Oskar Roehler


Oskar Roehler wurde am 21. Januar 1959 in Starnberg als Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner (1937 – 1992) und des Schriftstellers Klaus Roehler (1929 – 2000) geboren. 1963 kam er für zweieinhalb Jahre zu den Großeltern väterlicherseits nach Reuth nördlich von Hof.

Meine Katastropheneltern haben sich getrennt, aber das hat mich nicht wirklich berührt, weil man als Kind schnell von neuen Einflüssen vereinnahmt wird. Es wäre weitaus schlimmer gewesen, bei diesen Eltern aufzuwachsen, bei ihren Streits und ihren Machtspielen, ihren Lügen und ihrer Brutalität. (Oskar Roehler im Interview, Die Welt, 13. Februar 2013)

Über den Großvater, dessen Fabrik Gartenzwerge herstellte, sagt Oskar Roehler in Interviews:

Mit diesem Großvater habe ich die schönsten Jahre meiner Kindheit verbracht, er ist mit mir singend durch den Wald gelaufen. Gleichzeitig bewahrte er in seiner Schreibtischschublade, unter den Briefmarken, immer noch ein kleines Bild vom Führer auf und las heimlich Will Vespers Hitlergedichte. (Oskar Roehler im Interview mit Rebecca Casati, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010)

Er war ein Patriarch, dem man sich unterordnen musste. […] Er war im Grunde ein kleiner, grauer Mann, der aussah wie Erich Honecker, mit dem gleichen Ernst im Gesicht. Er trug sein Hütchen und seine Trevirajacke und seine Uhr und war ansonsten schweigsam. Trotzdem umgab ihn eine Art spartanisches Charisma. Er hat mich erzogen, zu den Tugenden, zu denen man Kinder damals noch erzog. Er war ein vorbildhafter Charakter, der unglaublich gut mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist, die haben ihn alle geliebt. Er war eine geborene Führerpersönlichkeit. […] Als ich dreizehn war und anfing, politisch zu denken, ging das Verhältnis in die Brüche. Aber das ist von verschwindend geringer Bedeutung gegenüber dem, was ich von ihm an Erziehung und Weisheit und Wissen bekommen habe. (Oskar Roehler im Interview, Die Welt, 13. Februar 2013)

Dieses Idyll dauerte zweieinhalb Jahre, bis mein Vater auf die blödsinnige Idee kam, ich solle in zivilisiert-linken Verhältnissen erzogen werden, nicht bei alten Nazis in der Dorfschule.
(Oskar Roehler im Interview, Die Welt, 13. Februar 2013)

Klaus Roehler, der 1965 vom Luchterhand Literaturverlag in Berlin als Lektor eingestellt worden war, den Achtundsechzigers nahestand und mit Rudi Dutschke befreundet war, holte seinen Sohn 1967 nach Berlin.

Mein Vater war ja schon fast 40 Jahre alt, als es mit den Achtundsechzigern losging. Er hat sich als deren Spiritus Rector gefühlt und hat die Jungen, die eigentlichen Achtundsechziger, auch immer ein bisschen verachtet. Er klüngelte lieber mit Günter Grass und Hans Magnus Enzensberger herum und anderen, die sich für die großen Weisen hielten. Man hielt sich jüngere Freundinnen. Von meinem Vater ist überliefert, dass er ein Verhältnis mit Gudrun Ensslin hatte. Für die war er die starke Schulter zum Anlehnen. Wie weit das Liebesverhältnis ging, kann ich nicht sagen. Das hat sich im Suff ziemlich verklärt. (Oskar Roehler im Interview mit Eckart Lohse, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 2. September 2012)

1967, mit sechs, sieben, kam ich zu meinem Vater nach Berlin und war völlig auf mich allein gestellt. Meine Mutter war mit irgendeinem Typen abgehauen, mein Vater feierte irgendwo Partys. Ob ich in die Schule ging oder nicht, war allen völlig egal. Ich wollte es, bin aber immer nach ein, zwei Stunden völlig frustriert nach Hause, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, bei meinen ganzen Problemen daheim. Ich hab ziemlich früh angefangen, mit ein paar anderen Jungs Autos zu knacken. Handtaschen zu rauben. Wir hingen auf dem Spielplatz rum, am Rand stand Onkel Herbert. Der zog ein Bein nach und beobachtete die kleinen Mädchen, ihm lief richtig der Geifer aus dem Mund. Die drei Jahre älteren Jungs, denen ich mich angeschlossen hatte, haben ihn irgendwann zusammengeknüppelt, bis er fast verblutet war. Schlimme Sachen. So richtig: Berlin.
(Oskar Roehler im Interview mit Rebecca Casati, a. a. O.)

1969 wurde Oskar Roehler in ein Internat gebracht, und zwar in Wiesentheid, 30 Kilometer östlich von Würzburg. Dort machte er 1978 auch das Abitur.

Danach fing Oskar Roehler als Drehbuchautor zu arbeiten an. Mitte der Neunzigerjahre begann er auch Filme zu inszenieren. Für „Die Unberührbare“ erhielt Oskar Roehler den Deutschen Filmpreis in Gold. 2011 veröffentlichte er den autobiografischen Roman „Herkunft“ (ISBN 978-3-550-08844-5), den er zwei Jahre später selbst unter dem Titel „Quellen des Lebens“ verfilmte.

Im August 2000 heiratete Oskar Roehler die Modedesignerin Alexandra Fischer-Roehler (* 1975).

Oskar Roehler: Filmografie (Auswahl)

© Dieter Wunderlich 2014 / 2015

Daniel Kehlmann - F
Ein besonderes Lesevergnügen bietet Daniel Kehlmann in seinem Roman "F" mit den ironischen Porträts eines Priesters und eines Vermögensverwalters, die so zugespitzt sind, dass sie beinahe wie Satiren bzw. Karikaturen wirken. Aber die Kapitel fügen sich zu keiner Einheit.
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Daniel Kehlmann

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