Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto – Originaltitel: Breakfast on Pluto – Regie: Neil Jordan – Drehbuch: Neil Jordan und Patrick McCabe nach dem Roman "Breakfast on Pluto" von Patrick McCabe – Kamera: Declan Quinn – Schnitt: Tony Lawson – Musik: Anna Jordan – Darsteller: Cillian Murphy, Liam Neeson, Ruth Negga, Laurence Kinlan, Stephen Rea, Brendan Gleeson, Conor McEvoy, Bryan Ferry, Liam Cunningham, Neil Jackson, Mary Coughlan, Pat McCabe, Gavin Friday, Antonia Campbell-Hughes, Dominic Cooper, Ian Hart, Steven Waddington, James Greene u.a. – 2005; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Als Patrick zehn Jahre alt ist und in einem Kleid ertappt wird, verflucht seine bigotte Pflegemutter den Tag, an dem sie ihn aufnahm. So erfährt Patrick, dass er ein Findelkind ist. Als er sich später nach Geschlechtsumwandlungen erkundigt, verursacht er in dem erzkatholischen Dorf einen Skandal. Patrick, der inzwischen weiß, dass der Dorfpfarrer sein Vater ist, sucht schließlich in London nach seiner Mutter ...
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Kritik

"Breakfast on Pluto", die Verfilmung eines Romans von Patrick McCabe durch Neil Jordan, ist eine Tragikomödie mit märchenhaften Zügen. Es handelt sich um das schrille Porträt eines Außenseiters, aber auch um ein Plädoyer gegen Bigotterie, Fanatismus und Hass.
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Der Pfarrer (Liam Neeson) des irischen Dorfes Tyreelin findet 1958 vor seiner Haustüre einen ausgesetzten Säugling. Den bringt er zu der Pub-Betreiberin Braden (Ruth McCabe) und überredet sie, das Kind aufzuziehen.

Als sie den zehnjährigen Jungen – er heißt Patrick (Conor McEvoy) – mit geschminkten Lippen und in einem Kleid seiner Stiefschwester Caroline (Charlene McKenna) ertappt, verflucht sie den Tag, an dem sie ihn aufnahm. Auf diese Weise erfährt Patrick, dass er ein Findelkind ist.

Benny Feely (Paraic Breathnach), der Vater von Lawrence (Seamus Reilly), eines am Down-Syndrom leidenden Freundes von Patrick, kann sich gut an Patricks Mutter erinnern. Er sagt, er habe sie später noch einmal in London gesehen. Es habe sich um die frühere Haushälterin des Pfarrers gehandelt. Eily Bergin (Eva Birthistle) sei das schönste Mädchen in der Gemeinde gewesen und habe ausgesehen wie die Filmschauspielerin Mitzi Gaynor.

Mit Wasserdampf öffnet Patrick (ab jetzt: Cillian Murphy) heimlich einen an seine Pflegemutter gerichteten Brief. In dem Kuvert steckt ein Scheck des Dorfpfarrers. Patrick sucht ihn im Beichtstuhl auf und deutet an, dass er herausgefunden hat, wer seine Eltern sind. Der Geistliche stürzt aufgewühlt aus dem Beichtstuhl und läuft davon.

In einem Schulaufsatz malt Patrick sich aus, wie der Pfarrer es mit seiner schönen jungen Haushälterin treibt. Daraufhin bringt ihn der Lehrer (Patrick McCabe) aufgebracht zum Schulleiter (Owen Roe). Der zeigt Verständnis. Er geht sogar auf Patricks Wunsch ein, vom Sportunterricht befreit zu werden und stattdessen an Kursen in Handarbeit und Hauswirtschaftslehre teilnehmen zu dürfen.

Patrick schminkt sich immer stärker und nennt sich nun Patrick Kitten Braden.

Die Türsteher einer Diskothek (Steve Blount, Keith McCoy) lassen die Freunde Kitten, Lawrence, Irwin (Emmet Lawlor McHugh / Laurence Kinlan) und Charlie (Bianca O’Connor / Ruth Negga) nicht durch. Statt tanzen zu gehen, schließen sie sich einer Motorradgruppe an. Im Wald rauchen sie Joints mit den Bikern.

In der Schule wird ein Kummerkasten aufgestellt. Kitten wirft einen Zettel mit der Frage ein, wo er eine Geschlechtsumwandlung durchführen lassen könne. Damit löst er einen Skandal aus. Seine Pflegemutter gerät außer sich, als sie davon hört.

Kitten verlässt Tyreelin daraufhin. Die Band „The Mohawks“, die mit ihrem Kleinbus unterwegs ist, nimmt den Anhalter mit. Sie überqueren die Grenze nach Nordirland. Billy Hatchett (Gavin Friday) holt Kitten als singende Squaw mit auf die Bühne, aber sie wird ausgebuht. Daraufhin bringt Billy den obdachlosen Transvestiten in einem Wohnwagen unter, der früher seiner Mutter gehörte. Kitten ist überglücklich. Sie putzt den Trailer und entdeckt dabei eine versteckte Bodenklappe. Der Kasten darunter ist mit automatischen Gewehren gefüllt. Offenbar handelt es sich um ein Waffenlager der IRA.

Zufällig beobachtet Kitten, wie Lawrence bei der Explosion einer Autobombe ums Leben kommt. Weil die Bombe dazu dienen sollte, die Bevölkerung gegen die IRA aufzubringen, muss Irwin, der sich inzwischen der IRA angeschlossen hat, zwei Terroristen zu einem Haus fahren, in dem sie den Bombenleger vermuten. Sie erschießen ihn.

Nach dem Begräbnis seines Freundes Lawrence holt Kitten die Waffen aus dem Versteck und wirft sie in den nahen See. In einer der folgenden Nächte kommen zwei Mitglieder der IRA, um Waffen aus dem Wohnwagen zu holen. Kitten behauptet, Billy habe sie sicherheitshalber vergraben. Die Männer schaufeln an der angegebenen Stelle, bis sie merken, dass Kitten sie angelogen hat. Sie wollen ihn mit einer mitgebrachten Pistole erschießen, doch weil er sich wie ein Mädchen benimmt, lassen sie ihn am Leben.

Auf der Suche nach seiner Mutter reist Kitten nach London. Unter der ersten Adresse, die er probiert, wohnt eine afrikanische Familie. Bei der zweiten Adresse handelt es sich um einen Themenpark für Kinder. Kitten legt sich zum Schlafen in ein Märchenschloss. Am nächsten Morgen wird er von John Joe Kenny (Brendan Gleeson) geweckt, der hier als Womble verkleidet seinen Lebensunterhalt verdient. Der bringt ihn zu Mr Stephenson (Mal White), dem Besitzer, damit dieser Kitten ebenfalls einstellt und John Joe entlastet wird.

Als Kitten, der inzwischen wie eine Frau aussieht, zufällig an einem Straßenstrich vorbeikommt, wird er von einem Freier im Auto mitgenommen. Aber bei dem Mann handelt es sich um den Prostituierten-Serienmörder Silky String (Bryan Ferry). Kitten wehrt sich, indem er das Billig-Parfum, das er aus der Republik Irland mitgebracht hat, wie ein Pfefferspray benutzt. Er entkommt.

In einem Café wird Kitten von dem Bühnenzauberer Bertie (Stephen Rea) angesprochen und schließlich als Assistentin mit auf die Bühne genommen. Kitten hat ihm anvertraut, dass er nach London gekommen ist, um seine Mutter zu suchen. Obwohl Bertie sich in Kitten verliebt hat, nutzt er das Wissen schamlos aus, indem er den Transvestiten unter Hypnose Zuschauer und sogar Gegenstände umarmen lässt, die er für seine Mutter hält.

Eines Tages hat der Magier Kitten gerade wieder hypnotisiert, als Charlie im Zuschauerraum auftaucht. Sie beendet die entwürdigende Vorführung und zerrt ihren Freund hinaus.

Charlie kam zusammen mit Irwin nach London. Sie ist schwanger, verheimlicht es jedoch Irwin, denn sie befürchtet, dass die Beziehung keine Zukunft mehr hat. Irwin ist fast jede Nacht unterwegs. Er erzählt Charlie, er helfe Obdachlosen, aber sie ahnt, dass er für die IRA arbeitet. Kitten begleitet Charlie in eine Klinik, wo diese für eine Abtreibung angemeldet ist. Aber im letzten Augenblick entscheidet Charlie sich, das Kind auszutragen.

Bald darauf kehren Charlie und Irwin nach Irland zurück. Kitten bringt sie zum Zug.

Während Kitten in einer Diskothek mit einem britischen Soldaten tanzt, detoniert eine Bombe. Kitten überlebt den Anschlag. Sanitäter bringen sie ins Krankenhaus. Als dort festgestellt wird, dass es sich bei der vermeintlichen Frau um einen Mann handelt, wird Kitten als „Terror-Transe“ verdächtigt. Während der Vernehmung schlagen Kriminalinspektor Routledge und der Polizist Wallis (Steven Waddington, Ian Hart) Kitten brutal und demütigen sie, bis sie ein „Geständnis“ wie einen fantasievollen Schulaufsatz schreibt.

Länger als eine Woche darf die Polizei sie nicht festhalten. Obwohl die Obdachlose lieber in der Zelle bleiben würde, bringen Wallis und Routledge sie vor die Türe.

Kitten geht auf den Strich. Wallis entdeckt sie dort und bringt sie zu einer Kooperation ehemaliger Prostituierter, die eine Peepshow betreibt. Dort wird Kitten nun ganz legal beschäftigt.

Eines Abends kommt der Pfarrer von Tyreelin in die Peepshow. Er erzählt von einem Freund, der seinen Sohn und auch dessen Mutter immer geliebt hat, es ihnen aber nicht sagen konnte. Die Frau sei inzwischen mit einem anderen Mann verheiratet und habe zwei Kinder, sagt er. Dann nennt er Kitten eine Adresse in London und verlässt die Kabine. Kitten sucht auf der Straße nach ihm, aber er ist fort.

Kitten zieht ein seriöses Kostüm an und geht zu der angegebenen Adresse. Dort trifft sie zunächst auf einen Jungen. Er heißt ebenfalls Patrick und ist ihr Halbbruder. Sie behauptet, im Auftrag der British Telecom eine Umfrage durchzuführen, und er nimmt sie mit ins Haus. Beim Anblick ihrer Mutter wird Kitten ohnmächtig. Eily gibt ihr ein Glas Wasser und beantwortet ihre gestammelten Fragen nach den Telefonen im Haushalt. So erfährt Kitten, dass Eily und ihr Ehemann Jeffrey außer Patrick noch eine 13-jährige Tochter namens Laura haben. Ohne sich erkennen zu geben, verlässt Kitten aufgewühlt das Haus.

Charlie schreibt in einem Brief, dass die Polizei ihr Haschisch untergeschoben habe, um sie zu belastenden Aussagen über Irwin erpressen zu können. Sie wusste zwar nichts, aber als die RAF von der Polizeiaktion erfuhr, wurde Irwin liquidiert.

Kitten kehrt nach Tyreelin zurück und klingelt am Pfarrhaus. Wie sie ihn nennen solle, fragt sie, als der Geistliche öffnet. „Vater“, lautet die Antwort des Priesters, der auch die schwangere, von ihren Eltern hinausgeworfene Charlie bei sich aufgenommen hat. Ein Pfarrer, der mit einer unverheirateten Schwangeren und einem Transvestiten zusammen wohnt und einkaufen geht, das ist zu viel für die Dorfbewohner. Sie beschweren sich beim Bischof (Tom Hickey). Am Heiligen Abend zertrümmert jemand eine Scheibe des Pfarrhauses und wirft einen Brandsatz hinein. Der Geistliche weckt Kitten und Charlie. Sie können sich retten, aber das Gebäude brennt nieder.

Kitten und Charlie fahren nach London. Der Pfarrer bleibt zurück, will aber nachkommen.

Charlie bringt in London ihr Kind zur Welt. Während sie zu einer Nachuntersuchung im Krankenhaus ist, wartet Kitten mit dem Baby im Freien und schiebt den Kinderwagen auf und ab. Dabei begegnet sie ihrem Halbbruder Patrick. Der erinnert sich sogleich an die seltsame Frau von der Telefongesellschaft. Er wartet auf seine Mutter, die ebenfalls im Krankenhaus untersucht wird. Sie habe einen Braten in der Röhre, sagt er. Als Eily herauskommt, schickt Kitten den Jungen zu ihr. Er soll seiner Mutter ausrichten, die Telefonfrau wünsche ihr, dass es ein Mädchen werde.

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Neil Jordans Film „Breakfast on Pluto“, eine Tragikomödie mit märchenhaften Zügen, basiert auf dem 1998 von Patrick McCabe veröffentlichten gleichnamigen Roman („Breakfast on Pluto“, Übersetzung: Hans-Christian Oeser, Eichborn Verlag 2000, 208 Seiten, ISBN 3-8218-0589-7). Den Titel wiederum übernahm Patrick McCabe von einem Hit des Straßenmusikers Don Partridge (1941 – 2010) alias King of the London Buskers aus dem Jahr 1969.

„Breakfast on Pluto“ dreht sich um ein Findelkind, das in einem erzkatholischen irischen Dorf zu einem schrillen Transvestiten heranwächst und schließlich in London sowohl nach seiner Mutter als auch nach seiner eigenen Identität sucht. „Breakfast on Pluto“ ist das witzige Porträt eines Schelms wie Simplicius Simplicissimus. Zugleich prangern Patrick McCabe und Neil Jordan Bigotterie, Fanatismus und Hass an.

Cillian Murphy überzeugt mit einer schillernden Darstellung der tragikomischen Hauptfigur. Die Handlung bewegt sich immer wieder ins Märchenhafte, so zum Beispiel, wenn zwei Rotkehlchen zwitschern und wir aus Untertiteln erfahren, dass sie sich über den ausgesetzten Säugling bzw. über den Pfarrer unterhalten.

Gegliedert ist „Breakfast on Pluto“ in 36 kurze Kapitel.

Das Dorf Tyreelin ist fiktiv.

Als Musikuntermalung sind Ausschnitte aus mehr als 40 Songs zu hören. Die Klaviermusik stammt von Anna Jordan, der Tochter des Regisseurs.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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Frank McCourt - Die Asche meiner Mutter
In seiner romanhaften Autobiografie beschreibt Frank McCourt (*1930), was er zwischen 1935 und 1948 erlebte. Er tut es in einfacher Umgangssprache und aus der Sicht des Kindes bzw. Jugendlichen, weder larmoyant noch bitter, sondern ironisch und humorvoll.
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