Avanti, Avanti

Avanti, Avanti

Avanti, Avanti

Avanti, Avanti – Originaltitel: Avanti! – Regie: Billy Wilder – Drehbuch: I. A. L. Diamond, Billy Wilder, nach dem Theaterstück "Avanti" von Samuel A. Taylor – Kamera: Luigi Kuveiller – Schnitt: Ralph E. Winters – Musik: Carlo Rustichelli – Darsteller: Jack Lemmon, Juliet Mills, Clive Revill, Edward Andrews, Gianfranco Barra, Franco Angrisano, Pippo Franco u.a. – 1972; 140 Minuten

Inhaltsangabe

Wendell Armbruster, der Vizepräsident eines US-Konzerns, eilt nach Ischia, um die Leiche seines bei einem Autounfall getöteten Vaters heimzuholen. Erst vor Ort erfährt er, dass sein Vater nicht allein im Auto saß, sondern mit einer Engländerin, und dass die beiden zehn Jahre lang die Sommerferien miteinander auf Ischia verbracht hatten. Die Tochter der Toten ist ebenfalls gekommen. Pamela schlägt vor, das Paar auf Ischia zu bestatten. Das hält Wendell für eine absurde Idee, aber im Lauf der Zeit gefällt sie ihm ebenso wie Pamela ...
Weiterlesen

Kritik

Im Gegensatz zum deutschen Titel "Avanti, Avanti" entwickelt Billy Wilder die Handlung eher gemäch­lich. Situationskomik sorgt für Vergnügen. Die Komödie ist aber auch ein Plädoyer für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung.
Weiterlesen

Wendell Armbruster (Jack Lemmon), der 42-jährige Erbe und Vizepräsident eines US-Konzerns, fliegt an einem Freitag mit dem Privatjet von Baltimore nach New York und von dort mit einer Linienmaschine der Alitalia nach Rom. Sein gleichnamiger Vater kam während des Urlaubs auf Ischia bei einem Autounfall ums Leben, und der Junior will nun dafür sorgen, dass der Sarg rechtzeitig zur Trauerfeier am Dienstag in Baltimore überführt wird. Weil er vom Golfplatz weggerufen wurde und noch bunte Sachen trägt, überredet er während des Flugs den seriös angezogenen Passagier Dr. Fleischmann (Harry Ray), mit ihm die Kleidung zu tauschen. Andere Fluggäste und die Besatzung sind entrüstet, als sie die beiden Männer zusammen in die Toilette gehen sehen.

Nach der Landung wird Wendell vom Grenzbeamten (Raffaele Mottola) aufgehalten, weil er versehentlich Dr. Fleischmanns Pass statt seines eigenen bei sich hat. Gerade noch rechtzeitig entdeckt er Dr. Fleischmann, der ebenfalls aufgefallen ist, und die beiden Herren können die Papiere tauschen.

Im Speisewagen des Zugs nach Neapel diktiert Wendell den ersten Entwurf der Grabrede. Dadurch wird eine Engländerin auf ihn aufmerksam und spricht ihn kurz an. Auf der Fähre nach Ischia trifft er erneut auf sie.

Carlo Carlucci (Clive Revill), der Direktor des Grand Hotel Excelsior, holt Wendell persönlich ab und spricht ihm sein Beileid aus. Wendells Vater verbrachte seit zehn Jahren die Zeit jeweils vom 15. Juli bis 15. August in seinem Hotel, und für den Sohn ist nun dieselbe Suite reserviert. Wendell denkt, er könne den Sarg in dem Flugzeug transportieren lassen, mit dem er spätestens am Montag zurückreisen will. Aber Carlucci klärt ihn darüber auf, dass er zuerst seinen Vater in der Leichenhalle identifizieren und dann eine Reihe von Formalitäten erledigen müsse. Außerdem sei für die Ausfuhr eines Toten ein mit Zink ausgeschlagener Sarg vorgeschrieben, und einen solchen gebe es auf Ischia nicht. Darüber hinaus besteht die Familie Trotta, in deren Weinberg das Auto stürzte, auf einer finanziellen Entschädigung. Der Hoteldirektor hält eine Verschiebung der Trauerfeier für unumgänglich, aber davon möchte Wendell nichts hören, denn die Zeremonie wird im Fernsehen übertragen, und der Betrieb im Armbruster-Konzern wird am Dienstag ruhen, damit die 216 000 Mitarbeiter die Sendung anschauen können. Wendell möchte auf direktem Weg vom Hafen zur Leichenhalle, aber Carlucci weist ihn darauf hin, dass bis 16 Uhr Mittagspause ist und bringt ihn zuerst einmal ins Hotel.

Erst jetzt erfährt Wendell, dass sein Vater nicht allein verunglückte, sondern eine Frau bei sich hatte. Wendell junior ist entsetzt, denn der 67-Jährige war weder geschieden noch verwitwet und gilt zu Hause ebenso wie im Konzern als moralisches Vorbild.

Im Grand Hotel trifft dann auch die Engländerin ein, der Wendell bereits zweimal begegnete. Sie heißt Pamela Piggott (Juliet Mills) und ist hier, um die Leiche ihrer Mutter Catherine nach London zu überführen. Rasch begreift Wendell, dass es sich bei der Toten um die Frau handelt, die mit seinem Vater zusammen verunglückte. Aber es dauert eine Weile, bis ihm klar wird, dass sein Vater und Pamelas Mutter seit zehn Jahren die Ferien zusammen auf Ischia verbrachten und beide in der Suite schliefen, in der er jetzt steht. Wendell kann es kaum glauben, aber der Hoteldirektor bestätigt es.

Endlich ist die Mittagspause vorbei. Carlucci bringt Wendell und Pamela zum Leichenschauhaus. Während sie auf den verspäteten Leichenbeschauer warten, schlägt Pamela vor, auf die mit vielen Schwierigkeiten verbundene Ausfuhr der Toten zu verzichten und das tote Paar stattdessen auf dem schönen Bergfriedhof von Ischia zu bestatten. Dann blieben die beiden Liebenden vereint. Wendell hält das für eine absurde Idee. Er wiederum bietet Pamela eine großzügige Geldsumme an, wenn sie verspricht, nichts über das Liebesverhältnis ihrer Mutter mit seinem Vater an die Öffentlichkeit zu bringen.

16 Uhr ist längst vorbei, als Mattarazzo (Pippo Franco) mit seiner Vespa angefahren kommt. Mit einer wortreichen, sorgfältig einstudierten und offenbar bei jeder Begegnung mit Trauernden wiederholten Erklärung drückt er sein Beileid aus, zieht dann Stempel, Formulare und andere Büroutensilien aus den Taschen seines Jacketts und beginnt mit der Prozedur. Die Hinterbliebenen müssen die Toten identifizieren und dann vielfach gestempelte und mit Klebemarken versehene Formulare in mehrfachen Ausfertigungen unterschreiben. Im Hinausgehen drückt Mattarazzo noch den versehentlich in die Hosentasche gesteckten Schwamm aus, mit dem er die Klebemarken anfeuchtete.

Zurück im Hotel, zeigt der Hausdiener Bruno (Gianfranco Barra) dem amerikanischen Gast eine Uhr und ein Feuerzeug: zwei Geschenke, die er von Wendell Armbruster senior bekam. Außerdem erwähnt er eine Polaroid-Kamera, die er ebenfalls von dem Stammgast erhielt. Damit – so Bruno weiter – habe er den Amerikaner und die Engländerin beim Nacktbaden fotografiert. Bevor Bruno sagen kann, was er für die Aufnahmen haben wolle, werden sie vom Hoteldirektor gestört. Er hat zwar inzwischen über verwandtschaftliche Beziehungen zwei geeignete Särge in Bologna aufgetrieben, doch wegen eines Streiks der Bahnarbeiter mussten sie ins Flugzeug verladen werden, und das kann wegen Nebels nicht starten.

Endlich treffen die Särge ein. Aber fast zur gleichen Zeit erhält Wendell die Nachricht, dass die beiden Toten aus dem Leichenschauhaus verschwunden sind. Wendell verdächtigt sogleich Pamela, sie versteckt zu haben, um das Paar doch noch auf Ischia begraben zu können.

In der Hoffnung, dass sie ihm nach ein paar Gläsern Wein das Versteck verrät, lädt Wendell die Engländerin zum Abendessen im Hotelrestaurant ein. Wendell zieht Sachen seines Vaters an, die im Hotel zurückgeblieben sind, und Pamela wählt ein Kleid ihrer Mutter. Der Oberkellner (Guidarino Guidi) führt sie zum Stammplatz von Wendell Armbrusters senior und Catherine Piggott. Auch die Kapelle, die für die Verliebten Überstunden machen musste, spielt für Wendell und Pamela.

Während des Abendessens taucht Armando Trotta (Franco Acampora) mit den Blumen im Hotel auf, die Pamela auf die beiden Toten im Leichenschauhaus legte. Die Winzerfamilie hat die Leichen gestohlen, um die Schadenersatzforderung durchzusetzen. Wendell und der Hoteldirektor begleiten den Abgesandten der Familie zu einer Besprechung mit dem Clan, dessen Sprecher Arnold Trotta (Franco Angrisano) die Verhandlungen führt. Wendell muss 2 Millionen Lire zahlen. Er stellt einen Scheck in US-Dollar aus, aber diese Währung akzeptieren die Trottas nicht. Sie nehmen nur Deutsche Mark oder Schweizer Franken.

Am nächsten Morgen entkleidet Pamela sich auf dem Bootssteg und schwimmt nackt zu einem Felsen im Meer, wo sie sich in die Sonne legt. Um sie zurückzuholen, bevor sie jemand sieht, legt auch Wendell seine Kleider ab und schwimmt ihr nach. Als ein Fischerboot vorbeikommt, winkt Pamela den Männern, und die sind begeistert vom Anblick der nackten Frau.

Bruno ist das kleine Spektakel nicht entgangen, und er hat die Nackten fotografiert. Nun bringt er Wendell die Polaroids, die er von dessen Vater und Pamelas Mutter machte – und weist ihn darauf hin, dass er neue Aufnahmen hat. Wendell bietet dem Erpresser Geld dafür, aber daran ist Bruno nicht interessiert. Er wurde vor längerer Zeit wegen Straftaten aus den USA ausgewiesen, möchte aber wieder zurück und verlangt, dass Wendell seine guten Beziehungen spielen lässt, um ihm die Wiedereinreise zu ermöglichen. Es sei dringend, erklärt Bruno, denn er habe das sizilianische Zimmermädchen Anna (Giselda Castrini) geschwängert, wolle es jedoch nicht heiraten.

Anna lauscht an der Tür und hört, was Bruno sagt. Wütend holt sie einen Revolver, lockt Bruno in das Zimmer der Engländerin, die gerade eine Spazierfahrt in einer Kutsche unternimmt, und erschießt ihn.

Um Pamela eine polizeiliche Vernehmung zu ersparen, lässt Carlucci ihr Gepäck in Wendells Suite bringen, bevor die Ermittler eintreffen.

Als Pamela ins Hotel zurückkommt, erfährt sie vom Portier (Antonino Faà di Bruno), wo sich ihr Gepäck befindet. Sie glaubt, Wendell habe das veranlasst, um die restliche Zeit mit ihr zusammen zu verbringen. Zwar beschwert sie sich darüber, dass der Amerikaner es nicht für nötig hielt, sie vorher zu fragen, aber sie beginnt gut gelaunt ihre Koffer auszupacken, bevor Wendell ihren Irrtum aufklären kann. Schließlich klopft Carlucci an der Tür und teilt mit, dass die Polizei wieder fort sei und Pamela in ihr Zimmer zurückkehren könne. Enttäuscht packt sie ihre Sachen. Wendell küsst sie jedoch und lädt sie ein, bei ihm zu bleiben.

Dass sich die Exportgenehmigung verzögern wird, weil der zuständige Richter krank geworden ist, stört Wendell nicht mehr; er freut sich darauf, noch ein paar Tage mit Pamela verbringen zu können.

Als er erfährt, dass Pamelas Mutter eine einfache Maniküre in einem Londoner Hotel war, wundert er sich, dass sein Vater sie nicht finanziell unterstützte. Aber Pamela erklärt ihm, Catherine habe ihm vorgemacht, sie wohne als Gast in dem Luxushotel, denn sie wollte kein Geld von ihm.

Wendell und Pamela liegen nackt im Bett, als J. J. Blodgett (Edward Andrews) anruft, ein mit den Armbrusters befreundeter einflussreicher Diplomat des US-Außenministeriums, der von Wendells Ehefrau Emily gebeten wurde, ihrem Mann zu helfen, die Leiche des Verstorbenen auszufliegen. Blodgett, der sich gerade in Paris aufhielt, nahm die nächste Maschine nach Rom und ließ sich von dort mit einem Hubschrauber der US-Navy nach Ischia bringen. Er steht bereits in der Lobby, und nach ein paar Worten am Telefon eilt er ungeduldig nach oben. Da er am Abend mit Henry Kissinger verabredet ist, hat er es eilig.

Carlucci, der weiß, dass Wendell Armbruster nicht allein in der Suite ist, versucht vergeblich, den amerikanischen Diplomaten aufzuhalten. Als dieser die Suite betritt, befürchtet der Hoteldirektor Schlimmstes. Aber Wendell sitzt im Bademantel auf einem Stuhl, und Pamela feilt ihm die Fingernägel, tut so, als sei sie eine nur italienisch sprechende, für Maniküre zuständige Nichte des Hoteldirektors.

Um den Leichnam ohne weitere Formalitäten außer Landes bringen zu können, hat Blodgett vor, Wendell Armbruster senior posthum zum Handelsattaché zu ernennen, ihm also einen Diplomatenstatus zu verschaffen.

Doch inzwischen hat Wendell nicht nur Gefallen an Pamela gefunden, sondern auch an ihrer Idee, das tote Paar auf Ischia zu bestatten. Carlucci erklärt, es sei ihm eine Ehre, dafür sein Familiengrab zur Verfügung zu stellen. In aller Eile werden Wendell Armbruster senior und Catherine Piggott bestattet. Da sie sich gegenseitig mit Willy bzw. Cate ansprachen, sollen diese Namen auf dem Grabstein stehen.

In dem Sarg, mit dem Wendell, Pamela und Carlucci zum Hubschrauber-Landeplatz eilen, liegt Bruno. Nachdem Blodgett den Toten unbesehen zum Attaché ernannt hat, wird der Sarg in die amerikanische Flagge gehüllt und in den Hubschrauber geschoben. Auf diese Weise wird Brunos Wunsch, in die USA zurückzukehren, doch noch erfüllt.

Bevor Wendell in den Hubschrauber klettert, verabredet er sich mit Pamela für die Ferien im nächsten Jahr. Und Carlucci verspricht, er werde die Suite jedes Jahr vom 15. Juli bis 15. August für sie bereithalten.

nach oben

Die Filmkomödie „Avanti!“ – deutsch: „Avanti, Avanti“ – von Billy Wilder basiert auf dem gleichnamigen, 1968 uraufgeführten Theaterstück von Samuel A. Taylor (1912 – 2000).

Wie im Film mehrmals erklärt wird, ist „Avanti!“ die übliche Antwort auf die Frage „Permesso?“ (darf ich?) und bedeutet „Herein!“. Die Verdoppelung des Wortes im deutschen Titel ist dagegen mit „Vorwärts, mach schon!“ zu übersetzen.

Im Widerspruch zum deutschen Titel entwickelt Billy Wilder die Handlung in „Avanti, Avanti“ in einer eher beschaulichen Gangart.

In der Komödie prallen Unterschiede der Kulturen bzw. Lebensweisen von Amerikanern, Engländern und Italienern aufeinander. Der Film ist nicht zuletzt ein Plädoyer für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung. Gelungen ist die symmetrische Form, die sich aus der Wiederholung der Liebesgeschichte des älteren Paares durch das jüngere ergibt. Und für Vergnügen sorgen Missverständnisse und Situationskomik.

Mehrmals ist in „Avanti, Avanti“ das von Gino Paoli 1961 komponierte und gesungene Lied „Senza Fine“ zu hören: „Senza fine / Tu trascini la nostra vita / Senza un attimo di respiro / Per sognare / Per potere ricordare […]“.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

Billy Wilder (kurze Biografie)

Billy Wilder: Frau ohne Gewissen
Billy Wilder: Boulevard der Dämmerung
Billy Wilder: Zeugin der Anklage
Billy Wilder: Ariane. Liebe am Nachmittag
Billy Wilder: Manche mögen’s heiß
Billy Wilder: Das Appartement
Billy Wilder: Das Mädchen Irma La Douce

Françoise Sagan - In einem Monat, in einem Jahr
Françoise Sagan inszeniert diesen un­glücklichen Liebesreigen mit leichter Hand und wechselt dabei fortwährend die Perspektive. "In einem Monat, in einem Jahr" kommt ohne Effekthascherei aus, und die Autorin begnügt sich mit einer ebenso schlichten wie über­zeugenden Komposition.
In einem Monat, in einem Jahr

Françoise Sagan

In einem Monat, in einem Jahr

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: