Klon, Klonen


Unter einem Klon (griechisch: klon = Schössling) versteht man eine genetisch identische Kopie von einem Organismus. Klonen ist also das Duplizieren von Lebewesen. Bei Pflanzen, Bakterien und einigen niedrigen Tierarten kommen Klone in der Natur vor (Parthenogenese), bei Menschen und Säugetieren mit sexueller Fortpflanzung entstehen Klone auf natürliche Weise nur in Ausnahmefällen bei der Geburt eineiiger Mehrlinge.

Im engeren Sinne bedeutet Klonen die künstliche Erzeugung von Klonen. Dabei sind zwei Techniken zu unterscheiden: (1) Man kann die Zellen eines im Reagenzglas gezeugten Embryos, dessen Zellen noch totipotent sind, vereinzeln, in einem geeigneten Kulturmedium neu heranwachsen lassen und auf diese Weise genetisch identische Mehrlinge erzeugen. (2) Beim so genannten Nukleustransfer entnimmt der Forscher einem weiblichen Organismus eine Eizelle und entkernt sie. Dann injiziert er den Kern einer Embryonal- oder Körperzelle in die entkernte Eizelle, regt diese durch chemische oder elektrische Methoden zur Weiterentwicklung an und pflanzt sie in die Gebärmutter einer „Leihmutter“ ein. Das Genom des durch Nukleustransfer entstandenen Klons ist mit dem des Spenders bis auf Unterschiede in der mitochondrialen DNA identisch. Der Klon ist also im Kern eine Kopie des Spenderorganismus, bezüglich der Erbinformation in den Mitochondrien jedoch ein Abbild des Lebewesens, aus dem die entkernte Eizelle stammt. Stammen beide Zellen aus demselben Organismus, ist auch die mitochondriale DNA identisch.

Der Nukleustransfer funktioniert nur, wenn sich die beteiligten Zellen in ganz bestimmten Stadien befinden. Werden die Gene nicht zeitlich präzise aktiviert bzw. deaktiviert, kommt es zu Inprinting-Defekten. Deshalb bewegt sich die Ausbeute bei solchen Klon-Experimenten im Promille-Bereich. Selbst wenn in einer Versuchsreihe ein lebensfähiger Klon entsteht, können Inprinting-Defekte auch später noch zu massiven Gesundheitsstörungen bzw. zum Tod führen.

Trotz aller Schwierigkeiten ist es gelungen, Tiere zu klonen. Besonderes Aufsehen erregten Keith Campbell und Ian Wilmot vom Roslin Institut bei Edinburgh, als sie ihr am 5. Juli 1996 geklontes Schaf „Dolly“ vorstellten.

Das walisische Bergschaf war das erste aus einer Körperzelle eines erwachsenen (in diesem Fall sechs Jahre alten) Organismus geklonte Säugetier. Es hatte drei Mütter, aber keinen Vater, denn es war nach rund 275 vergeblichen Versuchen aus dem Kern einer Euter- und einer entkernten Eizelle entstanden und von einem dritten Schaf ausgetragen worden. Benannt hatten Keith Campbell und Ian Wilmot das Klonschaf angeblich nach der Country-Sängerin Dolly Parton. Am 14. Februar 2003 teilte das Roslin Institut mit, man habe das Klonschaf wegen Rheuma und Lungenkrebs eingeschläfert. (Es wurde ausgestopft und ins „National Museum of Scotland in Edinburgh“ gebracht.)

Reproduktives Klonen dient beispielsweise dazu, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten ohne die bei natürlicher Züchtung entstehenden Variationen zu erhalten.

1993 klonten Dr. Robert Stillman und Jerry Hall an der George Washington University erstmals menschliche Embryos, von denen allerdings keiner älter als sechs Tage alt wurde. 2004 berichteten Genetiker der Universität in Seoul von einem Experiment, bei dem sie Kerne von Körperzellen in entkernte Eizellen jeweils derselben Spenderin übertrugen, aus 242 Eizellen von sechzehn Frauen dreißig Embryonen klonten und dabei eine einzige Stammzellenlinie erzeugten. (Der koreanische Star-Wissenschaftler Woo-Suk Hwang gestand 2005, Eizellen von Mitarbeiterinnen für Klon-Experimente verwendet zu haben – was als unethisch gilt. Einige Wochen später musste er außerdem zugeben, Forschungsergebnisse gefälscht zu haben.)

Das Klonen von Menschen ist in Deutschland und den meisten anderen Industriestaaten aus ethischen Gründen (Bioethik) gesetzlich verboten. Theoretisch möglich wären das reproduktive Klonen, um unfruchtbaren Paaren zu eigenen Kindern zu verhelfen und das therapeutische Klonen, also die Herstellung von Stammzellen bzw. Ersatzorganen für einen erkrankten Patienten. Da die Zellen des implantierten Organs mit den übrigen Körperzellen genetisch identisch wären, hätte man keine Abstoßungsreaktion des Immunsysstems zu befürchten.

Paul de Sousa vom Roslin Institut – wo das Klonschaf Dolly entstanden war – berichtete im Sommer 2005 von einer Parthogenese menschlicher Embryonen: Normalerweise halbieren sich die Chromosomenpaare von Eizellen bei der Reifung, sodass bei der Befruchtung durch ein Spermatozoon, das ebenfalls einen haploiden Chromosomensatz aufweist, wieder ein voller Satz von Chromosomen entsteht. Paul Sousa gelang es jedoch, Eizellen freiwilliger Spenderinnen an der Halbierung der Chromosomenpaare zu hindern und brachte sie durch elektrische Impulse dazu, sich ohne Befruchtung zu teilen. Aus 300 Eizellen entstanden sechs Embyronen, die allerdings nach einigen Teilungsvorgängen abstarben. (Süddeutsche Zeitung, 13. September 2005).

Literatur zum Thema „Klonen“

  • Ian Wilmut, Keith Campbell und Colin Tudge: Dolly. (Übersetzung: Thomas Potthast; München / Wien 2001)
  • Jens Kersten: Das Klonen von Menschen. Eine verfassungs-, europa- und völkerrechtliche Kritik, Tübingen 2004

© Dieter Wunderlich 2005

Genetik, DNA
Michael Bay: Die Insel
Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten
Rolf Schübel: Blueprint

Milena Michiko Flašar - Herr Katō spielt Familie
Milena Michiko Flašar entwickelt die ebenso unspektakuläre wie ungewöhnliche Geschichte feinfühlig und nachdenklich. "Herr Katō spielt Familie" ist ein tiefgründiger und anrührender Roman.
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