Boulevard der Dämmerung

Boulevard der Dämmerung

Boulevard der Dämmerung

Boulevard der Dämmerung – Originaltitel: Sunset Boulevard – Regie: Billy Wilder – Drehbuch: Charles Brackett, Billy Wilder, D. M. Marshman jr.– Kamera: John F. Seitz – Schnitt: Arthur P. Schmidt, Doane Harrison – Musik: Franz Waxman – Darsteller: William Holden, Gloria Swanson, Erich von Stroheim, Nancy Olson, Fred Clark, Lloyd Gough, Jack Webb, Cecil B. DeMille, Hedda Hopper, Buster Keaton, Anna Q. Nilsson, H. B Warner u.a. – 1950; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Der mittellose Drehbuchautor Joe Gillis gelangt zufällig in eine verfallene Villa am Sunset Boulevard in Hollywood, in der die frühere Stummfilm-Diva Norma Desmond mit ihrem Diener Max lebt. Die vereinsamte Fünfzigjährige bietet dem jungen Autor viel Geld für eine Überarbeitung eines von ihr verfassten Drehbuchs, quartiert ihn bei sich ein und macht ihn zu ihrem Liebhaber. Sie träumt von einem Comeback, und Max schreibt täglich fingierte Verehrerbriefe, damit sie nicht mitbekommt, dass das Publikum sie längst vergessen hat ...
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Kritik

In der sarkastischen, souverän inszenierten Tragödie "Boulevard der Dämmerung" kritisiert Billy Wilder die Geringschätzung der Drehbuchautoren, den Erfolgszwang, die Undankbarkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber Stars, die ihren Zenit überschritten haben.
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Weil der erfolglose Hollywood-Drehbuchautor Joe Gillis (William Holden) seit Monaten die Raten für sein Auto nicht bezahlt hat, suchen ihn zwei Mitarbeiter eines Inkassobüros (Larry J. Blake, Charles Dayton) auf, um es abzuholen. Joe behauptet jedoch, er habe es einem Freund geliehen. Sobald die beiden Männer fort sind, geht er zu seinem versteckt geparkten Wagen und fährt zu dem Paramount-Produzenten Sheldrake (Fred Clark), um mit ihm über ein Skript zu reden. Dessen Assistentin Betty Schaefer (Nancy Olson), die Joe Gillis nicht kennt, hält von dem Treatment allerdings wenig und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Auf der Rückfahrt wird Joe von den Geldeintreibern entdeckt. Sie verfolgen ihn auf dem Sunset Boulevard, bis er nach einer Reifenpanne unbemerkt in eine Seitenstraße einbiegt und das Auto in der Garage einer heruntergekommenen Villa versteckt. Das dem früheren Stummfilm-Star Norma Desmond (Gloria Swanson) gehörende Anwesen ist allerdings nicht unbewohnt, wie er annimmt. Die Fünfzigjährige lebt hier mit ihrem Diener Max (Erich von Stroheim). Die beiden halten den Fremden für den Leichenbestatter, der einen Sarg für Norma Desmonds verstorbenen Schimpansen bringen soll. Als Joe den Irrtum aufklärt und sich als Autor zu erkennen gibt, beauftragt sie ihn, das von ihr in jahrelanger Arbeit verfasste Drehbuch für „Die Geschichte der Salome“ zu überarbeiten und bietet ihm dafür ein fürstliches Gehalt. Unter der Regie von Cecil B. DeMille (Cecil B. DeMille) will sie selbst die Hauptrolle spielen. Weil Norma Desmond das Manuskript nicht aus der Hand gibt, wird Joe kurzerhand auf ihrem Anwesen einquartiert, zunächst in einer leer stehenden Wohnung über der Garage, dann im Schlafzimmer der früheren Ehemänner.

Im Lauf der Zeit findet Joe heraus, dass es sich bei Max um den ehemaligen Filmregisseur Max von Mayerling handelt, der Norma Desmond entdeckt und aufgebaut hatte. Er war der erste ihrer drei Ehemänner, und um bei ihr bleiben zu können, wurde er ihr Diener. Max von Mayerling erzählt Joe, einmal sei ein Maharadscha eigens gekommen, um von Norma Desmond einen Schal zu erbitten, mit dem er sich dann erhängt habe. Überall im Haus stehen Fotos aus der Glanzzeit der Diva. Ihre großen Filmerfolge führt Norma Desmond im hauseigenen Kino vor. Damit sie nicht merkt, dass das Publikum sie längst vergessen hat, schreibt Max unermüdlich fingierte Verehrer-Briefe.

Widerstrebend wird Joe zum Liebhaber der doppelt so alten Frau, die ihre Villa so gut wie nie verlässt. Hin und wieder lädt sie alte Freunde zum Bridge ein, so zum Beispiel Buster Keaton (Buster Keaton), Anna Q. Nilsson (Anna Q. Nilsson), Henry Byron Warner (H. B. Warner). Sie kommen Joe vor wie aus einem Wachsfigurenkabinett.

Nach einer Silvesterfeier mit einer Musikkapelle, die nur für Norma Desmond und Joe spielt, flüchtet Joe aus dem Haus und fährt per Anhalter in die Stadt. Dort besucht er die Silvesterparty seines Freundes Artie Green (Jack Webb) und trifft dabei Betty Schaefer wieder, die inzwischen mit Artie verlobt ist. Weil Joe nicht vorhat, zu Norma Desmond zurückzukehren, ruft er Max an und fordert ihn auf, ihm seine Sachen zu schicken. Statt darauf einzugehen, teilt Max ihm traurig mit, dass Norma Desmond sich mit Joes Rasiermesser die Pulsadern aufgeschnitten habe [Suizid], jedoch rechtzeitig von ihm entdeckt wurde. Da eilt Joe zu ihr.

Sie schickte Cecil B. DeMille das fertige Drehbuch für den Film „Die Geschichte der Salome“. Norma Desmond ärgert sich darüber, dass statt des Regisseurs immer nur einer seiner Mitarbeiter anruft – Gordon Cole (Bert Moorhouse) – und lässt sich nicht dazu herab, ans Telefon zu gehen. Schließlich fährt Max sie zu den Paramount-Studios. Aus Mitleid klärt Cecil B. DeMille die Stummfilm-Schauspielerin nicht darüber auf, dass sie keinen Film mehr drehen wird, sondern vertröstet sie auf die Zeit nach dem Abschluss der gerade laufenden Dreharbeiten. Währenddessen erfährt Max, dass Gordon Cole nicht wegen des Drehbuchs anrief, sondern weil er Norma Desmonds Oldtimer für Filmaufnahmen mieten wollte. Das darf sie nicht erfahren.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Betty Schaefer möchte selbst Autorin werden und schreibt an ihrem ersten Drehbuch. Um ihr dabei helfen zu können, schleicht Joe sich jede Nacht heimlich aus der Villa. Das bleibt Norma Desmond nicht lang verborgen, und sie verdächtigt ihn, sie mit einer anderen Frau zu betrügen. Als sie bei seinen Sachen ein Manuskript mit Bettys Namen findet, beginnt sie, die angehende Drehbuchautorin mit anonymen Anrufen zu belästigen. Dabei wird sie eines Abends von Joe ertappt. Er reißt ihr den Hörer aus der Hand und gibt Betty die Adresse der Villa durch.

Betty macht sich sofort auf den Weg, denn inzwischen haben sie und Joe sich verliebt. Joe führt sie durch die Villa und zeigt ihr, wie er sich verkauft und erniedrigt hat. Sie fordert ihn auf, mit ihr wegzugehen, aber Joe rät ihr, Artie zu heiraten. Dann bringt er sie zur Tür.

Sobald sie fort ist, beginnt er seine Sachen zu packen. Norma Desmond ist entsetzt, als sie begreift, dass er sie verlassen will. Sie holt ihren Revolver. Als Joe geht, läuft Norma Desmond ihm nach und schießt dreimal auf ihn. Er stürzt in den Swimming Pool.

Um 5 Uhr morgens kommt die Polizei und birgt die Leiche. Die Klatschkolumnistin Hedda Hopper (Hedda Hopper) und andere Reporter treffen ein, um über den Mordfall zu berichten. Als Norma Desmond die Scheinwerfer sieht und einen der Kameramänner der Wochenschau rufen hört, er sei aufnahmebereit, glaubt sie, die Dreharbeiten für den Film „Die Geschichte der Salome“ hätten begonnen und hält Max von Mayerling für Cecil B. DeMille. Würdevoll schreitet sie die Treppe herunter.

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Bei der sarkastischen Tragödie „Boulevard der Dämmerung“ handelt es sich um einen kritischen Hollywood-Film über Hollywood: Billy Wilder entlarvt die Mechanismen der Traumfabrik, er kritisiert die Geringschätzung der Drehbuchautoren, veranschaulicht den Erfolgszwang, die Undankbarkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber Stars, die ihren Zenit überschritten haben.

Der souverän inszenierte film noir beginnt damit, dass Polizisten und Reporter zur Villa des vergessenen Stummfilm-Stars Norma Desmond am Sunset Boulevard in Hollywood fahren. In deren Pool schwimmt die Leiche des Drehbuchautors Joe Gillis. Der Tote wendet sich aus dem Off an die Zuschauer und erzählt, wie es zu seiner Ermordung kam. Die Geschichte beginnt ein halbes Jahr zuvor. (Billy Wilder wollte den Film eigentlich mit einem Gespräch der Toten im Leichenschauhaus beginnen, aber nach Testvorführungen änderte er den Anfang.)

Weil Billy Wilder ahnte, dass ihn die Kollegen in Hollywood als Nestbeschmutzer beschimpfen würden, gab er dem Projekt den harmlos klingenden Arbeitstitel „A Can of Beans“. Die Dreharbeiten dauerten von April bis Juni 1949. Für die Außenaufnahmen wurde die Getty Mansion am Wilshire Boulevard verwendet; die Innenaufnahmen entstanden in einem Studio am Irvin Boulevard. „Boulevard der Dämmerung“ ist einer der letzten Filme, bei denen feuergefährliches Zelluloid-Filmmaterial verwendet wurde.

Der Regisseur Erich von Stroheim (1885 – 1957) spielte die Rolle des Dieners Max von Mayerling. Sein Kollege Cecil B. DeMille (1881 – 1959), die Klatschreporterin Hedda Hopper (1885 – 1966) sowie die Stummfilmstars Buster Keaton (1895 – 1966), Anna Q. Nilsson (1888 – 1974), H. B. Warner (1875 – 1958) sind in Gastauftritten zu sehen. Cecil B. DeMille gilt als Förderer von Gloria Swanson. Das Set in den Paramount-Studios stammt aus seinem Film „Samson und Delilah“.

Originaltitel: Samson und Delilah – Regie: Cecil B. DeMille – Drehbuch: Jesse Lasky jr., Fredric M. Frank, nach einem Treatment von Harold Lamb und Vladimir Jabotinsky bzw. dem Roman „Judge and Fool“ von Vladimir Jabotinsky – Kamera: George Barnes – Schnitt: Anne Bauchens – Musik: Victor Young – Darsteller: Hedy Lamarr, Victor Mature, George Sanders, Angela Lansbury, Henry Wilcoxon, Olive Deering, Fay Holden, Julia Faye, Russ Tamblyn, William Farnum, Lane Chandler, Moroni Olsen u.a. – 1949; 130 Minuten

Bei dem in Norma Desmonds Villa vorgeführten Stummfilm handelt es sich um „Queen Kelly“, einen unvollendet gebliebenen Streifen.

Originaltitel: Queen Kelly – Regie: Erich von Stroheim – Drehbuch: Erich von Stroheim, Marian Ainslee – Kamera: Paul Ivano, Gordon Pollock – Schnitt: Viola Lawrence – Musik: Adolph Tandler – Darsteller: Gloria Swanson, Walter Byron, Seena Owen u.a. – 1929; 100 Minuten

Das Skript, an dem Betty Schaefer mit Hilfe von Joe Gillis arbeitet – „Untitled Love Story“ –, trägt den Arbeitstitel des Drehbuchs von Billy Wilder für den Film „Das Blaue vom Himmel“ (auch: „Eine Frau unter Tausend“).

Originaltitel: Das Blaue vom Himmel – Regie: Victor Janson – Drehbuch: Billy Wilder, Max Kolpé – Kamera: Heinrich Gärtner – Schnitt: Else Baum – Musik: Paul Abraham – Darsteller: Mártha Eggerth, Hermann Thimig, Fritz Kampers, Margarete Schlegel, Ernö Verebes, Jakob Tiedtke, Margarete Kupfer, Hans Richter, Walter Steinbeck u.a. – 1932; 75 Minuten

Die Szene mit der Leiche wurde übrigens nicht mit einer Unterwasserkamera gefilmt, sondern über einen auf dem Boden des Pools liegenden Spiegel.

„Boulevard der Dämmerung“ wurde für elf „Oscars“ nominiert: Film, Drehbuch (Charles Brackett, Billy Wilder und D. M. Marshman jr.), Regie (Billy Wilder), Kamera (John F. Seitz), Schnitt (Arthur P. Schmidt, Doane Harrison), Musik (Franz Waxman), Szenenbild (Hans Dreier, John Meehan, Sam Comer, Ray Moyer), Hauptdarsteller (William Holden), Hauptdarstellerin (Gloria Swanson), Nebendarsteller (Erich von Stroheim), Nebendarstellerin (Nancy Olson). Am Ende gab es drei Trophäen, und zwar in den Kategorien Bestes Drehbuch, Beste Musik und Bestes Szenenbild.

In der deutschen Synchronfassung von 1951 sind folgende Sprecher zu hören: Paul Klinger (Joe Gillis), Till Klockow (Norma Desmond), Walter Holten (Max von Mayerling), Elfie Beyer (Betty Schaefer), Anton Reimer (Cecil B. DeMille), John Pauls-Harding (Artie Green), Anton Reimer (Sheldrake), Wolfgang Preiss (mehrere kleine Rollen) u.a.

2002 beendete Paramount eine gründliche Restaurierung des Schwarz-Weiß-Films „Boulevard der Dämmerung“, der längst als Klassiker gilt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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