Das Ende einer Affäre

Das Ende einer Affäre

Das Ende einer Affäre

Das Ende einer Affäre - Originaltitel: The End of the Affair - Regie: Neil Jordan - Drehbuch: Neil Jordan, nach dem Roman "Das Ende einer Affäre" von Graham Greene - Kamera: Roger Pratt - Schnitt: Tony Lawson - Musik: Michael Nyman - Darsteller: Ralph Fiennes, Julianne Moore, Stephen Rea, Ian Hart, Samuel Bould, Heather Jay Jones, James Bolam, Cyril Shaps, Penny Morrell, Simon Turner, Jason Isaacs u.a. - 1999; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Während des Zweiten Weltkriegs hat der Schriftsteller Maurice Bendrix in London eine leidenschaftliche Affäre mit einer verheirateten Frau. Nachdem er einen Bombenangriff wie durch ein Wunder überlebt hat, trennt Sarah sich unvermittelt von ihm. Als er zwei Jahre später zufällig ihren Mann trifft, flammen seine verletzten Gefühle wieder auf ...

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Kritik

In dieser werkgetreuen Verfilmung des Romans "Das Ende einer Affäre" von Graham Greene geht es um eine tragische Liebesgeschichte. Neil Jordan erzählt sie nicht chronologisch, sondern in verschachtelten Rückblenden und Wiederholungen, wobei er auch die Perspektive wechselt.
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„Dies ist ein Tagebuch des Hasses“, konstatiert der Schriftsteller Maurice Bendrix (Ralph Fiennes), als er sich 1946 an seine Schreibmaschine setzt.

Im Sommer 1939 ist Maurice zu einer Abendgesellschaft bei dem in der Nachbarschaft wohnenden Ehepaar Miles eingeladen. Dabei lernt er die Gastgeber erst kennen: den farblosen, pflichtbewussten Ministerialbeamten Henry Miles (Stephen Rea) und dessen attraktive Frau Sarah (Julianne Moore). Die beiden sind seit zehn Jahren verheiratet. Da im Kino gerade die Verfilmung eines Romans von Maurice Bendrix läuft, schlägt er dem Paar vor, ihn zu einer Vorführung zu begleiten. Henry ist zu sehr beschäftigt, aber er drängt seine Frau, sich den Film zusammen mit Maurice anzusehen. Nach dem Kinobesuch essen die beiden in einem Restaurant, dann begleitet Maurice Sarah nach Hause – und sinkt mit ihr im Schlafzimmer aufs Bett. Als Sarah zum Orgasmus kommt, drückt Maurice ihr den Mund zu, denn Henry kehrt gerade vom Büro nach Hause zurück und ruft nach ihr. „Hoffentlich hat er nichts gehört“, flüstert Maurice und meint damit die kleinen Schreie, die sie ausgestoßen hatte, bevor er ihr den Mund zuhielt, doch sie beruhigt ihn: „Keine Sorge, das kennt er nicht.“

Ohne dass Henry etwas ahnt, treffen sich Sarah und Maurice von da an bei jeder Gelegenheit in Hotelzimmern und in einer Wohnung. Sarah findet bei ihrem Liebhaber etwas, was sie bei ihrem Ehemann vermisst: Leidenschaft. Auch wenn Bomben auf London fallen und die Bevölkerung in den Luftschutzkellern Zuflucht sucht, wälzen Sarah und Maurice sich nackt im Bett. Die Gefahr steigert ihre Leidenschaft. „Kaum zu glauben, wie wir inmitten des Krieges so völlig in Frieden sein konnten“, wundert Maurice sich später. Einmal, im Jahr 1944, beginnen sie sich gerade wieder anzuziehen, als in unmittelbarer Nähe eine Bombe einschlägt. Maurice geht ins Treppenhaus, um nachzusehen. In diesem Augenblick zerbersten durch den Luftdruck die Fensterscheiben; er stürzt in die Tiefe und bleibt reglos auf den Stufen liegen.

Nach einiger Zeit kommt er wieder zu sich und schleppt sich nach oben. Dort kniet Sarah vor dem Bett und betet. Er wundert sich darüber, denn er weiß, dass sie nicht gläubig ist. „O Gott, du lebst!“, stammelt sie, als sie seiner gewahr wird. Von da an weigert sie sich, Maurice noch einmal zu sehen. Der kann sich das nur dadurch erklären, dass sie seine Eifersucht nicht länger ertrug.

Zwei Jahre später begegnet Maurice zufällig Henry im Regen auf der Straße, und der nimmt ihn mit nach Hause. Sarah ist nicht da. Als kurz darauf Geräusche von der Haustür zu hören sind, glaubt Henry, das Dienstmädchen kehre zurück, doch Maurice kennt Sarah am Schritt. Sobald die beiden Männer wieder allein sind, erzählt Henry, Sarah habe sich verändert und er frage sich, ob sie ihn betrüge. Doch er scheut sich, einen Privatdetektiv einzuschalten. Bei Maurice, der noch immer nicht weiß, warum Sarah unmittelbar nach dem fürchterlichen Bombentreffer mit ihm Schluss machte, brechen alte Wunden wieder auf; er zögert nicht lang und sucht eine Detektei auf. Mr Savage (James Bolam) wundert sich: Nicht der Ehemann, sondern ein ehemaliger Liebhaber will die Frau beschatten lassen. Doch er setzt Mr Parkis (Ian Hart) auf den Fall an, und der nimmt zur Tarnung seinen kleinen Sohn Lance (Samuel Bould) mit.

Rasend vor Eifersucht, durchlebt Maurice die Liebesaffäre mit Sarah noch einmal in der Erinnerung.

Sarah ruft ihn an und verabredet sich mit ihm in einer Bar, doch sie äußert nur die Bitte, Maurice möge sich hin und wieder mit ihrem Mann treffen, der sehr einsam sei. Sie geraten in Streit, und Sarah verlässt das Lokal noch bevor die Getränke serviert werden. Maurice bleibt sitzen und versucht nicht, sie zurückzuhalten.

Am nächsten Tag berichtet Parkis dem Auftraggeber, den er noch nicht gesehen hat, von dem Treffen der „fragliche Person“. Anschließend sei sie schluchzend in eine Kirche gegangen. Es ist ihm sehr peinlich, als er merkt, dass es sich bei dem Mann in der Bar um Maurice Bendrix handelte.

Parkis findet heraus, dass Sarah sich heimlich mit einem Mr Smyth (Jason Isaacs) verabredet hat. Maurice besteht darauf, diesen vermeintlichen Liebhaber zu sehen. Lance stellt sich krank, als Maurice mit ihm bei der angegebenen Adresse läutet. Als Susanne Smyth öffnet, tut Maurice, als suche er einen Arzt für den Jungen und verschafft sich auf diese Weise Eintritt. Susannes Bruder ist Pfarrer. Er durchschaut die Täuschung sofort, und als Maurice ihn anfaucht, ob er sich nicht an das Gelübde der Keuschheit gebunden fühle, wirft er die beiden Besucher hinaus. Da begreift Maurice, dass Sarah und der Pfarrer kein Verhältnis miteinander haben.

Dennoch reicht er Henry die Unterlagen, die er von dem Detektivbüro erhielt. Ungehalten darüber, dass Maurice ohne sein Einverständnis Sarah beschatten ließ, wirft Henry die Papiere ins Kaminfeuer, ohne sie angesehen zu haben. Erst jetzt erwacht sein Argwohn gegen Maurice, und er fragt ihn, ob er mit Sarah geschlafen habe, denn Eifersucht sei die einzige Erklärung für sein seltsames Verhalten.

Während einer Cocktailparty bei den Miles schleicht Parkis sich in ihr Haus, dringt in Sarahs Zimmer vor und entwendet ihr Tagebuch. Maurice erfährt daraus, was Sarah nach dem Bombentreffer vor zwei Jahren erlebte. Sie rannte damals die Treppen hinunter und rüttelte ihn, aber er gab kein Lebenszeichen von sich. Verzweifelt lief sie daraufhin wieder hinauf, warf sich vor das Bett und gelobte Gott, ihr Verhältnis mit Maurice zu beenden, wenn er ihn nur wieder zum Leben erwecke. Durch seine wundersame Rettung wurde sie gläubig; aber das Ereignis war zugleich der Grund für den Abbruch der Beziehung. Weil Sarah keine Ruhe fand, suchte sie das Gespräch mit Pfarrer Smyth. Maurice liest weiter über den Abend zwei Jahre nach der Trennung, als er unversehens mit Henry nach Hause kam und von Sarahs Verabredung mit ihm kurz danach. Da wollte sie ihm eigentlich gestehen, wie sehr sie ihn seit zwei Jahren vermisste, aber dann unterließ sie es und redete nur von der Einsamkeit ihres Mannes.

Erschüttert greift Maurice zum Telefon, aber Sarah legt auf, sobald sie seine Stimme hört. Er folgt ihr ins Kino. Sie flüchtet sich in eine Kirche. Dort holt er sie ein und gibt ihr das Tagebuch zurück. Sarah gibt zu, dass sie ihr Gelübde nicht halten kann, folgt Maurice zu dessen Haus und schläft mit ihm. Nachts läutet Henry; sie sehen ihn durchs Fenster, öffnen jedoch nicht. Am nächsten Morgen fahren sie für einige Zeit nach Brighton.

Dort bemerkt Maurice, dass Parkis sie beobachtet und er stellt ihn zur Rede. Parkis arbeitet jetzt für Henry Miles, der bald darauf auch selbst in Brighton eintrifft.

Sarah will sich von Henry scheiden lassen, um Maurice heiraten zu können. Henry gibt Maurice unter vier Augen zu bedenken, dass das Scheidungsverfahren drei Monate dauern werde – die Hälfte der Zeit, die Sarah laut Aussage ihres Arztes noch zu leben habe. Ihre Lungenkrankheit sei nicht mehr heilbar.

Zu dritt kehren sie nach London zurück, und Maurice zieht in das Haus des Ehepaares, um Sarah tagsüber zu betreuen. Als Pfarrer Smyth nach der inzwischen bereits bettlägrigen Sarah fragt, lässt er ihn nicht ein und lügt gegenüber der Kranken, der Briefträger habe sich in der Adresse geirrt. Sarah gesteht, ihn nie stärker geliebt zu haben als in der Nacht mit dem Bombentreffer. Dann aber habe ihre neue Liebe zu Gott sie krank gemacht.

Henry schreit auf, als Sarah stirbt und sucht Hilfe bei Maurice, denn er kann sich nicht vorstellen, ohne Sarah weiterzuleben.

Maurice aber verspürt zunächst nur Hass: Hass gegen Sarah, weil sie Gott und ihrem Gelübde gefolgt war. Hass gegen Henry, weil Sarah bei ihm blieb. Hass gegen Gott, weil er ihm Sarah wegnahm. Schließlich ist er seines Hasses überdrüssig. „Lieber Gott“, denkt er, „beschütze sie und Henry, aber lass‘ mich in Ruhe.“ Aus dem leidenschaftlichen Liebhaber ist ein Zyniker geworden.

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In dieser tragischen Liebesgeschichte geht es um verschiedene Fassetten der Liebe und im Zusammenhang damit um Betrug, Eifersucht und existenzielle Nöte. Es wird auch deutlich, wie rasch Liebe in Hass umschlagen kann. Das bewegende Geschehen spielt sich fast ausschließlich im Inneren der Figuren ab. Neil Jordan erzählt es nicht chronologisch, sondern in verschachtelten Rückblenden, und das entscheidende Ereignis verstehen wir erst, wenn wir es zum zweiten Mal – nun aus der Perspektive Sarahs – sehen. Eine dichte schwermütige Atmosphäre trägt maßgeblich zu der stilistischen Geschlossenheit des Films bei.

Die Hauptdarstellerin Juliane Moore und der Kameramann Roger Pratt wurden für einen „Oscar“ nominiert.

Bei dem Spielfilm „Das Ende einer Affäre“ handelt es sich um eine werkgetreue Adaptation von Graham Greenes gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1951, genau genommen um ein Remake, denn Edward Dmytryk hatte die literarische Vorlage bereits 1955 mit Deborah Kerr, Van Johnson und Peter Cushing verfilmt.

Den Roman „Das Ende einer Affäre“ schrieb Graham Greene während einer Krise in seiner außerehelichen Beziehung mit Catherine Walston, der er das Buch widmete. Catherine Walston war seit 1935 mit dem Farmer und Labour-Politiker Harry Walston verheiratet und hatte sechs Kinder. 1946 wurde die attraktive Dreißigjährige Graham Greenes Ehefrau Vivien vorgestellt, und als sie den katholischen Glauben annahm, fungierte der Schriftsteller – der selbst mit einundzwanzig konvertiert war – als Pate. Möglicherweise waren Graham Greene und Catherine Walston zu diesem Zeitpunkt bereits ein Liebespaar. Catherines Schwester Anna Murphy berichtete allerdings 1999 im „Sunday Telegraph“, die Affäre habe 1946 begonnen. Obwohl Graham Greene ab 1948 von Vivien getrennt lebte, blieb er bis zum Tod mit ihr verheiratet. Seine Liebesbeziehung mit Catherine Walston hielt bis in die Sechzigerjahre, dann zog er nach Antibes in die Nähe seiner neuen – ebenfalls verheirateten – Geliebten Yvonne Cloetta. Catherine Walston starb 1978.

Wer würde in einem Roman mit autobiografischen Zügen nicht dazu neigen, sich als Held zu stilisieren? Graham Greene dagegen war mutig genug, sich keineswegs sehr schmeichelhaft darzustellen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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Norbert Gstrein - Das Handwerk des Tötens
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Das Handwerk des Tötens

Norbert Gstrein

Das Handwerk des Tötens

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