Der talentierte Mr Ripley

Der talentierte Mr Ripley

Der talentierte Mr Ripley

Der talentierte Mr Ripley - Originaltitel: The Talented Mr Ripley - Regie: Anthony Minghella - Drehbuch: Anthony Minghella, nach dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith - Kamera: John Seale - Schnitt: Walter Murch - Musik: Gabriel Yared - Darsteller: Matt Damon, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Sergio Rubini u.a. - 1999; 140 Minuten

Inhaltsangabe

Tom Ripley ist ein schüchterner, unscheinbarer Klavierstimmer, aber er möchte kein "x-beliebiger Niemand" bleiben. Nachdem er seinen Freund Dickie Greenleaf im Streit erschlagen hat, schlüpft er in die Identität des von ihm ebenso bewunderten wie beneideten Industriellen-Sohnes – und um diese Täuschung aufrecht zu erhalten, mordet er weiter ...
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Kritik

In dieser Neuverfilmung des Romans "The Talented Mr Ripley" von Patricia Highsmith kommt es – wie in der literarischen Vorlage – vor allem auf die psychologische Ausleuchtung des Durchschnittsmenschen an, der zum Verbrecher wird.
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Tom Ripley (Matt Damon) verdient sein Geld als Klavierstimmer in der New Yorker Musikakademie und aushilfsweise auch als Toilettenmann. Nach der Vorstellung setzt er sich schon mal heimlich an den Flügel auf der Bühne. Auf einer privaten Gesellschaft des Werftbesitzers Herbert Greenleaf (James Rebhorn) im Jahr 1958 springt der schüchterne junge Mann für einen Pianisten ein, der sich die Hand verletzt hat, und begleitet die Sängerin am Klavier. Für diesen Anlass hat er sich einen Blazer mit dem Abzeichen der Universität Princeton geliehen. Zufällig ist es die Hochschule, die auch der Sohn des Gastgebers besuchte. Aber Dickie Greenleaf (Jude Law) hat das Studium abgebrochen und ist in ein italienisches Küstendorf ausgewandert. Herbert Greenleaf fasst Vertrauen zu dem vermeintlichen früheren Kommilitonen seines missratenen Sohnes und bietet ihm tausend Dollar dafür, dass er versucht, ihn zur Heimkehr zu überreden.

So reist also Tom Ripley nach Europa. Bei der Passkontrolle stellt er sich Meredith Logue (Cate Blanchett), der Tochter einer amerikanischen Industriellenfamilie, spontan als Dickie Greenleaf vor. Sie wundert sich allerdings, dass er nur einen einzigen Koffer bei sich hat.

Schließlich spürt er Dickie Greenleaf auf, der mit seiner Geliebten Marge Sherwood (Gwyneth Paltrow) in einer gemieteten Luxusvilla am Strand von Mongibello das „dolce vita“ genießt. Dickie will sich von seinem Vater nicht in einen Manager-Job zwängen lassen, sondern sein Leben genießen – und dazu gehört für ihn ganz selbstverständlich, das Geld seines Vaters mit vollen Händen auszugeben. Tom tut, als erkenne er Dickie als Kommilitonen wieder und wird von ihm und Marge zum Essen eingeladen. Beim Abschied lässt er wie aus Versehen ein paar Jazz-Platten aus seiner Mappe fallen, denn er weiß, dass Dickie sich für Jazz begeistert. Tatsächlich nimmt ihn der Industriellensohn daraufhin mit zu einem Jazz-Club. Dickie findet Tom amüsant, und Marge hat auch nichts dagegen, dass er vorübergehend bei ihnen wohnt.

Zumindest für einige Zeit hat Tom es geschafft, aus seiner düsteren Wohnung im Souterrain eines Mietshauses in ein lichtdurchflutetes Zimmer am Meer zu kommen. Er bewundert und beneidet seinen neuen Freund, fühlt sich auch erotisch von ihm angezogen, obwohl er sich heimlich in Marge verliebt. Um so schlimmer ist es für ihn, als er an Bord eines Segelboots hört, wie Dickie und Marge sich unter Deck lieben.

Bald findet Tom heraus, dass Dickie sich nicht nur wie ein Playboy gibt, sondern auch ein Verhältnis mit einem Mädchen aus dem Dorf hat. Als sie schwanger ist und Dickie um Geld bittet, weist er sie zurück. Ein paar Tage später treibt ihre Leiche im Meer. Sie hat sich umgebracht. Dickie fühlt sich schuldig.

Nach einer Weile beginnt Dickie sich mit Tom zu langweilen. Deshalb will er ihn auch nicht zum Skifahren nach Cortina d’Ampezzo mitnehmen, sondern ihn fortschicken. Zum Abschied lädt er Tom in San Remo zu einer gemeinsamen Bootstour ein. Dabei kommt es zum Streit, zur Prügelei und ehe Tom sich versieht, hat er seinen bisherigen Freund mit einem Ruder erschlagen.

Er versenkt den Kahn samt der Leiche und reist nach Rom. Nachdem ihn der Hotelportier mit Dickie verwechselte, gibt er sich als Dickie aus, bezahlt mit dessen Kreditkarte und mietet ein teures Apartment. Durch Zufall trifft er Meredith Logue wieder und befreundet sich mit ihr. Nach einem gemeinsamen Einkaufsbummel überredet sie ihn, mit ihr und ihren Eltern eine Opernaufführung zu besuchen. In der Pause stößt Tom überraschend auf Marge Sherwood. Ihr Begleiter ist der Pianist Peter Smith-Kingsley (Jack Davenport) aus Venedig, ein langjähriger gemeinsamer Freund von ihr und Dickie. Marge ist völlig verstört darüber, dass Dickie plötzlich nicht mehr auftaucht und nur noch kurze Kartengrüße schickt. (Sie ahnt nicht, dass Tom sie schreibt und dabei die Schrift Dickies nachahmt.) Rasch verabredet Tom sich mit ihr und Peter für den nächsten Vormittag in einem Straßencafé an der Spanischen Treppe.

Dorthin bestellt er auch Meredith, bleibt aber in sicherer Entfernung und beobachtet, was geschieht. Er weiß, dass Peter und Meredith sich kennen. Wie erwartet, kommen die drei Wartenden ins Gespräch. Tom hofft, dass Meredith von ihrem Opernbesuch mit ihm alias Dickie erzählt und so ein neues Lebenszeichen von ihm hinterlässt. Es geschieht, wie geplant, aber Marge kann es kaum glauben, denn sie weiß, dass der Jazzfan sich nichts aus klassischer Musik macht.

Über die Kreditkartengesellschaft findet Dickies Freund Freddie Miles (Philip Seymour Hoffman) die Adresse des Apartments in Rom heraus, in dem Dickie angeblich jetzt wohnt. Tom öffnet ihm und behauptet, Dickie sei gerade ausgegangen, aber Freddie glaubt ihm nicht, und sein Argwohn vergrößert sich, als er feststellt, dass die bieder-pompöse Zimmereinrichtung überhaupt nicht Dickies Geschmack entspricht. Um sein Geheimnis zu wahren, bleibt Tom nichts anderes übrig, als ihn mit einer Büste zu erschlagen und seine Leiche fortzuschaffen.

Inspektor Roverini (Sergio Rubini) ermittelt, dass der Ermordete zuletzt in Dickie Greenleafs Apartment war und befragt Tom – den er für Dickie hält – als Zeugen.

Um den Nachforschungen der Polizei zu entgehen, kommt Tom auf Peters Einladung nach Venedig zurück. Dort mietet er sich einen alten Palazzo. Marge, die weiterhin darunter leidet, dass Dickie sich offenbar von ihr trennte, besucht ihn. Während Tom duscht, findet sie zufällig Dickies Ringe in seiner Wohnung. Da begreift sie, dass Tom ihn ermordete und will fort. Tom hält sie auf. In der rechten Tasche seines Bademantels hält er ein aufgeklapptes Rasiermesser. Doch er kommt nicht dazu, sie zu töten, denn in diesem Augenblick trifft Peter ein.

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Am nächsten Tag erfährt Tom von dem Privatdetektiv McCarren, den Herbert Greenleaf inzwischen einschaltete, dass dieser seinen Sohn nach Europa schickte, nachdem er einem Kommilitonen in Princeton wegen eines Mädchens den Kiefer zertrümmert hatte. Das habe die italienische Polizei ebenso wenig herausgefunden wie die Tatsache, dass die junge Frau, die in Mongibello ins Wasser ging, von Dickie Greenleaf schwanger war. Sein Auftraggeber habe kein Interesse daran, dass die Polizei oder etwa Marge Sherwood diese Hintergründe erfahren, denn er wolle einen öffentlichen Skandal vermeiden. Deshalb biete er Tom Ripley einen beträchtlichen Geldbetrag und erwarte dafür, dass auch er schweigt.

Einen Monat später begleitet Tom Ripley seinen homosexuellen Freund Peter Smith-Kingsley zu einem Konzert in Athen. Zufällig ist auch Meredith Logue auf dem Schiff. Zum Glück ist Peter nicht mit an Deck, als sie sich begegnen, denn während sie ihn für Dickie hält, weiß Peter, dass er Tom ist. Weil Meredith auch Peter kennt, und sich auf dem Schiff eine Begegnung zu dritt kaum vermeiden lässt, droht Tom entlarvt zu werden. Um das zu verhindern, erwürgt er Peter in dessen Kabine mit einem Schal.

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Tom Ripley ist gewissermaßen ein Mann ohne Eigenschaften, aber er möchte kein „x-beliebiger Niemand“ bleiben. Nachdem er seinen Freund Dickie Greenleaf im Streit erschlagen hat, schlüpft er in die Identität des von ihm ebenso bewunderten wie beneideten Industriellen-Sohnes – und um diese Täuschung aufrecht zu erhalten, mordet er weiter. Er ahnt, dass er die Lügen und Verbrechen niemals los wird, nie jemand ins Vertrauen ziehen kann und für immer einsam „im Keller“ ausharren muss.

Patricia Highsmiths Roman „Der talentierte Mr Ripley“ wurde 1960 unter dem Titel „Nur die Sonne war Zeuge“ erstmals von René Clément verfilmt. Neununddreißig Jahre später inszenierte Anthony Minghella (1954 – 2008) diese Neuverfilmung – und wich dabei an vielen Stellen von der literarischen Vorlage ab.

Dabei kommt es ihm ebenso wie der Schriftstellerin Patricia Highsmith vor allem auf die psychologische Ausleuchtung des Verbrechers an. Dass Mörder nicht geboren werden, sondern sich auch aus sympathischen Durchschnittsmenschen entwickeln können, wird an diesem Fall eindringlich gezeigt. Und gerade das ist so beunruhigend. Wenn es sich um erkennbare Monster handeln würde, könnte man sich leichter vor ihnen schützen.

Weitere Verfilmungen der Geschichten über Tom Ripley: „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders (1977), „Ripley’s Game oder Der amerikanische Freund“ von Liliana Cavani (2002).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003 / 2008

Patricia Highsmith: Der talentierte Mr Ripley
René Clément: Nur die Sonne war Zeuge

Anthony Minghella (kurze Biografie / Filmografie)
Anthony Minghella: Der englische Patient
Anthony Minghella: Unterwegs nach Cold Mountain

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