Der Fangschuss

Der Fangschuss

Der Fangschuss

Originaltitel: Der Fangschuss - Regie: Volker Schlöndorff - Drehbuch: Geneviève Dorman, Margarethe von Trotta und Jutta Brückner, nach dem Roman "Der Fangschuss" von Marguerite Yourcenar - Kamera: Igor Luther - Musik: Stanley Myers - Darsteller: Matthias Habich, Margarethe von Trotta, Rüdiger Kirschstein, Mathieu Carrière, Valeska Gert, Friedrich Zichy u.a. - 1976; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Baltikum 1919/20. Sophie von Reval verliebt sich in den Preußen Erich von Lhomond, der zusammen mit ihrem Bruder Konrad in ihrem Schloss ein Freikorps gegen die Kommunisten sammelt. Als Sophie von Erich brüsk zurückgewiesen wird, schließt sie sich den Roten an, und beschwört damit eine Katastrophe herauf.

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Kritik

Bei seiner hervorragenden Verfilmung des Romans "Der Fangschuss" von Marguerite Yourcenar hält Volker Schlöndorff sich eng an die literarische Verlage. Die spröde Atmosphäre des Films entspricht genau der des Buches.
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1919, zwei Jahre nach der russischen Oktoberrevolution, herrscht im Baltikum Bürgerkrieg. Freiwilligen-Korps versuchen, die alte Ordnung zu retten, das heißt die Herrschaft der Großgrundbesitzer aufrechtzuerhalten. Auf Schloss Kratovice lebt die verarmte junge Adelige Sophie von Reval (Margarethe von Trotta) mit ihrer halb verrückten Tante Praskovia (Valeska Gert). Eines Tages kehrt ihr Bruder Konrad (Rüdiger Kirschstein) mit seinem etwa vierzigjährigen Freund Erich von Lhomond (Matthias Habich) zurück. Schließlich sammelt sich auf dem Schloss eine Schar Freiwilliger verschiedener Nationalitäten, die gegen die Kommunisten kämpfen wollen, die bereits das nahe Dorf Kratovice beherrschen.

Dort lebt auch Grigori Loew (Franz Morak), der Sohn von Sophies Schneiderin, der sie bei der Auswahl ihrer Lektüre berät und ihr die Ideale der Bolschewisten erklärt.

Erich, der das Geschwisterpaar von Reval seit seiner Jugend kennt, fühlt sich mehr zu Konrad als zu Sophie hingezogen. Gerade weil Sophie spürt, dass er sie nicht begehrt, verliebt sie sich in ihn und gesteht es ihm offen. Erich weist sie jedoch brüsk zurück: Er sei kein Mann für sie. Eines Abends sagt er ihr ins Gesicht, dass er, wenn es ihn nach einer Frau verlangen würde, zuallerletzt an sie denken würde.

Sophie versucht, Erich eifersüchtig zu machen, indem sie sich von Franz von Aland (Friedrich Zichy) den Hof machen lässt, bis er nach wenigen Tagen im Kampf gegen die Roten fällt.

Eines Nachts bemerkt Erich während eines Fliegerangriffs Licht in Sophies Fenster: Sie hat nicht verdunkelt und gefährdet damit nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen im Schloss. Erich zieht die Vorhänge zu. Ohne zu wissen warum, zerrt er sie danach ins Freie und hält eine brennende Petroleumlampe hoch, während eine feindliche Maschine über sie hinwegfliegt.

Während die anderen am Weihnachtsabend feiern, bleibt Erich von Lhomond in seinem Zimmer und brütet vor sich hin. Gegen Mitternacht schaut er dann doch in den Salon. Sophie tanzt abwechselnd mit den jungen Männern und lässt sich von ihnen unter einem Mistelzweig im Kronleuchter küssen. Beim Eintreten Erichs tanzt sie gerade mit Volkmar von Plessen (Mathieu Carrière), einem der anderen Freikorps-Offiziere. Als sie Erich erblickt, küsst sie Volkmar scheinbar leidenschaftlich. Erich versteht, dass sie ihm mit diesem Kuss den Krieg erklärt. Er packt sie am Arm und ohrfeigt sie.

Am nächsten Morgen marschiert das Freikorps ab, um einer eingekesselten Einheit zu Hilfe zu kommen. Als Erich nach einigen Wochen von dem gescheiterten Einsatz zurückkommt, verlässt Sophie gerade das Schloss.

Erich überlegt, wohin sie gegangen sein könnte. Er vermutet, dass sie die Beziehung zu Grigori Loew nie ganz abgebrochen hat, obwohl er inzwischen als Offizier in der Roten Armee kämpft. Grigoris Mutter gesteht ihm schließlich, dass Sophie bei ihr war, um sich einen Männeranzug zu besorgen.

Am 30. April 1920 verlassen die Freikorps-Soldaten Kratovice. Im Schloss bleiben nur Praskovia und ihre alte Dienerin zurück. Erich von Reval und Konrad von Lhomond wollen sich mit fünfzig Männern zu den Polen durchschlagen, die im Südwesten gegen die Roten kämpfen. Kosaken überfallen den Trupp. Konrad kommt dabei ums Leben.

Anfang Juni besetzt Erich mit seinen Männern das Dorf Kovo. Ein paar Bolschewiken haben sich in der verfallenen Spinnerei am Flussufer verschanzt. Schließlich dringt das Freikorps in die Gebäude vor. Einer der ersten Toten, die Erich dort findet, ist Grigori Loew. Nur noch ein halbes Dutzend Bolschewisten hält sich auf dem Heuboden einer Scheune. Schließlich ergeben sie sich. Sophie kommt in Männerkleidern und mit erhobenen Händen heraus. Weil grundsätzlich keine Gefangenen gemacht werden, ordnet Erich am nächsten Morgen die Liquidierung der Gefangenen an. Einer nach dem anderen werden sie erschossen. Sophie verlangt, von Erich getötet werden. Wortlos tritt er neben sie und schießt sie in den Kopf.

Auf diese Weise hat sie sich an ihm gerächt: Sein Gewissen wird ihn bis ans Ende seiner Tage quälen.

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Bei seiner hervorragenden Verfilmung des Romans „Der Fangschuss“ von Marguerite Yourcenar hält Volker Schlöndorff sich eng an die literarische Verlage. Den Akzent setzt er auf die zerstörerische Liebe der baltischen Adeligen Sophie von Reval zu dem scheinbar gefühlskalten Preußen Erich von Lhomond. Die homoerotische Neigung Erichs zu Sophies Bruder und langjährigem Freund Konrad von Reval wird – wie im Roman – nur angedeutet. Eindringlich verkörpern Matthias Habich und Margarethe von Trotta die Charaktere der beiden Hauptfiguren. Die spröde Atmosphäre des Films entspricht genau der des Buches. „Der Fangschuss“ ist ein Beispiel für eine gelungene Literaturverfilmung.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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