Light Sleeper

Light Sleeper

Light Sleeper

Originaltitel: Light Sleeper - Regie: Paul Schrader - Drehbuch: Paul Schrader - Kamera: Ed Lachman - Schnitt: Kristina Boden - Musik: Michael Been - Darsteller: Willem Dafoe, Susan Sarandon, Dana Delany, David Clennon, Mary Beth Hurt, Victor Garber, Jane Adams, Paul Jabara, Robert Cicchini, Sam Rockwell, Rene Rivera, David Spade, Steven Posen, Ken Ladd, Brian Judge u.a. - 1992; 100 Minuten

Inhaltsangabe

John ist 40 und arbeitet für die Drogendealerin Ann in New York. Sie beliefern die Reichen diskret mit Stoff. Weil Ann plant, den Drogenhandel aufzugeben, gerät John in eine Identitätskrise. Als er zufällig seine frühere Geliebte Marianne wiedersieht, hofft er auf einen Neuanfang mit ihr und unternimmt alles, um sie zurückzugewinnen. Aber seine Bemühungen scheitern. Nachdem er sie überraschend im Penthouse eines Kunden angetroffen hat, überschlagen sich die Ereignisse ...
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Kritik

Krtik:
"Light Sleeper" ist ein beklemmender Psychothriller ohne Effekthascherei von Paul Schrader. In der Hauptrolle überzeugt Willem Dafoe. Musikuntermalung, Kameraführung und Farbregie verstärken die düstere Atmosphäre.
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Ann (Susan Sarandon) betreibt in New York einen Drogen-Lieferservice für Reiche, die gern das Doppelte des üblichen Preises zahlen, wenn sie diskret bedient werden. Zwei Männer bringen die telefonisch bestellten Drogen zu den Kunden: der homosexuelle Robert (David Clennon) und John LeTour (William Dafoe).

John ist vierzig und war früher selbst drogenabhängig, hat es aber vor zwei Jahren geschafft, davon loszukommen. Weil Ann beabsichtigt, im neuen Jahr statt des Drogenhandels eine Kosmetiklinie aufzubauen, überlegt John, was er dann machen könnte. Vielleicht lässt er sich als Techniker für ein Musikstudio ausbilden. Viel Hoffnung macht er sich jedoch nicht. Seine düsteren Gedanken über die Zukunft und den Sinn des Lebens hält er allabendlich in einem Tagebuch fest. Traurig sitzt er im Fond einer Luxuslimouse, mit der Carlos (Ken Ladd) ihn durch die nächtlichen Straßen von New York fährt, wenn Ann ihn zu Kunden schickt. Am Straßenrand türmen sich die schwarzen Müllsäcke, denn die Arbeiter der Müllabfuhr streiken.

Nachdem eine neunzehnjährige Drogensüchtige im Park ermordet wurde, weiß John, dass die Polizei die Drogenszene stärker kontrolliert und warnt einige der Konsumenten und Lieferanten. Bald merkt er, dass er selbst von einem Zivilfahnder beschattet wird. Er stellt ihn zur Rede. Detective Bill Guidone (Robert Cicchini) drängt John, ihn anzurufen, sobald er etwas erfährt, das der Mordkommission weiterhelfen könnte.

Bei einer seiner Fahrten sieht John zufällig Marianne Jost (Dana Delany) im strömenden Regen am Straßenrand stehen. Er lässt Carlos anhalten und bietet ihr an, sie nach Hause zu fahren. Die beiden waren früher ein Paar und hatten sich sogar vor einem – allerdings nicht zugelassenen – Geistlichen das Ja-Wort gegeben. Doch ihre Beziehung entwickelte sich zum Höllentrip, denn sie nahmen beide Drogen und John kam mitunter drei Monate lang nicht nach Hause. Marianne, die von sich behauptet, seit vier Jahren clean zu sein, glaubt John nicht, dass er keine Drogen mehr nimmt, zumal sie sofort durchschaut, dass er als Dealer unterwegs ist. Ein paar Blocks weiter will sie wieder aussteigen und lässt keinen Zweifel daran, dass sie nichts mehr mit John zu tun haben möchte.

Aufgrund seiner Orientierungslosigkeit sucht John die Wahrsagerin Teresa Aranow (Mary Beth Hurt) auf, die ihn vor dem Verrat einer nahe stehenden Frau warnt. „Meine Mutter“, meint John spontan, aber Teresa betont, dass es nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft geht.

Zu den besten Kunden Anns gehört der steinreiche Schweizer Staatsbürger Tis Brooke (Victor Garber), der im Grace Tower in Manhatten ein Penthouse bewohnt und über ausgezeichnete Kontakte zu einflussreichen Männern verfügt. John muss ihm Beruhigungsmittel ins Krankenhaus bringen. Dort geht Tis nervös in einem Warteraum auf und ab. Er lieferte gerade eine minderjährige Gespielin ein, die durch eine Überdosis das Bewusstsein verloren hatte. Inzwischen bemühen die Ärzte sich um das Mädchen. Tis bestellte auch seinen Rechtsanwalt ins Krankenhaus, denn die Polizei will ihn vernehmen.

Zufällig trifft John in einem der Krankenhaus-Korridore auf Mariannes Schwester Randi Jost (Jane Adams). Die krebskranke Mutter der beiden Schwestern liegt im Sterben, und sie lösen sich an ihrem Krankenbett ab. Der geschiedene Mann der Sterbenden ist neu verheiratet und wird wohl erst zur Beerdigung kommen.

Am nächsten Tag kommt John erneut ins Krankenhaus. Randi ist auf einem Stuhl neben dem Bett ihrer Mutter eingeschlafen. John setzt sich still hin, bis Marianne in der Tür steht. Er beschwört sie, einen Neuanfang mit ihm zu wagen. Unvermittelt küssen sich die beiden. Marianne begehrt ihn, nimmt ihn mit nach Hause und schläft mit ihm, aber dann zieht sie sich rasch wieder an und erklärt sehr bestimmt, dass sie zwar nichts bereue, ihn jedoch nicht noch einmal sehen oder sprechen wolle.

Trotzdem ruft John ständig bei Marianne im Hotel an, aber sie hebt nicht ab, und einen Tag später heißt es, sie sei abgereist. Durch ein Telefongespräch mit dem Krankenhaus erfährt John, dass Frau Jost gestorben ist. Er fährt zu der Bestattungsfeier, aber als Marianne ihn bemerkt, schickt sie ihn wütend fort.

Kurze Zeit später bringt er wieder einmal Drogen zu Tis Brooke. Auch der Bodyguard Thomas (Brian Judge) ist anwesend. Bevor John die Geldscheine in Empfang nimmt, kommt unerwartet Marianne aus dem Bad. Offenbar steht sie unter Drogen. Als sie John erblickt, kehrt sie sofort wieder um. Ohne ein Wort zu sagen, verlässt John das Apartment und nähert sich der Limousine, in der Carlos auf ihn wartet. Da hört er hinter sich den Schrei einer Frau. Langsam geht John zurück. Passanten laufen zusammen. Ein Streifenwagen hält. Am Boden liegt Marianne. Der Aufprall auf dem Straßenpflaster hat sie getötet.

John eilt zu Teresa, die überzeugt ist, dass es sich nicht um einen Unfall oder Suizid, sondern um Mord handelte. John sei ebenfalls in Gefahr, meint die Wahrsagerin.

Nachdem John die Nachrichten gehört hat, ruft er Detective Bill Guidone an und weist ihn darauf hin, dass Marianne nicht allein im Penthouse gewesen sei – wie es in den Nachrichten hieß –, sondern zusammen mit dem Besitzer. Offenbar werde da etwas vertuscht.

Dann besorgt John sich eine Pistole.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Als er bei Ann eintrifft, wartet sie bereits auf ihn: Tis bestellte schon wieder Drogen und verlangte ausdrücklich, dass John zu ihm in die Hotelsuite kommt, in die er vorübergehend gezogen ist. John ahnt, was Tis vorhat und besteht darauf, dass Ann ihn begleitet.

Statt von Tis werden sie von zwei Bodyguards empfangen. Ann lässt sich nicht einschüchtern und protestiert aufgebracht, als Tis durch eine anderen Tür hereinkommt und mit John allein sprechen möchte. Ann will bleiben, wird jedoch mit vorgehaltener Waffe gezwungen, die Suite zu verlassen. Auf dem Korridor löst sie Feueralarm aus. Währenddessen erschießt John die beiden Bodyguards, wird zwar selbst ins Bein getroffen, folgt aber Tis in einen Nebenraum und tötet ihn ebenfalls.

Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen bleibt Ann nichts anderes übrig, als ihren Plan zu verwirklichen, den Drogenhandel aufzugeben und ein Kosmetikgeschäft zu gründen. Sie besucht John in der Untersuchungshaft. Er rechnet mit fünf bis sieben Jahren Freiheitsentzug, fühlt sich sichtlich erleichtert und freut sich darauf, nach seiner Entlassung wieder einmal mit Ann zu schlafen.

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„Light Sleeper“ ist ein beklemmender Psychothriller. Bedächtig und ohne Effekthascherei entwickelt Paul Schrader (Drehbuch, Regie) die triste Geschichte über einen Außenseiter, einen früher selbst süchtigen Drogendealer in New York, der vergeblich hofft, mit seiner früheren Gefährtin ein neues Leben anfangen zu können und so verzweifelt ist, dass er sich erleichtert fühlt, als er inhaftiert wird. Willem Dafoe verkörpert diesen Mann sehr überzeugend. Die dichte Atmosphäre des düsteren Films wird durch die klagende Musik von Michael Been verstärkt. Sehenswert ist „Light Sleeper“ darüber hinaus wegen der hervorragenden Kameraführung von Ed Lachman und der sorgfältigen Farbregie.

Paul Schrader schrieb übrigens auch das Drehbuch zu „Taxi Driver“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Drogenmissbrauch

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