Die Apothekerin

Die Apothekerin

Die Apothekerin

Originaltitel: Die Apothekerin - Regie: Rainer Kaufmann - Drehbuch: Ralf Hertwig und Kathrin Richter, nach dem Roman "Die Apothekerin" von Ingrid Noll - Kamera: Klaus Eichhammer - Schnitt: Ueli Christen - Musik: Ludwig Eckmann, Maximilian Geller - Darsteller: Katja Riemann, Jürgen Vogel, Richy Müller, Isabella Parkinson, August Zirner, Dagmar Manzel, Andrea Sawatzki, Joachim Tomaschewsky, Friedrich von Thun, Eva-Ingeborg Scholz, Dominic Raacke u.a. - 1997; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Die allein stehende Apothekerin Hella Moormann träumt von einem Haus, einem Mann und einem Kind – gleich in welcher Reihenfolge. Ihre Wünsche erfüllen sich, aber sie findet sich dabei gleich zwischen drei Männern wieder: Einem leichtlebigen Zahnmedizinstudenten, seinem kriminellen Freund und einem biederen Familienvater, dessen Ehefrau in einer Nervenheilanstalt lebt. Eine Villa besitzt Hella schließlich auch, und sie bekommt ein Kind, wobei sie allerdings nicht weiß, wer der Vater ist ...
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Kritik

Die Verfilmung von Ingrid Nolls Roman "Die Apothekerin" bewegt sich zwischen Krimikomödie, Klamauk und bizarrem Melodram hin und her. Wer schwarzen Humor mag, wird sich gut amüsieren.


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Gleich zu Beginn erklärt Hella Moormann (Katja Riemann): „Ich liebe Menschen, denen es schlecht geht. Deshalb bin ich Apothekerin geworden.“

Sie war noch ein Kind (Namjana Sterzick), als ihr Vater (Heinz Albert Staubitz) beschloss, nur noch vegetarisch zu essen. Da trug die Mutter (Patricia Brönner) nachmittags für sich, Hella und deren Bruder (Joseph M’Barek) Berge von Würsten auf. Bevor der Vater nach Hause kam, wurde das Geschirr sorgfältig gespült und die Wohnung mit Zitronenduft ausgesprüht.

Trotz des nachmittäglichen Schlemmens in der Kindheit ist Hella schlank geblieben. Die Dreißigjährige arbeitet in der Schlossapotheke in Heidelberg. Mit Dorit Meissen (Dagmar Manzel), der Inhaberin der Apotheke, und deren Familie ist sie befreundet.

Hella träumt von einem Haus, einem Mann und einem Kind – gleich in welcher Reihenfolge. Aber zunächst schaut sie sich in einer Werkstatt Gebrauchtwagen an. Dabei fällt sie Levin Graber (Jürgen Vogel) auf, der gerade dabei ist, das Wrack einer Limousine zu verkaufen. Er spricht sie einfach an, stellt sich vor – „Levin, Student der Zahnmedizin“ – und beginnt von Autos zu schwärmen. Ein Volvo sei ihm persönlich zu sicher, meint er. Am Ende überredet er sie, einen Roadster zu kaufen und ihn gleich mit ihm zusammen auszuprobieren.

Hella aus dem Off: „Der Alptraum meiner erfüllten Wünsche beginnt.“

Levin Graber lotst Hella zu der herrlichen Villa seines Großvaters. (Dem gehörte, wie sich nun herausstellt, auch der Mercedes, den sein Enkel zu Schrott fuhr.) Hermann Graber (Joachim Tomaschesky) wohnt mit seiner faulen, aber jungen, hübschen und lebensfrohen Haushälterin Margot Krosmansky (Isabella Parkinson) allein auf dem Anwesen. Er alte Herr ist von Hella begeistert, aber sein leichtlebiger Enkel macht ihm Sorgen.

Bald darauf platzt Levin in die Apotheke. Der Großvater liegt nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Mit einem gebrauchten Porsche rasen er und Hella dorthin. Während der Fahrt redet Levin nur von dem Auto, das er für eine Probefahrt ausgeliehen hat. Als Student bekommt er keinen Kredit. Deshalb überredet er Hella, ihm den Wagen zu kaufen. Hermann Grabers Bett im Krankenhaus ist leer. Gerade kehrt er von einem Spaziergang auf dem Korridor zurück. Seit er seine Medikamente gewechselt hat, geht es ihm schon wieder viel besser.

Levin ist inzwischen bei Hella eingezogen. Eines Tages behauptet er nach einem Anruf, das sei gerade Margot gewesen, die Haushälterin seines Großvaters. Sie mache sich Sorgen, weil ihr Bruder aus dem Gefängnis entlassen werde und sie ihm Geld schulde, das sie nicht mehr habe. Hella glaubt kein Wort. Da rückt Levin mit der Wahrheit heraus: Vor einiger Zeit hatte man ihn und Margots Bruder Dieter Krosmansky (Richy Müller) an der türkischen Grenze mit einem Kilogramm Heroin erwischt. Weil Levin sonst von seinem Großvater enterbt worden wäre, hatte Dieter alles allein auf sich genommen und war zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Nun befürchtet Levin, Dieter werde eine finanzielle Entschädigung von ihm verlangen, zumal er ihm nicht – wie versprochen – einen guten Anwalt besorgt hatte. In seiner Verzweiflung malt Levin sich aus, wie er seinen Großvater vergiften könnte, um an Geld zu kommen. Gift gäbe es bei Hella. Sie erklärte ihm einmal, dass sich Königsberger Klopse in Kapernsoße gut eignen, um den giftigen Geschmack zu überdecken. Der Zahnstudent denkt jedoch eher daran, das tödliche Gift nachts in das künstliche Gebiss des Großvaters einzuarbeiten.

Auf der Suche nach Levin taucht Dieter (Richy Müller) bei Hella auf – gerade als Levin mit der Nachricht nach Hause kommt, dass sein Großvater beim Frühstück an Herzversagen starb. Ob er ihn umgebracht habe, überlegt Hella.

Bei der Eröffnung des Testaments stellt sich heraus, dass Hermann Graber seinen Besitz im Wert von 12,5 Millionen Hella überschrieben hat – unter der Bedingung, dass sie innerhalb eines Jahres seinen Enkel heiratet. Andernfalls bekommen die SOS-Kinderdörfer das Vermögen.

Statt eine Hochzeitsfeier zu veranstalten, tollen Hella und Levin mit Dieter und Margot nach der Eheschließung auf einem Jahrmarkt herum.

Sie wohnen nun alle zusammen in der Villa des Großvaters. Hella verliert schon bald ihre Illusionen und begreift, dass Levin und Margot ein Verhältnis haben. Nur bei Dieter findet Hella ein wenig Verständnis, und sie beginnt eine Affäre mit ihm. Als ihre Eltern Rolf und Gudrun (Friedrich von Thun, Eva Ingeborg Scholz) zu Besuch kommen, wundern sie sich erst einmal darüber, dass ihre Tochter nicht nur mit einem Mann, sondern mit zwei Männern und einer Frau zusammen lebt.

Bei einem Überfall in der Apotheke wird Hella niedergeschlagen. Es sieht nach einem Fall von Beschaffungskriminalität aus. Kurze Zeit später beobachtet sie jedoch zufällig vom Auto aus den vermeintlichen Junkie (Christian Bauss) zusammen mit Levin auf der Straße.

Schließlich fährt Levin allein nach Andalusien. In der Zwischenzeit putzen Hella und Margot das Haus. Margot steigt auf ein Fensterbrett und bittet Hella, sie festzuhalten. Aber gerade als sie das Gleichgewicht zu verlieren droht, ekelt Hella sich vor ihrem Schweißgeruch und lässt sie fallen. Bevor Margot im Krankenhaus stirbt, sagt sie ihrem Bruder, Hella habe sie aus dem Fenster gestoßen.

Kurze Zeit später behauptet Dieter, Levin habe aus Marokko angerufen. Er sei dort im Gefängnis, weil er eine Frau überfuhr. Dieter solle ihm 30 000 Dollar für die Kaution bringen. Als Dieter weg ist, durchsucht Hella sein Zimmer und findet dort die Hälfte des Geldes. Dieter hat sie also betrogen. Und als die beiden Männer zurückkehren, erzählt Levin auch noch, er habe einen Mann angefahren.

Beim Silvesteressen zu dritt eröffnet Hella ihrem Mann, dass sie schwanger ist. (Dieter hat sie es bereits gesagt.) Levin freut sich über das Kind – bis Dieter behauptet, der Vater zu sein und Hella sagt: „Ich kann nicht sagen, von wem das Kind ist, aber ihr kommt beide nicht als Vater in Frage.“ Es kommt zu einer wüsten Prügelei. Danach müssen beide Männer ins Krankenhaus.

Als die beiden aus der Klinik entlassen werden, bringt Hella sie vorübergehend in einer Dachkammer unter, stellt jedoch klar, dass sie die Villa demnächst verlassen müssen und kündigt ihre Scheidung an.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Inzwischen zieht Pawel Siebert (August Zirner) mit seinen beiden Kindern Lene (Janina Stopper) und Kolja (Sven Köller) bei Hella ein. Den sanften Langweiler hat sie in der Apotheke kennen gelernt. Seine Frau Alma (Andrea Sawatzki) lebt in einer Nervenheilanstalt, und die Mietwohnung wurde ihm gerade gekündigt. Alma darf schließlich ein Wochenende mit ihrer Familie und Hella in der Villa verbringen. Da zündet sie versehentlich mit einem Kerzenleuchter das Haus an. Die Villa geht in Flammen auf. Pawel, Alma und die Kinder flüchten ins Freie. Hella rettet zwar ihre Katze, sagt aber den Feuerwehrleuten nicht, dass Levin und Dieter noch in der Dachstube sind.

Die Villa war gut versichert. Von dem Geld kauft Hella sich ein neues Haus.

Zwei Jahre später: Hella wohnt mit Pawel, Alma, deren beiden Kindern und ihrer eigenen kleinen Tochter (Miriam Austein) in ihrem Haus. Sie erwartet inzwischen ein zweites Kind. Aus Rücksicht auf seine Frau lehnt Pawel allerdings eine Scheidung ab.

Schlussbild: Hella serviert Alma Königsberger Klopse in Kapernsoße. Alma lässt es sich schmecken.

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Rainer Kaufmanns Film „Die Apothekerin“ bewegt sich zwischen Krimikomödie, Klamauk und bizarrem Melodram hin und her. Nicht alles daran ist gelungen. (Beispielsweise fragt sich der Zuschauer, warum ein Kriminalbeamter (Dominic Raacke) auftritt, der nach einer einzigen kurzen Befragung Hellas zum Tod der Haushälterin wieder verschwindet, statt durch weitere Ermittlungen für Spannung zu sorgen.) Wer aber schwarzen Humor mag, wird sich gut amüsieren.

Die Vorlage, Ingrid Nolls Kriminalroman „Die Apothekerin“, stand übrigens 77 Wochen lang auf der Bestseller-Liste im „Spiegel“ (Ingrid Noll: Die Apothekerin. Diogenes Verlag, Zürich 1994).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2006

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