Ein Freund gewisser Damen. The Walker

Ein Freund gewisser Damen. The Walker

Ein Freund gewisser Damen. The Walker

Ein Freund gewisser Damen. The Walker – Originaltitel: The Walker – Regie: Paul Schrader – Drehbuch: Paul Schrader – Kamera: Chris Seager – Schnitt: Julian Rodd – Musik: Anne Dudley – Darsteller: Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Abigail Delorean, Willem Dafoe, William Hope, Geff Francis, Steven Hartley u.a. – 2007; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Carter Page III betätigt sich in Washington als ebenso blasierter wie kultivierter Gesellschafter gelangweilter Damen der Upper Class, deren Ehemänner keine Zeit für sie haben. Dass er schwul ist, verheimlicht er nicht. Als Lynn, die Ehefrau des Senators Larry Lockner, ihren heimlichen Geliebten erstochen auffindet, meldet Carter den Mord der Polizei und behauptet, er habe den Toten gefunden. Damit will er Lynn schützen, gerät jedoch selbst unter Mordverdacht, und seine vermeintlichen Freunde gehen auf Distanz zu ihm ...
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Kritik

Die Aufklärung des Mordfalls interessiert Paul Schrader nicht. Ihm geht es in "Ein Freund gewisser Damen. The Walker" eigentlich nur um eine Charakterstudie und ein Porträt der Upper Class der Washingtoner Gesellschaft.
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Carter Page III (Woody Harrelson) stammt aus Texas. Sein hoch angesehener, inzwischen verstorbener Vater verachtete ihn, nicht zuletzt weil er schwul ist. Carter lebt in Washington, D. C., mit dem Fotografen Emek Yoglu (Moritz Bleibtreu) zusammen. Das geerbte Vermögen ermöglicht ihm ein arbeitsfreies Leben im Luxus. Es geht Carter denn auch nicht ums Geld, wenn er sich als ebenso blasierter wie kultivierter Gesellschafter (society walker) gelangweilter Damen der Upper Class betätigt. Wenn ihre in Politik oder Wirtschaft viel beschäftigten Ehemänner keine Zeit für sie haben, unterhält Carter sie mit Bonmots, Anzüglichkeiten und Klatschgeschichten. Beispielsweise spielt er regelmäßig Karten mit Lynn Lockner (Kristin Scott Thomas), Natalie van Miter (Lauren Bacall), Chrissie Morgan (Mary Beth Hurt) und Abigail Delorean (Lily Tomlin).

Eines Tages lässt sich Lynn, die Ehefrau des Senators Larry Lockner (Willem Dafoe), von Carter zu ihrem heimlichen Geliebten Robbie Kononsberg (Steven Hartley) fahren, einem Lobbyisten, der sich vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses verantworten muss. Carter wartet im Wagen auf sie. Nach wenigen Minuten kehrt sie entsetzt zurück: Robbie liege tot auf dem Fußboden, stammelt sie. Alles sei voll Blut. Jemand habe ihn erstochen. Falls die Medien die Ehefrau des Senators mit einem Mordopfer in Zusammenhang brächten, würde dies Lockners politische Karriere ruinieren. Um Lynn zu schützen, fährt Carter sie nach Hause und kehrt dann allein zu Kononsbergs Haus zurück. Die Türe ist nur angelehnt. Nachdem Carter sich die Leiche angesehen hat, meldet er den Mord der Polizei.

Er sei mit dem Börsenmakler verabredet gewesen, behauptet Carter bei der Vernehmung durch Detective Dixon (Geff Francis) und Staatsanwalt Mungo Tenant (William Hope). Auch seinem Rechtsanwalt Ethan Withal (Michael J. Reynolds) sagt er nichts anderes, und als dieser ihn warnt, sich naiv zu verhalten, entgegnet er: „Ich bin nicht naiv, ich bin oberflächlich.“

Ehe er sich versieht, steht er unter Mordverdacht. Bei einer polizeilichen Hausdurchsuchung wird eine Diskette des Toten bei ihm gefunden. Und es dauert nicht lang, bis die Medien von jemanden einen Hinweis auf die Affäre von Lynn Lockner und Robbie Kononsberg bekommen.

Damit Carter nicht Bauernopfer in einer Intrige wird, beginnt Emek Yoglu mit eigenen Nachforschungen. Jemand schlägt ihn zusammen und droht ihm Schlimmeres für den Fall an, dass er nicht aufhört, nach Kononsbergs Mörder zu suchen. Einige Zeit später beobachtet Emek zufällig, dass Carter von einem Mann verfolgt wird, als er das Haus verlässt. Emek rennt den beiden nach. Der Fremde gerät vor ein Auto und bleibt tot am Boden liegen. Emek fotografiert ihn rasch. Bevor die Polizei eintrifft, entfernen er und Carter sich vom Unfallort. Sie finden heraus, dass es sich bei dem Toten um den Privatdetektiv Edgar Kaminski (Stewart Alexander) handelt, der früher für das FBI arbeitete.

Weil sie sich unerlaubt vom Unfallort entfernten, werden Carter und Emek vorübergehend festgenommen, aber am nächsten Morgen wieder freigelassen. Offenbar will man sie nur unter Druck setzen.

Außer Emek gehen alle vermeintlichen Freundinnen und Freunde auf Distanz zu Carter, und Natalie van Miter gibt ihm einen guten Rat: „Stell dich nie zwischen einen Freund und das Exekutionskommando!“

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nach und nach durchschauen Carter und Emek einige der Zusammenhänge. Sie finden heraus, dass Abigail Deloreans Ehemann Jack (Ned Beatty) den Vizepräsidenten zu erpressen versuchte. Robbie Kononsberg musste sterben, weil er ein kompromittierendes Foto von sich und Lynn besaß und Senator Larry Lockner nicht riskieren wollte, dass es veröffentlicht wird. Ausgeführt wurde die Tat von Edgar Kaminski.

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In „Ein Freund gewisser Damen. The Walker“ geht es auf einer Ebene um die Aufklärung eines Mordfalls. Aber das interessiert Paul Schrader nicht wirklich. Ihm geht es eigentlich nur um die Charakterstudie eines kultivierten Schwulen, der gezwungen ist, seine Blasiertheit abzulegen, und ein Porträt der – wenn man ihm glauben darf – ebenso dekadenten wie intriganten Upper Class der Washingtoner Gesellschaft. In einem Interview erklärt Paul Schrader:

In order to retain some verisimilitude I had to make the script a little more political, but I don’t see it as a political film and I don’t really see it as a thriller or plot film. I see it really as a character study, as one of a series of character studies I’ve done. All you really want from a plot at that point is something that will put pressure on a character so you can see the character mutate and move in response to that pressure. But in terms of whodunit and when, I don’t give a damn.

Wirklich überzeugend ist das nicht. Daran ändern weder die hochkarätige Besetzung noch die elegante Kameraführung etwas.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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