Lincoln

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Lincoln – Originaltitel: Lincoln – Regie: Steven Spielberg – Drehbuch: Tony Kushner, nach dem Buch "Team of Rivals. The Political Genius of Abraham Lincoln" von Doris Kearns Goodwin – Kamera: Janusz Kaminski – Schnitt: Michael Kahn – Musik: John Williams – Darsteller: Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tommy Lee Jones u.a. – 2012; 150 Minuten

Inhaltsangabe

Nach seiner Wiederwahl im November 1864 unternimmt US-Präsident Abraham Lincoln einen neuen Anlauf, um noch vor dem Beginn seiner zweiten Amtszeit die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus für den 13. Verfassungszusatz über die Abschaffung der Sklaverei zu bekommen. Die politischen Lager stehen sich kompromisslos gegenüber. Lincoln lässt Abgeordnete bestechen und zögert das Ende des Sezessionskrieges hinaus, um sein Ziel nicht zu gefährden ...
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Kritik

Abraham Lincoln wird von Daniel Day-Lewis als vielschichtige Figur dargestellt. "Lincoln" ist aber nicht nur eine Charakterstudie, sondern auch ein dialoglastiges Historiendrama über Manipulationen, die zur Erreichung politischer Ziele erforderlich sind.
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Im Winter 1864/65 sind die konföderierten Staaten bereits so erschöpft, dass mit einem baldigen Ende des Sezessionskrieges zu rechnen ist.

US-Präsident Abraham Lincoln (Daniel Day-Lewis) wurde am 8. November 1864 wiedergewählt. Noch vor seiner für 4. März 1865 geplanten Vereidigung will er die Sklaverei abschaffen.

Der Kongress hatte die Sklaven der Kriegsgegner bereits zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs für frei erklärt, und am 1. Januar 1863 unterzeichnete Abraham Lincoln die Emanzipationsakte, mit der die Sklaverei in den konföderierten Staaten abgeschafft wurde. Obwohl er immer schon überzeugt war, dass Menschen kein Besitz sein können, folgte er damals der Argumentation der Sklavenhalter, um die Sklaven der Sezessionisten konfiszieren und die Kriegsgegner schwächen zu können, deren Plantagen von der Sklaverei abhingen.

Im April 1864 hatte der Senat dem 13. Verfassungszusatz über die Abschaffung der Sklaverei auch in den Nordstaaten zugestimmt. Zur Verabschiedung des amendment benötigt Lincoln nun eine Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus. Die verfehlte er im Frühjahr 1864. In einer Ansprache vor dem Kongress am 6. Dezember empfahl er deshalb eine erneute Abstimmung.

Doch selbst wenn alle republikanischen Parteifreunde mit Ja stimmen, fehlen ihm 20 Stimmen aus den Reihen der Demokraten, deren Partei gegen die Abschaffung der Sklaverei ist.

Dass alle Republikaner mit Ja stimmen werden, ist alles andere als gewiss. Da ist zum Beispiel der Abgeordnete Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones). Dem Abolitionisten, der von der Gleichheit aller Menschen überzeugt ist, gehen die von Lincoln angestrebten Veränderungen nicht weit genug. Er tritt dafür ein, nicht nur die Sklaverei abzuschaffen, sondern den Schwarzen darüber hinaus die gleichen Rechte wie den Weißen einzuräumen.

Auch im Kabinett stößt Lincoln auf Widerstand, denn die Minister wollen den Krieg zu schnell wie möglich beenden und befürchten, dass die Abschaffung der Sklaverei die Sezessionisten zur Weiterführung der militärischen Auseinandersetzung motivieren könnte.

Der Republikaner Preston Blair (Hal Holbrook), der maßgeblich zu Lincolns Wiederwahl beitrug, nutzt seine Beziehungen zu führenden Politikern der Sezessionisten und reist mit Billigung des US-Präsidenten heimlich nach Richmond. Dort rät er Jefferson Davis, dem Präsidenten der konföderierten Staaten, eine Abordnung nach Washington zu schicken.

Lincoln, der befürchtet, dass nach der Beendigung des Krieges keine Chance mehr bestehen würde, die Sklaverei abzuschaffen, versucht Zeit zu gewinnen und lässt die Delegation bei Hampton/Virginia aufhalten.

Die Abstimmung im Repräsentantenhaus über den 13. Verfassungszusatz wird für den 31. Januar angesetzt.

Lincoln erklärt seinen Mitarbeitern, er erwarte von ihnen die Beschaffung der benötigten 20 Stimmen aus den Reihen der Demokraten. Außenminister William H. Seward (David Strathairn) wendet sich an William N. Bilbo (James Spader), und der halbseidene Anwalt, Journalist und Unternehmer beginnt mit zwei Helfern, demokratische Abgeordnete, die aufgrund der Wahlniederlage ihrer Partei in der nächsten Legislaturperiode kein Mandat mehr haben werden, durch das Angebot von Ämtern zu bestechen.

Während der Debatte im Repräsentantenhaus vor der Abstimmung am 31. Januar 1865 verbreitet sich das Gerücht, dass eine Delegation der Südstaaten auf dem Weg nach Washington sei, um über die Einstellung der Kriegshandlungen zu verhandeln. James M. Ashley (David Costabile), einer der führenden Republikaner im Repräsentantenhaus, reagiert entsetzt darauf. George H. Pendleton (Peter McRobbie), der Fraktionschef der Demokraten, verlangt eine Vertagung der geplanten Abstimmung, und auch einige Republikaner schließen sich der Forderung an. William N. Bilbo, der die Debatte vom Zuschauerbalkon aus verfolgt hat, eilt zum Präsidenten und drängt ihn, die Existenz einer Verhandlungsdelegation zu dementieren. Lincoln schreibt rasch eine Erklärung, in der es heißt, es sei keine Abordnung der Südstaaten in Washington und das Eintreffen einer solchen halte er für unwahrscheinlich. Nachdem Lincolns Zeilen im Repräsentantenhaus verlesen wurden, ruft der Speaker zur Abstimmung über den 13. Verfassungszusatz auf.

56 Abgeordnete stimmen mit Nein, 119 mit Ja. Damit ist erforderliche Zweidrittelmehrheit knapp erreicht.

Thaddeus Stevens, dessen afroamerikanische Haushälterin seine Lebensgefährtin ist, leiht sich das offizielle Dokument für eine Nacht aus, um es ihr zu zeigen.

Abraham Lincoln und William Seward treffen sich am 3. Februar mit der Delegation der Sezessionisten auf dem Schiff „River Queen“ in der Nähe des Forts Monroe in Hampton/Virginia (Hampton Roads Conference). Die Verhandlungen scheitern jedoch, weil Lincoln und Seward eine Kapitulation der konföderierten Staaten verlangen.

Nach dem Sieg der Nordstaaten in Petersburg/Virginia am 2. April reitet Präsident Lincoln über das Schlachtfeld und zieht seinen Hut vor den vielen Gefallenen.

Am 9. April kapituliert General Robert E. Lee (Christopher Boyer), der Oberbefehlshaber des konföderierten Heeres, in der Ortschaft Appomattox Court House/Virginia vor General Ulysses S. Grant (Jared Harris), dem Oberbefehlshaber der United States Army. Endlich ist der Amerikanische Bürgerkrieg zu Ende.

Am Abend des 14. April debattiert Abraham Lincoln mit dem Kabinett über die Rechte der befreiten Sklaven. Der Präsident zeigt sich kompromissbereit. Als ihn ein schwarzer Diener im Auftrag seiner Frau mahnt, sich nicht zu verspäten, beendet Lincoln die Sitzung und eilt in Ford’s Theatre, wo Mary (Sally Field) auf ihn wartet.

In der vorletzten Szene sehen wir, wie ein Arzt Präsident Abraham Lincoln am 15. April für tot erklärt.

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Der Film „Lincoln“ basiert auf dem 2005 von der amerikanischen Historikerin Doris Helen Kearns Goodwin (* 1943) veröffentlichten Buch „Teams of Rivals. The Political Genius of Abraham Lincoln“. Der Dramatiker Tony Kushner (* 1956) schrieb das Drehbuch. Erste Entwürfe stammen von John Logan und Paul Webb.

„Lincoln“ ist kein Biopic, denn die Handlung ist auf die Wochen vor der Abstimmung über den 13. Verfassungszusatz im Repräsentantenhaus des US-Kongresses am 31. Januar 1865 fokussiert.

Republikaner und Demokraten sind in der Frage, ob die Sklaverei abgeschafft werden soll oder nicht, erbitterte Gegner. Die politischen Lager stehen sich kompromisslos gegenüber. (So wie heute auch.) Um die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu erreichen, schreckt US-Präsident Abraham Lincoln nicht davor zurück, demokratische Abgeordnete zu bestechen. Ohne Korruption, Manipulation und Täuschung hätte er vermutlich keine Chance, die Abstimmung zu gewinnen. Lincoln zögert sogar das Ende des Sezessionskrieges hinaus und nimmt zahlreiche weitere Gefallene und Verletzte in Kauf, um sein Ziel, die Abschaffung der Sklaverei, nicht zu gefährden.

Steven Spielberg veranschaulicht, dass es in der Politik mitunter nicht möglich ist, ein wichtiges Ziel auf geradem Weg zu erreichen. Er unterstellt sogar, dass der Zweck die Mittel heiligt. „Lincoln“ ist zugleich eine Charakterstudie. Daniel Day-Lewis verkörpert Abraham Lincoln als vielschichtige, widersprüchliche und leidende Figur.

Wir erleben Abraham Lincoln nicht nur als Präsidenten, sondern auch im Privatleben. Er und seine Frau Mary trauern um ihren Sohn Willie, der 1862 im Alter von elf Jahren starb. Und sie sorgen sich um Robert (Joseph Gordon-Levitt), den ältesten Sohn, der es für seine Pflicht hält, sich zum Kriegsdienst zu melden.

Eingerahmt wird die eigentliche Handlung durch Auszüge aus zwei Reden des US-Präsidenten. Zu Beginn rezitieren Soldaten aus der kurzen Ansprache, die Abraham Lincoln am 19. November 1863 anlässlich der Einweihung eines Soldatenfriedhofs in Gettysburg hielt (Gettysburg Address). Mit einem Ausschnitt aus Lincolns Rede bei seiner Inauguration für die zweite Amtszeit am 4. März 1865 endet der Film.

Die Konzentration auf die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes und die Komplexität der Hauptfigur gehören ebenso zu den Pluspunkten des Films „Lincoln“ wie die schauspielerischen Leistungen und die Arbeit der Maskenbildner. Dass sich umstrittene politische Ziele nur durch Manipulationen erreichen lassen, ist wohl realistisch, aber da hätte ein kritischer Unterton nicht geschadet. Abgesehen von der überwältigenden Ausstattung wirkt „Lincoln“ wie ein Theaterstück, denn der Dramatiker Tony Kushner entwickelt die Handlung aus Dialogen. Dabei sind auch einige Längen entstanden, etwa bei der namentlichen Abstimmung der Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Weil das Ergebnis aus den Geschichtsbüchern bekannt ist, entsteht dabei auch keine Spannung.

Übrigens haben in Wirklichkeit alle vier Kongressabgeordneten aus Connecticut mit Ja gestimmt und nicht zwei mit Nein, wie es in „Lincoln“ gezeigt wird.

Als Hauptdarsteller war zunächst Liam Neeson vorgesehen, aber er lehnte die Rolle ab.

Die Dreharbeiten fanden von Oktober bis Dezember 2011 statt.

Daniel Day-Lewis erhielt für „Lincoln“ seinen dritten „Oscar“. Eine zweite Trophäe ging am 24. Februar 2013 für das Szenenbild an Rick Carter und Jim Ericson. Nominiert hatte man „Lincoln“ auch in den Kategorien Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Tommy Lee Jones), Beste Nebendarstellerin (Sally Field), Beste Kamera (Janusz Kaminski), Bester Schnitt (Michael Kahn), Bestes Kostümdesign (Joanna Johnston), Beste Filmmusik (John Williams), Bester Ton.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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