Auto Focus

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Auto Focus

Auto Focus – Originaltitel: Auto Focus – Regie: Paul Schrader – Drehbuch: Michael Gerbosi nach dem Buch "The Murder of Bob Crane. Who Killed the Star of Hogan's Heroes?" von Robert Graysmith – Kamera: Jeffrey Greeley, Fred Murphy – Schnitt: Kristina Boden – Musik: Angelo Badalamenti – Darsteller: Greg Kinnear, Willem Dafoe, Rita Wilson, Maria Bello, Ron Leibman, Bruce Solomon, Michael E. Rodgers u.a. – 2002; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Durch die Hauptrolle in der Sitcom-Serie "Ein Käfig voller Helden" wird Bob Crane zum Fernsehstar. Sein neuer Freund, der Techniker John Carpenter, nutzt Bobs Popularität, um an Frauen heranzukommen. Bei den Orgien, die sie gemeinsam veranstalten, lässt John heimlich eine Videokamera mitlaufen, und Bob überredet einige der Damen, für Nacktfotos zu posieren. Während der Schauspieler sich in der Öffentlichkeit weiterhin als Familien­mensch präsentiert, zerstört die Sexsucht sein Leben ...
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Kritik

"Auto Focus" bleibt an der Oberfläche und ist eher eine Satire als eine ernsthafte Charakterstudie. Dabei behauptet Paul Schrader, dass er die wahre Geschichte des 1978 ermordeten Schauspielers Bob Crane erzähle.
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Los Angeles 1964. Bob Crane (Greg Kinnear), der sich als Radiomoderator einen Namen gemacht hat, erhält das Angebot, die Hauptrolle in der Fernsehserie „Ein Käfig voller Helden“ zu spielen. Weil die Sitcom im Zweiten Weltkrieg in einem fiktiven Kriegsgefangenenlager der Deutschen spielt und Kritiker der Auffassung sein könnten, dass man darüber keinen Klamauk machen dürfe, zögert Bob mit seiner Entscheidung. Er will seine Karriere nicht gefährden. Aber sein Agent Lenny (Ron Leibman) drängt ihn, den amerikanischen Kriegsgefangenen Colonel Robert Hogan zu spielen. Die Serie läuft erfolgreich, und Crane avanciert dadurch zum Fernsehstar.

Als Bobs katholische Ehefrau Anne (Rita Wilson) in der Garage Magazine mit Nacktaufnahmen findet, stellt sie ihn zur Rede und verlangt, dass er den Schweinkram wegwirft.

Auf dem Studiogelände lernt Bob während einer Drehpause den Techniker John Carpenter (Willem Dafoe) kennen, der von der Stereoanlage schärmt, die er in seinem Cabrio eingebaut hat. Am Abend begleitet Bob den Technikfreak in ein Striplokal. Man erkennt den Fernsehstar dort, und weil bekannt ist, dass er seit seiner Jugend Schlagzeug spielt, wird er dazu überredet, das Musikinstrument auf der Bühne zu übernehmen. Von da an macht er das häufiger und schaut sich dabei die Striptease-Vorführungen aus der Nähe an.

John nutzt die Popularität seines neuen Freundes, um mit ihm zusammen an Frauen heranzukommen. Bei den Orgien, die sie gemeinsam feiern, lässt John den Prototyp einer Videokamera mitlaufen, den er im Rahmen seines Jobs bei Sony Electronics ausprobieren soll. Außerdem überredet Bob die Frauen, für Nacktfotos zu posieren.

Parallel dazu beginnt Bob eine Affäre mit Patricia Olson (Maria Bello), die unter ihrem Künstlernamen Sigrid Valdis in „Ein Käfig voller Helden“ die Sekretärin des einfältigen Lagerkommandanten Oberst Wilhelm Klink (Kurt Fuller) spielt.

Seine sexuellen Ausschweifungen irritieren Bob, und er sucht deshalb das Gespräch mit dem Seelsorger (Don McManus) seiner katholischen Gemeinde. Dem gesteht er allerdings nur, dass er heimlich in einem Striplokal Schlagzeug spielt, und dem Angebot des Geistlichen, mit ihm zusammen zu musizieren, kann er nicht viel abgewinnen.

Als Anne in Bobs Dunkelkammer einen Karton voller Nacktfotos findet, reicht sie nach 20 Jahren Ehe die Scheidung ein.

Patricia erklärt Bob, dass sie von seiner Promiskuität wisse und sie akzeptiere. Auf dieser Basis heiraten die beiden, und die Produzenten machen aus der Trauung auf dem Set ein PR-Ereignis.

1971 wird die Serie „Ein Käfig voller Helden“ nach sechs Staffeln eingestellt. Weil im prüden Hollywood inzwischen Gerüchte über Bobs sexuelle Eskapaden kursieren, wartet er vergeblich auf neue Angebote. Dabei benötigt er dringend Geld. Lenny vermittelt ihm schließlich die männliche Hauptrolle in dem Stück „Anfängerglück“. Damit geht Bob auf Tournee und tritt in provinziellen Dinnertheater-Vorstellungen auf. John, der inzwischen für eine andere Elektronikfirma als Reisender arbeitet, begleitet ihn, und sie leben weiter gemeinsam ihre Sexsucht aus.

Der Kinofilm „Superdad. Papa ist der Größte“, in dem Bob die Hauptrolle spielt, floppt 1973.

Patricia bekommt ein Kind und beklagt sich darüber, dass ihr Mann nur selten zu Hause ist, aber er hält ihr vor, Geld für den Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Nach einem heftigen Streit gehen sie getrennte Wege.

Nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe wird Bob bewusst, dass es mit ihm abwärts geht und er sich ändern muss. Er passt seinen Sohn Scotty (Jacob Hagard) ab und redet mit ihm. Dann befolgt er den Rat seines Agenten und erklärt John, dass er zwar sein Freund bleibe, aber aus dem bisherigen Leben aussteigen und sich deshalb nicht mehr mit ihm treffen wolle.

Einige Zeit später, als sich Bob wegen seiner Tournee in Scottsdale/Arizona aufhält, bricht jemand nachts bei ihm ein und erschlägt ihn im Schlaf mit einem Kamerastativ.

14 Jahre nach dem Mord muss John Carpenter sich vor Gericht verantworten. Er wird freigesprochen. Vier Jahre später erliegt er einem Herzinfarkt.

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Paul Schrader veranschaulicht in „Auto Focus“ den Niedergang eines egozentrischen Schauspielers, der sich der Öffentlichkeit als Familienmensch präsentiert, tatsächlich aber seine beiden Ehen durch sexuelle Eskapaden zerstört und zu spät versucht, sich von seiner Sexsucht zu befreien. Nebenbei thematisiert Paul Schrader, dass die weltfremde katholische Kirche dem Mann nicht helfen kann, und er prangert die Doppelmoral der amerikanischen (Medien-)Gesellschaft an. Der Titel „Auto Focus“ spielt auf die Selbstbezogenheit des Protagonisten an, meint vermutlich aber auch seine obsessive Fokussierung auf nackte Frauen.

Nebenbei zeigt „Auto Focus“ die Anfänge der HiFi- und Videotechnik für den Privatgebrauch.

Der Film bleibt an der Oberfläche und ist eher eine Satire als eine ernsthafte Charakterstudie. Am Ende spricht der Ermordete noch aus dem Off zu den Zuschauern. Misslungen ist vor allem die theatralisch rauschende Musikuntermalung.

„Auto Focus“ beansprucht, die wahre Geschichte des Schauspielers Bob Crane zu erzählen und basiert auf dem 1993 von Robert Graysmith veröffentlichten Buch „The Murder of Bob Crane. Who Killed the Star of Hogan’s Heroes?“ (neuer Titel: „Auto Focus. The Murder of Bob Crane“). Paul Schrader sprach auch mit Anne und dem Sohn Robert David Crane. Robert Scott Crane, der andere Sohn, distanzierte sich dagegen von dem Film und bemängelte, dass die Darstellung in einigen Punkten von den Tatsachen abweicht. Beispielsweise hätten die Sexeskapaden seines Vaters und John Carpenters erst Mitte der Siebzigerjahre begonnen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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Sabine Appel porträtiert Madame de Staël und vollzieht deren Leben chronologisch nach; sie bringt uns auch die Bezugspersonen nahe und stellt dies alles in den historischen Kontext. Die eingehende, gut lesbare Darstellung ist ebenso sachlich und kenntnisreich wie kritisch.
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