Morgen musst du sterben

Morgen musst du sterben

Morgen musst du sterben

Originaltitel: Morgen musst du sterben – Regie: Nikolaus Stein von Kamienski alias Niki Stein – Drehbuch: Niki Stein – Kamera: Arthur A. Ahrweiler – Schnitt: Silke Franken – Musik: Jacki Engelken, Ulrik Spies – Darsteller: Uwe Kockisch, Susanne Lothar, Matthias Habich, Gisela Schneeberger, Gesine Cukrowski, Franz Dinda, Eleonore Weisgerber u.a. – 2010; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der skrupellose Egomane Johannes Ganten hält die anonyme Drohung "Morgen wirst du sterben" zunächst für einen schlechten Scherz, aber als sich außergewöhnliche Ereignisse häufen, nimmt er sie schließlich doch ernst, gerät zunehmend in einen Verfolgungswahn und unterstellt nacheinander einer Nachbarin, seinem Sohn und seinem besten Freund Mordabsichten. Durch den Albtraum gerät seine Welt aus den Fugen, sein aufgeblasenes Selbstwertfühl schrumpft zusammen, und die Fassade des in allen Lebensbereichen erfolgreichen Professors zerbröckelt.
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Kritik

Der Thriller "Morgen wirst du sterben" von Niki Stein überzeugt durch einen ebenso originellen und einfallsreichen wie spannenden Plot, ausgefallene Charaktere, eine kammerspielartige Inszenierung und eine außergewöhnliche Besetzung.
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Der emeritierte Professor Johannes Ganten (Uwe Kockisch) wohnt in einem Loft in einem Apartmenthaus in Frankfurt am Main. Seine Ehefrau Francesca (Eleonore Weisgerber) trennte sich vor zehn Jahren wegen seiner zahlreichen Seitensprünge von ihm; sie lebt inzwischen mit dem gemeinsamen Sohn Ben (Franz Dinda) und einem neuen Lebensgefährten in Norditalien. Johannes kümmert sich wenig um Ben. Immerhin vermittelte er dem inzwischen Fünfundzwanzigjährigen kürzlich ein Praktikum im Architekturbüro seiner Geliebten Margit (Gesine Cukrowski).

An diesem Morgen bringt er Margit zum Bahnhof, denn sie möchte für ein paar Tage zum Skifahren nach Zermatt.

Als er dann zu Hause in den Briefkasten schaut, findet er einen Zettel mit den Worten „Morgen wirst du sterben“. Die anonyme Drohung hält Johannes für einen schlechten Scherz. Er zerknüllt den Zettel und wirft ihn weg.

Kurz darauf holt ihn sein Freund Peter (Matthias Habich) zum Squash-Spielen ab, und weil er keinen Parkplatz gefunden hat, drängt er zur Eile. Dadurch vergisst Johannes, die Wohnungsschlüssel mitzunehmen und muss nach seiner Rückkehr den Schlüsseldienst anrufen. Der kann das Sicherheitsschloss allerdings nur auffräsen und auf die Schnelle kein neues einbauen.

Für diesen Abend hat Johannes von seiner früheren Geliebten Ella von Mittwitz (Gisela Schneeberger) eine Einladung für einen exklusiven Maskenball bekommen. Weil er jemanden benötigt, der auf seine offene Wohnung aufpasst, wendet er sich an die Nachbarin Marianne (Susanne Lothar), obwohl er sie als aufdringlich und lästig empfindet. Zumal ihn der Weihnachtsbaum, den sie aus dem Fenster warf, beinahe erschlagen hätte. Marianne sträubt sich zunächst, denn sie muss auf ihren bettlägrigen Vater aufpassen. Aber dann erklärt sie sich doch bereit und nimmt ein Babyphon mit in Johannes‘ Apartment, damit sie es hört, wenn ihr Vater nach ihr ruft.

Peter, der den Tod seiner Ehefrau Iris vor drei Jahren nicht überwunden hat, fühlt sich einsam. Er bittet seinen Freund, ihn zu der von Ella von Mittwitz veranstalteten VIP-Party mitzunehmen, aber das lehnt Johannes rücksichtslos ab. Bei der Einlasskontrolle stellt sich heraus, dass die Einladungskarte ungültig ist. Johannes‘ Beteuerung, ein guter Freund der Gastgeberin zu sein, nützt nichts. Man wirft ihn hinaus. Wütend hinterlässt er auf Ellas Mailbox die Nachricht, ob sie es nötig habe, sich auf so billige Art dafür zu rächen, dass er sie verließ. Und er weist sie gehässig auf ihre Tränensäcke und Cellulite hin.

Auf der Straße überfallen ihn zwei Männer und rauben ihn aus. Mit einer Platzwunde an der Stirn meldet er sich bei der Polizei und zeigt den Raubüberfall an. Johannes befindet sich noch auf dem Polizeirevier, als die beiden Täter hereingebracht werden. Sie wollten mit der Eintrittskarte, die sie Johannes abgenommen hatten, zu der Party von Ella von Mittwitz. Am Einlass fielen sie auf und wurden festgenommen.

Als Johannes nach Hause kommt, liegt in seinem Bett unerwartet ein Betrunkener: Ben. Marianne berichtet ihm, Ben habe ihr erzählt, dass er dieselbe Frau wie sein Vater liebe. Und sie gibt ihm die Pistole, die Ben bei sich hatte. Johannes ist entsetzt: Wollte Ben sich oder ihn wegen Margit umbringen? Er schließt die Waffe vorsichtshalber in seinem Wandsafe weg.

Margit ruft an. Sie ist nicht nach Zermatt gefahren, sondern in Mannheim wieder ausgestiegen, weil Ben im Zug aufgetaucht war und ihr seine Liebe gestanden hatte. Zusammen kehrten sie nach Frankfurt zurück und schliefen miteinander. Danach wollte Ben zu seinem Vater, um es ihm zu sagen.

Auf der Treppe findet Johannes ein Handy, das als Klingelton seinen Namen ruft. Er nimmt das Gespräch an. Es ist die Zeitansage. Man will ihn offenbar darauf hinweisen, dass sein Schicksalstag bald zu Ende ist. Weil Johannes sich inzwischen aufgrund des anonymen Zettels, des Überfalls und des seltsamen Handys tatsächlich bedroht fühlt, geht er noch einmal zur Polizei. Die schriftliche Drohung kann er allerdings nicht vorweisen, weil er sie wegwarf, und die Beamten erklären ihm, dass sie aufgrund eines Handys, das ihm die Zeitansage vorspielt, nichts unternehmen können. In diesem Augenblick wird Ella von Mittwitz hereingeführt. Man erwischte sie mit Alkohol am Steuer ihres Autos. Sie musste es stehen lassen. Nach einigem Hin und Her nimmt sie Johannes im Taxi mit nach Königstein, wo sie in einer schlossartigen Villa wohnt.

Sie schlafen miteinander, aber am nächsten Morgen geraten sie in Streit, und Ella wirft Johannes hinaus. Vor dem Tor des Anwesens findet Johannes ein Kuvert mit einer Trauerkarte, derzufolge er am 29. Dezember 2010 starb. Also heute! Zu Fuß macht er sich auf den Weg zurück nach Frankfurt. An einer Notrufsäule bittet er darum, seinen Freund zu verständigen. Peter holt ihn mit seinem Cabrio ab. Weil der Fahrtwind die mysteriöse Todesanzeige fortwirbelt, kann Johannes wieder kein Beweisstück vorweisen, als er einer Polizeistreife von der Karte berichtet. Von den Beamten erfährt er allerdings, dass der Haftrichter die beiden Männer freiließ, die ihn ausgeraubt hatten. Zornig wirft Johannes im Eingangsbereich des Apartmenthauses, in dem er wohnt, das fremde Handy auf den Boden und zertrampelt es.

Peter geht mit ihm in die Wohnung. Als er hört, dass der Vater einer Nachbarin schwer krank sei, wundert er sich, denn er kennt den Namen: Es handelt sich um einen bekannten Theaterschauspieler, und der starb vor einiger Zeit. Daraufhin vermutet Johannes, dass es sich bei Marianne um eine Psychopathin handelt, die hinter der Morddrohung und den außergewöhnlichen Ereignissen der letzten Stunden steckt.

Francesca, die ebenfalls die alarmierende Todesanzeige erhalten hat, trifft mit dem Flugzeug aus Mailand ein.

Johannes holt die Pistole aus dem Tresor und schießt damit auf Marianne, als sie zu ihm in die Wohnung will. Zum Glück verfehlt er sie. Während Francesca die erschrockene Nachbarin zu beruhigen versucht, schaut Peter nach ihrem Vater – und findet in der Wohnung einen leblosen Mann vor. Johannes, der seinem Freund gefolgt ist, macht sich nun Sorgen um Francesca, die mit der gefährlichen Wahnsinnigen allein in seiner Wohnung ist. Aber Mariannes Vater ist nicht tot: Sanitäter bringen ihn ins Krankenhaus.

Während Peter auf die Wohnung seines Freundes aufpasst, gehen Johannes, Francesca, Margit und Ben zum Essen in ein Restaurant. Danach fahren Ben und Margit nach Zermatt, und Johannes bringt Francesca zum Zug nach Bozen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Als er wieder nach Hause kommt, wird er von den beiden Straßenräubern erwartet und niedergeschlagen. Im Krankenhaus erwacht er aus der Ohnmacht. Er ruft um Hilfe, aber die Pflegekräfte hören ihn nicht, weil sie im Schwesternzimmer eine Fernsehsendung verfolgen. Stattdessen schaut Marianne nach Johannes. Zufällig liegt ihr Vater im Nachbarzimmer. Sie warnt Johannes vor Peter. Der habe ihn beschattet, sei an seinem Briefkasten gewesen, und die SIM-Karte des zertrümmerten Handys, das sie zusammengekehrt habe, sei auf dessen Namen zugelassen.

Marianne wird zu ihrem Vater gerufen. Er liegt im Sterben.

Um 23 Uhr – eine Stunde vor Ablauf des Tages, an dem Johannes zu sterben fürchtet – taucht Peter bei ihm im Krankenzimmer auf. Während dieser sich auf die Suche nach einem Pfleger macht, schleicht Johannes sich davon.

Von einem Taxi lässt er sich nach Hause bringen. Weil ihm die Brieftasche geraubt wurde, hat er kein Geld bei sich. Er schlägt der Taxifahrerin vor, sie am nächsten Tag zu bezahlen, aber als sie sieht, dass er eine Pistole bei sich hat, verzichtet sie darauf und ist froh, heil davonzukommen.

In seiner Wohnung findet er einen Brief von Iris, die sich vor drei Jahren das Leben nahm, weil sie ihn liebte und er nur sexuell an der Ehefrau seines Freundes interessiert war.

Peter ist Johannes gefolgt. Er gesteht ihm, nach dem Suizid seiner Frau Zuflucht bei Francesca in Mailand gefunden zu haben. Jetzt ist er mit Marianne zum Essen verabredet, und nach kurzem Zögern nimmt er seinen Freund mit.

Johannes‘ Telefon klingelt, aber es wird nicht abgenommen.

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Der skrupellose Egomane Johannes Ganten hält die anonyme Drohung „Morgen wirst du sterben“ zunächst für einen schlechten Scherz, aber als sich außergewöhnliche Ereignisse häufen, nimmt er sie schließlich doch ernst, gerät zunehmend in einen Verfolgungswahn und unterstellt nacheinander einer Nachbarin, seinem Sohn und seinem besten Freund Mordabsichten. Durch den Albtraum gerät seine Welt aus den Fugen, sein aufgeblasenes Selbstwertfühl schrumpft zusammen, und die Fassade des in allen Lebensbereichen erfolgreichen Professors zerbröckelt.

Johannes Gantens Albtraum erinnert ein wenig an das, was Nicholas Van Orten in „The Game“ erlebt.

In dem Thriller „Morgen wirst du sterben“ ist noch kein Mord geschehen, sondern er wird erst angedroht. Es geht also nicht um die Fahndung nach einem Mörder (whodunit), sondern um die Frage, wer hinter den Morddrohungen steckt. Die Antwort überlässt Niki Stein (Regie und Drehbuch) allerdings am Ende den Schlussfolgerungen des Zuschauers. Wichtiger ist ihm offenbar, wie sich das Leben des Protagonisten durch die Bedrohung ändert. Und das zeigt er mit sehr viel Witz und schwarzem Humor.

„Morgen wirst du sterben“ überzeugt durch einen ebenso originellen und einfallsreichen wie spannenden Plot, ausgefallene Charaktere, eine kammerspielartige Inszenierung und eine außergewöhnliche Besetzung.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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Thomas Steinfeld - Der Sprachverführer
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