Ridicule

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Ridicule

Ridicule. Von der Lächerlichkeit des Scheins - Originaltitel: Ridicule - Regie: Patrice Leconte - Drehbuch: Remi Waterhouse, Michel Fessler und Eric Vicaut (deutsche Fassung von Katharina und Hans Magnus Enzensberger) - Kamera: Thierry Arbogast - Schnitt: Joelle Hache - Musik: Antoine Duhamel - Darsteller: Charles Berling, Fanny Ardant, Jean Rochefort, Judith Godrèche, Bernard Giraudeau u.a. - 1996; 102 Minuten

Inhaltsangabe

Frankreich, etwa zehn Jahre vor der großen Revolution. Die Bauern des verarmten französischen Landadeligen Ponceludon de Malavoy haben wegen des sumpfigen Bodens nicht genügend zu essen und viele von ihnen werden vom Fieber hinweggerafft. Um König Ludwig XVI. von der Notwendigkeit der Trockenlegung der Ländereien zu überzeugen, reitet de Malavoy nach Versailles ...
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Kritik

"Ridicule" ist eine geistreich funkelnde Komödie über die Dekadenz des Adels vor der Französischen Revolution.

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Frankreich, etwa zehn Jahre vor der großen Revolution. Die Bauern des verarmten französischen Landadeligen Ponceludon de Malavoy (Charles Berling) haben nicht genügend zu essen und viele von ihnen werden vom Fieber hinweggerafft. Schuld daran ist der sumpfige Boden, in dem zwar Mücken, aber keine Ackerfrüchte gedeihen. Um König Ludwig XVI. von der Notwendigkeit der Trockenlegung der Ländereien zu überzeugen, reitet de Malavoy nach Versailles. Tagelang antichambriert er, doch keiner der Hofbeamten ist bereit, ein kostspieliges Projekt zu unterstützen, denn die Staatskassen sind leer. Was zählen da schon ein paar darbende und sterbende Bauern? Das wirkliche Leben interessiert die Höflinge ohnehin nicht besonders. Sie haben sich in ihrer eigenen Welt eingerichtet.

Abseits von Versailles wird Ponceludon de Malavoy überfallen und ausgeraubt. Der Marquis de Bellegarde (Jean Rochefort), ein Arzt, der in der Gegend wohnt, kümmert sich um den Verletzten, nimmt ihn bei sich auf und hilft ihm mit wertvollen Ratschlägen. So lernt de Malavoy, dass es in der Hofgesellschaft darauf ankommt, „bel esprit“ unter Beweis zu stellen, das heißt im richtigen Augenblick mit einem treffenden Bonmot zu kontern oder einen Rivalen durch eine geistreich formulierte Beleidigung zu entwaffnen. Wer dabei versagt, wird schadenfroh verlacht und rutscht in der Hackordnung nach unten. Mit Humor hat das nichts zu tun. (Ein von einem Besuch in England zurückgekehrter Höfling berichtet denn auch voller Unverständnis und Abscheu über den englischen Humor.) Mit seiner scharfen Beobachtungsgabe und seiner Schlagfertigkeit beeindruckt Ponceludon de Malavoy die einflussreiche Comtesse de Blayac (Fanny Ardant). Die Schöne, die ihre Waffen – Erotik und Intelligenz – geschickt einzusetzen versteht, hat bisher auf den scharfzüngigen, intriganten und karrieresüchtigen Abbot de Vilecourt (Bernard Giraudeau) gesetzt. Sie geht nun auch mit Ponceludon de Malavoy ins Bett und protegiert ihn. Schließlich wird er für eine Audienz beim König ausgewählt, und einige Zeit später richtet Madame de Blayac es so ein, dass Ludwig XVI. dem Bittsteller bei einem Spaziergang im Park begegnet. Inzwischen hat der Monarch von dem Anliegen des Herrn aus der Provinz gehört, und er stellt ihm eine Privataudienz in Aussicht.

Ponceludon de Malavoy findet sich zwar in der dekadenten Hofgesellschaft überraschend gut zurecht, aber sein Herz schlägt mehr für die ebenso natürliche wie wissbegierige Tochter seines Gastgebers. Mathilde de Bellegarde (Judith Godrèche) hat sich einen Taucheranzug gebastelt, um die Dinge unter der Wasseroberfläche zu erforschen. Pudern und maskenhaft schminken wie die Höflinge mag sie sich schon deshalb nicht, aber sie ist bereit, einen steinreichen alten Hofaristokraten zu heiraten, der um sie wirbt. Eine gute Partie. Wenn er in einigen Jahren gestorben ist, könnte Mathilde ihre naturwissenschaftlichen Forschungen frei von finanziellen Sorgen weiterführen. Doch unter dem Einfluss des Gasts löst Mathilde die Verlobung mit dem Greis.

Als Madame de Blayac davon erfährt, ahnt sie, dass Ponceludon de Malavoy Mathilde liebt.

Weil sie das als Affront empfindet, heckt sie einen Plan aus, mit dem sie ihren bisherigen Günstling zu Fall bringen will. Sie lädt ihn zu einem festlichen Abendessen ein, nimmt ihm gegenüber Platz und weist darauf hin, dass 13 Personen am Tisch sitzen. Da die 13 eine Unglückszahl sei, müsse jemand die Tafel verlassen. Rasch einigen sich alle darauf, dass die Auswahl aufgrund einer Runde von Bonmots getroffen werden soll. Während die Gäste wieder einmal ihren Esprit unter Beweis stellen, streckt Madame de Blayac ihr Bein aus und streichelt Ponceludon de Malavoy mit den Zehen zwischen den Oberschenkeln. Damit verwirrt sie ihn so, dass er sich blamiert, als die Reihe an ihm ist. Er steht auf und verlässt unter dem Gelächter der anderen den Raum.

Abbot de Vilecourt kommt übrigens gleich darauf durch seinen eigenen Hochmut zu Fall. Als der König ihn nach einem seiner Vorträge lobt, er habe Gottes Existenz vortrefflich bewiesen, glaubt der Abt, noch etwas daraufsetzen zu müssen und erwidert arrogant, ebenso überzeugend könne er das Gegenteil beweisen. Damit hat er überzogen. Mit dem König an der Spitze gehen die Zuhörer aus dem Saal und lassen den gescheiterten Karrieristen allein zurück.

Bei Hof kann Ponceludon de Malavoy nichts mehr erreichen. Seine Privataudienz beim König wird abgesagt. Er heiratet Mathilde, die ihm und den Bauern hilft, mit eigener Hände Arbeit die Sümpfe trocken zu legen.

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Die schwierige Übertragung der Dialoge und Bonmots ins Deutsche ist Katharina und Hans Magnus Enzensberger gut gelungen. „Ridicule“ kann es zwar nicht mit der satirischen Schärfe und der maliziösen Intelligenz aufnehmen, mit der Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos in seinem Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ die Dekadenz des Adels vor der Französischen Revolution anprangert, aber es handelt sich immerhin um eine geistreich funkelnde Komödie von Patrice Leconte über das gleiche Thema.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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