Alles für meinen Vater

Alles für meinen Vater

Alles für meinen Vater

Alles für meinen Vater – Originaltitel: Shabbat Shalom, Maradona / Sof Shavua B'Tel Aviv – Regie: Dror Zahavi – Drehbuch: Ido Dror, Jonatan Dror – Kamera: Carl-Friedrich Koschnick – Schnitt: Fritz Busse – Musik: Misha Segal – Darsteller: Shredi Jabarin, Hili Yalon, Shlomo Vishinsky, Jony Arbid, Shadi Fahr-Al-Din, Rosina Kambus, Oren Yadger, Dina Golan, Chaim Banai, Michael Moshonov u.a. – 2008; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Der junge Palästinenser Tarek will sich auf einem Markt in Tel Aviv in die Luft sprengen. Aber der Auslöseknopf ist defekt. In einem Elektrogeschäft fragt Tarek nach einem Ersatzschalter. Der jüdische Besitzer hat keinen passenden auf Lager, und die Lieferung wird zwei Tage dauern. In dieser Zeit bewahrt Tarek die Frau des Händlers vor dem Suizid und steht einer jungen Jüdin bei, die wegen ihrer unorthodoxen Einstellung von ihren Brüdern bedroht wird ...
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Kritik

Dror Zahavi setzt sich in "Alles für meinen Vater" nicht wirklich mit dem Nahost-Konflikt auseinander und versucht auch nicht, die Psychologie eines Selbstmordattentäters zu ergründen. Stattdessen erzählt er eine moderne Variante des Romeo-und-Julia-Plots.
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Während die junge, modern gekleidete Jüdin Keren (Hili Yalon) am Morgen ihren Kiosk in Tel Aviv öffnet und den Elektroladenbesitzer Katz (Shlomo Vishinsky) gegenüber begrüßt, wird der palästinensische Selbstmordattentäter Tarek (Shredi Jabarin) von zwei Mitgliedern der Terrororganisation „Tanzim“ – Abed und Salim (Jony Arbid, Shadi Fahr-Al-Din) – im Auto von Tulkarem quer durch Israel nach Tel Aviv gebracht. Auf dem belebten Carmel-Markt soll er sich mit so vielen Menschen wie möglich zusammen in die Luft sprengen.

Gerade als Tarek auf den Knopf drücken will, ruft ihn seine Mutter auf dem Handy an. Sie hat im Radio von einer Terrorwarnung auf dem Carmel-Markt in Tel Aviv gehört und macht sich Sorgen um ihn. Dass er selbst der Attentäter ist, ahnt sie nicht.

Nach dem kurzen Gespräch drückt Tarek auf den Knopf. Aber nichts passiert. Offenbar ist der Schalter kaputt. Durch Zufall gerät Tarek in die Straße, in der Keren und Katz ihre Läden haben. Nachdem er bei Keren die Toilette benutzt hat, fragt er im Elektrogeschäft gegenüber nach einem Ersatzschalter. Einen passenden hat Katz nicht auf Lager, und da am nächsten Tag Sabbat ist, wird die Lieferung erst am Sonntag möglich sein. Als Gegenleistung für den Schalter und zwei Übernachtungen will Tarek ein Loch im Dach des Hauses reparieren.

Auf dem Weg nach oben kommt er in die Küche. Dort riecht es nach Gas. Augenscheinlich beabsichtigte Zipora (Rosina Kambus), die Ehefrau des Elektrohändlers, sich das Leben zu nehmen [Suizid]. Tarek stellt das Gas ab, reißt die Fenster auf und bringt sie nach unten. Das aus Rumänien eingewanderte jüdische Ehepaar trauert um den im Krieg gefallenen Sohn.

Abed ruft an und fragt, warum noch keine Explosion erfolgt sei. Nachdem Tarek ihm die Lage erklärt hat, droht Abed, im Fall eines Rückziehers dessen Familie zu töten. Tarek, der weiß, dass der Sprengstoffgürtel auch ohne sein Zutun über eine Handyverbindung ferngezündet werden kann, versichert, dass er sich am Sonntag in die Luft sprengen werde.

In der Nacht kann Tarek nicht schlafen. Er geht hinaus und beobachtet zwei Männer, die ins Haus gegenüber eindringen. Es handelt sich um Kerens Brüder Shlomi und Avinoam (Michael Moshonov, Amir Yerushalmi). Sie wollen ihre Schwester dazu bringen, in den Kreis der orthodoxen jüdischen Familie zurückzukehren, sich entsprechend anzuziehen und das Haar nicht länger zu färben. Tarek betritt den Kiosk und schlägt die beiden Männer in die Flucht. Weil Shlomi und Avinoam Kerens Privatadresse kennen und sie dort nicht sicher ist, nimmt Tarek sie mit hinüber in Katz‘ Haus.

Am Morgen fordert sie ihn auf, sich auf die Querstange ihres Fahrrads zu setzen. Bevor sie mit ihm losfährt, werden sie von dem Polizisten Shaul (Oren Yadger) festgehalten, der wegen der Terrorwarnung besonders argwöhnisch ist und dem Palästinenser nicht traut. Katz greift beherzt ein und bewahrt Tarek vor einer Durchsuchung.

Wieder ruft Abed an. Er will sich nicht bis Sonntag gedulden. Tarek entfernt sich ein Stück von Keren und erklärt ihm, dass am Sabbat kaum jemand auf der Straße sei. Weil er damit rechnet, dass der Sprengstoffgürtel ferngezündet wird, drängt er Keren, auf Distanz zu gehen. Aber sie lässt sich nicht fortschicken. Verzweifelt rennt Tarek davon und klettert auf einen Baum. Keren kann sich sein seltsames Verhalten nicht erklären, bleibt jedoch in seiner Nähe. Glücklicherweise löst Salim die Zündung nicht aus, sondern überredet Abed, dem Selbstmordattentäter Zeit bis Sonntag, 8 Uhr, zu geben.

Keren vertraut Tarek an, dass sie ungewollt und unverheiratet schwanger wurde. Das Kind starb drei Monate vor der Geburt. In ihrer Familie wurde das als Strafe Gottes angesehen. Sie überwarf sich daraufhin mit ihrem Vater und verließ das Elternhaus.

Tarek erzählt Keren, dass er als Junge Fußball gespielt habe. Dabei wurde er von einem jüdischen Sportreporter als Talent entdeckt. Sein Vater brachte ihn regelmäßig durch die Kontrollposten zum Training nach Nazareth und nahm die Demütigungen durch die jüdischen Soldaten in Kauf, um seinem Sohn eine sportliche Karriere zu ermöglichen. Aber dann wurde eine neue Regelung eingeführt und man benötigte eine israelische Sondergenehmigung für die Einreise aus den Autonomiegebieten. Um sie zu bekommen, verdingte sich Tareks Vater als Spitzel der Israelis. Aber das blieb nicht geheim; innerhalb eines Jahres verbreiteten sich Gerüchte darüber, und Tareks Familie wird seither ausgegrenzt. Sein Vater, ein Geiger, liegt nur noch im Bett. Dass Tarek nun die Familienehre durch ein Selbstmordattentat wiederherstellen will, verschweigt er Keren.

Der israelische Sportreporter Saleh (Yussuf Abu-Warda), der Tarek damals entdeckte und ihn förderte, kommt mit einem defekten Elektrogerät in Katz‘ Geschäft, das auch am Sabbat geöffnet ist. Dabei sieht er Tarek. Sofort ruft er den Sender an und beginnt ein Live-Interview mit dem früheren Fußballspieler des Vereins Makkabi Nazareth. Warum er nicht mehr zum Training gekommen sei, fragt er. Tarek behauptet, er spiele wegen einer Verletzung nicht mehr Fußball. Aber Saleh spürt, dass er den wahren Grund verschweigt und fordert ihn nach dem Interview auf, am Sonntagmorgen zu ihm zu kommen. Er will ihm helfen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Shlomi und Avinoam kommen mit Verstärkung zum Kiosk ihrer Schwester, aber sie ist nicht da, sie verbringt die Nacht mit Tarek am Strand.

Frühmorgens ruft Abed an und erinnert Tarek an die um 8 Uhr ablaufende Frist. Keren schläft noch, als Tarek den Strand verlässt und zum Elektroladen geht, wo er den neuen Schalter vorfindet. Der Polizist Shaul folgt ihm auf dem Weg zum Carmel-Markt und fordert Verstärkung an. Kurz darauf postieren sich Scharfschützen.

Katz, der durchschaut hat, wofür der Schalter dient, kommt ebenfalls auf den Markt und versucht Tarek davon abzubringen, auf den Knopf zu drücken. Verzweifelt versucht der Selbstmordattentäter, ihn wegzuschicken. Katz hält ihm vor, das Attentat werde seinem Vater nicht nützen. Im Gegenteil, er werde unter dem Verlust des Sohnes leiden. Gerade als Tarek bereit zu sein scheint, mit Katz den Markt zu verlassen, wird er von der Polizei erschossen.

Die Detonation des Sprengstoffgürtels weckt Keren am Strand. Sie wundert sich über vielen Nägel, die Tarek zurückgelassen hat.

Weil Tarek die Nägel entfernte, kommt er zwar bei der Explosion ums Leben, aber in seinem Umfeld richtet sie verhältnismäßig geringen Schaden an. Katz wird beispielsweise leicht am Ellbogen verletzt.

Am nächsten Morgen öffnen Keren und Katz wieder ihre Läden.

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„Alles für meinen Vater“ handelt zwar von dem mörderischen Konflikt zwischen jüdischen Israelis und Palästinensern, aber Dror Zahavi (Regie), Ido Dror und Jonatan Dror (Drehbuch) setzen sich nicht wirklich mit dem Thema auseinander und versuchen auch nicht, die Psychologie eines Selbstmordattentäters zu ergründen. Stattdessen erzählen sie eine moderne Variante des Romeo-und-Julia-Plots und transportieren damit die etwas banale Botschaft: Sobald man Menschen aus einem verfeindeten Staat kennenlernt und Gemeinsamkeiten erkennt, sobald der Feind also kein mit plakativen Eigenschaften belegtes Abstraktum mehr ist, zweifelt man am Sinn des Krieges.

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter in Tel Aviv, dessen Auslöseknopf defekt ist, bestellt ausgerechnet bei einem jüdischen Elektrohändler Ersatz und ist zwei Tage lang mit einer jungen Jüdin zusammen, die trotz einer aktuellen Terrorwarnung und seines mitunter seltsamen Verhaltens nicht merkt, dass er die ganze Zeit über eine Sprengstoffweste trägt. Realistisch ist das nicht.

Dramaturgisch folgen Dror Zahavi, Ido Dror und Jonatan Dror in „Alles für meinen Vater“ bewährten Mustern. Stilistisch fallen die ockerfarbenen, leicht überbelichteten Bilder auf.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

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