Volver

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Originaltitel: Volver - Regie: Pedro Almodóvar - Drehbuch: Pedro Almodóvar - Kamera: José Luis Alcaine - Musik: Alberto Iglesias - Darsteller: Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca Portillo, Yohana Cobo, Chus Lampreave, Antonio de la Torre, Carlos Blanco, María Isabel Díaz, Neus Sanz, Leandro Rivera, Yolanda Ramos, Carlos García Cambero u.a. - 2006; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Eines Abends kommt Raimunda nach Hause und findet ihren Ehemann Paco tot vor: Ihre Tochter Paula erstach ihn, weil er sie zu vergewaltigen versuchte. Weil Raimunda die Leiche beseitigen muss, kann sie nicht mit zur Beerdigung von Tante Paula in ihrem Heimatdorf kommen, und ihre Schwester Sole muss allein fahren. Als Sole wieder zu Hause ist und den Wagen parkt, klettert ihre Mutter aus dem Kofferraum. Aber die kam vor 4 Jahren bei einem Feuer ums Leben!?
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Kritik

Obwohl der Film "Volver" mit einer Friedhofsszene beginnt und am Bett einer Todkranken endet, erzählt Pedro Almodóvar eine Geschichte voller Leben. Und die Form, in der er dies tut, ist ein Meisterwerk.
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Als Raimunda (Penélope Cruz) abends von ihrer Arbeit bei einer Putzkolonne in Toledo nach Hause fährt, wartet ihre vierzehnjährige Tochter Paula (Yohana Cobo) verstört und durchnässt im strömenden Regen an der Bushaltestelle auf sie. Raimunda fragt, was los sei, bekommt jedoch keine Antwort; erst als sie sich nach ihrem arbeitslosen Mann Paco erkundigt, reagiert Paula: „Der ist in der Küche.“ Raimunda findet ihn: Tot liegt er in einer Blutlache auf dem Boden. Paula erzählt stammelnd, was geschah: Paco hing wieder einmal betrunken vor dem Fernseher herum und versuchte dann mehrmals, sie anzufassen. Dabei behauptete er, nicht ihr leiblicher Vater zu sein. Um ihn abzuschrecken, holte sie ein Küchenmesser, aber er glaubte nicht, dass sie zustechen würde und warf sich ein weiteres Mal auf sie. Da stieß sie zu.

Während Raimunda das Blut in der Küche aufwischt, klingelt es an der Tür: Emilio (Carlos Blanco), der Besitzer des benachbarten Restaurants, übergibt Raimunda die Schlüssel, denn am nächsten Tag kehrt er in seine Heimat zurück und Raimunda soll Kaufinteressenten das Restaurant zeigen. Er wundert sich über Blut an ihrem Hals, aber sie tut die Frage mit dem Hinweis ab: „Eine Frauensache.“ Nachdem Raimunda sich vergewissert hat, dass Emilio nicht vorhat, noch einmal in sein Restaurant zu gehen, schleppt sie die Leiche mit Hilfe von Paula im Schutz der Dunkelheit hinüber und versteckt sie in der leeren Tiefkühltruhe. Sobald wie möglich will Raimunda den Toten vergraben.

Paula möchte wissen, ob Paco wirklich nicht ihr leiblicher Vater war. Raimunda bestätigt es und verspricht, ihr demnächst alles zu erzählen.

Mitten in der Aufregung ruft Raimundas Schwester Sole (Lola Dueñas) an: Tante Paula (Chus Lampreave) ist gestorben. Sole hat ein Auto und will am Morgen mit Raimunda und deren Tochter in ihr 180 km entferntes Heimatdorf Calzada de la Calatrava in La Mancha fahren. Raimunda erklärt ihr, sie habe so viel zu tun, dass sie nicht mit zur Beerdigung kommen könne. Sole versteht das nicht, denn ihre Schwester wuchs bei Tante Paula auf und liebte sie. Ob etwas mit Paco sei, fragt sie. Der habe sie für immer verlassen, antwortet Raimunda kurz angebunden.

Notgedrungen reist Sole allein nach Calzada de la Calatrava. Alle im Dorf nehmen an dem Begräbnis teil – und tuscheln über das Ausbleiben Raimundas.

Die Tote wurde von ihrer allein lebenden Nachbarin Agustina (Blanca Portillo) gefunden. Agustina, eine gute Freundin der Familie, kümmerte sich um die verwirrte, altersschwache Paula, kaufte für sie ein und fragte jeden Morgen, ob alles in Ordnung sei. Als Paula starb, pochte es an ihrer Tür und sie schaute nach. Da war niemand, aber Agustina bemerkte, dass drüben die Haustür offen stand. Deshalb ging sie hinüber, rief nach Paula – und fand sie tot in ihrem Bett.

Im Dorf wird erzählt, dass Paulas Schwester Irene (Carmen Maura), die Mutter von Sole und Raimunda, die vor vier Jahren mit ihrem Ehemann bei einem Brand ums Leben kam, als Geist umgehe. Einige wollen sie gesehen haben.

Nach der Trauerfeier kehrt Sole nach Toledo zurück. Sie verlässt den Wagen und will weggehen. Da hört sie ein Klopfen. Der Geist ihrer Mutter!? Widerstrebend öffnet sie den Kofferraum. Irene klettert heraus und hat auch einen Koffer mit Kleidung, Schmuck und Erinnerungssachen von ihrer Schwester Paula dabei. Sole steht erstarrt vor ihr, bis Irene sie umarmt. Was immer es ist – Mensch oder Geist – quartiert sich bis auf weiteres bei Sole ein, die in ihrer Wohnung einen illegalen Friseursalon betreibt und ihre Mutter gegenüber den Kundinnen als mittellose Russin ausgibt, die sie von der Straße auflas.

Als Raimunda den Koffer ihrer Tante Paula entdeckt, nimmt sie an, Sole habe den Schmuck heimlich an sich genommen. Über diese vermeintliche Pietätlosigkeit und Raffgier ist sie empört – und Sole kann sich nicht rechtfertigen, ohne ihr Geheimnis zu verraten.

Ein Filmteam überrascht Raimunda in dem Restaurant. Ob sie dreißig Leute verköstigen könne? Raimunda sieht eine Chance, gutes Geld zu verdienen und macht sich an die Arbeit. Ihre Tochter und eine Prostituierte aus der Nachbarschaft helfen ihr dabei. Die Filmleute sind begeistert und kommen während der Dreharbeiten jeden Tag. Den Abschluss feiern sie mit einem Festessen in dem Restaurant.

Zwischendurch kauft Raimunda eine Spitzhacke und eine Schaufel, mietet für einen Tag einen Lieferwagen, bringt Paula zu Sole, wuchtet mit Hilfe von Nachbarinnen die Gefriertruhe aus dem Restaurant auf die Ladefläche und fährt mit der Prostituierten zu einem Flussufer in der Nähe ihres Heimatdorfes. An einer Stelle, wo Paco früher gern saß, vergraben die beiden Frauen die Gefriertruhe mit der Leiche.

Agustina ruft an: Sie hat Krebs, liegt in einem Krankenhaus in Toledo, wird nicht mehr lang leben und bittet Raimunda dringend um einen Besuch. Nachdem sie jahrelang vergeblich auf die Rückkehr ihrer vor vier Jahren – an dem Tag, als Raimundas Eltern umkamen – verschwundenen Hippie-Mutter gewartet hat, möchte Agustina vor ihrem Tod noch erfahren, ob ihre Mutter lebt oder tot ist. Da sie in Calzada de la Calatrava gehört hat, Irene gehe als Geist um, soll Raimunda sie nach dem Schicksal von Agustinas Mutter befragen. Raimunda glaubt nicht an Geister und befürchtet, dass Agustina schon nicht mehr klar denken kann.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schließlich entdeckt Raimunda das Geheimnis in der Wohnung ihrer Schwester. Zuerst läuft sie davon, aber dann besinnt sie sich und redet mit ihrer Mutter.

Irene hatte früher nicht verstanden, warum Raimunda sich von ihren Eltern abgewandt und mit Paco nach Toledo gezogen war. Inzwischen weiß sie, dass Raimunda von ihrem Vater missbraucht worden war und Paula zugleich Raimundas Tochter und Schwester ist. Sie leidet darunter, nie etwas bemerkt und Raimunda nicht beschützt zu haben.

Was sie damals allerdings herausgefunden hatte: Ihr Mann betrog sie mit Agustinas Mutter. Sie entdeckte die beiden gemeinsam in einem Bett schlafend in einer Hütte, und in ihrem Zorn legte sie Feuer. Irene ist also kein Geist, denn nicht sie, sondern Agustinas Mutter kam damals ums Leben. Sie wollte weit weg fliehen, aber als sie noch einmal nach ihrer Schwester Paula sah, merkte sie, wie hilflos die alte Frau inzwischen war. Deshalb versteckte sie sich bei ihr im Haus und pflegte sie bis zu ihrem Tod. Dann klopfte sie bei Agustina an die Tür, damit die Leiche gefunden wurde.

Weinend versöhnen Irene und Raimunda sich.

Gemeinsam fahren Raimunda und Sole, Irene und Paula in ihr Heimatdorf. Statt Tante Paulas Haus zu verkaufen, wollen sie wieder dort wohnen. Irene geht jedoch erst einmal zu Agustina hinüber, um die Tochter der von ihr ermordeten Frau bis zu deren Tod zu pflegen, und die Kranke freut sich, den Geist ihrer verstorbenen Freundin zu sehen.

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Obwohl der Film „Volver“ mit einer Friedhofsszene beginnt und am Bett einer Todkranken endet, erzählt Pedro Almodóvar eine Geschichte voller Leben über fünf Frauen aus drei Generationen. (Männer kommen in „Volver“ nur als Nebenfiguren vor.)

Beim Abschiedsfest des Filmteams singt Raimunda einen Tango mit dem Refrain „Volver, con la frente marchita, las nieves del tiempo platearon mi sien“ (Heimkehren mit welker Stirn, die Schläfen versilbert vom Schnee der Zeit – zu hören ist die Stimme von Estrella Morente). Aus diesem Lied voller Schmerz stammt der Titel „Volver“, zu deutsch: zurückkehren. Tatsächlich geht es in „Volver“ nicht nur um die Rückkehr einer Totgeglaubten, sondern vor allem um die Rückkehr von zwei Frauen in ihr Heimatdorf, die nur möglich ist durch die Versöhnung einer Tochter mit ihrer Mutter und die Überwindung eines Traumas.

Das Chaos, die Aufregung und das Gefühlsgewitter im Leben Raimundas sorgen dafür, dass wir als Zuschauer unrealistische Zusammenhänge kaum wahrnehmen, sie jedenfalls nicht wichtig nehmen, sondern staunend von einer aberwitzigen Situation zur nächsten mitgerissen werden.

Mit platter Wahrscheinlichkeitsrechnung darf man diesem Regisseur gar nicht erst kommen. Seine Magie liegt gerade in der Chuzpe, Entschlossenheit und Lässigkeit, mit der er über seine gewagtesten Behauptungen hinwegfilmt – und in dieser Hinsicht ist nun wiederum „Volver“ der bisherige Höhepunkt in seinem Werk. (Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung, 2. August 2006)

Tragik, Schuld und Schmerz wechseln sich in „Volver“ mit komischen, ironischen, grotesken und makabren Szenen ab. Staunend sitzen wir im Publikum und werden von unerwarteten Wendungen überrascht.

Drehbuch und Inszenierung sind meisterhaft: Pedro Almodóvar braucht weder Rückblenden noch verschiedene Zeit- oder Handlungsebenen, um seine Geschichte wie ein Puzzle entstehen zu lassen. Immer wieder gibt es Hinweise auf spätere Szenen. So beobachtet Paco beispielsweise seine Tochter heimlich beim Ausziehen; in seinem Versuch, Paula zu vergewaltigen, spiegelt sich eine andere Episode, und Raimunda spült das Küchenmesser ab, mit dem er erstochen wird.

Pedro Almodóvar ist nicht mehr so schrill wie in seinen frühen Filmen, aber nach wie vor bunt, originell und mitreißend. Seine Drehbücher sind noch überzeugender geworden, und seine Gestaltungskraft befindet sich auf einem Höhepunkt.

Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca Portillo und Yohana Cobo wurden bei den Filmfestspielen in Cannes gemeinsam in der Kategorie „beste Schauspielerin“ ausgezeichnet.

Bemerkenswert ist auch der liebevoll aus gezeichneten Blumen gestaltete Abspann von „Volver“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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