Der Tod kennt keine Wiederkehr

Der Tod kennt keine Wiederkehr

Der Tod kennt keine Wiederkehr

Der Tod kennt keine Wiederkehr – Originaltitel: The Long Goodbye – Regie: Robert Altman – Drehbuch: Leigh Brackett nach einem Skript von Stirling Silliphant und dem Roman "Der lange Abschied" von Raymond Chandler – Kamera: Vilmos Zsigmond – Schnitt: Lou Lombardo – Musik: John Williams – Darsteller: Elliott Gould, Nina Van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Arkin, Jim Bouton, Warren Berlinger, Jo Ann Brody, Stephen Coit, Jack Knight, Pepe Callahan, Vincent Palmieri, Pancho Córdova, Enrique Lucero u.a. – 1973; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Nachdem der Privatdetektiv Philip Marlowe mitten in der Nacht seinen Freund Terry Lennox von L. A. nach Mexiko fuhr, verhaftet man ihn vorübergehend unter dem Verdacht, einem Mörder zur Flucht verholfen zu haben, denn Lennox' Ehefrau Sylvia wurde umgebracht. Nach drei Tagen heißt es, Lennox habe sich in Mexiko das Leben genommen und ein Geständnis hinterlassen. Der sadistische Gangster Marty Augustine behauptet, Lennox sei mit seinem Geld durchgebrannt und verlangt von Marlowe, es wiederzubeschaffen ...
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Kritik

In dem Thriller "Der Tod kennt keine Wiederkehr" von Robert Altman – der Verfilmung des Romans "Der lange Abschied" von Raymond Chandler – geht es v. a. um Freundschaft, Solidarität und Integrität in einer verkommenen, von Gier und Geld regierten Welt.
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Mitten in der Nacht wird der Privatdetektiv Philip Marlowe (Elliott Gould), der in Los Angeles neben vier ausgeflippten Mädchen wohnt, von seinem Freund Terry Lennox (Jim Bouton) aufgesucht, der behauptet, wieder einmal Streit mit seiner Ehefrau Sylvia zu haben und Marlowe bedrängt, ihn über die Grenze nach Tijuana zu bringen, wo er sich angeblich vor ihr verstecken will.

Am nächsten Morgen tauchen zwei Polizisten (Jerry Jones, John S. Davies) bei Philip Marlowe auf und wollen wissen, wohin er Terry Lennox gebracht habe. Weil der Privatdetektiv nichts verrät, nehmen ihn die Cops kurzerhand mit der Begründung fest, er habe einem mutmaßlichen Mörder zur Flucht verholfen. Sylvia Lennox wurde nämlich in der Nacht umgebracht.

Nach drei Tagen lässt Kommissar Farmer (Stephen Coit) Marlowe überraschend frei: Man hat keine Fragen mehr an ihn; der Fall ist abgeschlossen, denn Terry Lennox nahm sich in einem Hotel der mexikanischen Stadt Yautepec das Leben und hinterließ ein schriftliches Geständnis, in dem er bekannte, seine Frau ermordet zu haben.

Kurz nach seiner Freilassung wird der Privatdetektiv von Eileen Wade (Nina Van Pallandt) beauftragt, ihren Ehemann zu suchen, den alkoholkranken Schriftsteller Roger Wade (Sterling Hayden). Marlowe spürt Wade unter seltsamen Umständen in einer Entzugsklinik auf und kann den Psychiater Dr. Verringer (Henry Gibson) gerade noch daran hindern, sich von dem Patienten unter Zwang einen Scheck über 4400 Dollar ausstellen zu lassen. Er bringt Wade nach Hause. Das Ehepaar wohnt in der exklusiven Malibu Colony ganz in der Nähe des Hauses, in dem Terry und Sylvia Lennox lebten, aber Eileen behauptet, die beiden kaum gekannt zu haben.

Ein Verbrecher namens Marty Augustine (Mark Rydell) bringt Marlowe mit Hilfe seiner Bodyguards Harry, Vince und Pepe (David Arkin, Vincent Palmieri, Pepe Callahan) in seine Gewalt. Terry Lennox habe für ihn 350 000 Dollar nach Mexiko schmuggeln sollen, sei aber damit verschwunden, und als man seine Leiche fand, fehlte das Geld. Augustine verdächtigt deshalb Marlowe, den entsprechenden Koffer an sich genommen zu haben. Jedenfalls soll Marlowe ihm die 350 000 Dollar wiederbeschaffen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, zerschlägt der Sadist seiner Geliebten Jo Ann Eggenweiler (Jo Ann Brody) vor Marlowes Augen mit einer Cola-Flasche das Gesicht.

Marlowe folgt den Gangstern unbemerkt und stellt fest, dass Augustine zur Villa der Wades fährt und mit Eileen spricht. Er reist nach Mexiko, kann aber nichts herausfinden.

Wieder in Los Angeles, erhält er einen Brief von Terry Lennox mit einer kurzen Entschuldigung und einem 5000-Dollar-Schein. Der Totgeglaubte scheint also noch am Leben zu sein.

Während eines weiteren Besuchs bei den Wades wird Marlowe Zeuge, wie sich Roger Wade im Meer ertränkt. Eileen behauptet nun, Roger habe mit Sylvia Lennox eine Affäre gehabt und sie ermordet.

Unvermittelt bekommt Marty Augustine die 350 000 Dollar zurück. Marlowe beobachtet es und bemerkt Eileen in der Nähe. Er ruft ihren Namen, aber sie fährt weiter, und als Marlowe ihr nachrennt, wird er von einem Auto angefahren.

Am nächsten Morgen wird die Villa der Wades gerade von einer Immobilienmaklerin geräumt, und es heißt, Eileen sei nach Europa gereist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bei einem erneuten Besuch in Yautepec besticht Marlowe den Arzt (Pancho Córdova) und den Polizisten (Enrique Lucero), die Terry Lennox‘ Leiche untersuchten, mit der 5000-Dollar-Note. Daraufhin geben sie zu, Lennox bei der Vortäuschung seines Selbstmordes geholfen zu haben und verraten Marlowe, wo er ihn finden kann.

Lennox gesteht ihm, er habe Sylvia ermordet, nachdem sie hinter sein Verhältnis mit Eileen Wade gekommen sei. Eileen brachte Marty Augustine die 350 000 Dollar zurück, denn aufgrund der Erbschaft nach dem Tod ihres Mannes waren sie und ihr Geliebter nicht mehr darauf angewiesen. Ohne weiteres gibt Lennox zu, seinen Freund ausgenutzt zu haben, und er verhöhnt ihn als Verlierertyp. Daraufhin zieht Marlowe seine Pistole und erschießt Terry Lennox.

Erleichtert geht er fort. Eileen kommt ihm ahnungslos mit dem Auto entgegen und wundert sich, ihn zu sehen, aber er beachtet sie nicht weiter.

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Nachdem Stirling Silliphant den 1953 von Raymond Chandler veröffentlichten Roman „The Long Goodbye“ („Der lange Abschied“) fürs Kino adaptiert hatte, aber das Filmprojekt nicht verwirklicht worden war, machten sich Robert Altman (Regie) und Leigh Brackett (Drehbuch) daran, den Kriminalroman zu verfilmen. Leigh Brackett, die mit William Faulkner das Drehbuch für „Tote schlafen fest“ verfasst hatte, verlegte die Handlung aus den Vierziger- in die Siebzigerjahre, verzichtete auf einige Nebenfiguren und scheute nicht vor gravierenden Abweichungen von der literarischen Vorlage zurück. Beispielsweise machte sie statt Roger Wades Verleger seine Frau Eileen zur Auftraggeberin des Privatdetektivs, aus der Ermordung Roger Wades einen Suizid und aus Eileen Wade nicht, wie im Buch, eine Doppelmörderin. Völlig neu ist der Schluss des Films.

In dem Thriller „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ spielt die Aufklärung eines Mordfalls eher eine untergeordnete Rolle. Es geht vor allem um Freundschaft, Solidarität und Integrität in einer verkommenen, von Gier und Geld regierten Welt. Obwohl sich Philip Marlowe als Zyniker gibt, hält er selbst dann zu seinem Freund Terry Lennox, als er dadurch selbst in Schwierigkeiten gerät. Als er jedoch merkt, wie seine Freundschaft missbraucht wurde, schreckt er nicht vor einer harten Konsequenz zurück.

Man hat „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ als Satire oder Abgesang auf den film noir gedeutet. Tatsächlich spielt Elliott Gould die Rolle des Privatdetektivs Philip Marlowe – anders als Humphrey Bogart in „Tote schlafen fest“ – beinahe als Karikatur.

John Williams hat für „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ den melancholischen Titelsong „The Long Goodbye“ komponiert, der immer wieder zu hören ist, etwa als Musikberieselung im Supermarkt, im Autoradio oder während ein Sarg zum Friedhof getragen wird. Sogar die Türglocke bei den Wades spielt die ersten Töne des Songs. Am Ende des Films wird allerdings „Hooray for Hollywood“ von Richard A. Whiting eingeblendet.

Bei dem 1949er „Lincoln“, den Elliott Gould im Film fährt, soll es sich um das Privatauto des Schauspielers gehandelt haben.

Arnold Schwarzenegger alias Arnold Strong ist in „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ kurz als Bandenmitglied zu sehen.

Eigentlich sollte Dan Blocker die Rolle des Schriftstellers Roger Wade spielen. Er starb jedoch am 13. Mai 1972, vor dem Beginn der Dreharbeiten. An seiner Stelle wurde Sterling Hayden engagiert. Robert Altman widmete den Film dem Verstorbenen.

Nicht zuletzt aufgrund einer ungeschickten Marketing-Kampagne wurde „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ 1973 an den Kinokassen zum Misserfolg.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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"Ruppertshain" erinnert an ein morbides Genrebild. Martin Mosebach nimmt sich viel Zeit, seine Figuren und deren Beziehungen zu entwickeln. Während die gesellschaftliche Ordnung sich auflöst, wahrt er die literarische Form und achtet auch auf den sprachlichen Schliff.
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