Elias Canetti : Das Augenspiel

Das Augenspiel

Elias Canetti

Das Augenspiel

Das Augenspiel Carl Hanser Verlag, München / Wien 1985
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

3. Teil der Autobiografie von Elias Canetti
1931 - 1937: Lesungen aus dem unveröffentlichten Theaterstück "Hochzeit" – Fertigstellung der "Komödie der Eitelkeit" – Heirat mit Veza – Veröffentlichung des Romans "Die Blendung" – Tod der Mutter
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Kritik

In seiner dreibändigen Autobiografie reflektiert Elias Canetti nicht nur über die ersten 32 Jahre seines Lebens, sondern er vermittelt auch einen Eindruck seiner Zeit, in der viele berühmte Künstler und Schriftsteller wirkten. Der 3. Band trägt den Titel "Das Augenspiel".
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Während fünfeinhalb Jahren findet Elias Canetti in Hermann Broch einen Freund und aufrichtigen Berater. Durch ihn bekommt er Gelegenheit, sein bisher unveröffentlichtes Theaterstück „Hochzeit“ in Lesungen vorzustellen. Er wird auch in private Kreise eingeladen, wo er bekannte Schriftsteller und Künstler kennen lernt. Im Hause des Verlegers Paul Zsolnay besucht unter anderem
Franz Werfel eine Lesung; wo er Canetti mit einer abwertenden Bemerkung vor den Kopf stößt: „Sie lesen’s gut!“, wobei die Betonung auf lesen liegt. Am Schluß dreht er sich im Gehen noch in der Tür um und ruft ihm zu: „So lassen Sie doch die Finger davon!“ Alma Mahler hat ihren Mann, Franz Werfel, nicht begleitet; Canetti ist noch nicht berühmt, und daher wäre eine Teilnahme unter ihrer Würde.

Elias Canetti hat Alma Mahler bereits kennengelernt. Sie führte ihn in ihrem Haus herum und schwelgte in den „Trophäen“, die sie mit Stolz herzeigte. Zum Beispiel wies sie auf ein Bild: „Und das bin ich als Lucrezia Borgia, von Kokoschka gemalt.“ Sie distanzierte sich aber gleich von ihrem früheren Geliebten: „Schad, dass nichts aus ihm geworden ist!“ – An Alma Mahler lässt Canetti kein gutes Haar:

Eine ziemlich große, allseits überquellende Frau, mit einem süßlichen Lächeln ausgestattet und hellen, weit offenen, glasigen Augen. …
… nach dem ersten Blick auf sie war ich entsetzt, man sprach überall von ihrer Schönheit, als das schönste Mädchen Wiens, so hieß es, habe sie den viel älteren Mahler so sehr beeindruckt, dass er um sie anhielt und sie zur Frau nahm, und das Gerücht von ihrer Schönheit hatte sich nun mehr als dreißig Jahre weitergetragen, jetzt aber stand sie da und ließ sich schwer nieder, eine angeheiterte Person, die viel älter aussah, als sie war und alle ihre Trophäen um sich versammelt hatte.

Mit einem Händeklatschen ruft Alma Mahler ihre Tochter herbei. „Schön ist sie, was? Also das ist Manon, meine Tochter. Vom Gropius. Da kann eben keine mithalten. … Haben Sie den Gropius einmal gesehen? Ein schöner, großer Mann, genau was man arisch nennt. Der einzige Mann, der rassisch zu mir gepasst hat. Sonst haben sich immer kleine Juden in mich verliebt, wie der Mahler.“ Als Manon geht, fühlt Canetti Erleichterung beim Gedanken, „dass sie nie wie ihre Mutter werden würde, nicht das Giftbild an der Wand, nicht die glasige, zerflossene Alte auf dem Sofa“. (Ein Jahr später sitzt Manon gelähmt im Rollstuhl, noch ein Jahr später ist sie tot.)

Mit Anna Mahler, einer Tochter Almas aus der Ehe mit dem Komponisten, befreundet Elias Canetti sich und verliebt sich in sie. Seine Liebe wird von der begabten Bildhauerin aber nicht erwidert.

Auf Anna Mahler hat auch der Dirigent Hermann Scherchen ein Auge geworfen. Er bittet Canetti, an Anna einen Brief zu übergeben und legt für den Überbringer einen Prospekt bei: „Werben Sie!“.

Dieser Brief war es, der mich nach Straßburg lockte, und ohne die Menschen, die ich durch den Straßburger Aufenthalt traf, wäre es nicht zur Publikation des Theaterstücks [„Hochzeit“] gekommen.

Canetti begleitet also Hermann Scherchen zu einer Tagung für moderne Musik nach Straßburg und muss versuchen, mit der selbstherrlichen Art des unkonventionellen Dirigenten zurecht zu kommen.

In diesem Jahre 1933, unter dem Eindruck der Ereignisse in Deutschland, ist die „Komödie der Eitelkeiten“ entstanden. Ende Jänner war Hitler zur Macht gekommen. Von diesem Augenblick an schien jedes Ereignis, das diesem ersten folgte, unheimlich und von dunkler Bedeutung. … Eines aber wusste man bei aller Unbegreiflichkeit wohl: dass es nur in Krieg münden könne, nicht einen verschämten und seiner selbst unsicheren Krieg, sondern einen, der mit stolzem und gefräßigem Anspruch auftrat, wie die biblischen Kriege der Assyrer.

Einen für ihn wichtigen Menschen während dieser Zeit findet Elias Canetti in Dr. Sonne; eine einfühlsame, sein Wissen, seine Voraussicht und exorbitante Bildung nie zur Schau stellende Persönlichkeit, die Canetti im Aussehen an sein Idol Karl Kraus erinnert. Das pure Gegenteil des feinsinnigen Intellektuellen ist der Bildhauer Fritz Wotruba, der sein Atelier unter dem Viadukt der ratternden Stadtbahn hat. Der sein Wienerisch pflegende, eher bodenständig wirkende Künstler und seine resolute Frau stellen durch ihre sozialistische Haltung eine Verbindung zu den mit den Händen arbeitenden Menschen her.

Mit der Empfindlichkeit Robert Musils („ein König im Papierreich“), der Abneigung dagegen hat, Geld in die Hand zu nehmen und seine Frau immer mitnimmt, damit sie in der Straßenbahn die Fahrkarte für ihn löst, kann Canetti gut umgehen.

Die feindselige Reaktion von James Joyce, der einer Lesung des Autors der „Komödie der Eitelkeiten“ beiwohnt, kann Canetti nicht nachvollziehen.

1935 wird der Roman „Die Blendung“ veröffentlicht. Zu dieser Zeit wohnt Elias Canetti mit Veza, die er 1934 heiratete, in Grinzing. Die Hochzeit verheimlichte er seiner in Paris lebenden Mutter. Sie hat aber von dem Erscheinen seines Buches erfahren und beiläufig auch von der Heirat.

Auf ihre hochfahrende Weise hatte sie mich anerkannt, das Buch sei so, wie sie selber geschrieben hätte, es sei wie von ihr, ich hätte recht daran getan, schreiben zu wollen, ich hatte recht daran getan, alles andere beiseite zu schieben, was sei schon für einen Dichter die Chemie!

Vorübergehend zeigt sich die Mutter versöhnlich. Bald darauf erklärt sie jedoch, ihn nicht mehr sehen zu wollen. Georg, der Arzt geworden ist, bei der Mutter in Paris wohnt und sie betreut, benachrichtigt seinen Bruder über ihre schwere Krankheit. Elias fährt nach Paris und kann die letzten Tage ihres Lebens an ihrem Bett sitzen und mit ihr reden. Sie lässt deutlich erkennen, dass sie Georg als Sohn bevorzugte und enttäuscht war, am Erfolg ihres älteren Sohnes nicht beteiligt worden zu sein, hatte sie doch ihre Fürsorge und ganze Kraft als junge Witwe in dessen Bildung verwendet: Er „war ganz aus ihrem Geiste geboren“.

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In „Das Augenspiel“ stellt Elias Canetti seinen weiteren Lebensweg vor. Sein Theaterstück „Hochzeit“ stellt er 1932 fertig, die „Komödie der Eitelkeit“ 1934. Die Zeit mit dem Dirigenten Hermann Scherchen in Straßburg ist eine prägende Episode. Elias Canetti schildert, welchen Eindruck Alma Mahler auf ihn macht. Seine unerwiderte Liebe zu Anna Mahler verschweigt er nicht. Die Beschreibungen der Beziehungen zu den außergewöhnlichen Menschen Thomas Marek, Dr. Sonne und Fritz Wotruba und anderen sind beeindruckende Porträts seiner Freunde. 1934 heiratet er Veza. 1935 erscheint sein Roman „Die Blendung“. Die Aufzeichnungen schließen mit dem Tod der Mutter 1937 in Paris.

Das autobiografische Werk in drei Teilen ist nicht nur eine Reflexion des Autors über sein Leben bis zum Alter von 32 Jahren. Es vermittelt auch einen Eindruck dieser Zeit, in der viele berühmte Künstler und Schriftsteller wirkten, und von denen Elias Canetti mehrere kennenlernte und sich zum Teil mit ihnen befreundete. Durch alle drei Bände der Autobiografie – „Die gerettete Zunge“, „Die Fackel im Ohr“, „Das Augenspiel“ – zieht sich der Konflikt mit der dominierenden Mutter, unter dem er Zeit seines Lebens litt. In seinen Erinnerungen kommt auch immer wieder seine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Masse und Macht“ zur Sprache, das ihn seit seiner Jugend beschäftigt (und 1960 unter diesem Titel als großangelegter Essay erscheint.)

Seine Frau Veza starb 1963.

Den Nobelpreis für Literatur erhielt Elias Canetti 1981.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Irene Wunderlich 2003
Textauszüge: © Elias Canetti

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