sprengstoffgürtel und lässt es aussteigen. Dann fährt er mit dem bewusstlosen Verbrecher weiter zu dem Laden, in dem er ihm vor zwanzig Jahren erstmals begegnet war. Dort kommt Böhle zu sich. Kurt Wallander hält ihm seine Dienstpistole an den Kopf, bringt es jedoch wieder nicht fertig, abzudrücken. Hämisch grinsend steht Böhle auf, läuft zu seinem Auto und fährt los. Endlich schießt Wallander und trifft einen Hinterreifen. Da steigt Böhles Puls über 90. Zu spät merkt er, dass die Sprengladung neben ihm auf dem Beifahrersitz liegt.

Weil Kurt Wallander bewusst ist, dass er sich in dem Fall von persönlichen Motiven fortreißen ließ, quittiert er den Dienst bei der Polizei – und beginnt mit Emma, die inzwischen seine Freundin geworden ist, ein neues Leben.

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Im Vorspann des Thrillers „Henning Mankell. Wallanders letzter Fall“ heißt es „nach einem Roman von Henning Mankell“. Das ist irreführend, denn der Drehbuchautor Micke Hjorth griff nur auf einige wenige von Henning Mankell stammende Motive zurück, und die sind nicht in einem Roman zu finden, sondern in der Erzählung „Die Pyramide“ in dem Band „Wallanders erster Fall und andere Erzählungen“.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei „Henning Mankell. Wallanders letzter Fall“ um einen spannenden, furios erzählten Thriller. Wie in allen vom ZDF mitproduzierten Folgen spielt Rolf Lassgård sehr überzeugend die Rolle des einsamen Wolfs Kurt Wallander, eines sehr menschlichen Kriminalkommissars, der sich an Dienstvorschriften und Anweisungen seiner Vorgesetzten nur dann hält, wenn sie ihn nicht von dem abhalten, was er für richtig hält. Seine Ehe zerbrach und seine Versuche, eine neue Beziehung aufzubauen, scheiterten, weil er aufgrund seines Pflichtgefühls kein Privatleben hatte. Erst in „Henning Mankell. Wallanders letzter Fall“ bekommt er eine Chance für ein Leben außerhalb des Polizeidienstes.

Das Buch „Wallanders letzter Fall“ widmete Henning Mankell dem grandiosen Schauspieler: „Für Rolf Lassgård in warmer Zuneigung, Dankbarkeit und nicht geringer Bewunderung. Er hat mir vieles über Wallander erzählt, wovon ich selbst nichts wusste.“

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Henning Mankell: Die Pyramide

Verfilmungen von Romanen Henning Mankells:
– Pelle Berglund: Mörder ohne Gesicht
– Pelle Berglund: Hunde von Riga
– Pelle Berglund: Die weiße Löwin
– Leif Lindblom: Der Mann, der lächelte
– Leif Magnusson: Die falsche Fährte
– Birger Larsen: Die fünfte Frau
– Birger Larsen: Mittsommermord
– Urs Egger: Die Rückkehr des Tanzlehrers
– Lisa Siwe: Die Brandmauer

Jorge Semprún - Was für ein schöner Sonntag!
1979 denkt Jorge Semprún über seine Zeit im KZ Buchenwald und sein politisches Engagement in den vergangenen Jahrzehnten nach. Dabei bilden sich Assoziationsketten von verschachtelten Erinnerungen, Wiederholungen und Variationen.
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