Zerrissene Umarmungen

Zerrissene Umarmungen

Zerrissene Umarmungen

Zerrissene Umarmungen – Originaltitel: Los abrazos rotos – Regie: Pedro Almodóvar – Drehbuch: Pedro Almodóvar – Kamera: Rodrigo Prieto – Schnitt: José Salcedo – Musik: Alberto Iglesias – Darsteller: Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas, Ángela Molina, Chus Lampreave, Kiti Manver, Rossy de Palma u.a. – 2009; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Mit einer scheinbar großzügigen Hilfeleistung gewinnt der Industrielle Ernesto Martel die sehr viel jüngere attraktive Sekretärin und Gelegenheits-prostituierte Lena Rivero als Gespielin. Zwei Jahre später bewirbt sie sich aus Lange-weile bei dem Filmregisseur Mateo Blanco als Schauspielerin. Trotz ihres fehlenden Könnens engagiert Mateo sie, denn er ist von ihr hingerissen. Es ist für sie beide die große Liebe. Aber der reiche alte Mann gibt seinen Besitzanspruch nicht auf ...
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Kritik

"Zerrissene Umarmungen" entwickelt sich auf zwei verschachtelten Zeitebenen. Auch wenn das Melodram in der für Pedro Almodóvar typischen Weise bunt ist, hat sich das Tempo verlangsamt und es sind Längen entstanden.
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Madrid, 2008. Harry Caine (Lluís Homar) hatte gerade Sex mit einer Zufallsbekanntschaft (Kira Miró) und ist noch halbnackt, als Judit García (Blanca Portillo), die Agentin des blinden Schriftstellers, und ihr Sohn Diego (Tamar Novas) in seine Wohnung kommen.

Diego schlägt Harry Caine und seiner Mutter vor, das Drehbuch für einen Film über Daniel Miller zu schreiben, den Sohn von Arthur Miller und Inge Morath, dessen Existenz die Eltern geheim hielten, weil er mit Down-Syndrom zur Welt gekommen war. Später bringt ein Aufruf zum Blutspenden Diego auf die Idee für einen anderen Film: Vampire, die eine hochwirksame Sonnencreme entwickelt haben, um auch tagsüber agieren zu können, leiten eine Einrichtung für Blutspenden. Eine attraktive Vampir-Frau verliebt sich in einen Sterblichen und trägt schließlich beim Sex einen Maulkorb, um ihn nicht in den Hals zu beißen, wenn sie vor Erregung die Kontrolle über sich verliert.

Ein junger Mann meldet sich bei Harry Caine, der eigentlich Mateo Blanco heißt und vor seiner Erblindung als Filmregisseur gearbeitet hatte. Der Besucher nennt sich Ray X (Rubén Ochandiano) und möchte mit ihm zusammen ein Drehbuch schreiben. Harry erkennt ihn an der Stimme wieder: Es handelt sich um Ernesto Martel jr., den Sohn des soeben verstorbenen Industriellen Ernesto Martel (José Luis Gómez). Mit ihm wollen weder Harry Caine noch Judit García etwas zu tun haben; sie weisen ihn ab.

Diego trinkt bei seiner Tätigkeit als Disc Jockey versehentlich aus einem falschen Glas. Weil er bereits Partydrogen konsumiert hat und in dem Getränk eine andere, damit unverträgliche Droge aufgelöst wurde, bricht er zusammen, wird ins Krankenhaus gebracht und kommt erst nach mehreren Stunden wieder zu sich.

Als er sich einigermaßen erholt hat, fragt er Harry Caine, warum Judit über das Auftauchen dieses Ray X entsetzt gewesen sei. Seine Mutter wollte es ihm nicht verraten, aber Harry Caine klärt ihn über den Grund auf und erzählt ihm zu diesem Zweck die ganze Geschichte.

Sie beginnt 1992. Damals arbeitete Magdalena („Lena“) Rivero (Penélope Cruz) als Sekretärin für Ernesto Martel. Ihr Traum von einer Karriere als Filmschauspielerin hatte sich nicht erfüllt. Als ihr krebskranker Vater (Ramón Pons) das Krankenhaus verlassen musste, weil der behandelnde Arzt in Urlaub fahren wollte, holten Lena und ihre Mutter (Ángela Molina) den Patienten nach Hause. Um Geld für eine weitere Therapie zu beschaffen, wandte sich Lena an Madame Edurne (Mariola Fuentes), die einen Callgirl-Ring führte, und bat um die Vermittlung eines betuchten Freiers. Beim ersten Anrufer handelte es sich ausgerechnet um Lenas Chef Ernesto Martel. Auf diese Weise erfuhr er von dem kranken Vater. Martel sorgte für die Aufnahme des Schwerkranken in eine Privatklinik – und Lena wurde die Geliebte des reichen alten Mannes. Um sie an sich zu binden, überhäufte er sie mit teuren Geschenken.

Trotz all der Annehmlichkeiten langweilte sich Lena bald, und nach zwei Jahren an der Seite Martels nahm sie sich deshalb vor, doch noch Schauspielerin zu werden. Zu diesem Zweck meldete sie sich für ein Casting des Filmregisseurs Mateo Blanco. Trotz ihrer miserablen Präsentation beim Vorsprechen war Mateo von der außergewöhnlich schönen Frau hingerissen, und sie verliebte sich auf den ersten Blick in ihn. Es war die große Liebe. Um mit Lena zusammen sein zu können, engagierte Mateo sie als Hauptdarstellerin für seinen neuen Film „Chicas y maletas“ (Frauen und Koffer). Judit García, die Produktionsleiterin, konnte Lena nicht ausstehen. Und Ernesto Martel ahnte sofort, dass Lena dabei war, ihn zu betrügen. Weil er ihr die Annahme der Filmrolle nicht ausreden konnte, übernahm er die Produktionskosten und beauftragte seinen Sohn, die Dreharbeiten für ein Making-of mit der Videokamera zu dokumentieren.

Allabendlich schaute er sich das von seinem Sohn aufgenommene Material an und ließ sich von einer Lippenleserin (Lola Dueñas) berichten, was Lena und Mateo miteinander redeten. Auf diese Weise erfuhr er nach einem mit Lena auf Ibiza verbrachten Wochenende, wie seine Geliebte sich bei Mateo über ihn beklagte und ihn als unerträgliches Monster bezeichnete.

Schließlich erklärte Lena ihm, dass sie ihn verlassen wolle. Da stieß Martel sie über die Treppe hinunter. Anschließend fuhr er sie ins Krankenhaus. Zum Glück war nur ein Bein gebrochen.

Um trotz des Gipsbeins seiner Hauptdarstellerin weiterdrehen zu können, baute Mateo eine Szene mit einem Treppensturz der von Lena gespielten Filmfigur ein.

Bevor der Film fertig geschnitten war, flohen Mateo und Lena nach Lanzarote und nahmen sich an der Playa de Tamara ein Zimmer. Mateo verriet nicht einmal Judit, wo sie sich aufhielten.

Eines Abends schauten sich Lena und Mateo im Fernsehen den Film „Viaggio in Italia“ („Reise in Italien“) von Roberto Rossellini an. Die Szene, in der das von Ingrid Bergman und George Sanders gespielte Ehepaar Katherine und Alexander Joyce Ausgrabungen in Pompeji besichtigt und dabei auf die Skelette eines vom Vulkanausbruch bei der Liebe überraschten Paares stößt, erschütterte Lena. Sie weinte. Mateo stellte rasch einen Fotoapparat auf und knipste mit einem Selbstauslöser, wie Lena in seinen Armen auf der Couch lag.

Aus der Zeitung erfuhren die beiden von der bevorstehenden Premire des Films „Chicas y maletas“. Mateo, der die Vorführung ausdrücklich untersagt hatte, hinterließ Judit mehrere Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und nannte ihr nun doch die Telefonnummer, unter der er auf Lanzarote erreichbar war, aber sie rief nicht zurück. Deshalb wollte er nach Madrid.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Lena begleitete ihn und setzte sich auf den Beifahrersitz. Sie kamen allerdings nicht bis zum Flughafen. Plötzlich raste ein Geländewagen auf sie zu und prallte von rechts in das Kleinauto. Lena kam dabei ums Leben, und Mateo verlor aufgrund einer Hirnverletzung seine Sehfähigkeit.

Seinen Beruf konnte Mateo Blanco nicht mehr ausüben. Fortan nannte er sich Harry Caine und schrieb mit Hilfe eines für Blinde eingerichteten Computers Drehbücher.

14 Jahre später erleichtert Judit ihr Gewissen und erzählt Harry Caine im Beisein ihres Sohnes, dass Ernesto Martel damals Privatdetektive mit der Suche nach dem Liebespaar beauftragt hatte und alles daran setzte, die Karrieren des Regisseurs und der Hauptdarstellerin zu zerstören. Judit und der Cutter Luis (Javier Coll) wurden dafür bezahlt, die am schlimmsten missratenen Takes von den Dreharbeiten auszusuchen und daraus den Film zusammenzustellen. Als Judit durch Mateos Anrufe erfuhr, wo er und Lena sich aufhielten, verriet sie es Martel, und der schickte seinen Sohn nach Lanzarote. Mit einer auf dem Beifahrersitz montierten Videokamera folgte Ernesto Martel jr. dem Kleinwagen, als das Paar zum Flughafen aufbrach. Er war dann auch der Erste, der den beiden nach dem Unfall zu Hilfe eilte.

Beim Frühstück am nächsten Morgen klärt Judit ihren Sohn Diego darüber auf, dass sie in den Achtzigerjahren eine Liebesbeziehung mit Mateo gehabt habe und dabei schwanger geworden sei. Aber sie verheimlichte Mateo bisher, dass Diego sein Sohn ist.

Im Lauf des Tages ruft sie Harry Caine an und teilt ihm mit, dass sie die von ihm ausgewählten Takes heimlich aufgehoben habe. Sie und Diego helfen dem Blinden, der jetzt wieder seinen richtigen Namen Mateo Blanco verwendet, den Film „Chicas y maletas“ in der Fassung fertigzustellen, die er sich damals vorgestellt hatte. Parallel dazu schließt Ernesto Martel jr., der sich dafür rächen will, dass sein Vater ihn und seine Homosexualität nie akzeptierte, seinen Dokumentarfilm ab. Darin ist zu sehen, dass Lena und Mateo sich küssten, während sie unmittelbar vor dem verheerenden Unfall vor einer roten Verkehrsampel standen. An den Kuss kann Mateo sich nicht mehr erinnern.

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Im Mittelpunkt des Melodrams „Zerrissene Umarmungen“ von Pedro Almodóvar steht eine Tragödie, die durch den obsessiven Besitzanspruch eines reichen alten Mannes auf eine schöne junge Frau ausgelöst wird. Auch das Thema häusliche Gewalt wird in diesem Zusammenhang berührt.

„Zerrissene Umarmungen“ beginnt und endet im Jahr 2008. Aber die Hälfte der Spieldauer verwendet Pedro Almodóvar auf Rückblenden in die Jahre 1992 und 1994. (Die Gliederung sieht so aus: 2008 / 1992 / 2008 / 1994 / 2008 / 1994 / 2008.) Obendrein gibt es einen Film im Film („Chicas y maletas“), dessen Szenen an die Verwechslungskomödie „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ erinnern.

Auch wenn „Zerrissene Umarmungen“ in der für Pedro Almodóvar typischen Weise bunt, stilisiert und artifiziell ist, hat sich das Tempo verlangsamt und es sind Längen entstanden.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

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