Pina

Pina

Pina

Originaltitel: Pina – Regie: Wim Wenders – Drehbuch: Wim Wenders – Kamera: Hélène Louvart – Schnitt: Toni Froschhammer – Musik: Thom – Darsteller: Pina Bausch u.a. – 2011; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Wim Wenders präsentiert längere Ausschnitte aus "Le sacre du printemps", "Café Müller", "Kontakthof" und "Vollmond". Außerdem tanzen Solisten kurze Szenen statt auf der Bühne u. a. in der Wuppertaler Schwebebahn, im Schwimmbad, auf einer Abräumhalde. Zwischendurch lässt Wim Wenders einige der internationalen Solisten von ihrer Arbeit mit Pina Bausch erzählen.

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Kritik

Die 3D-Technik ermöglichte es Wim Wenders, die Räumlichkeit der Choregrafien von Pina Bausch ins Kino zu bringen. Doch unmittelbar vor Drehbeginn starb Pina Bausch. So wurde "Pina" eine eindrucksvolle, mitreißende Hommage an ihr Tanztheater.

Pina Bausch (Kurzbiografie)

Mitte der Achtzigerjahre, als Wim Wenders aus den USA zurückkam, sah er erstmals ein Stück von Pina Bausch: „Café Müller“. Er war begeistert und schlug ihr vor, gemeinsam einen Film über ihr Tanztheater zu drehen. Wim Wenders wollte zeigen, wie Pina Bausch die Welt sah und wie sie diese Wahrnehmung in die Sprache der Bewegung übersetzte.

Eigentlich sollte Pinas Blick der Schlüssel zu diesem Film sein: Wie sieht Pina die Welt, wie sieht sie ihre Tänzer – und was sieht sie in ihnen? Pinas Blick war einzigartig. Sie hat ihre ganze Energie auf das Schauen – ihr eigenes Wort war „Gucken“ – spezialisiert: Wie zeigen Menschen ihr Innerstes durch Bewegung? Und wie lassen sich ihre Gesten lesen? Dafür hatte Pina ihren Blick geschärft wie niemand sonst auf diesem Planeten. (Wim Wenders im Interview mit Dorion Weickmann, kultiversum, 14. Februar 2011)

Pina Bausch zeigte großes Interesse an dem Projekt. Aber Wim Wenders zögerte es immer weiter hinaus, weil er nicht wusste, wie er die Choreografien adäquat auf der Leinwand präsentieren sollte. Die Fortschritte in der 3D-Technik überzeugten ihn schließlich davon, dass auch im Kino ein dreidimensionaler Raum geschaffen werden könne.

Ich stand wie vor einer Mauer. Ich kam nicht ran an das, was Pina mit den Tänzern machte, diese Körperlichkeit. Pina war traurig, aber sie hat es verstanden. Und ich habe immer gedacht, ich habe eine Blockade, ich muss was finden: Handkamera, Kran … Aber alles, was die Kamera konnte, war nicht gut genug. Ich wusste nicht, was mir fehlte, aber es fehlte mir was. (Wim Wenders im Interview mit stern.de, 27. Februar 2011)

Das Ausschlaggebende dafür war die „Körperlichkeit“ von Pinas Tanztheater. Egal, ob man in der ersten oder letzten Reihe saß: Man wurde förmlich angesteckt von der Verspieltheit und Lebensfreude und Emotion, die da physisch zu spüren war, geradezu „im Raum stand“! Man war plötzlich ganz anders in seinem eigenen Körper drin. Die wortlose Sprache der Tänzer war wie ein Spiegel, der einem vorgehalten wurde. Das war mit den Mitteln des herkömmlichen Kinos alles nicht zu fassen. (Wim Wenders im Interview mit Dorion Weickmann, a.a.O.)

Bevor Wim Wenders mit der Arbeit an dem Film beginnen konnte, starb Pina Bausch unerwartet am 30. Juni 2009 – zwei Tage vor dem geplanten Drehbeginn. Einige Zeit später beschloss Wim Wenders, statt einen Film mit Pina Bausch einen Film über Pina Bausch zu drehen: „Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“.

Wim Wenders präsentiert längere Ausschnitte aus „Le sacre du printemps“ (1975), „Café Müller“ (1978), „Kontakthof“ (1978) und „Vollmond“ (2006). Bei „Kontakthof“ hat er Aufnahmen von drei Aufführungen ineinander geschnitten: der ursprünglichen (1978), einer mit Senioren (2000) und einer weiteren mit Jugendlichen. Außerdem tanzen Solisten zum Beispiel auf

einem Fabrikgelände, auf einer Abräumhalde, im Schwimmbad, im Wald, in einer gläsernen Halle, in der Wuppertaler Schwebebahn, auf einer Verkehrsinsel vor dem Probenhaus des Wuppertaler Tanztheaters. Zwischendurch lässt Wim Wenders einige der internationalen Solisten zu Wort kommen. Diese Szenen streut er wie die Interviews von Zeitzeugen in einem Dokumentarfilm ein. Das Besondere daran ist, dass die Künstler im Bild stumm bleiben und aus dem Off zu hören sind. Russische, spanische, amerikanische, japanische Kommentare sind deutsch untertitelt. Mehrmals lässt Wim Wenders zwei Dutzend Tänzer wie bei einer Polonaise rhythmisch in einer Reihe gehen. Amüsant ist u. a. die Szene, bei der Dominique Mercy und Malou Airaudo ein dreidimensionales Modell des Bühnenbildes von „Café Müller“ betrachten und sich in dem kleinen Kasten die Tänzerinnen und Tänzer wie winzige Puppen bewegen. Kurz vor dem Ende des Films ist Pina Bausch in der schwarz-weißen Archivaufnahme einer Tanzszene aus ihrem Solo „Danzon“ wie in einem Kindertheaterkasten zu sehen – und dann verschwindet sie. Zum Schluss sehen wir noch einmal eine Szene aus „Café Müller“.

„Pina“ ist eine eindrucksvolle, mitreißende Hommage an das Tanztheater Pina Bausch.

Tänzerinnen und Tänzer: Malou Airaudo, Ruth Amarante, Jorge Puerta, Pina Bausch, Rainer Behr, Andrey Berezin, Damiano Ottavio Bigi, Bénédicte Billet, Ales Cucek, Clementine Deluy, Josephine Ann Endicott, Lutz Förster, Pablo Aran Gimeno, Mechthild Grossmann, Silvia Farias Heredia, Ditta Jasjfi, Barbara Kaufmann, Nayoung Kim, Daphnis Kokkinos, Ed Kortlandt, Eddie Martinez, Dominique Mercy, Thusnelda Mercy, Cristiana Morganti, Morena Nascimento, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Fabien Prioville, Jean-Laurent Sasportes, Franko Schmidt, Azusa Seyama, Julie Shanahan, Julie Ann Stanzak, Michael Strecker, Fernando Suels, Aida Vainieri, Anna Wehsarg, Tsai-Chin Yu u.a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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