Das Parfum von Yvonne

Das Parfum von Yvonne

Das Parfum von Yvonne

Das Parfum von Yvonne - Originaltitel: Le parfum d'Yvonne - Regie: Patrice Leconte - Drehbuch: Patrice Leconte, nach dem Roman "Villa triste" von Patrick Modiano - Kamera: Eduardo Serra - Schnitt: Joelle Hache - Musik: Pascal Esteve - Darsteller: Sandra Majani, Hippolyte Girardot, Jean-Pierre Marielle, Richard Bohringer, Paul Guers u.a. - 1994; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Ein junger Franzose erinnert sich an den Sommer 1958: Weil er nicht für den Algerienkrieg eingezogen werden wollte, nahm er sich ein Zimmer in einer Pension am Genfer See. Eines Tages legte sich in einer Hotelhalle die Dogge einer attraktiven jungen Frau vor seine Füße ...
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Kritik

Patrice Leconte erzählt die Geschichte einer Sommeraffäre – flüchtig wie "das Parfum von Yvonne". Der stille, poetische Film fasziniert durch seine erotische, melancholische Atmosphäre.
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„Wenn ich früher gefragt wurde, was ich tue“, sagt Victor (Hippolyte Girardot), „dann antwortete ich: ‚Ich lasse das Alter auf mich zukommen – so angenehm wie möglich.'“ Der junge Franzose lebt von der Schmetterlingssammlung, die er von seinem Vater geerbt hat: Immer wenn er Geld benötigt, verkauft er eines der Exemplare. Einige der Tiere lebten nur einen Tag, aber der Erlös reicht einen Monat lang für seinen Lebensunterhalt.

Victor erinnert sich an den Sommer 1958. Sein Gesicht reflektiert den flackernden Schein eines Feuers.

Weil er nicht für den Algerienkrieg eingezogen werden wollte, nahm er sich im Sommer 1958 ein Zimmer in einer Familienpension am Genfer See und gab sich als russischer Graf von Chmara aus. Tagsüber saß er meistens still in der Halle des luxuriösen Hotels „Ermitage“ und beobachtete die Leute. Eines Tages legte sich dort die Dogge einer attraktiven jungen Frau (Sandra Majani) vor seine Füße. Yvonne – so hieß sie –, lud ihn ein, sie und den Hund auf einem Spaziergang zu begleiten. Auf dem Weg tauchte ein exzentrischer Bekannter Yvonnes auf, der ihr Vater hätte sein können: René Meinthe (Jean-Pierre Marielle) – Dr. Meinthe, wie er bei der Vorstellung betonte – ein homosexueller Arzt, der jedoch nur noch aus Gefälligkeit hin und wieder praktizierte. Er trug mit Vorliebe weiße Anzüge, fuhr halsbrecherisch in einem Oldtimer und provozierte andere mit der lautstarken Behauptung, die Königin der Belgier zu sein.

René Meinthe kümmerte sich liebevoll um Yvonne. Er lud sie und ihren neuen Freund zum Essen ein und ging abends mit ihnen aus. Yvonne wolle Schauspielerin werden, verriet er Victor.

Als René Meinthe einmal tagsüber in Genf zu tun hatte, schlug sie Victor vor, mit einem Dampfer zur anderen Seite des Genfer Sees hinüberfahren. An Deck, wo der Wind in den leichten Rock ihres weißen Sommerkleides blies, zog sie ihr Höschen aus und schenkte es Victor zur Erinnerung. Aber er warf den Slip ins Wasser und erklärte: „Das werfe ich ins Wasser, und dich behalte ich als Andenken.“

Victor drängte Yvonne, mit ihm in die USA zu reisen und dort zu heiraten. Aber sie zögerte und vermied eine Entscheidung. Zu Besuch bei einem Onkel (Richard Bohringer) – dem Bruder ihres verstorbenen Vaters – zeigte Yvonne ihrem Geliebten, wo sie aufgewachsen war und schlief mit ihm in ihrem früheren Kinderzimmer. Danach verschwand sie plötzlich, und es hieß, sie sei mit Daniel Hendricks (Paul Guers) abgereist, den sie bei einem Oldtimer-Wettbewerb kennen gelernt hatte.

Im Winter kehrt Victor an den Genfer See zurück. Er kommt gerade rechtzeitig in eine Bar, um René Meinthe vor einem Franzosen zu retten, der es auf eine Prügelei abgesehen hat.

Seit Yvonne fort ist, fühlt sich Meinthe einsam und er verbringt seine Zeit damit, in Bars „möglichst hellen“ Portwein zu trinken. Er erinnert Victor an seine Mahnung, Yvonne nicht aus den Augen zu lassen. Der protestiert: „Ich habe sie nie aus den Augen verloren!“ Da meint der alte Mann traurig: „Dann haben Sie vielleicht übertrieben. Wissen sie, Yvonne war unfähig, anders als von einem Tag auf den anderen zu leben. Vielleicht haben Sie das nicht verstanden.“

René Meinthe nimmt Victor im Auto mit. Unvermittelt hält er an, bittet ihn auszusteigen und sagt: „Was Sie jetzt sehen werden, haben Sie wahrscheinlich noch nie gesehen, und Sie werden es auch nicht so schnell wieder sehen!“ Er fährt ein Stück zurück, gibt Vollgas und rast über den Abhang hinaus. Das Auto explodiert. Der Schein der Flammen reflektiert in Victors Gesicht.

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Unter dem Titel „Das Parfum von Yvonne“ verfilmte Patrice Leconte den 1975 veröffentlichten Roman „Villa triste“ des Nobelpreisträgers Patrick Modiano (*1945).

Als Zuschauer glaubt man zunächst, die Geschichte spiele sich auf drei Zeitebenen ab: im Sommer 1958, im Winter danach und zum Zeitpunkt von Victors Erinnerung. Erst am Ende begreift man, dass Victor sich im Feuerschein von Meinthes brennendem Autowrack an die Sommeraffäre mit Yvonne erinnert.

Es war eine kurze Liebesgeschichte – flüchtig wie „das Parfum von Yvonne“.

Über die Biografien erfahren wir kaum etwas; Patrice Leconte bewahrt ihre Geheimnisse. Deshalb gibt es auch keine zusammenhängende Geschichte im landläufigen Sinn, sondern nur die Erinnerung an den Sommer am Genfer See.

Einige Filmsequenzen sehen aus, als habe Victor sie mit seiner Amateurkamera festhalten wollen; sonst aber zeigt uns Eduardo Serra elegante Bilder, die sehr viel zu der erotischen, melancholischen Atmosphäre des poetischen Films beitragen.

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Inhaltsangabe und Kommentar: © Dieter Wunderlich 2002

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