Mr & Mrs Bridge

Mr & Mrs Bridge

Mr & Mrs Bridge

Originaltitel: Mr & Mrs Bridge - Regie: James Ivory - Drehbuch: Ruth Prawer-Jhabvala, nach den Romanen "Mr Bridge" und "Mrs Bridge" von Evan S. Connell - Kamera: Tony Pierce-Roberts - Musik: Richard Robbins - Darsteller: Paul Newman, Joanne Woodward, Blythe Danner, Kyra Sedgwick, Robert Sean Leonard, Margaret Welsh, Simon Callow, Malchy McCourt, Austin Pendleton, Diane Kagan u.a. - 1990; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Kansas City in den Dreißigerjahren. Moral, Disziplin und Pflichterfüllung sind für den fünfzigjährigen Rechtsanwalt Walter Bridge hohe Werte. Während die erwachsenen Kinder gegen die überkommene Lebensauffassung rebellieren, ordnet Mrs Bridge sich resignierend ihrem Mann unter.
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Kritik

James Ivory hat den Film "Mr & Mrs Bridge" der literarischen Vorlage gemäß in einzelnen Episoden und dem Thema entsprechend konservativ inszeniert.
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Der Film spielt zwischen den beiden Weltkriegen in Kansas City. Walter Bridge (Paul Newman) ist ein erfolgreicher Anwalt. Der Fünfzigjährige und seine einige Jahre jüngere Ehefrau Frau India (Joanne Woodward) haben in zwanzig Ehejahren drei Kinder großgezogen: Carolyn (Margaret Welsh), Ruth (Kyra Sedgwick) und Douglas (Robert Sean Leonard).

Mr und Mrs Bridge denken konservativ. Moral, Disziplin und Pflichterfüllung sind für den nüchternen Juristen hohe Werte. Wie überzeugt er davon ist, dass nichts und niemand ihm etwas anhaben kann, demonstriert er, als er mit India im Clubrestaurant beim Abendessen sitzt und die Gäste wegen eines nahenden Tornados aufgefordert werden, den Schutzkeller aufzusuchen. Selbst als der Strom ausfällt, bleibt er ungerührt sitzen, und seine Frau weicht nicht von seiner Seite. Nach einiger Zeit geht das Licht wieder an, und es wird Entwarnung gegeben: Der Tornado ist an Kansas City vorbeigezogen.

Einige Frauen, die zusammen mit India Bridge an einem Malkurs teilnehmen, beklagen sich darüber, dass immer die Männer alles vorgeben und die Frauen ihnen folgen.

So ist es auch Mr Bridge, der für sich und seine Frau eine Schiffsreise nach Europa bucht. Aufgrund der Nachricht vom deutschen Angriff auf Polen, von der sie in Paris überrascht werden, reisen sie vorzeitig wieder nach Hause.

Vergeblich versucht Mrs Bridge, die Rebellion der Kinder gegen die konservative Lebensführung und den von ihnen angestrebten Wertewandel zu verhindern.

Ruth Bridge ist die erste, die auszubrechen versucht: Nachdem ihr Vater sie einmal nachts im Wohnzimmer mit einem Mann ertappt hat, zieht sie allein nach New York, um dort Schauspielerin zu werden. Sie träumt von einer großen Karriere.

Carolyn verlobt sich überstürzt mit Gil Davis, und als Mr Bridge sich gegen eine Eheschließung mit dem Klempnersohn verwahrt, sucht dieser ihn in seiner Kanzlei auf und lässt keinen Zweifel daran, dass er Carolyn auch ohne die Einwilligung ihres Vaters heiraten will. Zur Hochzeitsfeier reist auch Ruth an, die ihr Geld inzwischen in New York als Serviererin und als Hilfskraft bei einer Zeitschrift verdient.

Ihren Sohn Douglas ertappt India Bridge, als er auf der Straße ein Mädchen küsst, und als sie ihn fragt, ob es sich um eine Mitschülerin handele, gesteht er geradeheraus, dass Paquita keine Highschool besucht hat und bei einem Krämer arbeitet.

Am 20. Jahrestag ihres Arbeitsbeginns als Sekretärin von Mr Bridge überredet Julia (Diane Kagan) ihren Chef, mit ihr essen zu gehen. Der ahnt während des ganzen Abends nichts von dem Jubiläum – bis Julia sich frustriert darüber beschwert, dass sie ihm zwanzig Jahre ihres Lebens geopfert habe und ihm das alles überhaupt nichts bedeute.

Douglas hat vor, sich freiwillig zum Army Air Corps zu melden, aber sein Vater besteht darauf, dass er bis zur Einberufung sein Studium fortführt. Walter vertraut ihm an, dass er unter einem kürzlich diagnostizierten Herzfehler leidet. India dürfe damit nicht beunruhigt werden, meint Walter, falls ihm jedoch etwas zustoße, müsse Douglas sich um sie kümmern.

Nachdem eine Bekannte India von dem Psychiater Dr. Sauer (Simon Callow) vorgeschwärmt hat, würde sie gern auch selbst eine Psychoanalyse versuchen. Walter hält das für Kaffeesatzlesen, aber India meint, es würde ihr schon gut tun, einfach einmal mit Dr. Sauer zu reden. „Das kannst du auch mit mir“, erwidert ihr Mann barsch und wechselt das Thema.

Eines Nachts hört India ein Geräusch, und als sie nachsieht, entdeckt sie Carolyn in ihrem früheren Zimmer: Gil hat sie geschlagen. Sie klagt, sie habe vor der Eheschließung nicht geahnt, wie widerlich das Leben mit ihm sein werde.

In ihren Briefen ermahnt India ihre Tochter Ruth, sich niemals mit einem Mann einzulassen, der ihr nicht förmlich vorgestellt worden sei. Sie ahnt nicht, dass Ruth bereits mit einem Galeristen zusammenlebt.

Indias beste Freundin Grace (Blythe Danner) nimmt sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben [Suizid]. Als Walter von der Kanzlei nach Hause kommt, findet er seine Frau weinend und niedergeschlagen vor, aber statt Mitgefühl zu zeigen, bedauert er nur den Witwer und wundert sich: „Er hat ihr alles gegeben, was sie sich wünschen konnte.“

Einige Zeit später versucht India wegzufahren, bleibt jedoch mit dem Auto in der Garage stecken und erfriert – ausgerechnet an dem Tag, an dem Walter ihr zum ersten Mal Rosen kauft.

Zuletzt erfahren wir aus Bildunterschriften, dass Ruth nach Paris gezogen ist und dort mit wechselnden Malern zusammenlebt, Carolyn sich nach ihrer Scheidung von Gil noch einmal neu vermählt und Douglas nach seinem Jurastudium in Stanford heiratet und die Kanzlei seines Vaters übernimmt.

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In seiner Adaptation der Romane „Mrs Bridge“ (1959) und „Mr Bridge“ (1969) von Evan S. Connell blickt James Ivory hinter die Kulissen einer scheinbar heilen bürgerlichen Welt. Die Fassade weist Sprünge auf, und es wird deutlich, dass der gesellschaftliche Wandel nicht aufzuhalten ist.

James Ivory hat den Film der Vorlage gemäß in einzelnen Episoden und dem Thema entsprechend konservativ inszeniert. Die rund fünfzehn Episoden folgen einander, ohne durch mehr als die Figuren und das Thema lose verbunden zu sein. Ein Spannungsbogen wird auf diese Weise nicht erzeugt. Stilistisch wirkt „Mr und Mrs Bridge“ altbacken. Es handelt sich bestimmt nicht um James Ivorys überzeugendstes Werk. Sehenswert ist der Film aufgrund der für einen „Oscar“ nominierten Hauptdarstellerin Joanne Woodward und ihres Ehemanns (auch im wirklichen Leben!) Paul Newman.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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Vogel, Maischberger - Wie wollen wir leben?
Hans-Jochen Vogel urteilt erfahren und kenntnisreich; er denkt analy­tisch und formuliert ebenso präzise wie differenziert. Seine Gespräche mit Sandra Maischberger gehen immer wieder über die Tagespolitik hinaus.
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