Marie Antoinette


Marie Antoinette wurde am 2. November 1755 in Wien als fünfzehntes Kind von Königin Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan geboren. Als Erzherzogin hieß sie Maria Antonia Josepha Johanna. Dass die Geburt einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Lissabon stattfand und mit Komplikationen verbunden war, galt als schlechtes Omen. Drei Schwestern von Maria Antonia bzw. Marie Antoinette waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Im Jahr darauf brachte Maria Theresia noch einen Sohn zur Welt.

Marie Antoinettes Geschwister:

  • Maria Elisabeth (1737 – 1740)
  • Maria Anna (1738 – 1789)
  • Maria Karolina (1740 – 1740)
  • Joseph (1741 – 1790)
  • Maria Christina (1742 – 1798)
  • Maria Elisabeth (1743 – 1808)
  • Karl Joseph (1745 – 1761)
  • Maria Amalia (1746 – 1804)
  • Leopold (1747 – 1792)
  • Maria Karolina (1748 – 1748)
  • Johanna Gabriela (1750 – 1762)
  • Maria Josepha (1751 – 1767)
  • Maria Karolina (1752 – 1814)
  • Ferdinand Karl Anton (1754 – 1806)
  • Maximilian Franz (1756 – 1801)

Maria Theresia und Staatskanzler Wenzel Anton Graf von Kaunitz (1711 – 1794) wählten Ehepartner für die Erzherzöge und Erzherzoginnen nach politischen Gesichtspunkten aus.

  • Joseph – Maria Isabella von Bourbon-Parma, Infantin von Spanien, 1760 / – Prinzessin Maria Josepha von Bayern, 1765
  • Leopold – María Ludovica von Spanien, 1765
  • Maria Christina – Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen, 1766
  • Maria Karolina – König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien, 1768
  • Maria Amalia – Herzog Ferdinand I. von Bourbon-Parma, 1769
  • Maria Antonia / Marie Antoinette – Dauphin Louis-Auguste / König Ludwig XVI. von Frankreich, 1770
  • Ferdinand Karl Anton – Herzogin Beatrix von Modena-Este, Erbin von Modena, 1771

Die Häuser Habsburg und Bourbon hatten sich zunächst feindlich gegenüber gestanden: Frankreich war mit Preußen, Schweden, Polen und dem Osmanischen Reich gegen England, Russland und Österreich verbündet. Nach der Konvention von Westminster zwischen Friedrich dem Großen und dem englischen König Georg II. (1756) erreichte Kaunitz mit Hilfe von Madame Pompadour ein französisch-österreichisches Bündnis, also ein renversement des alliances, eine Umkehrung der Allianzen. Um die Verständigung zwischen Wien und Versailles zu besiegeln, wurde in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre die Eheschließung des französischen Thronfolgers Louis-Auguste mit Erzherzogin Maria Antonia beschlossen, und Maria Theresia sorgte dafür, dass Erzieher und Privatlehrer ihre jüngste Tochter auf die neue Rolle vorbereiteten.

Am 14. April 1770 drängten sich die Wiener in den Straßen: Ein Beauftragter des französischen Königs kam mit einem Gefolge von einhundertsiebzehn Personen und achtundvierzig sechsspännigen Kutschen nach Wien. Sechstausend Gäste lud Maria Theresia zum Maskenball ins Schloss Belvedere. Eine Woche lang blieb die französische Gesandtschaft in Wien, dann – zwei Tage nach der Prokurationsehe am 19. April in der Augustinerkirche, bei der Maria Antonias älterer Bruder Ferdinand den Bräutigam vertrat – musste sich die Dreizehnjährige von ihrer Familie verabschieden und Wien verlassen.

Auf einer unbewohnten Rheininsel im Grenzgebiet bei Straßburg wurde am 7. Mai 1770 aus der Erzherzogin Maria Antonia die Dauphine Marie Antoinette. König Ludwig XV. von Frankreich empfing Marie Antoinette im Wald von Compiègne und stellte sie seinem Enkel Louis-Auguste vor. Der trat am 16. Mai 1770 mit Marie Antoinette im Schloss von Versailles vor den Altar. Danach wurde die Dauphine offiziell am französischen Hof eingeführt. Zwei Wochen dauerten die Hochzeitsfeierlichkeiten. Den Höhepunkt sollte ein Volksfest am 30. Mai auf der Place Louis Quinze (heute: Place de la Concorde) bilden. Als jedoch einige der für ein Feuerwerk vorgesehenen Sprengladungen vorzeitig in der Menge explodierten, kam es zu einer Massenpanik. 139 Menschen starben.

Anne Claudine Louise d’Arpajon, Comtesse de Noailles, die Marie Antoinette als oberste Hofdame zur Verfügung stand, wurde wegen ihrer Strenge von der Dauphine heimlich „Madame Etiquette“ genannt. Tatsächlich war die Etikette am Hof in Versailles weitaus strenger als in Wien. Maria Theresia ließ sich von Florimond Claude, Graf von Mercy-Argenteau, dem österreichische Gesandten in Versailles, über das Benehmen ihrer jüngsten Tochter auf dem Laufenden halten und schickte ihr regelmäßig briefliche Ermahnungen.

Weil Marie Antoinette von Adélaïde, Victoire und Sophie, den unverheirateten Töchtern des Königs, die Abneigung gegen Marie-Jeanne, Comtesse du Barry (1743 – 1793), übernommen hatte, ließ sie sich erst nach zwei Jahren dazu bewegen, die offizielle Mätresse Ludwigs XV. ein einziges Mal anzusprechen. „Es sind heute viele Leute in Versailles“, sagte sie, und die Gräfin du Barry, die das Wort nicht von sich aus an die Dauphine richteten durfte, bestätigte es.

Nach dem Tod Königs Ludwig XV. am 10. Mai 1774 bestieg Marie Antoinette an der Seite ihres Mannes den französischen Thron. König Ludwig XVI. schenkte ihr noch im selben Jahr das von seinem Großvater geerbte Schlösschen Petit Trianon, das dieser für Madame Pompadour hatte bauen lassen, die jedoch kurz nach Baubeginn gestorben war.

Dass Marie Antoinette noch kein Kind zur Welt gebracht hatte, wurde ihr vorgeworfen, und die Höflinge tuschelten über lesbische Neigungen der Königin. Dabei scheint eine Phimose des Königs der Grund gewesen zu sein.

Jedenfalls fühlte Marie Antoinette sich unter Druck und lenkte sich durch den Besuch von Bällen ab. Dabei war sie nicht selten in der Gesellschaft ihres Schwagers Karl X. (1757 – 1836). Ob das Gerücht über eine Affäre mit dem schwedischen Grafen Hans Axel von Fersen der Wahrheit entsprach oder nicht, wissen wir nicht. An ihrer Verschwendungssucht besteht dagegen kein Zweifel. Im Park des Schlosses von Versailles ließ Marie Antoinette ein kleines idealisiertes Dorf anlegen, den zu de la Reine, ein Refugium, in dem sie sich mit ihrer Tochter und ihren Freundinnen aufhalten konnte, ohne auf die bei Hof geltende Etikette achten zu müssen. Das sahen die vom Hameau de la Reine ausgeschlossenen Höflinge ungern.

Ihre Gegner erfanden auch Vorwürfe wie zum Beispiel, Marie Antoinette habe gesagt, die Armen sollten eben Kuchen essen, wenn sie kein Brot hätten. Hinter vorgehaltener Hand nannte man sie l’autrichienne – also: die Österreicherin –, was etwa so klang wie „l’autre chienne“ (die andere Hündin).

1777 besuchte Kaiser Joseph II. seine Schwester Marie Antoinette in Versailles und ermahnte sie, ihr Verhalten zu ändern. Außerdem redete er mit seinem Schwager über die Zeugung von Kindern. Daraufhin kam Marie Antoinette am 19. Dezember 1778 mit ihrer Tochter Marie Thérèse Charlotte nieder. Und am 22. Oktober 1781 gebar sie endlich einen Thronfolger: Louis Joseph Xavier François. Zwei weitere Kinder folgten: Louis-Charles am 27. März 1785 und Sophie-Beatrix am 9. Juli 1786. Die jüngere Tochter wurde allerdings nur elf Monate alt, und der Dauphin starb am 4. Juni 1789.

Seit sie Mutter war, führte Marie Antoinette ein zurückgezogeneres Leben. Um den Vorwurf der Verschwendungssucht zu widerlegen, ließ sie sich 1783 in einem einfachen Leinenkleid porträtieren – aber dagegen protestierten die Seidenweber, die das für geschäftsschädigend hielten.

Wegen der anhaltenden Finanznot – zu der nicht zuletzt die Beteiligung Frankreichs am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beigetragen hatte – berief König Ludwig XVI. am 5. Mai 1789 erstmals seit 1614 die Generalstände in Versailles ein. Aber statt die Monarchie bei der Konsolidierung des Staatshaushaltes zu unterstützen, konstituierte sich der Dritte Stand am 17. Juni 1789 als Nationalversammlung. Das war der Beginn der Französischen Revolution.

In der Nacht auf den 6. Oktober 1789 rottete sich der Mob („Poissarden“) vor dem Schloss in Versailles zusammen und zwang die königliche Familie, im Morgengrauen eine Kutsche zu besteigen und in die Tuilerien in Paris umzusiedeln.

Ludwig XVI. und Marie Antoinette flohen am 21. Juni 1791 mit dem Dauphin Charles Louis und dessen Schwester Marie Thérèse Charlotte aus Paris und versuchten, sich ins Ausland abzusetzen. Dabei half ihnen Graf Hans Axel von Fersen. Doch in Varennes wurde der König erkannt und am 25. Juni gezwungen, mit seinen Angehörigen in die Tuilerien zurückzukehren.

Marie Antoinette schickte ihrem Bruder Leopold, der seit 1790 Kaiser war, heimlich Nachrichten und drängte ihn zum Krieg gegen das revolutionäre Frankreich. Doch am 1. März 1792 starb Leopold II.

Die Schweizergarde konnte nicht verhindern, dass Aufständische am 10. August 1792 die Tuilerien stürmten und die königliche Familie in den Temple verschleppte, eine ehemalige Festung des Templerordens außerhalb von Paris.

König Ludwig XVI. wurde nach einem Schauprozess am 21. Januar 1793 hingerichtet.

Die „Witwe Carpet“ wurde von ihren Kindern getrennt und am 1. August in das Conciergerie-Gefängnis überstellt.

Am 14. Oktober 1793 begann der Prozess gegen Marie Antoinette. Man beschuldigte sie der Unzucht und des Hochverrats. Verteidigt wurde sie von Claude Chauveau-Lagarde und Guillaume Tronson du Coudray. Erwartungsgemäß endete auch dieses Verfahren mit einem Schuldspruch. Marie Antoinette wurde daraufhin am 16. Oktober 1793 auf dem Revolutionsplatz (heute: Place de la Concorde) enthauptet. Die Leiche verscharrte man in einem Massengrab in der Nähe der heutigen Kirche La Madeleine.

Ein Strumpfband half über zwanzig Jahre später nach der Exhumierung, Marie Antoinette zu identifizieren, sodass die Gebeine in der Basilika Saint-Denis in Paris, der traditionellen Grablege der französischen Könige, an der Seite Ludwigs XVI. beigesetzt werden konnten.

Literatur über Marie Antoinette:

  • Vincent Cronin: Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. Eine Biographie
    (Bergisch Gladbach 1977)
  • Antonia Fraser: Marie Antoinette (München 2006)
  • Joan Haslip: Marie Antoinette. Ein tragisches Leben in stürmischen Zeiten
    (München 1987)
  • Franz Herre: Marie Antoinette. Vom Königsthron zum Schafott (Stuttgart 2004)
  • Evelyne Lever: Marie Antoinette. Die Biographie (Zürich 1992)
  • Evelyne Lever: Marie Antoinettes geheimes Tagebuch (Roman, München 2005)
  • Hermann Schreiber: Marie Antoinette. Die unglückliche Königin (München 1988)
  • Lea Singer: Die österreichische Hure. 13 Unterhaltungen über Königin Marie-Antoinette und die Pornographie (München 2005)
  • Friedrich Weissensteiner: Die Töchter Maria Theresias (Wien 1994)
  • Robert Widl: Marie Antoinette und die französische Revolution (Mühlacker 2001)
  • Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters (1932)

Von Michael Kunze (Buch, Lieder) und Silvester Levay (Musik) stammt das „DramaMusical“ „Marie Antoinette“, das am 1. November 2006 unter der Regie von Tamiya Kuriyama im Imperial Theatre in Tokio uraufgeführt wurde. Die erste Aufführung in Deutschland fand am 30. Januar 2009 in Bremen statt.

© Dieter Wunderlich 2009

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