Jonas Jonasson : Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jonas Jonasson

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Originalausgabe: Hundraåringen som klevut genom fönstret och försvann Piratförlagt, Stockholm 2009 Der Hundertjährige,der aus dem Fenster stieg und verschwand Übersetzung: Wibke Kuhn carl's books, München 2011 ISBN: 978-3-570-58501-6, 425 Seiten, 14.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Eine Stunde, bevor die Feier seines 100. Geburtstages beginnt, steigt Allan Karlsson aus seinem Fenster im Seniorenheim und flieht. Weil er am Busbahnhof einen Koffer mitnimmt, in dem sich die Einnahmen aus einem Drogengeschäft befinden, sucht bald außer der Polizei eine Verbrecherbande nach ihm. Zwischendurch erfahren wir, was der Hundertjährige früher erlebte, als er die wichtigsten Staatsmänner traf, den USA und der UdSSR zur Atombombe verhalf und den Zusammenbruch des Ostblocks herbeiführte ...
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Kritik

Bei "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" handelt es sich um eine skurrile Mischung aus Schelmenstück und Gaunergeschichte, Farce, Thriller, Road Novel und Gesellschaftssatire. Mit außergewöhnlicher Fabulierlaune hat Jonas Jonasson sich beinahe für jede Seite etwas Neues ausgedacht.
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Allan Emmanuel Karlsson wird am 2. Mai 1905 in einer Kate in Yxhult in Södermanland südlich von Stockholm geboren. Als er zehn Jahre alt ist, zieht sein arbeitsloser kommunistischer Vater allein nach Petrograd, um bei der Revolution gegen den Zaren mitzumachen. In seinen Briefen teilt er mit, er habe sich mit einem Mann namens Carl Fabbe angefreundet, und einmal schickt er ein Osterei aus Emaille, das er beim Kartenspiel gewann. Allans Mutter ärgert sich darüber: Ein Hühnerei wäre ihr lieber gewesen, das hätte man essen können. Der Großhändler Gustavsson erlässt ihr dafür wenigstens ein paar Kronen ihrer Schulden. In Russland ändert Allans Vater seine politische Überzeugung und erwirbt eine Immobilie: eine 12 Quadratmeter große Fläche, auf der er Erdbeeren anbauen will und die er zur unabhängigen Republik erklärt. Als zwei Regierungssoldaten damit anfangen, den Zaun einzureißen, kämpft er mit ihnen, bis sie ihn kurzerhand erschießen.

Sein Sohn ist inzwischen 13 Jahre alt. Die Witwe stirbt zwei Jahre später an Schwindsucht. Der Vollwaise Allan, der nur drei Jahre lang zu Schule ging, gründet daraufhin die Firma Dynamit-Karlsson. Die erforderlichen Kenntnisse erwarb er als Laufbursche in einer Nitroglycerinfabrik. Im August 1925 hat der 20-Jährige gerade eine Probesprengung in einer Kiesgrube vorbereitet, als der Großhändler Gustavsson, der durch den Weiterverkauf des Fabergé-Eis reich wurde, die Kontrolle über sein Auto verliert und damit in die Kiesgrube stürzt. Die Explosion zertrümmert das Fahrzeug und zerfetzt Gustavsson. Allan Karlsson wird ins Irrenhaus in Uppsala gesperrt, wo ihn ein Schüler des Rassenbiologen Prof. Herman Bernhard Lundborg zwangsweise sterilisiert.

Im Frühsommer 1929 wird Allan Karlsson freigelassen. Weil die Kate der Eltern in der Zwischenzeit völlig verwahrlost ist, sprengt er sie und radelt fort. Diesmal sperrt ihn die Polizei nur vorübergehend ein.

In einer Gießerei in Hälleforsnäs wird er als Sprengstofftechniker eingestellt. Sein Kollege Esteban lebt nur deshalb in Schweden, weil er sich in die Tochter des spanischen Diktators Miguel Primo de Rivera y Orbaneja verliebte und daraufhin von ihrem Vater vor die Wahl zwischen einem Genickschuss und dem Exil gestellt wurde. 1930 muss Primo de Rivera zurücktreten und flieht außer Landes. Esteban kann also in die Heimat zurückkehren, und Allan reist 1936 mit ihm.

In Spanien herrscht Bürgerkrieg. Esteban, der mit den Gegnern der Putschisten sympathisiert, stellt sich kurz nach der Ankunft auf einen Felsen und schreit: „Tod dem Faschismus!“ Im nächsten Augenblick wird er von einer Granate zerfetzt.

Allan dient sich dem republikanischen Militär als Pyrotechniker an und übernimmt die Aufgabe, Brücken zu sprengen. Als er 1939 gerade die Zerstörung der letzten Brücke vorbereitet hat, taucht unerwartet eine Gruppe von Nationalisten mit einem General auf. Allan springt aus dem Gebüsch, in dem er Deckung suchte, fuchtelt mit den Armen und warnt die Gegner. Sofort werden acht Gewehre auf ihn gerichtet. Aber da kracht es auch schon an der Brücke. General Francisco Franco bedankt sich bei seinem Retter, der behauptet, aus seinem Versteck Republikaner beim Anbringen der Sprengladung beobachtet zu haben. Die beiden essen zusammen, und Franco ist seinem neuen Freund dabei behilflich, nach Lissabon weiterzureisen.

Dort geht Allan an Bord eines Schiffes, und am 1. September 1939 trifft er in New York ein. Ein hoher Beamter der Einwanderungsbehörde, dessen Bruder bei einem Großprojekt der US-Regierung in Los Alamos/New Mexico tätig ist, glaubt, der schwedische Sprengstoffexperte könne dabei nützlich sein. So kommt es, dass Allan nach New Mexico geflogen wird und als Assistent in der streng geheimen Forschungseinrichtung anfängt. Die Wissenschaftler arbeiten am Bau einer Atombombe. Schließlich finden sie heraus, wie eine entsprechende nukleare Kettenreaktion abläuft, aber sie zerbrechen sich noch den Kopf darüber, wie sich die Explosion bis zum richtigen Augenblick aufschieben lässt. Allan, der während eines Meetings Kaffee und Kekse serviert, sagt unvermittelt:

„Entschuldigen Sie, aber warum teilen Sie das Uran nicht einfach in zwei gleiche Teile?“

Der Physiker Robert Oppenheimer begreift, was Allan meint: Die Atombombe soll aus zwei unkritischen Massen hergestellt werden. Aber wie kann man die beiden Hälften mit der erforderlichen Wucht zur kritischen Masse zusammenbringen? Allan schlägt vor, es mit einer konventionellen Explosion zu versuchen.

Als Vizepräsident Harry Truman die Anlage kurz darauf besichtigt, stellt man ihm den Mann vor, der maßgeblich zur Erfindung der Atombombe beitrug, und Truman lädt Allan zum Essen ein. Dabei trinken sie Tequila, und nach drei Stunden nennen sie sich Harry und Allan. Aber dann tritt der Einsatzleiter mit bekümmerter Miene ein:

„Sir … „, begann der Einsatzleiter bekümmert.
„Ja verdammt, was willst du denn immer?“, wetterte der Vizepräsident.
„Sir, es geht um Präsident Roosevelt.“
„Was ist denn schon wieder mit dem alten Hammel?“, gackerte Truman.
„Er ist tot, Sir.“

Im Sommer 1945 lässt Präsident Truman seinen schwedischen Duzfreund nach Washington, D. C., kommen. Harry Truman wird von Chiang Kai-sheks Ehefrau Song Meiling bedrängt, die in den USA studierte, mit Eleanor Roosevelt befreundet ist und von der US-Regierung mehr Unterstützung für ihren Mann erwartet. Harry überredet Allan deshalb, Song Meiling nach China zu begleiten und dort Brücken zu sprengen. Also fliegt Allan mit der Chinesin und ihren 20 Leibwächtern nach Los Angeles. Dort schiffen sie sich nach Schanghai ein, und am 12. Oktober 1945 geht Allan dort an Bord eines Flussschiffes, das ihn in die Provinz Sichuan bringt. Eines Tages wird eine Gefangene auf das Schiff gebracht. Es handelt sich um die Schauspielerin Jiang Qing, die Mao Zedong zu seiner vierten Ehefrau machen möchte. Allan befreit sie kurzerhand mit Hilfe des Schiffsjungen Ah Ming und macht sich zu Fuß auf den Weg über den Himalaya.

Unterwegs erfährt er, dass die Kuomintang von Mao Zedong besiegt wurde und Chiang Kai-shek mit seiner Frau Song Meiling auf die Insel Formosa floh.

Im Iran wird Allan 1943 eingesperrt, weil er mit drei Kommunisten zusammen ins Land kam. Die Zelle im Untersuchungsgefängnis der Geheimpolizei teilt er sich mit dem anglikanischen Geistlichen Kevin Ferguson. Der wollte die oppositionellen Kommunisten überreden, nach der Machtübernahme im Iran das anglikanische Bekenntnis als Staatsreligion einzuführen. Seine Bemühungen scheiterten. Außerdem wurde er verhaftet, weil die Geheimpolizei von dem Treffen erfahren hatte.

1947 empfiehlt Allan sich dem Polizeichef als Sprengstoffexperte, und als dieser nach Referenzen fragt, behauptet der Häftling, er habe vor drei Jahren im Auftrag der US-Regierung das Flugzeug mit dem Nazi Glenn Miller an Bord zum Absturz gebracht. Daraufhin beauftragt der iranische Polizeichef ihn, den britischen Oppositionsführer Winston Churchill während des bevorstehenden Besuchs in Teheran zu ermorden. Weil Churchill von der Leibgarde des Schahs bewacht werden soll, rechnet der Polizeichef im Fall eines Attentats mit einer Aufwertung seiner eigenen Stellung. Allan schlägt vor, den Sprengsatz so zu bauen, dass es nach einem Anschlag chinesischer Kommunisten aussehen wird. Die Bombe will er unter dem vorderen Teil der einzigen gepanzerten Limousine des Landes anbringen. Mit einer Fernzündung werde sie vom Fahrzeugboden gelöst und explodiere dann exakt unter dem Fond des Wagens, erklärt Allan. Weil die Detonation einen Krater in die Straße reißen werde, sähe es nach einer im Boden versteckten Sprengfalle aus. Das gefällt dem Polizeichef, aber um den Häftling nicht übermütig werden zu lassen, wirft er ihm nach jeder Unterredung eine brennende Zigarettenkippe in den Kaffee.

Nachdem Allan das bestellte Material bekommen hat, macht er sich an die Arbeit. Den Sprengstoff bemisst er großzügig. Nachdem er die Bombe im Beisein des Polizeichefs am Auto befestigt hat, zieht er sich zurück, holt Kevin Ferguson und geht mit ihm zum Ausgang des Hauptquartiers der Geheimpolizei. Der Polizeichef habe sie freigelassen, lügt Allan. Um das zu überprüfen, sucht der Wachoffizier nach dem Polizeichef. Der rastet aus, als er hört, was die Häftlinge am Tor behaupten und wirft seine Zigarette in Allans Kaffeetasse. Die ist diesmal allerdings nicht mit Kaffee gefüllt, sondern mit Nitroglycerin. Die Explosion lässt die überdimensionierte Bombe unter dem Auto hochgehen. Das ganze Gebäude zerbirst.

Allan meldet sich in der schwedischen Botschaft in Teheran. Aber er muss erst telefonisch Harry Truman bitten, den schwedischen Ministerpräsidenten Tage Erlander anzurufen, bevor er einen Diplomatenpass bekommt. Nach seinem Besuch beim Schah von Persien fliegt Churchill mit dem angeblichen Militärattaché der schwedischen Botschaft zusammen nach London. Sie reden unter anderem über die Entwicklung in Indien, und der britische Oppositionsführer, der befürchtet, die Labour-Regierung werde die Planwirtschaft einführen, meint:

Man denke nur an Britisch-Indien: Hindus und Moslems konnten einfach nicht miteinander auskommen, und mittendrin hockte dieser verfluchte Mahatma Gandhi im Schneidersitz und hörte jedes Mal auf zu essen, wenn ihm irgendetwas missfiel.

Von London aus kehrt Allan nach Schweden zurück, wo er sogleich zu Erlander gebracht wird. Der Ministerpräsident bat inzwischen Dr. Sigvard Eklund, den Forschungsleiter der AB Atomenergi, den Sprengstoffexperten einzustellen, von dem man hört, er habe maßgeblich zum Bau der amerikanischen Atombombe beigetragen. Eklund kann es kaum glauben, als Allan Karlsson ihm erzählt, er habe den Wissenschaftlern in Los Alamos Kaffee serviert. Was denkt sich denn der schwedische Regierungschef?! Jedenfalls wird Allan nicht eingestellt, und Eklund gelingt es deshalb nicht, eine Atombombe zu entwickeln.

Im Winter 1947/48 wird Allan von einem Russen namens Julij Borissowitsch Popow mit nach Dalarö genommen. Dort durchbricht ein auftauchendes U-Boot vor ihnen das Eis, und sie gehen an Bord. Julij ist Physiker und hat den Auftrag, Allan Karlsson nach Russland zu bringen.

Die Russen wollten zunächst Albert Einstein entführen, um an das Geheimnis der Atombombe zu kommen. Aber bei dem Mann, den die Geheimagenten nach einem Besuch bei Einsteins Freund Michele Besso in Bern überfielen und nach Russland verschleppten, handelte es sich um Albert Einsteins zehn Jahre jüngeren einfältigen Halbbruder Herbert Einstein.

Mit Julij hat Allan endlich jemanden gefunden, der beim Trinken mithalten kann. Die beiden Männer werden Freunde, und Allan erklärt seinem Saufkumpan freimütig die letzten Geheimnisse des Atombombenbaus. In Leningrad gehen sie an Land und fahren weiter nach Moskau, wo sie von Lawrenti Pawlowitsch Berija, dem Geheimdienstchef, erwartet werden. Ein Dolmetscher ist zu Diensten, und schließlich stößt auch Stalin zu der Gruppe. Der sowjetische Partei- und Regierungschef ist von dem Besucher recht angetan – bis dieser Verner von Heidenstam rezitiert. Auf den schwedischen Nobelpreisträger, der mit den Deutschen sympathisierte, ist Stalin schlecht zu sprechen. Als Allan dann auch noch zugibt, er habe Franco und Churchill das Leben gerettet, Mao Zedong bekämpft und den Amerikanern den Bau der Atombombe ermöglicht, rastet Stalin aus. Statt in einer Gästewohnung im Kreml übernachtet Allan in einer Zelle im Keller der Geheimpolizei, und man verurteilt ihn im Januar 1948 zu 30 Jahren Besserungsarbeitslager in Wladiwostok.

Mit im Zug nach Sibirien sitzt Herbert Einstein, der ebenfalls nach Wladiwostok deportiert wird.

Nach fünf Jahren ohne vernünftigen Tropfen Schnaps hat Allan genug von dem Lager, und er überredet den lebensmüden Herbert Einstein zu einem gemeinsamen Fluchtversuch. Herbert beschafft nach Allans Anweisungen eine Leuchtrakete. Die wirft Allan am 1. März 1953 in eine Kiste auf einem Munitionszug. Dummerweise erwischt er eine Kiste mit Wolldecken. Es kommt deshalb nur zu einem Schwelbrand. Drei Häftlinge wollen den Rauch nutzen, um davonzulaufen, aber sie werden von einem aufmerksamen Wachposten mit Leuchtspurmunition erschossen. Einige der Projektile schlagen in die Kiste neben der mit den Wolldecken ein. Daraufhin explodieren 1500 Handgranaten. Eine Detonation löst die nächste noch heftigere aus – bis ganz Wladiwostok in Flammen steht. (Stalin ordnet an, die Zerstörung der Stadt geheim zu halten und sie wieder aufzubauen.)

Das Chaos nutzen Allan und Herbert zur Flucht. Unterwegs werden sie von einer Nobelkarosse überholt. Der Wagen hält ganz in ihrer Nähe. Marschall Kirill Afanassjewitsch Merezkow und sein Adjutant steigen aus und blicken auf die brennende Stadt. Sie achten nicht auf die beiden Männer in Sträflingskleidung. Allan und Herbert rauben die Waffen aus dem Fahrzeug und zwingen den Marschall und dessen Adjutanten, ihre Uniformen abzulegen. Nachdem sie diese angezogen haben, fahren sie mit der Limousine los und lassen die beiden Militärs in der Unterwäsche stehen.

Sie überqueren die nordkoreanische Grenze und wollen Kim Il-sung sprechen. Nach drei Tagen werden sie von Kim Jong-il, dem elfjährigen Sohn des Diktators, empfangen. Allan als angeblicher russischer Marschall erklärt ihm, er habe eine streng vertrauliche Botschaft Stalins an seinen Vater. Kim Jong-il ist misstrauisch und ruft erst einmal in Moskau an, um die Angabe des Besuchers zu überprüfen. Da erfährt er, dass Stalin soeben starb. Allan muss den weinenden Knaben in den Arm nehmen und trösten.

Endlich werden er und Herbert zu Kim Il-sung gebracht, aber als Allan sich als Kirill Afanassjewitsch Merezkow vorstellt, bezichtigt ihn der Diktator der Lüge, und der echte Marschall kommt zur Tür herein. Er war vor den geflüchteten Häftlingen bei Kim Il-sung eingetroffen. Die beiden Betrüger müssen mit ihrer Hinrichtung rechnen. Zufällig ist aber auch Mao Zedong anwesend, und als dieser in Allan den Retter seiner vierten Ehefrau erkennt, schlägt die Stimmung um.

Von Mao mit Geld und Papieren ausgestattet, fliegen Allan und Herbert über Schanghai, Hongkong und Malaysia nach Bali.

Dort verliebt Herbert sich in die 32-jährige Kellnerin Ni Wayan Laksmi, die sich keine Bestellung merken kann. Ihr Vater kann es kaum glauben, dass ein Ausländer seine tumbe Tochter heiraten möchte, aber er gibt selbstverständlich sein Einverständnis. Weil Herbert den Vornamen seiner Braut nicht behält, bittet er darum, sie Amanda nennen zu dürfen. Nach der Hochzeit eröffnet er eine Fahrschule, und erst gehörige Zeit später erfährt er von Allan, dass auf Bali links gefahren wird. Amanda Einstein kauft sich den Titel Betriebswirtin, gründet die Liberaldemokratische Freiheitspartei und kandidiert für das Gouverneurs-Amt. Ihrem Mann erklärt sie:

„Dann setzen wir ein Drittel unseres Kapitals für meinen Wahlkampf ein, ein Drittel für Schmiergelder, ein Drittel für die Schmutzkampagne gegen unseren stärksten Konkurrenten, und dann haben wir immer noch ein Drittel, von dem wir leben können, wenn nichts daraus wird.“

Tatsächlich gewinnt Amanda die Wahl mit 80 Prozent der Stimmen, und der Gegenkandidat kommt gerade mal auf 22 Prozent.

Das Ehepaar kriegt zwei Söhne: Allan und Mao.

Nachdem Suharto 1967 Sukarno als indonesischer Staatspräsident in Jakarta abgelöst hat, schickt er Amanda Einstein als Botschafterin nach Paris. Allan begleitet die Familie Einstein dorthin.

Am 1. Mai 1968 tritt Amanda ihren Dienst an. Zur Akkreditierungszeremonie nimmt die neue indonesische Botschafterin Allan mit und gibt ihn als Dolmetscher aus. Im Élysée-Palast treffen sie nicht nur auf Charles de Gaulle, seinen Innenminister Christian Fouchet und dessen Mitarbeiter Claude Pennant, sondern auch auf den amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson, der gerade zu Besuch in Frankreich ist. Allan warnt Charles de Gaulle vor Claude Pennant. Den Mann habe er vor 20 Jahren in Moskau gesehen, da sei er Dolmetscher im Kreml gewesen, sagt er, es handele sich also höchstwahrscheinlich um einen russischen Spion.

Lyndon B. Johnson, der das mitbekommen hat, zieht weitere Erkundigungen über den Verdächtigen ein und trifft sich dann noch einmal mit Allan. Der Geheimdienstmitarbeiter Ryan Hutton, den er zu dem Gespräch hinzuzieht, unterrichtet Allan darüber, dass Claude Pennant auch für die CIA spioniert. Als der US-Präsident erfährt, dass Allan den Russen beim Bau einer Atombombe half und sich von Mao Zedong 15 Jahre Urlaub auf Bali bezahlen ließ, verabschiedet er sich verärgert. Ryan Hutton überredet Allan jedoch, für die CIA tätig zu werden und bringt ihm die Grundlagen des Spionagehandwerks bei.

Mit der Aufgabe, Julij Borissowitsch Popow als Agenten anzuwerben, reist Allan als amerikanischer Botschaftsangestellter getarnt nach Moskau. Julij, der inzwischen für das gesamte sowjetische Kernwaffenprogramm verantwortlich ist, lebt mit seiner Frau Larissa Alexandrowna Popowa in der geheimen, auf keiner Landkarte eingezeichneten Stadt Sarow in Nischnij Nowgorod. Nach einem Gastspiel der Wiener Oper im Bolschoi-Theater am 22. März 1969 nimmt Allan Kontakt mit dem 65-Jährigen auf. Julij will zwar nichts von einer Spionagetätigkeit für die Kapitalisten wissen, aber seine Frau hofft auf eine Chance, Sarow verlassen zu können und drängt ihren Mann deshalb, das Angebot anzunehmen.

Von da an treffen sich Allan, Julij und Larissa fünf- bis sechsmal im Jahr, und danach werden fantasievolle Berichte für die CIA und den KGB geschrieben. Weil Allan es in seinen Berichten so darstellt, als sei die UdSSR den USA unterlegen, schlägt Richard Nixon der sowjetischen Staats- und Parteiführung Abrüstungsverhandlungen vor und unterzeichnet am 26. Mai 1972 mit Leonid Breschnew das SALT-I-Abkommen. Als jedoch 1989 Ronald Reagan das Amt des US-Präsidenten übernimmt, glaubt Allan, einen anderen Weg einschlagen zu müssen: Er berichtet über russische Pläne für ein großangelegtes Antiraketensystem im Weltraum. Reagan reagiert mit der „Strategic Defense Initiative“, einem gigantischen Projekt zur Installation eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen. Bei diesem „Krieg der Sterne“ mithalten zu wollen, überstiege die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der UdSSR. Diese Einsicht führt zum Zerfall des Ostblocks. Mit seinen Berichten hat Allan das Ende des Kalten Kriegs, das Auseinanderbrechen der UdSSR und die Auflösung des Warschauer Pakts bewirkt.

Nach 13 Jahren verlieren Allan, Julij und Larissa die Lust an der Agententätigkeit. Das russische Ehepaar lässt sich von der CIA über die Tschechoslowakei und Österreich in die USA bringen. Dort stirbt Julij allerdings schon im Januar 1984, und Larissa überlebt ihn nur um drei Monate.

Allan kehrt nach Yxhult zurück und lebt dort als Einsiedler in einer Hütte. Nachdem ein ihm zugelaufener Kater von einem Fuchs getötet wurde, legt Allan am Hühnerstall eine Sprengfalle. Dabei berücksichtigt er allerdings nicht, dass er in unmittelbarer Nähe seine Dynamitvorräte gelagert hat. Als der Fuchs die Zündung auslöst, explodiert deshalb nicht nur der Hühnerstall, sondern das gesamte Gehöft. Allan wird samt seinem Lehnsessel in einen Schneehaufen katapultiert, bleibt aber unverletzt.

Der Sozialarbeiter Henrik Söder bringt den obdachlosen 99-Jährigen im Januar 2005 im Seniorenzentrum Malmköping im Sörmland unter. Aber als die Heimleiterin Alice Englund dem Neuen die Regeln erklärt, die einzuhalten sind, weiß Allan, dass es ihm dort nicht gefallen wird.

Eine Stunde vor dem Beginn der Geburtstagsfeier für den Hundertjährigen am 2. Mai 2005 klettert er aus dem Fenster im Erdgeschoss und schlurft trotz seiner schmerzenden Knie in Pantoffeln zum Reisezentrum von Malmköping. Zum Glück hat er nicht vergessen, seine Brieftasche einzustecken und verfügt über 650 Kronen. Am Schalter erkundigt er sich nach dem nächsten Bus.

„Und welches Reiseziel hatten Sie dabei im Sinn?“
Allan setzte neu an und erinnerte das Männchen daran, dass er das Reiseziel und somit auch die Streckenführung als untergeordnet betrachtete und größeren Wert auf a) Abfahrtszeit und b) Kostenpunkt legte.

Während Allan auf den Bus wartet, rüttelt ein unwirscher junger Mann an der Tür des Behinderten-WC, obwohl ein Schild besagt, dass es kaputt ist. Dann schaut er in die Toilette daneben, aber die ist so klein, dass er seinen großen Koffer nicht mit hinein nehmen kann. Er nähert sich dem einzigen Wartenden und hebt an:

„Heyhörnsemal.“

Der Hundertjährige soll auf den Koffer aufpassen, während er seine Notdurft verrichtet. Allen versucht noch, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass sein Bus gleich da sei, aber das hört der unhöfliche junge Mann in der Jeansjacke mit der Aufschrift „Never Again“ schon nicht mehr. Im nächsten Augenblick fährt der Bus vor, und ohne lange nachzudenken, zieht Allan den Koffer auf Rollen hinter sich her. Der Busfahrer Lennart Ramnér hilft ihm beim Einsteigen. Die Route führt nach Strängnäs, aber der neue Fahrgast möchte nicht mehr als 50 Kronen ausgeben. Dafür bekommt er eine Fahrkarte nach Byringe.

Als der zweifach erleichterte Flegel aus dem WC kommt und bemerkt, dass der Hundertjährige samt dem Koffer fort ist, murmelt er:

„Verdammt, was hat dieser verfluchte, beschissene Drecks… […] Du bist so gut wie tot, du alter Wichser. Ich muss dich bloß finden …“

Er fragt am Schalter, wohin der Greis gefahren sei, aber der Angestellte Ronny Hulth beruft sich auf Diskretion.

Daraufhin ging er fünf Meter nach links, zur nicht allzu stabilen Eingangstür zum Schalterbereich. Er machte sich gar nicht erst die Mühe zu überprüfen, ob sie vielleicht abgeschlossen war, sondern nahm bloß kurz Anlauf und trat mit dem rechten Stiefel die Tür ein, dass die Splitter in alle Richtungen stoben.

Kurz darauf weiß er, dass der Hundertjährige den Bus nach Strängnäs nahm. Wo er ausstieg, wird ihm der Busfahrer sagen können, wenn dieser fahrplanmäßig um 19.10 Uhr wieder hier in Malmköping hält.

Allan steigt in Byringe aus und geht zu dem ehemaligen Bahnhofsgebäude an der stillgelegten Bahnstrecke ganz in der Nähe. Dort trifft er auf Julius Jonsson. Der 70-Jährige stammt aus Strömbacka bei Hudiksvall.

Als Julius fünfundzwanzig war, starb erst seine Mutter an Krebs, und ihr Sohn trauerte sehr um sie. Wenig später ertrank der Vater im Sumpf, bei dem Versuch, eine Kuh zu retten. Auch da trauerte Julius sehr, denn er hatte wirklich an der Kuh gehangen.

Der Vollwaise zog nach Stockholm und brachte dort das Geld durch, das er für den Bauernhof der Eltern bekommen hatte.

Mit gewissem Eifer meldete er sich auf die Ausschreibung eines Großauftrags des Elektrizitätswerks Hudiksvall für fünftausend Hochspannungsmasten. Und da er sich für Details wie Arbeitgeberabgaben, Umsatzsteuer und dergleichen nicht interessierte, erhielt er den Zuschlag. Mit Hilfe von zehn ungarischen Flüchtlingen gelang es ihm außerdem, die Holzmasten fristgerecht zu liefern, und er bekam so viel Geld dafür, dass er es kaum glauben konnte.

Allerdings waren die Masten zu kurz, und als die Erntezeit kam, rissen die Bauern die Leitungen mit ihren Traktoren an 26 Stellen zugleich herunter. Die Stromversorgung brach für Wochen zusammen. Julius, der sich in der Gegend nicht mehr blicken lassen durfte, kaufte mit dem Geld, das er in einem Wirtshaus in Gripsholm gestohlen hatte, das leer stehende Bahnhofsgebäude in Byringe und richtete sich dort ein. Er lebt von Stütze, Wilderei, Schnapsbrennerei und dem Handel mit gestohlenen Sachen.

Während Julius und Allan beim Essen sitzen, zwingt der Mann mit der Aufschrift „Never Again“ an der Jeansjacke den soeben wieder in Malmköping eingetroffenen Busfahrer Lennart Ramnér, ihn dorthin zu bringen, wo der Hundertjährige ausstieg.

Allan benutzt gerade die Toilette, als er jemand laut reden hört und die Stimme des unhöflichen jungen Mannes erkennt. Er schleicht sich an, hebt ein Brett auf und schlägt den Kerl nieder. Julius zerrt den Bewusstlosen in die im Augenblick leere und deshalb auch nicht gekühlte Kühlkammer, deren Türe nicht so leicht aufgebrochen werden kann.

Als der Eingesperrte jedoch zu randalieren anfängt, schaltet Julius die Kühlung ein.

Dann bricht er mit Allan zusammen den Koffer auf. Allan hofft Schuhe und Kleidung zu finden, aber das Gepäckstück ist randvoll mit 500-Kronenscheinen gefüllt. Es sind 50 Millionen! Gewiss unrechtmäßig erworbenes Geld.

Nachdem Julius und Allan ordentlich Schnaps getrunken haben, legen sie sich schlafen. Am nächsten Morgen wollen sie überlegen, was sie mit dem Koffer, dessen Inhalt und dem Besitzer anfangen sollen.

Aber als Julius seinen Rausch ausgeschlafen hat, fällt ihm ein, dass er vergaß, das Kühlaggregat wieder auszuschalten. Er sieht gleich nach und findet seine Befürchtung bestätigt: Der Eingesperrte ist erfroren.

Vermutlich gibt es Komplizen, die das Geld zurückhaben wollen. Außerdem wird wohl die Polizei nach dem verschwundenen Hundertjährigen suchen. Julius und Allan müssen also fort. Sie schleppen die Leiche auf eine alte Fahrraddraisine und binden den Kopf des Toten an einen Besenstiel, damit er nicht nach vorne kippt. So fahren sie nach Åkers Styckebruk. Dort gelingt es ihnen, die Leiche in der Mittagspause auf ein Fabrikgelände zu bringen und in einem Container zu verstecken.

Danach wenden sie sich an den Besitzer einer nahen Imbissbude und bieten ihm 100 000 Kronen dafür, dass er sie mit seinem Mercedes Baujahr 1988 nach Süden fährt. Benny Ljungberg kommt das Angebot gerade recht, denn mit der Imbissbude lässt sich hier in der Gegend kein Geschäft machen.

Er wuchs mit seinem ein Jahr älteren Bruder Bosse in Enskede südlich von Stockholm auf. Die Sommerferien verbrachten sie bei einem Onkel in Dalarna, und als dieser starb, hinterließ er den inzwischen 19 bzw. 18 Jahre alten Neffen sein Vermögen. Allerdings, so erklärte der Notar, würden daraus nur monatliche Unterhaltszahlungen bestritten, solange noch einer der beiden Erben eine Ausbildung mache. Erst danach könne der Rest ausbezahlt werden. Zum Verdruss seines Bruders studierte Benny ein Fach nach dem anderen, bis der inzwischen hochbetagte Notar nach 30 Jahren darauf hinwies, dass das Geld aufgebraucht sei. Trotz seiner vielseitigen wissenschaftlichen Kenntnisse fand Benny dann keine Arbeit und eröffnete deshalb die Imbissbude.

Nachdem die drei von der Straße nach Växjö abgebogen sind, kommen sie zu einem abgelegenen Haus bei Rottne. Sjötorp, so heißt das Gehöft, wird von einer 43-jährigen rothaarigen und ständig fluchenden Frau namens Gunilla Björklund bewohnt. Früher war es das Sommerhäuschen ihrer Eltern. Gunilla hat nicht nur einen Schäferhund, sondern auch einen Elefanten. Sonja, so heißt die Elefantenkuh, riss aus einem Zirkus in Växjö aus, durchschwamm den Helgasee und lief ihr zu.

Weil Sonja einen entzündeten Fuß hat, meint Benny, der auch Tiermedizin studierte, sie würden Antibiotika benötigen, etwa ein Kilogramm. In der Nacht fährt Gunilla deshalb mit ihm und Allan zur Poliklinik in Rottne, wo sie bis vor einiger Zeit als Empfangsdame arbeitete. Auf dem Weg vom Wagen zum Eingang wundert sie sich über ein vorbeifahrendes Auto, denn um diese Zeit ist der Ort normalerweise wie ausgestorben. Mit einem Schlüssel, den sie nach der Kündigung nicht abgegeben hatte, sperrt sie auf. Dann fährt sie Dr. Erlandssons Computer hoch und stellt ein entsprechendes Rezept aus.

Benny und Gunilla haben sich auf den ersten Blick verliebt. Ihre Beziehung wird nur kurz getrübt, als Gunilla am Morgen nach dem Einbruch in der Zeitung ein Bild des Hundertjährigen entdeckt und erfährt, dass er von der Polizei gesucht wird. Sie stellt ihre Gäste zur Rede. Daraufhin sagen sie ihr die Wahrheit und Allan schlägt vor, den Inhalt des Koffers durch vier zu teilen.

Als die Geburtstagsfeier für Allan im Seniorenzentrum Malmköping beginnen sollte, aber der Jubilar nicht aufzufinden war, schaltete die Heimleitung die Polizei ein. Kriminalkommissar Göran Aronsson leitet die Ermittlungen. Die Spur führt nach Byringe. Zeugenaussagen zufolge stieg dort am 2. Mai zuerst der Greis aus und ein paar Stunden später ein junger Mann in einer Jeansjacke mit der Aufschrift „Never Again“. Dass es sich bei „Never Again“ um einen kriminellen Biker-Club in Stockholm handelt, ist polizeibekannt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Byringe findet der Kommissar verlassen vor. Ein Bauer meldet der Polizei, er habe drei Männer gesehen, die mit einer Draisine auf der stillgelegten Bahnstrecke nach Åkers Styckebruk unterwegs waren. Aronsson hält es für möglich, dass ein Bandenmitglied den Hundertjährigen entführte. Aber welche Rolle spielt der dritte Mann auf der Draisine? Ein Spürhund wittert Leichengeruch an der Draisine. Handelt es sich etwa nicht nur um Entführung, sondern um Mord? Unglücklicherweise verliert der Hund die von der Draisine ausgehende Spur auf dem Fabrikgelände.

Der Anführer der Stockholmer Bande heißt Per-Gunnar Gerdin. Während er nach seinem dritten Überfall auf einen Geldtransporter eine viereinhalb Jahre lange Haftstrafe verbüßte, kam er auf die Idee, „Never Again“ zu gründen und dachte dabei an die Unternehmenszweige Raub, Drogen und Erpressung. Weil jedoch statt der geplanten 30 Männer nur drei bei dem Vorhaben mitmachten, konzentrierte sich der „Chef“, wie Per-Gunnar Gerdin genannt wird, erst einmal aufs Drogengeschäft. Bei seinen Kumpanen handelt es sich um den Venezolaner José María Rodríguez alias Caracas und um die Brüder Henrik Hultén alias Humpen und Erik Bengt Bylund alias Bolzen.

Bolzen ist seit einem größeren Drogendeal verschwunden, und der Chef argwöhnt, dass er sich mit den 50 Millionen Kronen, die für die Ware bezahlt wurden, aus dem Staub gemacht hat.

Humpens kleiner Bruder wollte in der Nacht auf den 3. Mai einen Kiosk aufbrechen, um an Zigaretten zu kommen, allerdings nicht in Braås, wo er wohnt und gleich verdächtigt worden wäre, sondern in Rottne. Auf der ansonsten menschenleeren Straße wunderte er sich über drei Personen vor der Poliklinik und ließ dann wegen der Zeugen lieber die Finger von dem Kiosk. Am nächsten Morgen besorgt er sich Zigaretten an einer Tankstelle. Da erkennt er auf einem Foto in der Zeitung den alten Mann wieder, den er in der Nacht vor dem Krankenhaus sah. Der Hundertjährige wird von der Polizei gesucht, und es heißt, er sei von der Bande „Never Again“ entführt worden. Der Junge ruft seinen Bruder an. Der legt sich vor dem ICA Supermarkt in Rottne auf die Lauer.

Es dauert Tage, bis er am 8. Mai eine rothaarige Frau sieht, wie sein Bruder sie beschrieb. Er gibt dem Chef das Autokennzeichen durch, und als sie den Parkplatz verlässt, folgt er ihr in seinem neuen Ford Mustang. Nach einer Weile biegt sie von der Straße ab.

Dann ging also alles sehr schnell, und bevor Humpen wusste, wie ihm geschah, war der Weg zu Ende, und er stand auf einem Hof. Wäre er nur einen Hauch schneller gefahren, hätte er nicht mehr bremsen können, sondern wäre direkt gegen den Alten gefahren, der dort stand und einen … einen … Elefanten fütterte?

Nach kurzer Schockstarre holt Humpen seinen Revolver aus dem Handschuhfach, steigt aus, geht ein paar Schritte vom Auto weg, bis er die Frau und die drei Männer im Blickfeld hat und fordert sie auf, die Hände zu heben. Der Hundertjährige kommt trotz der Waffe auf ihn zu. Unwillkürlich macht Humpen noch einen Schritt rückwärts. Er rutscht in Elefantenscheiße aus und fällt auf den Rücken. Allan, der es genau darauf anlegte, sagt nun: „Sitz, Sonja, sitz!“

Benny und Julius verstecken die Leiche unter dem Rücksitz des Ford Mustang. Sie haben vor, das Auto in einer einsamen Gegend abzustellen und in Brand zu stecken. Weil sie dafür Benzin benötigen, fahren sie erst einmal zur Tankstelle. Dort fällt der geile Wagen Humpens Bruder auf. Der Schlüssel steckt. Während Benny und Julius bezahlen, stiehlt der Junge das Fahrzeug. Er tauscht die Schilder aus und lässt den Ford Mustang von einem Handlanger zu einem ebenfalls kriminellen Geschäftspartner in Riga bringen.

Nachdem Benny und Julius nach Sjötorp zurückgekehrt sind, verladen sie den Elefanten in einen alten Bus, den Gunilla kürzlich kaufte, um Sonja transportieren zu können. Dann steigen sie alle ein und fahren los, denn auf dem Hof fühlen sie sich nicht mehr sicher.

Der Chef wartet vergeblich auf Humpens Rückruf. Schließlich verliert er die Geduld, beschließt, selbst zu handeln und besorgt sich zu dem von Humpen durchgegebenen Kennzeichen die Adresse der Fahrzeughalterin. Gerade als er Sjötorp erreicht, kommt ihm von dort ein gelber Bus entgegen. Per-Gunnar wendet und folgt dem auffälligen Fahrzeug. Nach einer Weile geht der Sprit zur Neige. Deshalb bleibt dem Verbrecher nichts anderes übrig, als den Bus zu überholen und seinen BMW querzustellen. Dass sich in dem Bus ein Elefant befindet und der Bremsweg deshalb erheblich verlängert ist, kann er nicht ahnen. Benny steigt zwar voll in die Bremse, kann aber nicht verhindern, dass der Bus das querstehende Auto rammt und durch die Luft schleudert. Per-Gunnar wird schwer verletzt, überlebt den Aufprall jedoch und wird von den Insassen des Busses mitgenommen.

Die Gruppe ist unterwegs nach Klockaregård bei Västergötland, zehn Kilometer südwestlich von Falköping. Dort wohnt Bennys Bruder Bosse. Der sagte zwar am Telefon, er erwarte Benny mit einem Gewehr in der Hand, aber als dieser ihm 3 Millionen Kronen anbot, gab er sich versöhnlich. Bosse und Per-Gunnar fallen sich in die Arme: Sie waren früher gute Freunde und Geschäftspartner in der Lebensmittelbranche, bis Per-Gunnar, den Bosse „Piranha“ nannte, die Haltbarkeit von schwedischen Köttbullars, die sie von den Philippinen importierten, mit Formalin von drei Tagen auf drei Monate verlängern wollte.

Kurz nach Per-Gunnar kam auch Kommissar Göran Aronsson nach Sjötorp. Im Briefkasten fand er eine Mitteilung über den Fahrzeughalterwechsel eines gelben Busses. Und als er weiterfuhr, entdeckte er das Wrack eines BMW, und in der verbeulten Hintertüre klemmte ein Kennzeichenschild mit der in den Papieren angegebenen Nummer. Aronsson findet auch Blutflecke, aber der möglicherweise tote Fahrer, dessen Fahrzeug offenbar von den Gesuchten im gelben Bus gerammt wurde, ist verschwunden. Unverzüglich besorgt der Kommissar sich bei Staatsanwalt Conny Ranelid in Eskilstuna Haftbefehle gegen Allan Emmanuel Karlsson, Julius Jonsson, Benny Ljungberg und Gunilla Björklund.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Der Landpolizist Gunnar Löwenlind in Jönköping meldet, er habe den gesuchten gelben Bus gesehen. Am 26. Mai fährt Göran Aronsson in Klockaregård vor. Der Hundertjährige sitzt in einer Hollywoodschaukel, begrüßt ihn freundlich und lädt ihn erst einmal auf eine Tasse Kaffee ein.

Während Allan in der Küche hantiert, erhält der Kommissar einen Anruf von Staatsanwalt Ranelid. Der erfuhr soeben, dass ein in einer Schrottpresse in Riga beschäftigter Arbeiter namens Arnis Ikstens aus einem Altmetallwürfel, den er gerade aus einem Auto geformt hatte, einen menschlichen Arm hängen sah. Den aufgefundenen Papieren zufolge handelt es sich bei dem Toten um Henrik Mikael Hultén. Fast zur gleichen Zeit ging eine Meldung von der schwedischen Botschaft in Dschibuti ein. Dort wurde bei den Opfern eines Selbstmordattentäters eine Brieftasche mit Dokumenten gefunden, die einem Schweden namens Erik Bengt Bylund gehört hatten. (Als Leser wissen wir, dass ein ägyptischer Seemann, der sich während der Passage des Suezkanals über den Gestank aus dem Laderaum ärgerte, Bolzens Leiche fand und sie über Bord warf, nachdem er die Brieftasche an sich genommen hatte. In Dschibuti stand er neben einem Araber mit einem Sprengstoffgürtel, gerade als dieser die Zündung auslöste.)

Conny Ranelid, der sich von der Aufklärung dreier zusammenhängender Morde einen Karrieresprung erhoffte, sieht seine Felle davonschwimmen, denn die vier mit Haftbefehl Gesuchten scheinen mit den beiden Todesfällen im Ausland nichts zu tun zu haben. Der Staatsanwalt drängt den Kommissar, die dritte Leiche rasch zu finden und wenigstens diesen Mord aufzuklären. Zu seiner Verblüffung erfährt er nun, dass Göran Aronsson nicht nur Allan Emmanuel Karlsson, Julius Jonsson, Benny Ljungberg und Gunilla Björklund aufgespürt hat, sondern auch Per-Gunnar Gerdins. Der vermeintlich Tote lebt.

Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag erklärt Ranelid den Journalisten, der Hundertjährige sei ebenso wie die drei anderen per Haftbefehl gesuchten Personen unschuldig. Und um sich vor weiteren Nachfragen zu retten, kündigt er für den nächsten Tag weitere Informationen an.

Göran Aronsson lässt sich von Busse Ljungberg bewirten. Dabei hört er, wie Allan sagt, sie müssten sich eine Geschichte für den Staatsanwalt ausdenken, der angekündigt hat, am nächsten Vormittag vorbeizukommen und sie zu befragen. Das will der Kommissar lieber nicht gehört haben, und er hält sich auch fern, als die anderen die Köpfe zusammenstecken. Bei der Vernehmung sitzt er stumm neben dem Staatsanwalt, den Gunilla immer wieder ermahnt, nicht zu fluchen.

Per-Gunnar behauptet, „Never Again“ habe sich schon vor einiger Zeit das Evangelium auf die Fahnen geschrieben und sich geschworen, niemals wieder (never again) Straftaten zu begehen. Während Bolzen einen mit 200 Bibeln gefüllten Koffer von Uppsala nach Falköping bringen sollte, rief er aus Malmköping an und kündigte an, er werde sich bei der Fremdenlegion bewerben. Vorher wollte er noch die Bibeln verbrennen. Deshalb eilte Allan zum Reisezentrum, nahm ihm den Koffer weg und fuhr damit zu seinem Freund Julius. Auch für die übrigen Abläufe haben die Befragten sich etwas ausgedacht. Die Lügen enden damit, dass Per-Gunnar zu Protokoll gibt, er sei nach dem Überholen des Busses ins Schleudern geraten und habe so den Verkehrsunfall verursacht.

Bei der Pressekonferenz am Nachmittag wiederholt Conny Ranelid die Geschichte, soweit er sie verstanden hat, in Grundzügen und weist darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft die richtigen Schlüsse gezogen habe, allerdings aus falschen Grundannahmen, weil der Spürhund Kicki fälschlicherweise Leichengeruch an der Draisine signalisiert und die Polizei es versäumt habe, die Staatsanwaltschaft über die Wandlung der Gruppe „Never Again“ zu unterrichten. Dafür entschuldigt er sich im Namen der Polizei. Der Hund, der versagt hatte, sei eingeschläfert worden, sagt er. (In Wirklichkeit ist der Hundeführer Ronny Bäckman mit Kicki unterwegs zu seinem Bruder in Härjedalen, wo das Tier ein neues Zuhause finden wird.)

Als alles vorbei ist, klären die Freunde den Kommissar darüber auf, dass im Koffer nicht Bibeln sondern 50 Millionen Kronen waren. Göran schließt sich der Gruppe an, und sie bereiten sich alle zusammen darauf vor, zu Amanda Einstein nach Bali zu fliegen. Die inzwischen 84 Jahre alte Witwe wohnt in einer Suite in einem Luxushotel, das ihrem Sohn Allan gehört. (Mao, der andere Sohn, ist Ingenieur geworden.) Weil europäische Fluglinien Vorschriften beachten und es zu lange dauern würde, die Genehmigung für den Transport eines Schäferhundes und eines Elefanten zu bekommen, bucht Gunilla bei einer Gesellschaft in Palembang auf Sumatra, die eine Barzahlung in schwedischen Kronen nach der Ankunft akzeptiert. Per-Gunnar nimmt seine 80-jährige Mutter Rose-Marie mit.

Um die Landeerlaubnis auf dem internationalen Flughafen von Bali zu erhalten, nimmt Allan einem der Piloten im Cockpit den Kopfhörer ab und lässt sich mit dem Tower verbinden.

„Mein Name ist Dollar […]. Hunderttausend Dollar.“
Im Tower wurde es ganz still. Der indonesische Pilot und sein Copilot sahen Allan bewundernd an.
„Die rechnen jetzt aus, durch wie viel sie die Summe teilen müssen“, erklärte Allan.
„Ich weiß“, erwiderte der Flugkapitän.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis sich der Mann im Tower zurückmeldete.
„Hallo? Sind Sie noch da, Mister Dollar?“
„Ja, ich bin noch da“, bestätigte Allan.
„Entschuldigen Sie, aber wie war noch mal Ihr Vorname, Mister Dollar?“
„Einhunderttausend“, sagte Allan. „Ich bin Mister Einhunderttausend Dollar, und ich bitte um Landeerlaubnis auf Ihrem Flugplatz.“
„Entschuldigen Sie, Mister Dollar, ich verstehe Sie ganz schlecht. Wären Sie so freundlich, Ihren Vornamen noch einmal zu sagen?“
Allan erklärte dem Piloten, dass der Mann im Tower jetzt feilschen wollte.
„Ich weiß“, sagte der Flugkapitän.
„Mein Name ist Zweihunderttausend“, erklärte Allan. […]
Als den hohen Tieren auf dem internationalen Flughafen von Bali klar wurde, dass mehrere der Mitreisenden von Mister Dollar keinen Pass hatten und einer von ihnen knapp fünf Tonnen wog und vier Beine statt zwei hatte, kostete es noch einmal fünfzigtausend […].

Freudig begrüßen Amanda und ihre Söhne die Gäste.

Benny und Gunilla heiraten auf Bali.

Allan und Amanda folgen dem Beispiel. Zum 85. Geburtstag schenkt Allan seiner Frau einen Laptop. Obwohl sie sich immer noch keine Getränkebestellungen merken kann, beginnt sie nach kurzer Zeit ein Blog zu führen. Als der indonesische Geheimdienst aus dem Blog erfährt, dass Amandas Ehemann weiß, wie man eine Atombombe baut, tauchen zwei gut gekleidete Herren bei ihm auf und bitten ihn im Namen des Staatspräsidenten um seine Hilfe.

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Bei „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, dem Debütroman des schwedischen Journalisten Jonas Jonasson (* 1961), handelt es sich um eine skurrile Mischung aus Schelmenstück und Gaunergeschichte, Farce, Thriller, Road Novel, Jahrhundert-Panorama und Gesellschaftssatire.

Es ist die Geschichte eines Hundertjährigen von dessen Geburt im Jahr 1905 bis zur Gegenwart im Jahr 2005. Allerdings erzählt Jonas Jonasson nicht chronologisch, sondern in zwei Handlungssträngen, die am Ende zusammenlaufen. Er wechselt nämlich zwischen der im Frühjahr 2005 spielenden Gaunergeschichte und Rückblenden auf frühere Ereignisse im Leben des Hundertjährigen, der zwar nur drei Jahre lang die Schule besuchte, aber im Verlauf der Jahrzehnte durch Zufall mit Franco, Truman, Stalin, Mao Zedong, Kim Il-sung, Churchill, Erlander, de Gaulle, Lyndon B. Johnson zu tun bekam und den Lauf der Zeitgeschichte maßgeblich beeinflusste, indem er beispielsweise Amerikanern und Russen gleichermaßen zur Atombombe verhalf und später den Zusammenbruch der UdSSR herbeiführte.

Allan Karlsson ist ein Tor, ein Anarch aus Gleichgültigkeit und Ahnungslosigkeit. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ erinnert an Forrest Gump, aber auch an Simplicius Simplicissimus.

Jonas Jonasson nimmt nicht nur Staatenlenker aufs Korn, sondern macht sich zugleich über Doktrinen lustig.

Mit außergewöhnlicher Fabulierlaune und viel Humor hat Jonas Jonasson sich beinahe für jede Seite etwas Neues ausgedacht. Originelle Einfälle, Sprachwitz und Situationskomik sorgen für Lacher, auch wenn sich der eine oder andere Kalauer eingeschlichen hat. Die ersten hundert oder zweihundert Seiten des Romans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ sind ungemein lustig, aber dann geht der Reiz der Neuheit verloren und das Vergnügen lässt nach, obwohl Jonas Jonasson weiterhin ein Feuewerk von Ideen abbrennt und keinen Gag überstrapaziert.

Den Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Otto Sander (Lesefassung: Anke Albrecht, Regie: Ralf Ebel, München 2011, 450 Minuten, ISBN 978-3-86717-781-8).

2013 veröffentlichte Jonas Jonasson den Roman „Analfabeten som kunde räkna“ / „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ (Übersetzung: Wibke Kuhn, Carl’s Books, München 2013, ISBN 978-3-570-58512-2).

Felix Herngren verfilmte den Roman von Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012 / 2013
Textauszüge: © carl’s books Verlagsgruppe Random House

Felix Herngren: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte

Jerome Charyn - Unter dem Auge Gottes
Jerome Charyn skizziert statt auszu­malen und versucht nicht, Figuren psychologisch auszuleuchten. Eine solche Darstellungsweise würde man eher in einem Comic als in einem Roman erwarten. Sie ist das Beson­dere an der Saga über Isaac Sidel bzw. an "Unter dem Auge Gottes".
Unter dem Auge Gottes

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