Veit Harlan


Veit Harlan wurde am 22. September 1899 in Charlottenburg als viertes Kind des Schriftstellers Walter Harlan und dessen Ehefrau Adele (Boothby) geboren. Nach einer Ausbildung zum Silberschmied nahm er Schauspielunterricht. 1916 meldete er sich zum Kriegsdienst. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zum Ensemble der Berliner Volksbühne, bis er 1922 zum Landestheater in Meiningen wechselte und sich einer Wanderbühne anschloss.

Von 1922 bis 1924 war Veit Harlan mit der jüdischen Sängerin Dora Gerson verheiratet. (Sie starb 1943 in Auschwitz.) 1929 heiratete er die Schauspielerin Hilde Körber, die drei Kinder gebar. Auch diese Ehe scheiterte und wurde nach neun Jahren geschieden.

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels wurde durch den 1937 von Veit Harlan gedrehten Film „Der Herrscher“ auf den Regisseur aufmerksam. Bevor Veit Harlan im Auftrag des Ministers mit Ferdinand Marian in der Hauptrolle den Propagandafilm „Jud Süß“ drehte, heiratete er 1939 in dritter Ehe die schwedische Schauspielerin Kristina Söderbaum. Das Paar bekam zwei Söhne.

Kurz vor Kriegsende drehte Veit Harlan mit „Kolberg“ noch den teuersten Film der NS-Zeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Veit Harlan wegen Beihilfe zur Verfolgung angeklagt, aber freigesprochen und von Anhängern auf den Schultern aus dem Gerichtssaal getragen. Die Staatsanwaltschaft ging zwar in Revision, aber am 29. April 1950 sprach auch das Landgericht Hamburg den Angeklagten frei, der behauptete, die Nationalsozialisten hätten ihn gezwungen, „Jud Süß“ zu drehen.

Dem Hamburger Senatsdirektor Erich Lüth wurde gerichtlich untersagt, zum Boykott gegen Veit Harlans ersten Nachkriegsfilm „Unsterbliche Geliebte“ aufzurufen, aber das Bundesverfassungsgericht hob die Urteile auf.

Am 13. April 1964 starb Veit Harlan während eines Capri-Urlaubs an einer Lungenentzündung.

Literatur über Veit Harlan:

  • Ingrid Buchloh: Veit Harlan, Goebbels‘ Starregisseur (Paderborn 2010)
  • Géza von Cziffra: Kauf dir einen bunten Luftballon. Erinnerungen an Götter und Halbgötter (München 1975)
  • Francesca Falk: Grenzverwischer. „Jud Süss“ und „Das Dritte Geschlecht“. Verschränkte Diskurse von Ausgrenzung (Schriften des Centrums für Jüdische Studien, Innsbruck 2008)
  • Veit Harlan: Im Schatten meiner Filme. Selbstbiographie (Hg. und Nachwort: H. C. Opfermann, Gütersloh 1966)
  • Thomas Harlan, Jean-Pierre Stephan, Sieglinde Geisel: Veit (Reinbek)
  • Friedrich Knilli: Ich war Jud Süß. Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian (Vorwort: Alphons Silbermann, Berlin 2000)
  • Frank Noack: Veit Harlan. „Des Teufels Regisseur“ (München 2000)
  • Ernst Seidl (Redaktion): Jud Süß. Propagandafilm im NS-Staat (Katalog einer Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart, 14. Dezember 2007 – 3. August 2008)

Oskar Roehler drehte über die Entstehung des Films „Jud Süß“ den Kinofilm „Jud Süß. Film ohne Gewissen“.

© Dieter Wunderlich 2016

Veit Harlan: Jud Süß
Ferdinand Marian (kurze Biografie)
Oskar Roehler: Jud Süß. Film ohne Gewissen
Joseph Süß Oppenheimer (kurze Biografie)

Martin Suter - Die Zeit, die Zeit
Die Grundidee spinnt Martin Suter in seinem Roman "Die Zeit, die Zeit" mit vielen netten Einfällen weiter. Das ist durchaus unterhaltsam. Aber der Plot ist doch zu abstrus, um den Leser fast 296 Seiten lang zu fesseln.

Die Zeit, die Zeit

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