Alles über meine Mutter

Alles über meine Mutter

Alles über meine Mutter

Alles über meine Mutter - Originaltitel: Todo sobre mi madre - Regie: Pedro Almodóvar - Drehbuch: Pedro Almodóvar - Kamera: Affonso Beato - Schnitt: José Salcedo - Musik: Alberto Iglesias - Darsteller: Cecilia Roth, Marisa Paredes, Penélope Cruz, Antonia San Juan, Candela Peña, Rosa María Sardà, Eloy Azorin, Tony Cantó u.a. - 1999; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Die 38-jährige Krankenschwester Manuela sucht den Vater ihres durch einen Unfall ums Leben gekommenen 17-jährigen Sohnes. Bevor sie den Transvestiten findet, trifft sie zwei verzweifelte Frauen und eine gedemütigte Transsexuelle. Sie kümmert sich um die drei hilfsbedürftigen Menschen und überwindet so auch ihre Trauer.

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Kritik

Richtige Männer gibt es in der Welt dieses Films kaum – und wenn, dann verursachen sie Leid. Die Frauen und die Männer, die sich als Frauen geben, haben alle Grund, verzweifelt zu sein. Ihre tragischen Geschichten erzählt Pedro Almodóvar trotz aller Ironie mit sehr viel Wärme.
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Die 38-jährige Krankenschwester Manuela Goifman Echevarría (Cecilia Roth) lebt mit ihrem Sohn Estéban (Eloy Azorin) in Madrid. Seinen 17. Geburtstag feiern sie durch den Besuch einer Aufführung des Schauspiels „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams, bei der Blanche und Stella von Huma Rojo (Marisa Paredes) und Nina Cruz (Candela Peña) dargestellt werden. Danach warten sie im Regen vor dem Theater, weil Estéban von Huma Rojo ein Autogramm haben möchte. Er spricht seine Mutter auf die Fotos an, die er neulich fand: Eine Hälfte – wohl die, auf der sein Vater zu sehen wäre – hat sie jeweils abgerissen. Sein Vater sei tot, hatte ihm Manuela erklärt, als er noch ein Kind gewesen war. Nun will Estéban mehr über ihn wissen, und seine Mutter verspricht seufzend, ihm zu Hause alles zu erzählen. Endlich tritt Huma Rojo mit Nina Cruz auf die Straße, aber die beiden steigen sofort in ein Taxi und fahren los. Estéban läuft hinterher. Dabei wird er von einem anderen Auto erfasst und tödlich verletzt.

Manuela stimmt einer Organentnahme zu. Verbotenerweise ermittelt sie aus den Unterlagen des Krankenhauses den Empfänger. Die Herztransplantation findet in La Coruña statt. Manuela reist hin und beobachtet nach drei Wochen, wie der Patient mit dem Herzen ihres Sohnes aus der Klinik kommt. Für den jungen Mann ist es ein Neuanfang.

Danach fährt sie nach Barcelona, in die Stadt, die sie vor 18 Jahren wegen ihrer gescheiterten Ehe fluchtartig verließ. Sie sucht dort nach Estéban (Tony Cantó), dem Vater ihres toten Sohnes, den sie vor 20 Jahren geheiratet hatte – bevor er sich Lola nannte, Frauenkleider trug und auf den Strich ging.

Sie entdeckt zunächst La Agrado (Antonia San Juan), einen Freund von damals, der durch mehrere kostspielige Operationen Gesicht und Figur einer Frau erhielt und sich jetzt authentischer vorkommt. Manuela springt aus dem Taxi, mit dem sie auf der Suche nach Estéban durch Barcelona gefahren ist und rettet La Agrado vor einem gewalttätigen Freier.

Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz begleitet Manuela am nächsten Tag La Agrado in ein Kloster, dessen Schwestern sich um die Prostituierten kümmern und fragt nach der Nonne Rosa (Penélope Cruz). Vergeblich versucht Rosa, Manuela bei ihrer Mutter (Rosa María Sardà) als Köchin oder Krankenschwester für ihren an Demenz erkrankten Vater (Fernando Fernán Gómez) unterzubringen. Rosa erzählt Manuela anschließend in einem Straßencafé, sie beabsichtige, sich für die Mission in Lateinamerika zu melden. Plötzlich wird ihr übel. Damit sie sich hinlegen kann, nimmt Manuela sie mit in ihre Wohnung und begleitet sie am nächsten Tag zum Gynäkologen (Juan José Ortegui): Rosa ist schwanger, und zwar ausgerechnet von Manuelas Exmann. Außerdem hat Estéban sie mit Aids infiziert. Manuela nimmt die Unglückliche bei sich auf.

Auch in Barcelona treten Huma Rojo und Nina Cruz in dem Stück „Endstation Sehnsucht“ auf. Nach der Vorstellung geht Manuela zu Huma Rojo in die Garderobe. Die alternde Schauspielerin ist verzweifelt, weil ihre drogenabhängige Geliebte Nina das Theater ohne sie verlassen hat. Manuela fährt sie durch die Stadt.

Manuela wird von Huma als Assistentin angestellt, aber als es Rosa schlechter geht, beendet sie diese Tätigkeit wieder, damit sie sich um die Schwangere kümmern kann.

Rosa stirbt bei der Geburt des Sohnes. Sie bat Manuela darum, sich um ihn zu kümmern und ihn Estéban zu nennen: Vielleicht bringe ihr dieser dritte Estéban endlich Glück.

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Richtige Männer gibt es in der grotesken Welt dieses Films kaum – und wenn, dann verursachen sie Leid. Rosas Vater ist im Alter schwachsinnig geworden, Manuelas Sohn ist tot, ihr Mann ein Transvestit, und La Agrado hat sich durch mehrere Operationen teilweise in eine Frau verwandelt. Die Frauen und die Männer, die wie Frauen aussehen, haben alle Grund, verzweifelt zu sein. Mit viel Ironie und absurdem Witz, aber auch Wärme und Mitgefühl erzählt Pedro Almodóvar von den skurril-tragischen Geschichten dieser Menschen. Dabei geht es um Einsamkeit, Trauer und Verzweiflung, Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Mitmenschlichkeit.

„Keine grell beleuchtete Exzentrik der Leidenschaften wird vorgeführt, sondern eine Intensität der Gefühle mit stilistischer Souveränität herbeigezaubert“, schreibt Rainer Gansera („Süddeutsche Zeitung“, 4. November 1999). „Das ist neu und bewegend.“

„Alles über meine Mutter“ wurde 1999 mit einem „Oscar“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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