Cloud Atlas

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Cloud Atlas

Cloud Atlas – Originaltitel: Cloud Atlas – Regie: Tom Tykwer, Andy Wachowski, Lana Wachowski – Drehbuch: Tom Tykwer, Andy Wachowski, Lana Wachowski nach dem Roman "Cloud Atlas" von David Mitchell – Kamera: Frank Griebe, John Toll – Schnitt: Alexander Berner – Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek, Tom Tykwer – Darsteller: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Jim Sturgess, Doona Bae, Hugo Weaving, Ben Wishaw, Susan Sarandon, Hugh Grant u.a. – 2012; 170 Minuten

Inhaltsangabe

1849 wird der Notar Adam Ewing mit der Ausbeutung von Sklaven konfrontiert und beinahe selbst Opfer eines gierigen Mitreisenden. Robert Frobisher wehrt sich 1936 dagegen, dass ein anderer Komponist sein Wolkenatlas-Sextett für sich beansprucht. Die Journalistin Luisa Rey deckt 1973 einen Atomskandal auf. Der Verleger Timothy Cavendish wird von seinem Bruder 2012 in ein Seniorenheim gesperrt. 2144 berichtet eine "Duplikantin" vor der Hinrichtung über sich. 2346 ist die Erde unbewohnbar ...
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Kritik

"Cloud Atlas", die Verfilmung eines Romans von David Mitchell, ist ein ambitioniertes Mammutwerk. Tom Tykwer und die Wachowski-Geschwister erzählen die sechs Episoden parallel und weichen damit von der Vorlage ab.
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Der junge Notar Adam Ewing (Jim Sturgess) aus San Francisco hat 1849 wegen einer Erbschaftsangelegenheit in Australien zu tun. Während eines Aufenthalts in Neuseeland macht ihm die Hitze zu schaffen, und als er sieht, wie ein Moriori-Sklave ausgepeitscht wird, bricht er ohnmächtig zusammen. Der Arzt Dr. Henry Goose (Tom Hanks) kümmert sich um ihn, diagnostiziert den Befall mit einem tropischen Wurm und flößt ihm auch während der Weiterreise auf der „Prophetess“ regelmäßig etwas aus einem Fläschchen ein, das gegen die Erkrankung helfen soll.

Nachdem Ewing gesehen hat, wie die Sklaven ausgebeutet werden, äußert er in seinem Tagebuch Zweifel an der Zivilisation.

In Adams Kabine taucht überraschend der ausgepeitschte Moriori Autua (David Gyasi) auf, der sich als blinder Passagier auf das Schiff schlich und Ewing nun um Hilfe bittet. Der alkoholkranke Kapitän (Jim Broadbent) droht, den Schwarzen zu erschießen und die Leiche über Bord zu werfen, aber Ewing setzt sich erfolgreich für ihn ein, und Autua wird nach einigem Hin und Her in die Mannschaft aufgenommen.

Ewings Gesundheitszustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Unter einem Vorwand schneidet Goose dem Patienten den Ehering vom Finger. Schließlich geht es Ewing so schlecht, dass er seine Tagebuch-Aufzeichnungen abbrechen muss. Goose versucht, dem Kranken den Schlüssel abzunehmen, den dieser an einer Halskette trägt. Er gehört zu der Truhe mit dem Erbe. Autua merkt schließlich, dass der vermeintliche Arzt den Anwalt vergiftet, um an das Geld in der Truhe heranzukommen. Der Moriori erschlägt Goose und rettet seinem amerikanischen Freund das Leben.

Überglücklich umarmt dieser nach seiner Ankunft in San Francisco seine Verlobte Tilda (Doona Bae). Gegen den Willen von Tildas Vater, der die Sklavenhalterei für gottgegeben hält, zieht das Paar nach Norden und engagiert sich im Kampf gegen die Sklaverei.

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1936 nimmt der reiche Student Rufus Sixsmith (James D’Arcy) den mittellosen Musiker Robert Frobisher (Ben Wishaw) mit in sein Hotelzimmer in Cambridge und schläft mit ihm. Aber der um den Ruf seines Hauses besorgte Hoteldirektor pocht gegen die Tür und verlangt Sixsmith zu sprechen. Frobisher zieht sich rasch an und flüchtet durchs Fenster.

Er dient sich dem greisen Komponisten Vyvyan Ayrs (Jim Broadbent) auf dessen Schloss in Edinburgh als Assistent an. In der Bibliothek des Schlossherrn stößt er auf Adam Ewings Reisetagebuch. Aber die Aufzeichnungen brechen unvermittelt ab. Frobisher, der Sixsmith zahlreiche Briefe schreibt, bittet den Freund, nach der zweiten Hälfte des Buches zu suchen.

Trotz seiner Homosexualität lässt Frobisher sich auf eine Affäre mit Vyvyan Ayrs sexuell frustrierter Ehefrau Jocasta (Halle Berry) ein. Es sei ein Akt des Mitleids, erklärt er Sixsmith in einem Brief.

Vyvyan Ayrs benötigt einen Assistenten, der seine musikalischen Einfälle zu Papier bringt, und Frobisher nutzt die Anstellung, um selbst zu komponieren. In nächtlicher Arbeit kreiert er das „Wolkenatlas“-Sextett. Als er das Werk auf dem Flügel spielt, stellt Ayrs fest, dass es vollkommen ist – und beansprucht es als sein Eigentum. Obwohl er dem jungen Mann damit droht, seinen Ruf zu ruinieren, will Frobisher das Schloss verlassen, und als der Greis sich ihm in den Weg stellt, schießt er mit einer kurz zuvor gestohlenen Pistole auf ihn.

Er nimmt sich ein Zimmer in einer Absteige. Der schmierige Hotelmanager (Tom Hanks), der den Gast aufgrund eines Zeitungsartikels für den Mann hält, der Vyvyan Ayrs niederschoss, versucht ihn zu erpressen, und weil Frobisher nur ein paar Münzen besitzt, verlangt er die teure Weste, die dieser von Rufus Sixsmith als Erinnerungsstück bekam.

In einem letzten Brief an seinen Freund kündigt Frobisher seinen Selbstmord an. Am nächsten Tag nimmt er die Pistole und legt sich in die trockene Badewanne. Sixsmith eilt herbei, aber er kommt zu spät: Im Treppenhaus des schäbigen Hotels hört er einen Schuss, und als er die Türe aufreißt, liegt Frobisher bereits tot in der Wanne.

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Die ehrgeizige Journalistin Luisa Rey (Halle Berry) bleibt 1973 bei einem Stromausfall in San Francisco mit dem Atomphysiker Rufus Sixsmith (James D’Arcy) zusammen im Aufzug stecken. Nachdem sie befreit wurden, gibt sie ihm ihre Karte.

Kurz darauf ruft er sie mitten in der Nacht an und bittet sie, zu ihm ins Hotel zu kommen. Er will ihr über wirtschaftskriminelle Vorgänge im Zusammenhang mit einer Ölgesellschaft und einem Atomkraftwerk berichten. Doch als Luisa Rey hinkommt, liegt der Wissenschaftler erschossen auf dem Bett. Anstelle des versprochenen Untersuchungsberichts findet sie einige alte Briefe von Robert Frobisher an Rufus Sixsmith und steckt sie ein.

So erfährt sie vom „Wolkenatlas“-Sextett. Sie sucht danach und findet in einem Plattenladen eines der wenigen Exemplare einer Aufnahme davon. Es kommt ihr seltsam bekannt vor, aber der Verkäufer hält es für unwahrscheinlich, dass sie das Stück schon einmal gehört haben könnte.

Um mehr über den von Sixsmith angedeuteten Atomskandal herauszufinden, lässt Luisa Rey sich einen Termin bei Lloyd Hooks (Hugh Grant) geben, dem Vorstandsvorsitzenden des von Sixsmith genannten Ölkonzerns. Hooks verweist sie nach ein paar Höflichkeitsfloskeln an den Forschungsleiter Isaac Sachs (Tom Hanks), der sich zu ihr hingezogen fühlt und bei den Recherchen helfen will, obwohl er weiß, dass er damit nicht nur seine Karriere, sondern sein Leben riskiert. Tatsächlich wird er von dem Auftragskiller Bill Smoke (Hugo Weaving) getötet.

Kurz darauf rammt Smoke auf einer Brücke das Auto der Journalistin. Sie verliert die Kontrolle über das Fahrzeug und stürzt ins Wasser. Die Scheiben bersten, und es gelingt ihr, sich aus dem untergehenden Wrack zu befreien.

Luisa Rey und der Sicherheitsexperte Joe Napier (Keith David), der ihr beisteht, flüchten nach einer wilden Verfolgungsjagd vor dem Auftragskiller in eine Fabrik. Smoke stellt sie in dem Gebäude, aber als er sie erschießen will, wird er von einer zornigen mexikanischen Arbeiterin (Doona Bae), die er soeben als „Sombrero-Schlampe“ beschimpfte, mit einer Eisenstange totgeschlagen.

Von Rufus Sixsmiths Nichte Megan Sixsmith (Zhu Zhu) erhält Luisa Rey schließlich die letzte noch existierende Kopie eines Berichts, mit dem sie beweisen kann, dass Lloyd Hooks‘ Unternehmen absichtlich eine Atomkatastrophe herbeiführen wollte, um das Ölgeschäft zu fördern. Im Gegenzug überlässt Luisa Rey der Nichte des ermordeten Wissenschaftlers die Briefe, die dieser von Robert Frobisher bekam.

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Der neue Roman des britischen Schriftstellers Dermot Hoggins (Tom Hanks) wird verrissen. Bei einer Party auf einer Dachterrasse beleidigt Hoggins deshalb einen Kritiker, der ihn daraufhin sarkastisch fragt: „Was hat der stumpfe Stift, den Sie Ihre Fantasie nennen, für diese Szene als Ende vorgesehen?“ Da überlegt der jähzornige Autor nicht lang: Er stößt den Kritiker über die Brüstung in die Tiefe.

Der spektakuläre Mord lässt die Verkaufszahlen für das Buch in die Höhe schießen. Während der Schriftsteller im Gefängnis sitzt, verbessert sich die finanzielle Lage des Verlegers Timothy Cavendish (Jim Broadbent) deutlich und er kann seine Schulden tilgen.

Die drei Brüder des eingesperrten Autors – Mozza, Jarvis und Eddie (Niall Greig Fulton, Louis Dempsey, Martin Docherty) – verlangen von dem greisen Verleger einen Anteil an den Einnahmen. Weil diese jedoch gerade ausreichen, um die Verluste aus anderen Editionen auszugleichen, bittet der bedrängte Verleger seinen steinreichen Bruder Denholme Cavendish (Hugh Grant) um Unterstützung. Der hilft ihm zwar nicht mit Geld aus, nennt Timothy aber nach einem Telefongespräch eine Adresse und meint, dort sei er vor den Hoggins-Brüdern sicher.

Im Zug liest Timothy Cavendish einen von der Journalistin Luisa Rey geschrieben Roman. Nachdem er seine Jugendliebe Ursula (Susan Sarandon) aufgespürt hat, nimmt er sich – wie von seinem Bruder empfohlen – ein Zimmer im Haus Aurora. In der Annahme, sich in einem Hotel zu befinden, zeichnet er das vermeintliche Anmeldeformular ab. Tatsächlich unterschreibt er seine Einweisung in ein geschlossenes Seniorenheim, und die resolute Heimleiterin Noakes (Hugo Weaving) macht ihm klar, dass er ohne Widerrede die Regeln der strengen Hausordnung zu befolgen habe. Denholme Cavendish rächt sich auf diese Weise für einen Seitensprung seiner Frau mit seinem Bruder.

Mit Ernie (Ralph Riach) und Veronica (Amanda Walker) zusammen schmiedet Timothy Cavendish Fluchtpläne. Nachts rufen sie den Sohn einer Mitbewohnerin an und locken ihn herbei, indem sie sagen, seine Mutter liege im Sterben und habe nach ihm verlangt. Dann warten sie, bis der Mann mit seiner Frau vorfährt und ins Haus geht. Sie steigen ins Auto, nehmen auch den dementen Mr Meeks (Robert Fyfe) mit, durchbrechen das Tor und fahren davon.

Timothy Cavendish kehrt nach London zurück und baut seinen Verlag neu auf. Sein erstes Buch wird den Titel „Halbwertszeiten. Luisa Reys erster Fall“ tragen.

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2144 ist Seoul aufgrund der Klimakatastrophe im Meer versunken. Hoch darüber wurde Neo-Seoul gebaut. Hier herrscht ein totalitäres Regime, eine Konzernokratie. Die Duplikantin Sonmi-451 (Doona Bae) arbeitet wie Dutzende andere Klone auch als Kellnerin in einem Fast-Food-Restaurant. Für sie ist jeder Tag wie der andere.

Die Duplikantin Yoona 939 (Xun Zhou) verführt Sonmi-451, mit ihr verbotenerweise eine kurze Sequenz aus dem Film „Das grausige Martyrium des Timothy Cavendish“ auf einem Abspielgerät anzuschauen. Zu sehen ist der Ausbruch von drei alten Männern und einer Frau aus einem Seniorenheim im Jahr 2012. Am nächsten Tag ohrfeigt Yoona 939 einen Gast, der sie am Po angefasst hat. Sie versucht zu fliehen, wird jedoch vom Manager mit einer Fernsteuerung getötet, bevor sie in den Aufzug steigen kann.

Der Rebell Hae-Joo Chang (Jim Sturgess), der zu den „Reinen“ gehört, schleust Sonmi-451 aus dem Restaurant-Gebäude und nimmt sie mit nach oben in die Stadt. Nachdem sie viel über das Leben außerhalb des Restaurants gelernt hat, stellt er sie dem Anführer der Untergrundbewegung vor: An-kor Apis (Keith David). Der zeigt ihr, was mit Duplikantinnen gemacht wird, die zwölf Jahre lang gedient haben. Man lässt sie glauben, sie würden ins Elyseum eingehen. Tatsächlich werden sie in ein Schlachthaus geführt und mit einem Bolzenschuss in den Kopf getötet, denn man benötigt die ständige Zufuhr an Biomasse, um daraus Seife zu machen, von der sich die arbeitenden Duplikanten ernähren.

Einige Zeit später werden Hae-Joo Chang und Sonmi-451 von einer Spezialeinheit des Regimes aufgespürt. Beim Fluchtversuch stürzt der Rebell ab, und die Duplikantin wird festgenommen. Man sagt ihr, Hae-Joo Chang sei tot. Als sie zur Hinrichtung geführt wird, taucht Hae-Joo Chang jedoch auf, erschießt die Wachen und befreit Sonmi-451.

Der Film über den Ausbruch des Verlegers Timothy Cavendish aus dem Seniorenheim, den Sonmi-451 nun ganz sehen kann, regt sie zu eigenständigem Denken an. In einer riesigen Halle hält sie eine Rede und ruft zum humanen und unvoreingenommenen Umgang miteinander über die Grenzen der Herkunft hinweg auf. Da stürmen Soldaten der Regierung das Gebäude und töten die Rebellen, darunter auch Hae-Joo Chang. Sonmi-451 wird erneut verhaftet und vor ihrer Hinrichtung zum Archivar (James D’Arcy) gebracht, der sie respektvoll befragt und ihre Aussage für künftige Generationen speichert.

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2346 befindet sich die Welt in einem postapokalyptischen Zustand. Auf Hawaii lebt der Ziegenhirte Zachary (Tom Hanks) mit seiner Frau und seiner Tochter. Die Gesellschaft ist archaisch. Einmal im Jahr kommt ein Schiff der Prescients vorbei, eines Volkes, das noch über das „Clever der Alten“ verfügt. Dann erwerben die primitiven Bewohner im Tauschhandel, was sie nicht selbst herstellen können.

In diesem Jahr kommt die Forscherin Meronym (Halle Berry) mit dem Schiff nach Hawaii. Die Prescients rechnen nämlich damit, dass sie auf der vergifteten Erde nicht mehr lange existieren können und hoffen, auf einem anderen Planeten weiterleben zu können. Um Kontakt mit Kreaturen auf anderen Gestirnen aufnehmen zu können, möchte Meronym zu der aufgegebenen Kommunikationsstation auf einem Berggipfel klettern.

Zachary begegnet der Fremden misstrauisch, aber nachdem sie seine erkrankte Tochter geheilt hat, führt er sie auf den Berg, obwohl ihn der böse Geist Old Georgies (Hugo Weaving) davon abzuhalten versucht. In der Kommunikationsstation stoßen sie auf eine Statue der von Zacharys Volk als Göttin verehrten Sonmi, und Meronym gelingt es, eine Botschaft ins All zu senden.

Während des Abstiegs sehen sie, dass die Siedlung in Flammen steht. Die barbarischen Kona haben das Dorf zerstört und auch Zacharys Frau getötet. Seine Tochter konnte sich verstecken und hat das Massaker überlebt. Nachdem Zachary dem Häuptling der Kona (Hugh Grant) im Schlaf die Kehle durchgeschnitten hat, wird er von einigen anderen Barbaren angegriffen. Im Kampf verliert er das linke Auge. Meronym rettet ihm das Leben und wird dabei selbst verletzt. Aber es gelingt ihr, mit Zachary und seiner Tochter auf das Schiff der Prescients zu entkommen.

Zachary und Meronym werden ein Paar. Mit Zacharys Tochter und den anderen Prescients siedeln sie sich schließlich auf einem anderen Planeten an, von dem aus die Erde zu sehen ist.

Der greise einäugige Zachary erzählt der Schar seiner Enkel Geschichten aus seinem Leben. Dann geht er wieder zu Meronym ins Haus, und sie verspricht, ihn zu wärmen.

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Obwohl der 2004 von David Mitchell veröffentlichte Roman „Cloud Atlas“ – „Der Wolkenatlas“ (Übersetzung: Volker Oldenburg) – als unverfilmbar galt, beschlossen die Geschwister Andy und Lana Wachowski 2005, es zu versuchen und gewannen im Jahr darauf auch Tom Tykwer für das Vorhaben. Im Februar 2009 trafen sie sich zu dritt in Costa Rica und schrieben das Drehbuch. Ein halbes Jahr später stimmte David Mitchell der geplanten Verfilmung zu. Und von September bis Dezember 2011 wurde in Babelsberg gedreht. Außenaufnahmen waren zuvor schon in Schottland und auf Mallorca entstanden.

Ebenso wie David Mitchell erzählen Tom Tykwer, Andy und Lana Wachowski in ihrem Ensemblefilm sechs Geschichten, die sich über ein halbes Jahrtausend verteilen (1849 bis 2346). Während die Episoden jedoch in der literarischen Vorlage palindromartig in elf Teilen angeordnet sind, entwickeln sie sich im Film parallel (also auch nicht in Rückblenden).

Dass die Hauptfiguren in den verschiedenen Episoden immer wieder von denselben Schauspielern dargestellt werden, ist ein kongenialer Einfall, denn auch im Buch klingt das Thema Reinkarnation an. Tom Hanks spielt zum Beispiel Dr. Henry Goose (1849), einen Hotelmanager (1936), Isaac Sachs (1973), Dermot Hoggins (2012), den Schauspieler, der Timothy Cavendish in einem Film mimt (2144) und Zachary (2321), Halle Berry eine Moriori-Sklavin (1849), Jocasta Ayrs (1936), Luisa Rey (1973), einen Partygast (2012), Ovid (2144) und Meronym (2321). Die sechs Hauptfiguren tragen wie im Roman ein Muttermal in Form eines Kometen am Hals.

Die einzelnen Geschichten sind sehr verschieden: Reiseabenteuer, kammerspielartige Tragödie, Wirtschaftsthriller, kulturkritische Komödie, dystopische Science Fiction, postapokalyptisches Szenario. Dementsprechend prallen die zurückgenommene, nuancenreiche Darstellung des Musikers Robert Frobisher durch Ben Wishaw und das Overacting von Jim Broadbent in der Rolle des Verlegers Timothy Cavendish aufeinander.

Verbunden sind die Episoden durch Adam Ewings Reisetagebuch aus dem Jahr 1849, das von Robert Frobisher 1936 gefunden wird, Robert Frobishers Briefe an Rufus Sixsmith, die von Luisa Rey 1973 entdeckt werden, Luisa Reys Roman, den Timothy Cavendish 2012 liest, einen Film über Timothy Cavendish, den Sonmi 2144 sieht und Meronyms als Orator bezeichnetes Kommunikationsgerät (2321), in dem Sonmis Aussage vor dem Archivar gespeichert ist.

„Warum begehen wir immer wieder die gleichen Fehler?“, fragt Luisa Rey. Offenbar ändert sich der Mensch über die Jahrhunderte hinweg nicht: Zu allen Zeiten gibt es Individuen bzw. Gruppen, die andere versklaven, unterjochen oder zumindest ausbeuten. „Cloud Atlas“ prangert Machtmissbrauch und Totalitarismus an, plädiert für Freiheit, den Bruch von Konventionen, für Zivilcourage und Freundschaft.

„Cloud Atlas“ ist ein ambitioniertes Mammutwerk. Obwohl die Vorführung knapp drei Stunden dauert, kommt keine Langeweile auf, denn Tom Tykwer, Andy und Lana Wachowski haben so viel zu erzählen, dass ständig etwas Neues zu sehen ist und das Tempo hoch bleibt. Außerdem reißen die atemberaubenden Bilder dieser opulenten Filmoper mit.

Tom Tykwer soll bei den 1936, 1973 bzw. 2012 spielenden Episoden Regie geführt haben, während die Geschwister Andy und Lana Wachowski die in den Jahren 1849, 2144 bzw. 2346 angesiedelten Geschichten inszenierten.

Lana Wachowski (* 1965) hieß früher Larry. Sie wuchs als Junge auf. 2012 outete sie sich als transsexuell.

Mit geschätzten Produktionskosten in Höhe von 100 Millionen Dollar gilt „Cloud Atlas“ noch vor „Das Parfum“ (ebenfalls von Tom Tykwer) als bisher teuerster deutscher Film. Gefördert wurde „Cloud Atlas“ vom Deutschen Filmförderfonds, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und der Film und Medien Stiftung NRW.

Hauptdarsteller / deutsche Synchronsprecher und ihre Rollen in „Cloud Atlas“:

  • Tom Hanks / Joachim Tennstedt: Dr. Henry Goose / Hotel Manager / Isaac Sachs / Dermot Hoggins / Schauspieler, der Timothy Cavendish darstellt / Zachary
  • Halle Berry / Melanie Pukaß: Moriori-Sklavin / Jocasta Ayrs / Luisa Rey / Partygast / Ovid / Meronym
  • Jim Broadbent / Frank-Otto Schenk: Kapitän Molyneux / Vyvyan Ayrs / Timothy Cavendish / koreanischer Musiker / Prescient
  • Hugo Weaving / Oliver Stritzel: Haskell Moore / Tadeusz Kesselring / Bill Smoke / Schwester Noakes / Mephi / Old Georgie
  • Jim Sturgess / Nico Mamone: Adam Ewing / armer Hotelgast / Megans Vater / Highlander / Hae-Joo Chang / Zacharys Schwager Adam
  • Doona Bae / Giuliana Jakobeit: Tilda / – / Megans Mutter und mexikanische Arbeiterin / Sonmi-451, Sonmi-351 und Prostituierte / –
  • Ben Whishaw / Tobias Nath: Schiffsjunge / Robert Frobisher / Plattenverkäufer / Georgette / – / Stammesangehöriger
  • James D’Arcy / Norman Matt, Wolfgang Condrus: – / Rufus Sixsmith jung / Rufus Sixsmith alt / Krankenpfleger James / Archivar / –
  • Keith David / Tilo Schmitz: Kupaka / – / Joe Napier / – / An-kor Apis / Prescient
  • David Gyasi / Daniel Fehlow: Autua / – / Lester Rey / – / – / Duophsyte
  • Xun Zhou / Natascha Geisler: – / Hotelmanager Talbot / – / Yoona-939 / Rose
  • Susan Sarandon / Kerstin Sanders-Dornseif: Madame Horrox / – / – / Ursula / Yusouf Suleiman / Äbtissin
  • Hugh Grant / Patrick Winczewski: Reverend Giles Horrox / Hotelangestellter / Lloyd Hooks / Denholme Cavendish / Seer Rhee / Kona-Häuptling
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

David Mitchell: Der Wolkenatlas

Tom Tykwer (kurze Biografie / Filmografie)
Tom Tykwer: Die tödliche Maria
Tom Tykwer: Winterschläfer
Tom Tykwer: Lola rennt
Tom Tykwer: Der Krieger und die Kaiserin
Tom Tykwer: Heaven
Tom Tykwer: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders
Tom Tykwer: The International
Tom Tykwer: 3

Tom Tykwer, Andy & Lana Wachowski: Cloud Atlas
Andy & Lana Wachowski: Matrix
Andy & Lana Wachowski: Matrix Reloaded
Andy & Lana Wachowski: Matrix Revolutions

Jennifer Vanderbes - Osterinsel
Obwohl oder gerade weil Jennifer Vanderbes die Handlung bedächtig entwickelt, liest sich ihr Roman "Osterinsel" sehr gut, und der Leser fühlt sich dabei in die Welten der beiden Protagonistinnen versetzt.
Osterinsel

Jennifer Vanderbes

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