Out of Sight

Out of Sight

Out of Sight

Originaltitel: Out of Sight - Regie: Steven Soderberth - Drehbuch: Scott Frank, nach dem Roman "Zuckerschnute" von Elmore Leonard - Kamera: Elliot Davis - Schnitt: Anne V. Coates - Musik: David Holmes - Darsteller: George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Steve Zahn, Albert Brooks, Don Cheadle, Isaiah Washington, Luis Guzman, Keith Loneker, Nancy Allen, Dennis Farina, Catherine Keener, Michael Keaton, Samuel L. Jackson u.a. - Produktion: Danny De Vito, Michael Shamberg und Stacey Sher - 1998; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Jack Foley hat seit seinem 18. Lebensjahr etwa 200 Banken ausgeraubt, aber dabei nie eine Waffe benützt. Mehrmals wurde er dafür eingesperrt. Beim Ausbruch aus dem Gefängnis wird er zusammen mit Federal Marshall Karen Sisco in den Kofferraum des Fluchtfahrzeugs gesperrt. Während der Fahrt versucht er, mit der eingezwängten Bundesbeamtin ins Gespräch zu kommen. ...
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Kritik

Eine ebenso spannende wie launige Gauner- und Liebesgeschichte wird in "Out of Sight" nicht chronologisch erzählt, sondern aus mehreren Handlungssträngen und Rückblenden geschickt aufgebaut.
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Jack Foley (George Clooney) hat seit seinem 18. Lebensjahr etwa 200 Banken ausgeraubt, aber dabei nie eine Waffe benützt. Dreimal wurde er dafür eingesperrt. Selbstkritisch urteilt er: „Wer dreimal erwischt wird, kann nicht sehr intelligent sein.“

Der Film beginnt damit, dass Jack Foley eine Bank betritt, sich zu einer der Kassen begibt und die junge Frau hinter dem Schalter höflich bittet, einen großen Umschlag zu nehmen und ihn mit Geldscheinen zu füllen. Er macht sie auf einen Bankangestellten aufmerksam, der gerade ein Kundengespräch führt. Mit charmantem Lächeln erklärt Jack der Kassiererin, der angebliche Kunde (den er in Wirklichkeit überhaupt nicht kennt) sei sein Kumpel, der auf einen Wink hin den Bankangestellten erschießen würde. Ruhig geht Jack mit dem Geld zu seinem Auto. Aber der Motor springt nicht an. Da wird er zum vierten Mal verhaftet.

Buddy Bragg (Ving Rhames), der sich mit Jack während eines früheren Gefängnisaufenthaltes befreundet hat, will gerade auf dem Parkplatz eines Supermarktes ein Auto aufbrechen, als sich eine Kundin mit ihrem vollen Einkaufswagen nähert. Buddy hilft ihr beim Einladen in den Kofferraum. Danach wehrt ihn die Dame ab: „Da ich Sie nicht um Ihre Hilfe gebeten habe, können Sie kein Trinkgeld erwarten.“ „Macht nichts“, entgegnet Buddy, wirft den Deckel zu und zieht den Schlüssel ab, „dafür nehme ich Ihren Wagen.“

Das Auto benötigt Buddy, um Jack bei dessen Ausbruch zu helfen. Zum vereinbarten Zeitpunkt steht er an der vereinbarten Stelle vor dem Gefängniszaun. Aber da ist auch noch eine junge Dame, die ein Gewehr aus ihrem Wagen holt, als die ersten Häftlinge aus einem selbst gegrabenen Tunnel auftauchen. Es handelt sich um Federal Marshall Karen Sisco (Jennifer Lopez) in Zivil. Durch die Schüsse werden auch die Beamten auf dem Wachturm auf den Fluchtversuch aufgeschreckt: Sie richten ihren Scheinwerfer auf den Tunnelausgang und schießen ebenfalls auf die Flüchtenden. Als Buddy seinen Kumpel entdeckt, lenkt er die Polizistin ab, und in dem Tumult gelingt es ihm und Jack, sie zu überwältigen. Sie wird Kofferraum verstaut. Da versteckt sich auch Jack, der während der Fahrt versucht, mit der eingezwängten Bundesbeamtin ins Gespräch zu kommen.

Unter einer Brücke hält Buddy. Dort werden die Männer von einem etwas verdrehten Kleinganoven namens Glenn Michaels (Steve Zahn) erwartet. Jack klettert aus dem Kofferraum. Sobald sich Karen bewegen kann, schiebt sie ein Magazin in ihre Pistole und erklärt die Männer für verhaftet. Rasch schlägt einer von ihnen den Kofferraumdeckel zu. Wütend schießt Karen durch das Blech. Schließlich steht Buddy mit seiner Schrotflinte bereit, während Jack sie aus dem Kofferraum befreit und sie mit Handschellen auf den Rücksitz drückt.

Glenn soll auf sie aufpassen, bis Jack hinter dem Auto aus seiner Häftlingskleidung geschlüpft ist und sich umgezogen hat. Die Polizistin kennt Glenn Michaels; im letzten Herbst bewachte sie ihn zweimal bei einem Häftlingstransport. Wenn er sofort losfahre, redet sie ihm ein, werde sie ihn nicht wegen Beihilfe zu einem Ausbruch verhaften.

Überrascht schauen Jack und Buddy dem davonrasenden Auto nach.

Während Jack in in der Badewanne liegt, schleicht sich Karen mit vorgehaltener Pistole bei ihm ein. Sie steht hinter ihm. Da packt er sie plötzlich und zieht sie zu sich ins Wasser. In diesem Augenblick wacht Karen auf: Sie hat nur geträumt.

Ein Polizeikommando rückt aus, um Jack in seinem Hotel-Apartment zu verhaften. Während sich die Beamten im Treppenhaus verteilen, soll Karen die Halle sichern. Unbekümmert fahren Jack und Buddy mit dem Aufzug nach unten. Sie wollen in die Tiefgarage, weil aber jemand im Erdgeschoß aussteigt, hält der Aufzug dort — und die Blicke von Jack und Karen treffen sich. Bevor sich die Tür wieder schließt, winkt Jack ihr zu und lächelt unsicher. Sie bleibt ruhig sitzen.

Jack, Buddy und Glenn wollten ihren ehemaligen Mithäftling Richard Ripley (Albert Brooks) in Detroit überfallen und ihm die Rohdiamenten rauben, von denen er geprahlt hatte. Glenn nimmt an, seine beiden Kumpel seien von der Polizei gefasst worden, nachdem er sie in Stich gelassen hatte. Um den geplanten Überfall auf eigene Faust durchzuführen, heuert er zwei andere Ganoven an. Die ziehen noch einen der ihren hinzu und reden schließlich so, als ob es sich um ihren Coup handeln würde und Glenn nur mitmachen dürfe.

Karen hat von dem bevorstehenden Überfall erfahren und ist nach Detroit gefahren, um Glenn Michaels zu überwachen. Als sie in einer Bar sitzt, taucht plötzlich Jack auf und setzt sich zu ihr. Erst träumen sie von einer Liebesnacht und was gewesen wäre, wenn sie sich gewissermaßen eine Auszeit genommen hätten. Dann setzen sie ihren Traum in die Tat um.

Am nächsten Tag verfolgt Karen die Bande und beobachtet, wie sich die Männer an der fassungslosen Hausangestellten vorbei durch die Haustür drängen. Vom Auto aus fordert sie Verstärkung an. Während die anderen im Obergeschoß nach dem Safe suchen, findet Jack den Millionär, der sich im Erdgeschoß versteckt hat. Der von den Gangstern aufgeschossene Safe enthält nichts als Perücken. Die Rohdiamanten im Wert von 5 Millionen Dollar liegen ebenso offen wie unauffällig auf dem Boden eines Aquariums. Jack zeigt sie Buddy; der holt eine Hand voll Steine aus dem Wasser, und damit fahren die beiden los. Plötzlich fällt Jack ein, dass die Hausangestellte in Gefahr ist. Er rennt zurück ins Haus und verhindert eine Vergewaltigung der Frau.

Da dringen Karen und ihre inzwischen eingetroffenen Kollegen in die Villa ein und stellen die Bande. Drei der Ganoven kommen ums Leben. Jack leert im Obergeschoß das Magazin einer Pistole, zieht die Gesichtsmaske wieder über und geht zur Treppe. Verzweifelt fordert Karen ihn auf, die Waffe fallen zu lassen. „Die Auszeit ist vorbei“, sagt er. Da schießt sie ihm ins Bein und kettet ihn mit Handschellen ans Treppengeländer.

Buddy entkommt mit den Diamanten zum Flughafen.

Schlussbild: Jack und ein dunkelhäutiger Häftling (Samuel L. Jackson) steigen in ein Polizeiauto. Federal Marshall Karen Sisco begleitet den Transport auf dem Weg zum Gefängnis in Florida. Der Schwarze erzählt Jack, dass er bereits zehn Mal ausgebrochen ist. Eigentlich sei seine Überstellung bereits für den Vorabend geplant gewesen, aber die Bundesbeamtin habe darauf bestanden, ihn zusammen mit Jack nach Florida zu bringen. Wahrscheinlich sei es billiger, zwei Häftlinge auf einmal zu transportieren. Jack begreift, dass es Karen nicht um die Kosten ging: „Vielleicht meinte sie, dass wir uns viel zu erzählen haben,“ sagt er zu seinem Gegenüber. Da schmunzelt Karen auf dem Beifahrersitz.

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„Out of Sight“ gilt neben „Jackie Brown“ als eine der besten Verfilmungen, die von Romanen des amerikanischen Schriftstellers Elmore Leonard gemacht wurden („Out of Sight“, 1996; deutsch: „Zuckerschnute“, 1998). Es geht um eine starke, attraktive, intelligente Frau und einen klugen und charmanten Verlierertyp, der trotz seiner Niederlagen gelassen und optimistisch bleibt. Die ebenso spannende wie launige Gauner- und Liebesgeschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern aus mehreren Handlungssträngen und Rückblenden geschickt aufgebaut. Über einige nicht ganz plausible Zusammenhänge geht Steven Soderbergh rasch hinweg. Ich halte den Film als Ganzes für weniger gelungen als „Jackie Brown“ oder „Ocean’s Eleven“, aber einige Passagen sind brillant inszeniert, und in den Dialogen steckt Elmore Leonards lakonischer Humor.

Scott Frank (Drehbuch) und Anne V. Coates (Schnitt) wurden 1998 für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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Martin Walser - Die letzte Matinee
"Die letzte Matinee" ist eine Satire auf die Intellektuellen, die Existenzialisten der Fünfzigerjahre, die den Bezug zur Realität verloren haben. Martin Walser schildert diese surreale, kafkaeske Geschichte teils ironisch, teils sarkastisch in einer funkelnden Sprache.
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