Harold Pinter : Celebration

Celebration

Harold Pinter

Celebration

Uraufführung: Almeida Theatre, London, 16. März 2000 Regie: Harold Pinter Deutschsprachige Erstaufführung: Thalia Theater, Hamburg, 28. März 2001 Regie: Stephan Kimmig Übersetzung: Michael Walter In: Harold Pinter, Theaterstücke Coron-Reihe "Nobelpreis für Literatur" Coron bei Kindler Verlag, Berlin 2006
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Handlung – wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann – spielt abwechselnd an zwei Tischen in einem teuren Restaurant. Ein Ehepaar Mitte vierzig feiert zusammen mit dem Bruder des Mannes und der Schwester der Frau den Hochzeitstag. Nach dem Essen offenbart der Jubilar, dass er mit der jüngeren Dame am anderen Tisch vor längerer Zeit eine Affäre hatte und lädt sie zusammen mit ihrem Mann an seinen Tisch ein.
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Kritik

"Celebration" ist ein Einakter des absurden Theaters. Aus dem trivialen Geschwätz einiger zu echter Kommunikation unfähiger Restaurant-Gäste schlägt Harold Pinter sarkastisch Funken.
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Lambert und Julie feiern zusammen mit Lamberts älterem Bruder Matt und Julies älterer Schwester Prue Hochzeitstag. Die vier Personen, alle Mitte vierzig, waren im Ballett und sitzen nun im besten Restaurant der Stadt, das von dem Mitfünfziger Richard und der zwanzig Jahre jüngeren „Maîtresse d’Hôtel“ Sonia betrieben wird. Außer Lambert, Julie, Matt und Prue sind nur noch zwei weitere Gäste da: das Ehepaar Russell und Suki, er Mitte dreißig, sie achtundzwanzig. Vor dem Essen waren sie in der Oper.

Der fünfundzwanzigjährige Kellner mischt sich bei Russell und Suki ins Gespräch und behauptet, er habe sie über T. S. Eliot reden gehört. Sein Großvater kannte angeblich ein Dutzend berühmter Schriftsteller, darunter nicht nur T. S. Eliot, sondern auch D. H. Lawrence, William Faulkner, Carson McCullers. Dann erzählt er am anderen Tisch, sein Großvater sei mit Clark Gable und Peter Lorre um die Häuser gezogen und mit Hedy Lamarr im Bett gewesen. Einige Zeit später greift er das Stichwort k. u. k. Monarchie auf, das ebenso wenig fiel wie die Namen T. S. Eliot oder Hollywood, und schwafelt davon, dass sein Großvater den Erzherzog Franz Ferdinand gut gekannt und mit Mussolini und Churchill Tee getrunken habe.

Lambert: Wie hat dir dein Essen geschmeckt, Liebling?
Julie: Ich fand’s nicht überragend.
Lambert: Nicht überragend?
Julie: Nein.
Lambert: Ich schleppe sie in den besten Laden der Stadt – gebe ein Vermögen aus – und sie findet es nicht überragend.
Matt: Schon vergessen, warum wir hier sind? Heute ist euer Juliläum.
Lambert: Welches Jubiläum?
Prue: Euer Hochzeitstag.
Lambert: Ich weiß nur eins. Wir sitzen hier im scheißteuersten Restaurant der Stadt, und sie findet es nicht überragend. (Seite 433)

Richard: Essen in Ordnung?
Matt: Köstlich.
Lambert: Erste Sahne. Fantastico.
Prue: Himmlisch.
Lambert: Meine Frau fand es nicht überragend.
Richard: So?
[…]
Prue: Sie fand das Essen nicht überragend. Das stimmt. Hat sie gesagt. Sie fand es staubtrocken. Sie hat gesagt – was hast du gesagt, Schätzchen? – sie ist meine Schwester – sie hat gesagt, selbst mit einer Hand zwischen den Beinen könnte sie besser kochen – sie hat gesagt – nein, ehrlich – sie hat gesagt, selbst wenn sie reinpinkelt, kriegt sie noch eine bessere Soße hin als die auf dem Teller […] (Seite 434f)

Lambert: Ich möchte mein Glas erheben.
Matt: Worauf?
Lambert: Auf meine Frau. Auf unseren Hochzeitstag.
Julie: Ach, Liebling! Du hast dran gedacht!
Lambert: Ich möchte mein Glas erheben. Bitte erhebt eure Gläser und stoßt auf meine Frau an.
Julie: Ich bin ganz gerührt, ehrlich. Ich muss sagen –
Lambert: Heb dein scheiß Glas und halt’s Maul! (Seite 446f)

Erst nach dem Essen offenbart Lambert seiner Frau, seinem Bruder und seiner Schwägerin, dass er die Dame am anderen Tisch kennt und mit ihr vor längerer Zeit eine Affäre hatte. Er lädt Suki und Russell an seinen Tisch ein. Suki ist Lehrerin, ihr Mann Banker, Lambert und Matt arbeiten als Strategieberater, Prue und Julie sind karitativ tätig.

Am Ende verteilt Lambert großspurig Trinkgelder an Richard, Sonia und den Kellner, wobei er die „Maîtresse d’Hôtel“ fragt, ob er ihr den Geldschein ins Dekolleté stecken solle oder ob sie Strapse trage.

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„Celebration“ ist ein Einakter des absurden Theaters. Die Handlung – wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann – spielt abwechselnd an zwei Tischen in einem Restaurant. Harold Pinter hat eine minimalistische Form gewählt und konzentriert sich ganz auf das triviale, teilweise auch vulgäre und rüpelhafte Geschwätz der zahlungskräftigen Gäste, mit dem er deren Unfähigkeit zur Kommunikation demonstriert. Aus diesem simplen Aufbau schlägt Harold Pinter sarkastisch Funken.

Anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Harold Pinter sagte Per Wästberg am 10. Dezember 2005:

Seine Figuren verbarrikadieren sich in unvorhersehbaren Dialogen. Zwischen den Zeilen ungelöster Bedrohungen verletzt und empört es […]
Der Abgrund unter dem Geplauder, der Widerwille, anders als nur oberflächlich zu kommunizieren, das Bedürfnis, zu herrschen und irrezuführen, das erstickende Gefühl von Unglücken, die unter dem Alltäglichen brodeln […]
In Pinters Werk gibt es weder Gewinner noch Verlierer […]
Beiläufig Gesagtes verletzt, kleine Worte zerstören, Halbgesagtes erdrückt, Unausgesprochenes kündet von Unheil. Pinter […] beschneidet die Sprache und lässt folglich die Handlung aus den Stimmen und dem Rhythmus der Charaktere entstehen. Somit ist ein Plot nicht gegeben. Wir fragen nicht: „Was wird als Nächstes geschehen!“, sondern vielmehr: „Was geschieht gerade?“
(Übersetzung: Susanne Switala, Seite 17ff)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007
Textauszüge: © Rowohlt Theater Verlag

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