The Good German

The Good German

The Good German

The Good German – Originaltitel: The Good German – Regie: Steven Soderbergh – Drehbuch: Paul Attanasio, nach dem Roman "The Good German" von Joseph Kanon – Kamera: Steven Soderbergh alias Peter Andrews – Schnitt: Steven Soderbergh alias Mary Ann Bernard – Musik: Thomas Newman – Darsteller: George Clooney, Cate Blanchett, Tobey Maguire, Beau Bridges, Dominic Comperatore, Christian Oliver u.a. – 2006; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Im Juli 1945 fliegt der amerikanische Journalist Jake Geismar nach Berlin, um über die Potsdamer Konferenz zu berichten. Wie erhofft, trifft er die jüdische Deutsche Lena wieder, mit der er vor dem Krieg zusammen war, aber sie ist jetzt die Geliebte des Amerikaners Tully. Als dieser merkt, dass Amerikaner und Russen nach ihrem Mann suchen, obwohl dieser tot sein soll, wittert er ein Geschäft. Kurz darauf ist er tot. Jake zieht Erkundigungen ein und gerät selbst in Lebensgefahr ...
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Kritik

Sehenswert ist "The Good German" von Steven Soderbergh – eine Verfilmung des Romans "In den Ruinen von Berlin" von Joseph Kanon – nicht wegen der Handlung, sondern wegen der Form, die sich aus der Beschränkung auf filmische Möglich-keiten der 40er-Jahre ergibt.
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Im Juli 1945 fliegt der amerikanische Journalist Jake Geismar (George Clooney) im Auftrag seiner Zeitung „New Republic“ nach Berlin, um über die Potsdamer Konferenz zu berichten. Corporal Tully (Tobey Maguire), der ihm als Fahrer zugewiesen ist, stiehlt ihm während der Fahrt zum Hotel die Brieftasche und bietet ihm skrupellos seine deutsche Freundin für eine Stunde an, wenn Jake ihm hilft, sie ins Ausland zu bringen.

Bei Tullys Freundin handelt es sich um die jüdische Prostituierte Lena Brandt (Cate Blanchett), die ihren Ehemann Emil (Christian Oliver) angeblich vor drei Jahren zum letzten Mal sah. Er soll vor einem halben Jahr ums Leben gekommen sein. Lenas Eltern und Geschwister starben in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten.

Nachdem Tully in der Wohnung, die Lena sich mit ihrer Kollegin Hannelore (Robin Weigert) teilt, überfallen wurde und ein Amerikaner aus ihm herauszuprügeln versuchte, wo Emil Brandt zu finden ist, wittert er ein Geschäft. Er bietet dem russischen General Sikorsky (Ravil Isyanov) an, ihm für 200 000 Mark Emil Brandts Versteck zu verraten. Wie erwartet, interessieren sich auch die Russen für den Mathematiker, der zur SS gehört hatte. Tully weiß zwar nicht, was mit ihm geschehen ist, aber er spekuliert ohnehin nur auf die Anzahlung von 100 000 Mark und stellt Lena in Aussicht, ihr damit die verbotene Ausreise zu finanzieren.

In einer Kneipe treffen Tully, Lena und Jake zusammen. Der amerikanische Korrespondent war vor dem Krieg in Berlin akkreditiert und mit der damals noch unverheirateten Lena zusammen. Er hoffte, sie wiederzufinden. Tully schlägt jedoch Jake zu Boden und zerrt Lena in ein Auto.

Kurz danach beobachtet Jake durch Zufall, wie Tullys Leiche in Potsdam aus dem Wasser gezogen wird. Man findet 50 000 Mark bei dem Toten.

Als Jake noch einmal zum Fundort der Leiche in den sowjetischen Sektor geht, wird er von russischen Soldaten niedergeschlagen und zu General Sikorsky gebracht. Der teilt ihm mit, dass Tully ihm versprochen habe, das Versteck Emil Brandts zu verraten, dann aber nicht gekommen sei. Zurück im amerikanischen Sektor wird Jake in der durchwühlten Wohnung von Lena und Hannelore von zwei Männern verprügelt.

Um herauszufinden, warum das alles geschieht, beschattet Jake seinen neuen Fahrer Lieutenant Schaeffer (Dave Power). Der bringt ihn ungewollt auf die Spur eines alten Mannes in Kreuzberg. Als Jake den Unbekannten nach Emil Brandt fragt, tauchen ein paar Männer auf und schlagen ihn zusammen.

Das hält Jake nicht davon ab, weitere Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät er immer tiefer in die Intrigen, die amerikanische und russische Besatzer gegeneinander führen. Bei dem Greis in Kreuzberg handelt es sich um den Raketenforscher Franz Bettmann (David Willis). Emil Brandt war sein Assistent und rechnete beispielsweise aus, wie man die Ernährung der Häftlinge von Dora-Mittelbau, einem Außenlager des KZs Buchenwald, die in unterirdischen Anlagen beim Bau der V2 schuften mussten, minimieren konnte. Jake findet auch heraus, dass Tully nicht im sowjetischen, sondern im amerikanischen Sektor ermordet wurde.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Als ein mit Jake befreundeter amerikanischer Staatsanwalt (Leland Orser) Lena verhaften will, verhilft der Journalist ihr zur Flucht.

Einige Zeit später sucht Lena von sich aus den Staatsanwalt auf und erklärt ihm, ihr Mann lebe und sei bereit, als Zeuge gegen Franz Bettmann auszusagen, dem die Amerikaner bisher trotz der unmenschlichen Zustände, die sie in Dora-Mittelbau vorgefunden hatten, nichts nachweisen konnten. Emil Brandt lebt; er versteckt sich in der Kanalisation und wird von Lena versorgt. Aber sie vertraut dem Staatsanwalt an, dass sie ohne ihren Mann nach London wolle.

Als Lena ihren Mann in die Kreuzberger Wohnung bringt, in der die Amerikaner Franz Bettmann untergebracht hatten, taucht dort unerwartet Jake auf. Er will den beiden helfen, Berlin zu verlassen. Lieutenant Schaeffer kommt hinzu. Lena wird durch einen Schuss verletzt, aber bevor Schaeffer ihren Mann erschießen kann, überwältigt Jake ihn. Emil Brandt geht allein auf die Straße und versucht, in der Menge zu entkommen. Jake stützt Lena und folgt mit ihr Emil Brandt. Als Lena sieht, wie ihr Mann mitten in der Menge erstochen wird, bricht sie über seiner Leiche zusammen.

Im Krankenhaus kommt sie wieder zu sich. Die Amerikaner fragen sie nach Aufzeichnungen ihres Mannes über die Verhältnisse in Dora-Mittelbau. Als der Staatsanwalt herausfindet, dass Jake die Dokumente hat, droht er ihm, dafür zu sorgen, dass Lena zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird. Jake verlangt als Gegenleistung für die Übergabe der Dokumente, dass Lena ausreisen darf.

Beim Abschied auf dem Flughafen fragt Jake seine frühere Geliebte, was der Staatsanwalt gegen sie in der Hand habe. Lena gesteht ihm, zwölf Juden an die Gestapo verraten zu haben. Nur so habe sie selbst den Holocaust überlebt. Tully wurde von ihr ermordet, weil er Emil gefährdete.

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Der Film „The Good German“ von Steven Soderbergh basiert auf dem gleichnamigen Roman, den Joseph Kanon (* 1946) 2001 veröffentlichte („In den Ruinen von Berlin“, Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Blessing Verlag, München 2002, 607 Seiten, ISBN: 3-89667-191-X).

Die Handlung von „The Good German“ ist etwas verworren, aber sie stellt ohnehin nur das Vehikel für ein filmisches Experiment dar: Steven Soderbergh möchte offenbar zeigen, dass man auch heute noch mit den technischen Beschränkungen der Nachkriegszeit einen Film machen kann. Bei den Dreharbeiten, die ausschließlich im Studio stattfanden, kamen nur alte Scheinwerfer zum Einsatz, Steven Soderbergh verzichtete auf Zooms, und Autofahrten wurden vor Hintergrundprojektionen gefilmt. Weil Soderbergh den Ton so aufnahm, wie man es damals gemacht hatte – mit Mikrofonen, die mit „Angeln“ bzw. „Galgen“ über die Köpfe der Schauspieler gehalten wurden –, mussten die Darsteller laut und deutlich sprechen. Die theatralische, artifizielle Wirkung ist beabsichtigt. Der Retro-Look wird durch Archivmaterial verstärkt, das in die Spielszenen eingefügt wurde. Konsequenterweise handelt es sich bei „The Good German“ um einen Schwarz-Weiß-Film im überholten 4:3-Format.

Stilistisch orientiert Steven Soderbergh sich am film noir. Das Ende entspricht bis in Details der Schlussszene von „Casablanca“, und Emil Brandt versteckt sich wie Harry Lime („Der dritte Mann“) in der Kanalisation.

Die Filmmusik wurde zunächst nach einer Komposition von David Holmes aufgenommen, aber dann durch einen von Thomas Newman neu geschriebenen Score ersetzt, für den es eine „Oscar“-Nominierung gab.

Einen guten Deutschen gibt es in „The Good German“ nicht. Briten und Amerikaner verwenden den Begriff seit dem Zweiten Weltkrieg zynisch und meinen damit einen Mitläufer der Nationalsozialisten bzw. einen Opportunisten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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