Colette


26. September 1829: Jules-Joseph Colette wird in Toulon geboren.

12. August 1835: Eugénie-Sidonie (»Sido«) Landoy wird in Paris als siebtes Kind von Sophie und Henry Landoy geboren. Ihre Mutter stirbt zwei Monate nach der Niederkunft.

Ihr Vater bringt sie zu einer Amme in Mézilles, 150 Kilometer südöstlich von Paris. Er flieht vor seinen Gläubigern nach Belgien und heiratet eine reiche Witwe. Später zieht er nach Lyon und produziert Schokolade.

1836: Die Geschwister Jules und Louise Robineau-Duclos erben nach dem Tod zunächst der Mutter und dann auch des Vaters Ackerland, Weinberge, Wälder, Grundstücke und Immobilien.

1843: Marie Milton, die Haushälterin und Geliebte von Jules Robineau-Duclos, bringt einen von ihm gezeugten Sohn zur Welt.

1847: Jules Colette wird als 18-Jähriger in die Militärakademie St. Cyr aufgenommen.

Um 1850: Sidonie Landoy wird von ihren 19 bzw. 12 Jahre älteren Brüdern Eugène und Paul nach Brüssel geholt.

Jules Robineau-Duclos ist alkoholkrank, verbarrikadiert sich in seinem Haus in dem Dorf Saint-Sauveur-en-Puisaye, 200 Kilometer südöstlich von Paris, und bedroht Bedienstete. Sein Schwager versucht, ihn für geisteskrank erklären zu lassen. Freunde des Bedrängten, die argwöhnen, dass es dem Kläger auf das Vermögen ankommt, drängen den 42-Jährigen zur Eheschließung mit Sidonie Landoy.

17. Januar 1857: Jules Robineau-Duclos und Eugénie-Sidonie Landoy werden im Rathaus von Schaerbeck bei Brüssel miteinander verheiratet, wohnen dann aber in Saint-Sauveur.

Anfangs versucht Sidonie, den Alkoholkonsum ihres Mannes einzudämmen. Aber sie gibt es schließlich auf. Gegen seine Seitensprünge kommt sie ebenfalls nicht an. Sidonie soll sich daraufhin auf eine Affäre mit dem Notar Adrien Jarry eingelassen haben.

Juni 1859: Der Infanteriehauptmann Jules Colette verliert in der Schlacht von Melegnano das linke Bein.

8. August 1859: Henry Gauthier-Villars wird in Villiers-sur-Orge im Département Essonne geboren.

August 1860: Jules Colette wird neuer Steuereinnehmer in Saint-Sauveur-en-Puisaye.

14. August 1860: Sidonie bringt ihre Tochter (Héloïse-Emilie-)Juliette zur Welt.

1863: Sidonie bringt ihren Sohn (Edmé-Jules-)Achille zur Welt.

1864: Henrys Vater Jean-Albert Gauthier-Villars erwirbt einen Verlag.

1865: Jules Robineau-Duclos erliegt einem Schlaganfall.

20. Dezember 1865: Sidonie Landoy und Jules Colette lassen sich standesamtlich trauen.

Oktober 1866: Sidonie bringt ihren Sohn Léopold Jean (»Léo«) zur Welt.

28. Januar 1873: Sidonie-Gabrielle Colette wird in Saint-Sauveur-en-Puisaye als jüngste Tochter von Sidonie und Jules Colette geboren.

Nachdem die Mutter das Kind einige Zeit gestillt hat, übernimmt die Amme Emilie Fleury diese Aufgabe. Die Familie besitzt eine eigene Kutsche und beschäftigt mehrere Bedienstete.

Als die älteren Geschwister in Internaten untergebracht sind, wohnt Gabrielle als einziges der Kinder noch bei den Eltern. (Sie wird auch später kein Internat besuchen.)

5. April 1876: Baron Henry de Jouvenel des Ursins wird in Paris geboren.

1879: Henry Gauthier-Villars beginnt seinen einjährigen Wehrdienst.

Oktober 1879: Gabrielle Colette wird eingeschult.

Das blonde Mädchen mit den eineinhalb Meter langen Zöpfen will von den Mitschülerinnen mit dem Nachnamen angesprochen werden, wie es bei den Jungen üblich ist.

1880: Jules Colette beendet seine Tätigkeit als Steuereinnehmer, kandidiert für den Landrat und erhält nur 10 von 1470 Stimmen.

1884: Gabrielle Colette verbringt mit ihrem Vater eine Woche in Paris. Möglicherweise begegnet sie dabei dem 14 Jahre älteren Salonlöwen Henry Gauthier-Villars (»Willy«) zum ersten Mal. Colette behauptet später, sie habe ihn erst im Sommer 1889 kennengelernt. Auf jeden Fall wird Jules Colette Henrys Vater vorgestellt, dem Verleger Jean-Albert Gauthier-Villars, und die beiden Männer treffen sich von da an häufiger.

Anfang 1885: Gabrielle Colette freundet sich mit der zwei Jahre jüngeren Schauspielerin Marguerite Moreno (1871 – 1948) an, der Geliebten des Dichters Catulle Mendès (1841 – 1909).

14. April 1885: Juliette Colette heiratet den Arzt Charles Roché.

Im Ehevertrag scheint ihr Vater falsche Angaben über sein Vermögen gemacht zu haben. Charles Roché beginnt deshalb einen Rechtsstreit mit Jules Colette. Juliette, hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu ihrem Ehemann und der Familie, versucht sich zu vergiften, wird aber gerettet.

1885: Henry Gauthier-Villars schließt sein Jurastudium ab und fängt im Verlag seines Vaters in Paris zu arbeiten an.

Er lässt Bücher schreiben und veröffentlicht sie unter seinem Namen.

Oktober 1887: Die 24-jährige Olympe Terrain kommt als neue Lehrerin nach Saint-Sauveur.

Juli 1889: Gabrielle Colette besteht die Abschlussprüfung.

19. September 1889: Henrys Geliebte Germaine Servat, die 25-jährige Ehefrau des Fotografen und Karikaturisten Émile Cohl (1857 – 1938), bringt den Sohn Jacques zur Welt. Henry Gauthier-Villars erkennt die Vaterschaft an, und Germaine wird geschieden.

Sommer 1890: Jules und Sidonie Colette ziehen mit Gabrielle zu ihrem Sohn Achille Robineau-Duclos, der inzwischen sein Medizinstudium abgeschlossen und in Châtillon-sur-Loing (heute: Châtillon-Coligny) im Département Loiret eine Arztpraxis eröffnet hat.

Gabrielle Colette assistiert ihrem Bruder bei Hausbesuchen.

31. Dezember 1891: Germaine Servat stirbt. Vermutlich handelt es sich um einen Suizid.

Anfang 1892: Henry Gauthier-Villars bittet die Familie Colette, ihm für seinen kleinen Sohn Jacques eine Amme zu vermitteln.

Juli 1892: Henry Gauthier-Villars holt Jacques von der Amme in Châtillon ab und bringt ihn zu seiner Mutter nach Paris.

November 1892: Henry Gauthier-Villars stellt Gabrielle Colette seinen Eltern in Paris vor.

15. Mai 1893: Gabrielle Colette und Henry Gauthier-Villars heiraten. Seine Eltern bleiben der Hochzeit fern, denn in ihren Augen handelt es sich um eine Mesalliance.

Henry verliert das Mitspracherecht im Verlag, und seine finanzielle Beteiligung daran wird reduziert.

Das Paar verbringt zwei Wochen im Jura. Dann beziehen die beiden eine Mietwohnung in Paris. Sie beschäftigen ein Dienstmädchen und später auch eine Köchin.

Ende 1893: Aufgrund eines anonymen Hinweises ertappt Gabrielle ihren Ehemann in Charlotte Kincelers Wohnung am Montmartre. Die junge Frau ist wohl schon seit Jahren seine Geliebte.

Gabrielle wohnt daraufhin vorübergehend wieder bei ihrem Bruder und ihren Eltern in Châtillon.

Anfang 1894: Sidonie Colette kommt nach Paris, um ihre kranke Tochter zu pflegen, die zwei Monate lang bettlägerig ist. Möglicherweise handelt es sich um einen Nervenzusammenbruch. Es gibt auch Spekulationen darüber, dass der promiskuitive Ehemann sie mit einer Geschlechtskrankheit infiziert haben könnte.

Sommer 1894: Das Ehepaar Gauthier-Villars und der Familienfreund Paul Masson verbringen zwei Monate auf der Belle-Île-en-Mer vor der bretonischen Küste.

Winter 1894/95: Gabrielle trägt bei einem Diner, zu dem die Salonière Léontine Arman de Caillavet (1844 – 1910) eingeladen hat, einen Matrosenanzug, obwohl es Frauen in Paris seit 7. November 1800 nur mit einer Sondergenehmigung des Polizeipräfekten gestattet ist, in der Öffentlichkeit eine Hose zu tragen. (Diese Verordnung wurde 1892 und 1909 zwar gelockert, aber nie aufgehoben. Erst am 31. Januar 2013 stellte die französische Ministerin für die Rechte der Frauen, Najat Vallaud-Belkacem, klar, dass die Bestimmung gegen die französische Verfassung verstoße und deshalb ungültig sei.)

1894/95: Gabrielle schreibt Musikkritiken für »La Cocarde«.

1895: Henry Gauthier-Villars veröffentlicht seinen ersten Roman: »Une Passade«.

Mai 1896: Das Ehepaar Gauthier-Villars besucht Saint-Sauveur-en-Puisaye.

September 1896: Henry und Gabrielle folgen einer Einladung Cosima und Siegfried Wagners nach Bayreuth.

Oktober 1896: Paul Masson verübt Selbstmord.

Winter 1896/97: Gabrielle übergibt ihrem Ehemann das Manuskript ihres ersten Romans. Er überfliegt den Text und wirft die Hefte dann in eine Schublade.

Henry Gauthier-Villars beschäftigt auch weiterhin Auftragsschreiber und veröffentlicht deren Werke unter seinem Namen. Die Einnahmen teilt er sich mit den Autoren

1898: Natalie Clifford-Barney (1876 – 1972), die als »Wilde aus Cincinnati« verschriene Tochter des Eisenbahnbesitzers Albert Clifford Barney (1855 – 1902) und der mit ihm verheirateten Malerin Alice Pike Barney (1857 – 1931), zieht nach Paris und eröffnet dort einen Salon, der bis 1968 existieren wird.

März 1900: Nachdem Henry Gauthier-Villars das Manuskript seiner Frau noch einmal aus der Schublade genommen hat, überredet er sie, ihm die Urheberrechte zu übertragen (wie er es von seinen Auftragsschreibern gewohnt ist), und lässt »Claudine à l’école« (»Claudine erwacht«) unter seinem eigenen Pseudonym »Willy« in Paul Ollendorffs Verlag veröffentlichen.

Das Buch ist so erfolgreich, dass daraus eine ganze Romanreihe über die Hauptfigur Claudine wird. Henry Gauthier-Villars macht aus Claudine eine Marke für Parfums, Zigaretten, Süßigkeiten und vieles mehr. Der Name ist so populär, dass auch zahlreiche Prostituierte ihn übernehmen. Obwohl Gabrielle die Autorin der Romane ist, beansprucht ihr Mann die Urheberrechte.

Ab hier schreibe ich einfach »Colette«, obwohl Gabrielle erst 1923 bei der Veröffentlichung des Romans »Erwachende Herzen« ihren ursprünglichen Familiennamen als Autorennamen benutzt.

Spätsommer 1900: Henry Gauthier-Villars kauft das Landhaus Les Monts-Bouccons bei Besançon, zeigt es seiner Frau und sagt, es gehöre ihr. Bis 1905 verbringt sie jeweils den größten Teil des Sommers in Les Monts-Bouccons.

Frühjahr 1901: Colette freundet sich mit der sieben Jahre älteren Amerikanerin Georgie Raoul-Duval (geborene Urquhart) an.

1901: Die 16-jährige Marguerite Maniez alias Meg Villar schreibt auf ein Foto für Henry Gauthier-Villars die Widmung: »Für meinen Papa von seinem Baby«.

August 1901: Wie jedes Jahr, fährt das Ehepaar zu den Bayreuther Festspielen. Diesmal werden sie von Georgie Raoul-Duval begleitet, die abwechselnd mit Henry und Colette schläft.

Weil Colette in ihrem nächsten Roman auf die Ménage à trois anspielt, bezahlt Georgie Raoul-Duval dafür, dass die Startauflage eingestampft wird. Aber Henry Gauthier-Villars wendet sich daraufhin an einen anderen Verlag, der es ins Programm nimmt: »Claudine en ménage«.

22. Januar 1902: Premiere der Bühnenfassung von »Claudine à Paris« mit Polaire (bürgerlich: Emilie-Marie Bouchard-Zouzé) in der Hauptrolle.

Mai 1902: »Claudine en ménage« (»Claudine in der Ehe«) wird veröffentlicht.

Henry Gauthier-Villars lässt für Polaire und Colette die gleichen Kleider anfertigen und führt sie zusammen aus, um durch die Andeutung einer Ménage à trois für »Claudine en ménage« zu werben.

1902: Henry Gauthier-Villars erwirbt ein Bauernhaus und einen Weinberg in der Nachbarschaft von Les Monts-Bouccons.

Sein Sohn Jacques besucht inzwischen ein Internat in England.

1902: Natalie Clifford-Barney beginnt eine Affäre mit der drei Jahre älteren Colette.

1903: »Claudine s’en va« (»Claudine geht«) erscheint.

31. Oktober 1903: Bertrand de Jouvenel des Ursins wird in Paris als Sohn von Henry de Jouvenel des Ursins und dessen erster Ehefrau Claire Boas geboren.

1904: Henry Gauthier-Villars‘ Mutter stirbt.

März 1905: Colette beginnt ein Liebesverhältnis mit der zehn Jahre älteren Transvestitin Sophie-Mathilde-Adèle-Denise de Morny, Marquise de Belbœuf (1863 – 1944).

»Missys« Vater Charles, der Herzog von Morny (1811 – 1865), war ein illegitimer Sohn von Hortense de Beauharnais, also ein Enkel der französischen Kaiserin Josephine, und ihre Mutter, die russische Fürstin Sofia Trubetzkaja, stammte aus dem Hause Romanow. Im Alter von 18 Jahren war Missy mit Jacques Godard, Marquis de Belbœuf, verheiratet worden. Die Ehe wurde 1903 geschieden.

Mai 1905: Henry Gauthier-Villars (der beinahe bankrott ist) und Colette unterzeichnen ein Papier, mit dem ihre Scheidung eingeleitet wird. Aber sie leben und arbeiten weiter zusammen, schicken sich Liebesbriefe und teilen sich auf Reisen das Hotelzimmer.

Juni 1905: In Natalie Clifford-Barneys Laientheater in Neuilly steht Colette erstmals auf der Bühne.

Sommer 1905: Colette verbringt zum letzten Mal den Sommer in Les Monts-Bouccons. Von nun an verbringen sie und Missy jedes Jahr einen Teil des Sommers in Le Crotoy an der Mündung der Somme.

17. September 1905: Jules Colette stirbt neun Tage nach seinem 76. Geburtstag.

Colette und Henry fahren mit dem Auto zur Beerdigung, kommen jedoch zu spät, weil sie unterwegs dreimal eine Reifenpanne haben.

Ende 1905: Colette beginnt mit Unterricht bei dem ein Jahr jüngeren Pantomimen Georges Wague (1874 – 1965).

6. Februar 1906: Colette tritt im Théâtre des Mathurins in Paris zum ersten Mal als Tänzerin auf, und zwar mit »L’amour, le désir, la chimère«, einer Pantomime von Francis de Croisset. Georgette Leblanc (1869 – 1941) führt Regie.

Die Familie Gauthier-Villars ist entsetzt, denn Tänzerinnen und Schauspielerinnen werden noch immer für Prostituierte gehalten.

März 1906: Colette tritt in dem Einakter »Aux innocents les mains plaines« von Henry Gauthier-Villars im Théâtre Royal erstmals in einer Sprechrolle auf.

Sommer 1906: Colette und Missy verbringen den Sommer in Belle Plage, der Villa der Marquise in Le Crotoy.

November 1906: Colette und Henry räumen ihre gemeinsame Wohnung. Colette zieht zu Missy, die auch in Paris ein Haus besitzt, und mietet außerdem ein kleines Apartment. Henry richtet sich mit seiner Lebensgefährtin Meg Villar in einer anderen Wohnung ein.

November 1906: Im Théâtre Marigny spielt Colette in dem Stück »Pan« von Charles Van Lerberghe (1861 – 1907) die Rolle des Zigeunermädchens Paniska. Im letzten Akt tanzt sie fast nackt in einer bacchantischen Prozession.

16. Dezember 1906: Premiere eines »Mimodramas« im »Moulin Rouge«, bei der Colette und Missy als frivole Zigeunerin bzw. liebeskranker Maler auftreten. Die Marquise verwendet den Künstlernamen »Yssim«.

3. Januar 1907: In der Pantomime »Rêve d’Égypte“ spielt Colette – wieder im »Moulin Rouge« – eine ägyptische Mumie und Missy den Archäologen, der sie entdeckt. Auf dem nackten Oberkörper trägt Colette nur zwei an Riemen zwischen Rock und Halskrause befestigte Brustschalen. Als die beiden Darstellerinnen sich auf der Bühne küssen, kommt es zu einem Skandal. Das Publikum teilt sich in Buh-Rufer und Applaudierer; Henry Gauthier-Villars, der Beifall klatscht, wird als Hahnrei verspottet. Es kommt zu tätlichen Auseinandersetzungen, und die Polizei greift ein.

4. Januar 1907: Angehörige der Familie de Morny fordern den Polizeipräfekten auf, eine weitere Aufführung zu verbieten. Um die Vorstellung nicht absagen zu müssen, wird Missy durch Georges Wague ersetzt.

13. Februar 1907: Ein Gericht ordnet die Scheidung der Ehe von Henry Gauthier-Villars und Colette aufgrund »wechselseitiger Verfehlungen« an.

23. Februar 1907: Im »Mercure de France« wird »La retraite sentimentale« (»Claudine findet zu sich selbst«) veröffentlicht. Erstmals wird Colette als Autorin angegeben.

März 1907: Colette und Missy halten sich in Menton auf. Colette und Georges Wague spielen »Rêve d’Egypte« in Nizza.

Ostern 1907: Jacques Gauthier-Villars verbringt die Ferien zu Hause und wundert sich darüber, dass sich seine geschiedenen Eltern beinahe jeden Tag treffen. Colette arbeitet auch weiterhin in Henrys literarischer Werkstatt.

August/September 1907: Colette und Missy, Meg und Henry wohnen in benachbarten Häusern in Le Crotoy.

Herbst 1907: Henry Gauthier-Villars, der von seinen Gläubigern verklagt wurde, verkauft nicht nur seine beiden Rennpferde, sondern verschleudert auch die Veröffentlichungsrechte an den Claudine-Romanen seiner Ex-Frau, ohne sie zu informieren, geschweige denn ihr Einverständnis einzuholen.

21. Oktober 1907: Renaud de Jouvenel des Ursins wird als Sohn von Henry de Jouvenel des Ursins und Isabelle de Comminges geboren.

1. November 1907: Colette, George Wague und Christine Kerf spielen erstmals in der Pantomime »La chair«. In einer Eifersuchtsszene zerfetzt der von Georges Wague dargestellte Schmuggler seiner Geliebten Yulka das bodenlange Kleid, sodass ihr linkes Bein und ihre linke Brust entblößt werden. (Sie stellt die Szene auch für einen Fotografen.) Das skandalöse Stück erweist sich als Riesenerfolg: Insgesamt etwa 600-mal tritt Colette als Yulka auf.

Dezember 1907: Henry verkauft Les Monts-Bouccons.

Winter 1907/08: Colette und Georges Wague spielen »La chair« in Nizza.

Juli 1908: Colette und Missy sind wieder in Le Crotoy.

August 1908: Colette spielt in Genf die Hauptrolle in »Son premier voyage« von Léon Xanrof (1867 – 1953).

9. September 1908: Colettes Schwester Juliette vergiftet sich.

5. Februar 1909: Premiere des Stücks »En camarades« in der Comédie Royale. Colette schrieb es und spielt die Hauptrolle.

Ende Februar 1909: Colette erfährt, dass Henry Gauthier-Villars heimlich die Rechte an ihren Claudine-Romanen verkaufte.

Frühjahr 1909: Colette tritt innerhalb von 32 Tagen in 32 französischen Städten auf.

31. August 1909: Colette hält sich mit Missy in Le Crotoy auf und beginnt »La vagabonde« zu schreiben.

November 1909: Colette beschuldigt Henry Gauthier-Villars, er habe Germaine Servat 1891 vergiftet.

Ende 1909: Colette betätigt sich als Immobilienmaklerin, um ihre Einnahmen aufzubessern.


Dieter Wunderlich: Unerschrockene Frauen. © Piper Verlag 2013

Ein litarisches Porträt von Colette finden Sie in dem Buch
„Unerschrockene Frauen. Elf Porträts“ von Dieter Wunderlich.
Piper Verlag, München 2013 – Leseprobe


Frühjahr 1910: Colette tritt in 30 Städten auf. Dabei folgt ihr Auguste Hériot, der 24-jährige Erbe des Kaufhauses Les Magasins du Louvre, der fast alle ihre Vorstellungen besucht, ihr Blumen schickt und schließlich ihr erster deutlich jüngerer Liebhaber wird.

21. Mai 1910: Das Magazin »La vie parisienne« beginnt mit der Veröffentlichung des Romans »La vagabonde« in 20 Folgen. (Die deutsche Übersetzung erscheint später unter dem Titel »Renée Néré. Das Leben einer Frau«.)

21. Juni 1910: Die Scheidung von Colette und Henry Gauthier-Villars wird rechtskräftig.

Herbst 1910: Nachdem Colette und Missy seit 1905 jedes Jahr einen Teil des Sommers in Le Crotoy verbrachten, suchen sie nun etwas Neues und finden es in der Bretagne: Missy kauft das Anwesen Rozven zwischen Saint-Malo und Cancale.

Dezember 1910: Colette verklagt ihren Ex-Mann wegen eines Streits um Möbel.

Dezember 1910: Colette verpflichtet sich vertraglich, regelmäßig Artikel für »Le Matin« zu schreiben.

Ende 1910: Jacques Gauthier-Villars kehrt aus England nach Frankreich zurück. Sein Vater lebt inzwischen mit Meg Villar in Monte Carlo.

Januar 1911: Colette und Georges Wague spielen in Paris zwei Wochen lang »La chair«.

Februar 1911: Colette und Auguste Hériot treten in »Xantho« von Jacques Richepin in Nizza auf. Dort hat Colette eine Affäre mit der 20-jährigen Lily de Rême, während gleichzeitig Auguste Hériot ihr Geliebter ist.

Colette reist mit Auguste Hériot und Lily de Rême nach Tunesien. Dort trennt sie sich zuerst von ihm, dann von ihr.

März/April 1911: Colette hält sich mit Missy in Rozven auf.

April 1911: Colette spielt zwei Wochen lang in »La chair« in Paris.

Juni 1911: Colette und der drei Jahre jüngere Journalist Henry de Jouvenel des Ursins (1876 – 1935) werden ein Paar.

Henrys Großvater hatte 1844 das Château Castel-Novel im Département Corrèze gekauft. Nach der Trennung seiner Eltern wuchs Henry bei der Mutter auf und zog mit 17 zum Vater nach Paris, wo er an der Sorbonne Philosophie studierte. 1902 heiratete er Claire Boas. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Bertrand de Jouvenel (1903 – 1987). Nach vier Jahren verließ er seine Ehefrau. Bevor er die Liebesbeziehung mit Colette begann, lebte er mit der Grafentochter Isabelle de Comminges zusammen, deren Ex-Mann, ebenfalls ein Graf, aufgrund einer Psychose in einem Heim untergebracht war. 1907 bekamen sie den Sohn Renaud.

Ende Juni 1911: Colette reist mit Georges Wague in die Schweiz, wo sie zehn Tage lang in »La chair« auftreten.

Henry de Jouvenel folgt Colette nach Lausanne und schreibt seiner Ehefrau Claire, er wolle sich scheiden lassen.

Colette trennt sich von Missy, die ihr Rozven überlässt und in eine benachbarte Villa zieht.

25. September 1912: Sidonie Colette stirbt in Châtillon.

Colette fährt nicht zur Beerdigung.

November 1912: Claire und Henry Gauthier-Villars werden geschieden.

19. Dezember 1912: Colette, die inzwischen schwanger ist, und Henry de Jouvenel heiraten standesamtlich in Paris.

3. Juli 1913: Colette bringt eine Tochter zur Welt. Das Kind erhält den Namen Colette Renée (»Bel-Gazou«), wird aber nicht getauft.

Colette de Jouvenel wächst bei einer Kinderfrau in Castel-Novel auf. Ihre Eltern sieht sie mitunter ein halbes Jahr lang nicht.

November 1913: Georgie Raoul-Duval stirbt.

31. Dezember 1913: Colettes Bruder Achille stirbt.

Juli 1914: Colette verbringt die Ferien mit der 25-jährigen Filmschauspielerin Musidora (bürgerlich: Jeanne Roques, 1889 – 1957) in Rozven.

1. August 1914: Colette und Musidora fahren nach Saint Malo.

12. August 1914: Henry de Jouvenel kommt als Infanteriefeldwebel nach Verdun.

Wegen des Wegfalls seiner Einnahmen bei der Zeitung muss Colette Bedienstete entlassen und sich erstmals in ihrem Leben selbst um den Haushalt kümmern. Sie bildet mit Musidora, Marguerite Moreno und der Schriftstellerin Annie de Péne eine Art Kommune.

Colette de Jouvenel wird von Miss Draper, dem Kindermädchen, nach Castel-Novel gebracht.

Oktober 1914: Colette beginnt freiwillig als Krankenschwester im zum Lazarett umfunktionierten Lycée Janson-de-Sally zu arbeiten.

Winter 1914/15: Colette verbringt einige Wochen unter falschem Namen in Verdun, um hin und wieder ihren Mann zu sehen. Unterschlupf findet sie bei einem Offizier und dessen Frau.

Juni 1915: »Le Matin« schickt Colette als Berichterstatterin nach Rom.

Gabriele D’Annunzio (1863 – 1938) wohnt im benachbarten Hotelzimmer.

Juli 1915: Colette verbringt einige Tage mit ihrer Tochter in Rozven.

1916: Pauline Vérine wird Colettes Haushälterin.

Juli 1916: Colette und ihr Ehemann halten sich in Castel-Novel auf.

Herbst 1916: Henry de Jouvenel wird nach Mailand versetzt. Colette verbringt zwei Monate am Comer See. Sie trifft dort ihren Mann, seinen jüngeren Bruder Robert de Jouvenel (1882 – 1924) und dessen Freundin Zou.

November 1916: Colette kehrt nach Paris zurück.

Winter 1916/17: Colette hält sich in Rom auf und trifft dort ihren Mann, der aus Udine kommt, wo er an einer Konferenz der Alliierten teilnimmt.

Frühjahr 1917: Colette, die noch in Rom bleibt, obwohl ihr Mann nach Paris zurückgekehrt ist, schließt einen Vertrag über die Verfilmung von »La vagabonde« und schreibt das Drehbuch.

Sommer 1917: Colette hält sich in Castel-Novel auf.

Henry de Jouvenel verschafft Georges Wague die Möglichkeit, am Pariser Konservatorium eine Pantomimen-Klasse zu unterrichten.

Oktober 1917: Die Dreharbeiten für »La flamme cachée« beginnen. Das Drehbuch schrieb Colette im Auftrag Musidoras, die inzwischen zum Stummfilmstar geworden ist und auch selbst Filme produziert.

Statt bei den Dreharbeiten zuzuschauen, fährt Colette nach Castel-Novel, um sich mit ihrem Mann zu treffen, der zwei Wochen Urlaub bekommen hat. Während sie mit ihrer Tochter auf ihn wartet, stolpert die Vierjährige auf der Steintreppe und verletzt sich leicht im Gesicht.

14. Oktober 1917: In Castel-Novel erhält Colette die Nachricht, dass Annie de Pène an spanischer Grippe starb.

Ende 1917: Henry de Juvenel kehrt aus dem Krieg zurück und arbeitet wieder bei »Le Matin«.

Colette und Henry de Juvenel leben zunehmend getrennt voneinander.

1918: Colette holt ihre Tochter für drei Wochen zu sich nach Paris.

Sommer 1918: Colette hält sich mit Annies de Pènes Tochter Germaine Beaumont (eigentlich: Germaine Battendier, 1890 – 1983) und Meg Villars in Rozven auf.

Colette gehört jetzt auch zur Redaktion der Zeitung »Le Matin« und übernimmt schließlich die Leitung des literarischen Feuilletons. Germaine Beaumont wird ihre unbezahlte Sekretärin.

Mai 1919: Hélène Picard wird Colettes zweite Sekretärin bei »Le Matin«.

Germaine Beaumont und Hélène Picard gehören zu Colettes engen Freundinnen.

1919: Colette freundet sich mit Germaine Patat an, einer Geliebten ihres Ehemanns – und nutzt die junge Frau aus.

1919: Der Roman »Mitsou, ou comment l’esprit vient aux filles« (»Mitsou«) erscheint.

Frühjahr 1920: »Chéri« erscheint als Fortsetzungsroman im Magazin »La vie parisienne«.

Frühjahr 1920: Henry de Jouvenels Sohn Bertrand, der Mathematik und Philosophie studiert, besucht Colette und erreicht, dass sie und seine Mutter Claire Boas Freundinnen werden.

Sommer 1920: Colette nimmt Bertrand de Jouvenels mit nach Rozven. Nachdem die anderen Gäste abgereist sind, bleibt Colette mit Hélène Picard, Germaine Beaumont, ihrer Tochter und Bertrand zurück. Wenn wir Judith Thurman glauben, bringt sie dem 16-Jährigen nicht nur das Schwimmen bei, sondern sorgt auch dafür, dass Germaine ihn zu verführen versucht. Aber der unerfahrene Junge hat sich in Colette verliebt und lässt sich nur von ihr zum Mann machen.

September 1920: Claire holt ihren Sohn aus Rozven ab und argwöhnt wegen seines veränderten Benehmens, dass Colette ihn verdorben haben könnte.

25. September 1920: Colette und die Lyrikerin Anna de Noailles (1876 – 1933) werden Ritter der Ehrenlegion.

9. Januar 1921: Henry de Jouvenel wird als unabhängiger Linker zum Senator des Départements Corrèze gewählt.

Colette lässt sich liften, die Zähne richten und Dauerwellen machen.

Sommer 1921: Colette setzt die Affäre mit ihrem Stiefsohn Bertrand de Jouvenel in Rozven fort.

Herbst 1921: Colette fährt mit Bertrand nach Saint-Sauveur.

13. Dezember 1921: Die Bühnenfassung des Romans »Chéri« wird am Théâtre Michel in Paris uraufgeführt.

26. Februar 1922: In der 100. Aufführung von »Chéri« spielt Colette auf ihren Wunsch statt Valentine Tessier die Rolle der Léa. Nach zehn Jahren steht sie erstmals wieder auf der Bühne.

Colette trifft Bertrand de Jouvenel jetzt auch in Paris häufiger und geht beispielsweise mit ihm ins Theater. Er übernachtet hin und wieder bei ihr.

April 1922: Colette verbringt zwei Wochen mit Bertrand de Jouvenel in Algerien. Sie wohnen in Tipasa bei dem mit Colette befreundeten Fürstenpaar Polignac.

1922: Die Zeitung »Le Matin« beginnt mit dem Abdruck des Romans »Le blé en herbe« abzudrucken. Colette schildert die sexuelle Initiation eines 16-Jährigen durch eine reife Frau. Auch wenn die Leser nichts von der Affäre Colettes mit ihrem Stiefsohn Bertrand ahnen, empfinden sie dies als skandalös, und aufgrund der Proteste bricht »Le Matin« die Veröffentlichung ab.

1922: Miss Draper beendet ihre Tätigkeit als Colette de Jouvenels Kindermädchen.

August/September 1922: Colette schickt ihre Tochter zu Freunden, während sie in Rozven ist.

1. Oktober 1922: Colette de Jouvenel kommt ins Internat Germain-en-Laye.

1922: Henry de Jouvenel verhandelt als französischer Chefdelegierter beim Völkerbund in Genf über Abrüstung und Reparationen.

Er beginnt eine Affäre mit der Schriftstellerin Marthe Bibesco (1886 – 1873).

2. Februar 1923: Premiere der Bühnenfassung von »La vagabonde« am Théâtre de la Renaissance in Paris.

1923: Das Ehepaar de Jouvenel leitet die Scheidung ein.

1923: Marguerite Morenos Ehemann Jean Daragon stirbt. Kurz darauf beginnt sie ein Liebesverhältnis mit ihrem Cousin Pierre Moreno-Boyou.

1923: »Le blé en herbe« (»Erwachende Herzen«) erscheint in Buchform. Erstmals benutzt die Autorin nur ihren Mädchennamen Colette.

Januar 1924: Colette lernt in Gstaad Skifahren.

2. Juli 1924: Robert de Jouvenel stirbt im Alter von 42 Jahren an einem Herzinfarkt.

1924: Henry de Jouvenel wird von Ministerpräsident Raymond Poincaré (1860 – 1934) ins Kabinett berufen.

21. März 1925: Uraufführung die Oper »L’enfant et les sortilèges« (»Das Kind und der Zauberspuk«) von Maurice Ravel, für die Colette 1915 das Libretto schrieb.

April 1925: Colette und Henry de Jouvenel werden geschieden.

1925: Als Marguerite Moreno ihre Freundin Colette mit zu einem Diner bei Andrée und Bernard Bloch-Levalois nimmt, begegnen Colette und der Geschäftsmann Maurice Goudeket sich zum zweiten Mal und kommen sich näher.

Maurice Goudeket (1889 – 1977) wurde in Paris als Sohn einer französischen Mutter und eines holländischen Diamantenhändlers geboren.

Maurice Goudeket und Marguerite Moreno besuchen die Bloch-Levalois, die ihren Urlaub am Cap-d’Ail verbringen. Kurz darauf gesellen sich auch Marguerites Neffe und Colette zu ihnen.

Sommer 1925: Colette verbringt zwei Wochen mit Maurice Goudeket in Var.

Oktober 1925: Ihre Tochter kommt in ein Internat in England. (Ein halbes Jahr später wechselt sie auf ein Internat in Versailles.)

10. November 1925: Henry de Jouvenel wird französischer Hochkommissar in Syrien und Libanon.

November 1925: Colette trifft sich während des Aufenthalts an der Riviera mit Bertrand de Jouvenel, der sich in Cannes erholt. Zu einem Abendessen mit ihm bringt sie allerdings Maurice Goudeket mit – vielleicht um ihn eifersüchtig zu machen. Jedenfalls verbringt sie nach dem Restaurantbesuch in ihrem Hotelzimmer die letzte Nacht mit ihm.

Colette beschließt, Rozven zu verkaufen und erwirbt stattdessen das Bauernhaus »Tamaris les Pins« bei Saint-Tropez, das sie in »La Treille Muscate« umbenennt.

Anfang 1926: Colette und Maurice Goudeket sind zu Gast bei Al-Glâwi, dem Pascha von Marrakesch.

Januar 1926: Colette geht mit »Chéri« auf Tournee.

März 1926: Der Roman »La fin de Chéri« (»Chéris Ende«) wird veröffentlicht.

Juli 1926: Colette beaufsichtigt den Abtransport ihrer Möbel aus Rozven.

Sie bezieht eine Wohnung im Palais Royal in Paris.

11. Januar 1927: Das Magazin »Revue de Paris« beginnt mit dem Abdruck des Romans »La naissance du jour« (»Die Freuden des Lebens«) in Fortsetzungen.

1. Januar 1929: »Les Annales« beginnt mit dem Abdruck von »La seconde« (»Die Andere«) in Fortsetzungen.

Ostern 1929: Colette und Maurice Goudeket reisen nach Spanien und Marokko.

Anfang November 1929: Die erste Fassung des Romans »Sido« erscheint.

In Montfort-l’Amaury westlich von Paris, wo Colette ein Wochenendhaus gemietet hat, kauft Maurice Goudeket die Villa La Gerbière.

Mai 1930: Die erweiterte Fassung des Romans »Sido« erscheint.

Winter 1930/31: Maurice Goudeket ist pleite. Er muss La Gerbière verkaufen (an Coco Chanel) und seinen Chauffeur entlassen.

Colette und Maurice Goudeket quartieren sich im Hotel Claridge an den Champs Elysées ein.

Colette sorgt jetzt für den Unterhalt.

12. Januar 1931: Henry Gauthier-Villars stirbt.

September 1931: Colette bricht sich ein Bein, als sie während einer Autofahrt mit Maurice Goudeket an der Riviera ein klemmendes Gatter zu öffnen versucht. Die Fraktur wird im Krankenhaus von Saint-Tropez behandelt.

März 1932: Um unter ihrem Namen Schönheitsprodukte herzustellen und zu vertreiben, lässt Colette eine Firma ins Handelsregister eintragen.

Juni 1932: Sie eröffnet einen Schönheitssalon in Paris.

August 1932: Eröffnung einer Filiale in Saint-Tropez.

Das Unternehmen bleibt erfolglos.

1932 bis 1934: Henry de Jouvenel vertritt Frankreich als Botschafter in Italien.

Mai 1933: Der Roman »La chatte« (»Die Katze«) erscheint.

Sommer 1933: Colette verbringt den Sommer in Saint-Tropez und trifft sich häufig mit den Nachbarn Vera und Julio van den Henst. Der in Guatamala geborene Zahnarzt ist eng mit Maurice Goudekets befreundet. Zum Freundeskreis der van den Hensts gehören auch die Brüder Georges und Joseph (»Jef«) Kessel in Nizza. In diesem Sommer schreibt Jef in einem Hotel bei Le Lavandou an einem neuen Roman, und sein jüngerer Bruder Georges erholt sich bei Colette in La Treille Muscate von seinem Drogenkonsum.

Herbst 1933: Colette, die gerade mit der Zeitung »La République« einen Vertrag« über einen täglichen Artikel abgeschlossen hat, wird außerdem Haupttheaterkritikerin bei »Le Journal«.

März 1935: Colette wird in die Académie Royale de Langue et de Littérature Française de Belgique gewählt.

1935: Nach dem Bankrott des Hotels Claridge mieten Colette und Maurice zwei benachbarte Wohnungen in Paris.

3. April 1935: Colette und Maurice Goudeket heiraten.

Mai 1935: Nach einem Aufenthalt in Saint-Tropez reisen Colette und Maurice Goudeket nach Le Havre.

29. Mai 1935: Dort gehen sie an Bord des Passagierschiffs »Normandie«, um für ihre Zeitungen über die Jungfernfahrt des zu dieser Zeit größten Schiffes der Welt zu berichten. Zufällig ist auch Bertrand de Jouvenal als Journalist auf dem Schiff.

Die »Normandie« überquert den Atlantik in der Rekordzeit von vier Tagen und drei Stunden.

11. August 1935: Colette de Jouvenel (Bel-Gazou) heiratet in Castel Novel den 32-jährigen Landarzt Camille Dausse.

Ein paar Wochen nach der Trauung besuchen die Neuvermählten Colette, die nicht an der Hochzeit teilnahm, in Saint-Tropez. Die Ehe überdauert kaum die Flitterwochen. (Die Scheidung erfolgt nach einem Jahr.) Angeblich erzählt die Lesbe Colette de Jouvenel ihrer Mutter später, sie habe nur geheiratet, um sich zu »normalisieren«.

1935: Nach Colettes Roman »L’envers du music-hall« (»Wir Komödianten vom Varieté«) dreht Max Ophüls den Film »Divine«.

5. Oktober 1935: Baron Henry de Jouvenel des Ursins stirbt.

November 1937: In einem Interview erwähnt Colette, dass sie gern weiter im Palais Royal gewohnt hätte. Ein Mieter, der dies liest, überlässt ihr daraufhin seine Wohnung. Sie zieht dort mit ihrer langjährigen Haushälterin Pauline Vérine ein – und wird Nachbarin von Jean Cocteau.

Juni 1938: Colette wechselt von »Le Journal« zu »Paris-Soir«.

März 1939: Der Roman »Le Toutounier« (»Duett«) erscheint.

Juni 1939: Colette verkauft ihr Anwesen La Treille Muscate bei Saint-Tropez und erwirbt stattdessen das Landhaus Le Parc in Méré, einem Dorf bei Montfort-l’Amaury.

August 1939: Colette und Maurice Goudeket machen Urlaub in Dieppe.

Zurück in Paris, erleben sie den ersten Luftangriff. Colette lässt sich von Maurice überreden, mit ihm den Luftschutzkeller aufzusuchen, aber sie findet es dort so unerträglich, dass sie von da an auch bei schweren Bombardements in der Wohnung bleibt.

12. Juni 1940: Colette, Pauline Vérine und Maurice Goudeket, der sich wegen seiner jüdischen Abstammung vor den Nationalsozialisten in Acht nehmen muss, fahren zu Colettes Tochter in die Corrèze. Bel-Gazou hat dort nach dem Tod ihres Vaters von ihrem Halbbruder Renaud das Gut Curemont bekommen. Es ist 15 Kilometer von Castel-Novel entfernt, wo Renaud de Jouvenel jetzt mit seiner Ehefrau Arlette wohnt.

Mitte Juli 1940: Die Besucher verabschieden sich von Bel-Gazou und fahren weiter nach Clermont-Ferrand.

Ende Juli 1940: Colette, Pauline Vérine und Maurice Goudeket treffen in Lyon ein.

Dort besorgen sie sich Passierscheine, um nach Paris zurückkehren zu können.

11. September 1940: Sie sind wieder in Paris.

Oktober 1940: Colette verkauft das Landhaus Le Parc in Méré. Zum ersten Mal seit 40 Jahren besitzt sie kein Domizil auf dem Land.

Colette lehnt es ab, sich vom Vichy-Regime zu distanzieren, weigert sich beispielsweise auch, eine Petition gegen die Festnahme des jüdischen Direktors der Bibliothèque Nationale, Julien Cain (1887 – 1974), zu unterzeichnen oder sich an der Umhüllung von Sacré-Cœur mit der Trikolore zu beteiligen.

1941: Colettes Roman »Julie de Carneilhan« (»Die erste Madame d’Espivant«) erscheint.

12. Dezember 1941: Maurice Goudeket wird von der Gestapo abgeholt.

6. Februar 1942: Er kehrt aus einem Lager in Compiègne zurück.

April 1942: Colette und Maurice Goudeket werden in die deutsche Botschaft in Paris zum Tee eingeladen, vermutlich auf Betreiben von Suzanne (de Bruycker), der französischen Ehefrau des deutschen Botschafters Otto Abetz (1903 – 1958).

1942: »Gigi« wird als Fortsetzungsroman veröffentlicht. (Die Buchausgabe folgt 1944.)

Juni 1942: Colette benötigt wegen ihrer Arthritis einen Rollstuhl.

1942: Als die Massendeportationen von Juden aus dem besetzten Teil Frankreichs beginnen, setzt Maurice Goudeket sich mit gefälschen Papieren in den Süden ab und findet Unterschlupf bei seinen Freunden Vera und Julio van den Henst in Saint-Tropez.

Dezember 1942: Maurice Goudeket kehrt zu Colette nach Paris zurück.

Frühjahr 1943: Der katholische Schriftsteller François Mauriac (1885 – 1970) besucht Colette mehrmals. Möglicherweise geht sie auf seine Bekehrungsversuche ein, weil er über gute Beziehungen verfügt. Der Jesuitenpater, den er empfiehlt, lehnt den Übertritt Maurice Goudekets zum katholischen Glauben allerdings ab.

Ende Oktober 1943: Colettes enge Freundin Renée Hamon stirbt im Alter von 46 Jahren (Colette ist inzwischen 70) an Gebärmutterkrebs.

Renée Hamon heiratete 1928 den 30 Jahre älteren schwedischen Übersetzer Harald Heyman. 1933 begann sie allein eine Weltreise mit dem Fahrrad, die drei Jahre lang dauerte. Danach reiste sie für 20 Monate nach Tahiti.

Colette verbringt die meiste Zeit auf dem Sofa und verlässt ihre Wohnung kaum noch, denn sie ist inzwischen korpulent geworden, und es sind zwei Männer erforderlich, um sie die Treppe hinunterzutragen.

Bevor Vera und Julio van den Henst über Lissabon nach Guatemala emigrieren, finden sie Unterschlupf bei Colette in Paris.

29. Juni 1944: Sophie-Mathilde-Adèle-Denise de Morny, Marquise de Belbœuf, die bereits einen gescheiterten Suizidversuch hinter sich hat, vergiftet sich mit Gas.

18. August 1944: Maurice Goudeket wird bei einem Spaziergang in der Nähe der Tuilerien unfreiwillig Zeuge eines Gefechts zwischen deutschen Soldaten und französischen Polizisten. Er bringt sich im nächsten Luftschutzkeller in Sicherheit, wird dort jedoch eingeschlossen und erst nach drei Tage befreit. Colette macht sich große Sorgen um ihn.

Anfang 1945: Hélène Picard stirbt. Damit ist Marguerite Moreno die einzige noch lebende enge Freundin Colettes.

1945: Colette arbeitet im Haus der Sängerin, Schauspielerin und Theaterleiterin Simone Berriau (eigentlich: Simone Blanche Eugénie Bossis, 1896 – 1984) in Hyères an ihrem letzten Roman: »L’etoile vesper«.

2. Mai 1945: Als zweite Frau nach Judith Gautier (1845 – 1917) wird Colette nach dem Rücktritt von Jean de la Varende (1887 – 1959) in die Académie Goncourt gewählt. (Edmond de Goncourt hatte eigentlich Frauen, Juden und Mitglieder der Académie française ausschließen wollen.)

In ihrem Testament vermacht Colette die Hälfte ihres Besitzes ihrer Tochter, die andere ihrem Ehemann, den sie auch als Nachlassverwalter einsetzt. Falls die Tochter das Testament anfechten würde, sollte sie enterbt werden. (Tatsächlich kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Erben.)

Herbst 1945: Pauline Verine heiratet Julien Tissandier.

November 1945: Colette de Jouvenel kommt nach Paris zurück.

Sie unterstützte die Résistance. Colette de Jouvenel verkauft Curemonte, eröffnet einen (erfolglosen) Antiquitätenladen in Paris und tritt als Journalistin für ein unnachsichtiges Vorgehen gegen Kollaborateure ein. Später wird sie Lieder schreiben und Filme drehen.

Anfang 1946: Colettes rechte Schulter beginnt so zu schmerzen, dass sie nicht mehr schreiben kann.

April 1946: Sie lässt sich sechs Wochen lang in Genf behandeln.

5. März 1948: Colette, Jean Cocteau, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir begegnen sich bei einem Diner von Simone Berriau.

1948: Maurice Goudeket beginnt mit der 15-bändigen Gesamtausgabe der Werke seiner Frau.

14. Juli 1948: Marguerite Moreno stirbt.

30. Oktober 1948: Das Théâtre de la Madeleine in Paris nimmt »Chéri« mit Jean Marais und Valentine Tessier ins Programm. Am ersten Abend sitzt Colette in der Proszeniumsloge und wird mit Ovationen gefeiert.

1949: Colette übernimmt den Vorsitz in der Académie Goncourt.

Mai 1950: Colette und Maurice Goudeket sind zu Gast bei Fürst Rainier III. (1923 – 2005) in Monaco. Das wiederholt sich in den Jahren 1951 bis 1954.

August 1950: Colette vollendet die Bühnenfassung von »Die Andere«.

1951: Die französische Regisseurin Yannick Bellon (* 1924) dreht einen Dokumentarfilm über Colette.

1953: Colette avanciert zum Grand Officier der Ehrenlegion.

Ende Juli 1954: Colette kann sich im Bett nicht mehr aufsetzen. Eine Krankenschwester entlastet Pauline Verine.

3. August 1954: Sidonie-Gabrielle Colette stirbt in Paris.

Der Erzbischof von Paris lehnt die gewünschte religiöse Zeremonie in der Église Saint-Roch ab.

7. August 1954: Colette erhält als erste Frau in Frankreich ein Staatsbegräbnis.

Verfilmungen:

  • Gigi (Regie: Jacqueline Audry, 1948 – Gigi)
  • Minne, l’inguène libertine (Regie: Jacqueline Audry, 1950 – Die naive Sünderin)
  • Le blé en l’herbe (Regie: Claude Autant-Lara, 1954 – Erwachende Herzen)
  • Mitsou (Regie: Jacqueline Audry, 1956 – Mitsou und die Männer)
  • Claudine à l’école (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine in der Schule)
  • Claudine s’en va (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine geht)
  • Claudine en menage (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudines Eheleben)
  • Claudine à Paris (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine in Paris)
  • Le blé en l’herbe (Regie: Serge Meynard, 1989 – Erwachende Herzen)
  • Bella Vista (Regie: Alfredo Arias, 1991 – Bella Vista)
  • Chéri (Regie: Stephen Frears, 2009 – Chéri. Eine Komödie der Eitelkeiten)

Literatur über Colette:

  • Claude Francis und Fernande Gontier: Colette. Biografie (Übersetzung: Linda Gränz, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1998)
  • Herbert Lottman: Colette. Eine Biografie (Übersetzung: Roselie und Saskia Bontjes van Beek, Zsolnay, Wien 1991)
  • Yvonne Mitchell: Colette. Eine Biografie (Übersetzung: Hanna Lux; Fischer,
    Frankfurt/M. 1979)
  • Joanna Richardson: Colette. Leidenschaft und Sensibilität (Übersetzung: Renate Zeschitz, Heyne, München 1985)
  • Judith Thurman: Colette. Roman ihres Lebens (Übersetzung: Brigitte Flickinger,
    Berlin Verlag, Berlin 2001)
  • Dieter Wunderlich: Unerschrockene Frauen. Elf Porträts (Piper, München 2013)

© Dieter Wunderlich 2007
Hauptquelle: Judith Thurman:

Colette: Mitsou
Judith Thurman: Colette. Roman ihres Lebens
Stephen Frears: Chéri. Eine Komödie der Eitelkeiten

Ein litarisches Porträt von Colette finden Sie in dem Buch
„Unerschrockene Frauen. Elf Porträts“ von Dieter Wunderlich (Piper-Taschenbuch, München 2013)

Martin Mosebach - Eine lange Nacht
"Eine lange Nacht" ist eine Art ironischer Bildungsroman. Die Figuren sind Alltagsmenschen, die Ereignisse unspektakulär. Statt einen Spannungsbogen aufzubauen, reiht Martin Mosebach auf kunstvolle – mitunter ermüdende – Weise Episoden aneinander.
Eine lange Nacht

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