Strajk

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Originaltitel: Strajk. Die Heldin von Danzig – Regie: Volker Schlöndorff – Drehbuch: Andreas Pflüger, Sylke Rene Meyer – Kamera: Andreas Höfer – Schnitt: Peter Przygodda, Wanda Zeman – Musik: Jean-Michel Jarre – Darsteller: Katharina Thalbach, Andrzej Chyra, Dominique Horwitz, Andrzej Grabowski, Krzysztof Kiersznowski u.a. – 2007; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Die allein erziehende Mutter Agnieszka Koslowska arbeitet sich auf der Lenin-Werft in Danzig von einer Hilfsarbeiterin zur Schweißerin und Kranführerin hoch. Zehnmal wird sie zur Heldin der Arbeit ausgerufen. Doch als sie Ungerechtigkeiten erlebt, distanziert sie sich von der Partei- und Gewerkschaftsführung, protestiert und engagiert sich in einer neuen Gruppierung, der auch der Elektriker Lech Walesa angehört ...
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Kritik

"Strajk. Die Heldin von Danzig" ist gewiss nicht Volker Schlöndorffs bester Film, denn es gibt keine Nuancen, und die Darsteller überagieren als wären sie in einem Stummfilm.
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Agnieszka Koslowska (Katharina Thalbach) lebt mit ihrem unehelichen Sohn Krystian (Wojciech Solarz) in einem Arbeiterwohnheim in Danzig und arbeitet seit elf Jahren auf der Werft, die später den Namen Lenin-Werft erhält. Als Hilfskraft hatte sie angefangen, und obwohl sie weder schreiben noch lesen kann, ist sie inzwischen Schweißerin.

Zum zehnten Mal wird sie im Sommer 1961 zur Heldin der Arbeit ausgerufen. Diesmal erhält sie statt des üblichen Geschenkkorbs ein Fernsehgerät. Kolleginnen feinden sie wegen ihres Eifers an. Sie erinnern Agnieszka an den Wahlspruch: „Die tun so, als würden sie uns bezahlen, und wir tun so, als würden wir arbeiten.“

Weil die Kantine so weit von den Arbeitsplätzen entfernt ist, dass die halbe Stunde Mittagspause nicht ausreicht, sorgt Agnieszka dafür, dass unmittelbar am Arbeitsplatz Suppe ausgegeben wird.

Kazimierz (Dominique Horwitz), ein neuer Nachbar im Arbeiterwohnheim, kümmert sich um Krystian, als dieser Fieber hat. Und als Agnieszka die Chance erhält, Kranführerin zu werden, bringt er ihr zusammen mit Krystian das Lesen und Schreiben bei, damit sie die Führerscheinprüfung machen kann. Obwohl sich bei der medizinischen Tauglichkeitsprüfung herausstellt, dass Agnieszka unheilbar an Leberkrebs erkrankt ist, macht Kazimierz ihr einen Heiratsantrag. Wider Erwarten stirbt nicht Agnieszka, sondern Kazimierz erleidet bald nach der Hochzeit einen tödlichen Herzinfarkt.

Ein neuer Elektriker namens Lech Walesa (Andrzej Chyra) fängt im Frühjahr 1968 auf der Lenin-Werft zu arbeiten an.

Der Tumor in Agnieszkas Leber ist wie durch ein Wunder verschwunden.

Im Herbst 1970 murren die Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Lenin-Werft, weil sie immer mehr Überstunden leisten müssen. Während sie noch an einem Schiff schweißen, wird es bereits betankt, um Zeit zu sparen. Deshalb verursacht ein unachtsam weggeworfenes Streichholz einen Brand, bei dem einundzwanzig Arbeiter ums Leben kommen. Der Partei- und Gewerkschaftssekretär Henryk (Andrzej Grabowski) teilt die Auffassung des Direktors, dass die Arbeiter verbotenerweise Wodkaflaschen bei sich hatten und das Feuer verursachten. Deshalb bekommen die Witwen weder eine Entschädigung noch eine Hinterbliebenenrente. Dagegen protestiert Agnieszka. Als der Vorarbeiter Bochnak (Dariusz Kowalski) sie mit Geld bestechen will, verflucht sie ihn. Und sie bringt das Fernsehgerät zurück: Sie will keine Geschenke mehr von der Firmenleitung.

Als die Frauen durch Agnieszkas Einsatz am Ende doch noch eine Entschädigung und eine Rente bekommen, legen sie zusammen und kaufen ihr einen neuen Fernsehapparat.

Für ihren Sohn besorgt sie eine Lehrstelle auf der Lenin-Werft, aber Krystian will kein Schlosser werden, sondern in Warschau studieren. Weil seine Mutter jedoch nicht linientreu ist, verweigert man ihm das Studium. Da meldet er sich aus Frustration freiwillig zum Militär.

Kurz zuvor erfährt er, dass der Partei- und Gewerkschaftssekretär Henryk sein Vater ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Henryks Stenotypistin Mirka (Ewa Telega) überredet Agnieszka, sich wie sie einer neuen Gruppierung anzuschließen, zu der auch der Elektriker Lech Walesa gehört. Sie wollen sich nicht länger von der Partei bevormunden lassen. In einem Kinderwagen schmuggelt Agnieszka Flugblätter in die Lenin-Werft.

Wegen ihrer politischen Betätigung wird Agnieszka nach dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit im August 1980 entlassen.

Dieser Schritt löst einen Streik auf der Lenin-Werft aus. Bochnak wird beinahe von den aufgebrachten Arbeitern erschlagen. Lech Walesa ruft Agnieszka zu Hause an und bittet sie, in die Werft zu kommen. Als die Kündigung Agnieszkas zurückgekommen wird und die Werksdirektion eine Lohnerhöhung verspricht, ist Lech Walesa zufrieden und erklärt den Streik für beendet. Aufgeregt versucht Agnieszka zu verhindern, dass der Streik abgebrochen wird, denn sie ist überzeugt, dass in dieser Situation mehr zu erreichen wäre und plädiert dafür, sich mit den Belegschaften anderer Werften zu solidarisieren, um politische Veränderungen zu erzwingen, etwa eine starke Gewerkschaft, die nicht von der Partei kontrolliert wird. Das ist die Geburtsstunde der „Solidarnosc“.

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In seinem Film „Strajk. Die Heldin von Danzig“ porträtiert Volker Schlöndorff die Kranführerin Anna Walentynowicz, die zusammen mit dem Elektriker Lech Walesa die „Solidarnosc“ gründete. Allerdings heißt die Hauptfigur im Film Agnieszka Koslowska. Anna Walentynowicz hatte versucht, den Film verbieten zu lassen und ebenso erfolglos verlangt, vor und nach jeder Kinovorführung darauf hinzuweisen, dass „Strajk. Die Heldin von Danzig“ gegen ihren Willen gedreht worden sei. Es missfiel ihr u. a., dass sie als Analphabetin dargestellt wurde.

„Strajk. Die Heldin von Danzig“ ist gewiss nicht Volker Schlöndorffs bester Film. Dazu sind die Figuren zu pathetisch, und die Schauspieler überagieren als wären sie in einem Stummfilm. Alles wirkt übertrieben, zu mutig und zu stürmisch; Nuancen gibt es nicht. Das gilt auch für die Filmmusik.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2008

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