Jud Süß

Jud Süß

Jud Süß

Originaltitel: Jud Süß – Regie: Veit Harlan – Drehbuch: Veit Harlan, Eberhard Wolfgang Möller, Ludwig Metzger nach der Novelle "Jud Süß" von Wilhelm Hauff – Kamera: Bruno Mondi – Schnitt: Friedrich Karl von Puttkamer, Wolfgang Schleif – Musik: Wolfgang Zeller – Darsteller: Ferdinand Marian, Werner Krauß, Heinrich George, Kristina Söderbaum, Eugen Klöpfer, Hilde von Stolz, Malte Jaeger, Albert Florath, Theodor Loos, Walter Werner, Jakob Tiedtke u.a. – 1940; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Herzog Karl Alexander von Württemberg ernennt 1736 Joseph Süß Oppenheimer zum Geheimen Finanzrat. Der Jude drängt den katholischen Herzog zu Entscheidungen gegen die Interessen des Volkes, bereichert sich persönlich und vergewaltigt Dorothea, die Tochter des Landschaftskonsulenten Sturm, deren Verlobten er zur gleichen Zeit foltern lässt. Als er seine Protektion durch den unerwarteten Tod des Herzogs verliert, wird er zum Tod verurteilt und hingerichtet ...
Weiterlesen

Kritik

Veit Harlan drehte in Joseph Goebbels' Auftrag mit Ferdinand Marian den anti­semitischen Propa­ganda­film "Jud Süß" nach einer Novelle von Wilhelm Hauff. Joseph Süß Oppenheimer fiel einem Justizmord zum Opfer, aber im Film wird er als satanischer jüdischer Bösewicht dargestellt.
Weiterlesen

Herzog Karl Alexander von Württemberg (Heinrich George) ernennt 1736 Joseph Süß Oppenheimer (Ferdinand Marian) zum Geheimen Finanzrat mit weitreichenden Befugnissen. Der heimtückische Jude macht den katholischen Landesherrn durch die Finanzierung der überhöhten Ausgaben für repräsentative Zwecke von sich abhängig, überredet ihn zu Entscheidungen gegen die Interessen des Volkes und nutzt seinen Einfluss, um sich persönlich zu bereichern.

Joseph Süß Oppenheimer begehrt Dorothea (Kristina Söderbaum), die Tochter des Landschaftskonsulenten Sturm (Eugen Klöpfer). Obwohl er dem Vater sogar die Position eines Ministers anbietet, lehnt dieser ihn als Schwiegersohn ab und will Dorothea mit dem einfachen Aktuarius Karl Faber (Malte Jaeger) verheiraten.

Weil ein Aufstand der Landesstände gegen das absolutistische Regime und den korrupten Berater Karl Alexanders zu befürchten ist, drängt Joseph Süß Oppenheimer den Herzog, entsprechend durchzugreifen. In diesem Zusammen­hang wird auch der zur Opposition gehörende Karl Faber festgenommen und auf Anordnung Oppenheimers gefoltert. Dorothea fleht um Gnade für ihren Bräutigam, aber Oppenheimer vergewaltigt sie.

Als Karl Faber freigelassen wird, kann er nur noch die Leiche seiner Verlobten aus dem Fluss bergen, denn sie hat sich in ihrer Verzweiflung ertränkt.

Aufständische zerstören Joseph Süß Oppenheimers Palais in Stuttgart und ziehen weiter nach Ludwigsburg, wo sich der Herzog und sein Geheimer Finanzrat aufhalten.

Da stirbt Herzog Karl Alexander von Württemberg unerwartet.

Durch den Tod des Landesherrn verliert Joseph Süß Oppenheimer dessen Protektion. Unverzüglich wird er von dem Obristen Röder (Albert Florath) verhaftet, wegen der Vergewaltigung einer Christin und anderer schwerwiegender Vergehen angeklagt und zum Tod verurteilt. Ebenso kläglich wie vergeblich fleht er am Ende um Gnade.

Nach der Hinrichtung Oppenheimers verkündet Sturm einen im ganzen Land geltenden Judenbann.

nach oben

Der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels beauftragte 1940 den Regisseur Veit Harlan, den Kinofilm „Jud Süß“ zu drehen. Nachdem Emil Jannings, Willi Forst, Gustaf Gründgens, René Deltgen und Paul Dahlke die Titelrolle abgelehnt hatten, brachte Goebbels persönlich den österreichischen Schauspieler Ferdinand Marian dazu, sie zu übernehmen.

Mit Marian über den Jud-Süßstoff gesprochen. Er will nicht recht heran, den Juden zu spielen. Aber ich bringe ihn mit einigem Nachhelfen doch dazu. (Joseph Goebbels am 5. Januar 1940 in seinem Tagebuch)

Das Drehbuch für den antisemitischen Propagandafilm „Jud Süß“ basiert nicht auf dem 1925 veröffentlichten Roman von Lion Feuchtwanger, sondern auf der Novelle von Wilhelm Hauff aus dem Jahr 1827.

Im Zentrum steht Joseph Süß Oppenheimer (1698 – 1738). Der wichtigste Berater des Herzogs Karl Alexander von Württemberg wurde sofort nach dessen Tod festgenommen und am 4. Februar 1738 hingerichtet, wahrscheinlich als Sündenbock für die Verfehlungen des verstorbenen Landesherrn.

Aber Joseph Goebbels und Veit Harlan ging es nicht um ein Biopic oder um historische Wahrheit. In dem Kinofilm wird aus dem Opfer eines Justizmords ein satanischer jüdischer Bösewicht. Während in Wirklichkeit vor allem politische, wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen zu einem Aufstand der missachteten Landesstände in Württemberg führten, legte Veit Harlan den Akzent auf die Vergewaltigung einer Christin durch den jüdischen Protagonisten. Damit wollte er demonstrieren, dass das Verbot des Geschlechtsverkehrs von „Ariern“ und Juden („Rassenschande“) durch die Nürnberger Gesetze vom September 1935 richtig war.

Ferdinand Marian stellte den Juden Joseph Süß Oppenheimer nicht nur abstoßend, sondern auch mit sympathischen Zügen dar. Das gefiel Joseph Goebbels, denn der Minister wollte keine platte Propaganda, sondern einen mitreißenden Unter­haltungs­film, der den Hass auf die Juden unterschwellig schürt.

Die Uraufführung von „Jud Süß“ erfolgte am 5. September 1940 im Rahmen der Filmfestspiele in Venedig. Die Premiere fand am 24. September im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt, und zwar in Anwesenheit von Joseph Goebbels und anderer Reichsminister. Mehr als 20 Millionen Menschen schauten sich den Film „Jud Süß“ bis 1943 an.

1941 erschien dazu ein von Hans Hömberg (1903 – 1982) unter dem Pseudonym J. R. George verfasster Roman mit Bildern aus dem Kinofilm.

Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs setzten die Alliierten den Film „Jud Süß“ auf eine Verbotsliste, die bis 1955 (in Westberlin bis 1990) gültig blieb. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden als Rechteinhaberin erlaubt die öffentliche Vorführung von „Jud Süß“ in Deutschland jedoch nur unter strengen Auflagen.

Oskar Roehler drehte über die Entstehung des Propagandafilms den Kinofilm „Jud Süß. Film ohne Gewissen“.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

Joseph Süß Oppenheimer (kurze Biografie)
Veit Harlan (kurze Biografie)
Ferdinand Marian (kurze Biografie)
Oskar Roehler: Jud Süß. Film ohne Gewissen

Timur Vermes - Er ist wieder da
Der Satire "Er ist wieder da" fehlt es an Handlung und Dramaturgie. Es gibt lustige Einfälle, aber das Ganze ist nicht mehr als Klamauk. Und weil der Protagonist Adolf Hitler in der Ich-Form erzählt, mangelt es auch an Distanz zu der Figur.

Er ist wieder da

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde am 11. Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: