Spieler

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Originaltitel: Spieler - Regie: Dominik Graf - Drehbuch: Christoph Fromm - Kamera: Klaus Eichhammer - Schnitt: Christel Suckow - Musik: Andreas Kobner - Darsteller: Peter Lohmeyer, Anica Dobra, Hansa Czypionka, Anthony Dawson, Joachim Kemmer, Claus-Dieter Reents u.a. - 1990; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Bei der Testaments-Eröffnung nach dem Tod einer gemeinsamen Tante sehen Jojo und seine Cousine Kathrin sich nach Jahren wieder. Kathrin erbt 20 000 Mark, Jojo die Dogge der Verstorbenen. Dabei bräuchte er dringend Geld, denn der leidenschaftliche Spieler hat überall Schulden. Kathrin bringt Jojo zwar Glück – beim Spiel und in der Liebe –, aber als ein korrupter Polizist die beiden verfolgt und dabei totgefahren wird, müssen sie nach Südfrankreich fliehen ...
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Kritik

"Spieler" ist eine gelungene Mischung aus Komödie, Melodram, Thriller und Roadmovie, ein Feuerwerk an skurrilen Einfällen und schrägen Dialogen.
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Als Annette sich in einen anderen Mann verliebt und deshalb Jojo (Peter Lohmeyer) und Tom (Hansa Czypionka) verlässt, spielt Tom den Verzweifelten und Jojo macht der gemeinsamen Geliebten vor, er müsse mit Tom verreisen, um ihm über den Trennungsschmerz hinwegzuhelfen. Auf diese Weise bringen sie Annette dazu, ihnen zum Abschied Geld zu schenken. Das verwenden sie allerdings nicht für eine Reise, sondern setzen es bei Pferdewetten bzw. Glücksspielen ein. Dass Tom etwas mehr gewinnt als Jojo verliert, feiern sie mit Kaviar, doch als der Freund, dem die Wohnung gehört, auftaucht, um sie hinauszuwerfen, stellen sie das Kaviar-Gläschen rasch der Katze hin und tun so, als müssten sie sich von Tierfutter ernähren. Aus Mitleid lässt der Freund sie ungeschoren.

Seine in einem Internat auf dem Land lebende Cousine Kathrin (Anica Dobra) hat Jojo seit Jahren nicht gesehen. Aber zur Testaments-Eröffnung nach dem Tod einer gemeinsamen Tante fährt sie mit der Bahn nach München. Kathrin erbt 20 000 D-Mark in bar, Jojo die Dogge der Verstorbenen. „Wollen wir nicht wenigstens die Küchenabfälle zusammenlegen?“, bettelt Jojo, aber Kathrin gibt sich erst einmal unnahbar. Erst als Jojo sie daran erinnert, dass er sie vor zehn Jahren bei der Beerdigung eines Onkels küsste, wird Kathrin freundlicher.

[Jojo:] „Ich glaube, ich habe mich gerade in dich verliebt.“
[Kathrin:] „Macht nichts. Das passiert mir andauernd. Jeder verliebt sich in mich.“
[Jojo:] „Aber bei mir geht’s vielleicht nicht so schnell vorbei.“
[Kathrin:] „Nur Verrückte verlieben sich in mich länger als 24 Stunden!“
[Jojo:] „Dann bin ich eben verrückt.“
[Kathrin:] „Ich mag aber keine Verrückten.“
[Jojo:] „Dann wird es das Beste sein, wir trennen uns jetzt.“
[Kathrin:] „Das glaube ich auch. Da wir keine weiteren Verwandten mehr haben, werden wir uns auch auf keiner Beerdigung mehr wiedersehen müssen.“

Jojo begleitet Kathrin zum Bahnhof. Weil er unterwegs einigen aufgebrachten Gläubigern ausweichen muss, versäumt Kathrin jedoch ihren Zug und geht mit zu Jojo in die Wohnung, die er sich mit Tom teilt. Er arbeite als Callboy, behauptet Jojo. Im Bett rührt er seine Cousine zwar nicht an, lässt sich aber bezahlen, und als Tom mit einer hysterischen Frau namens Verena auftaucht, nutzt Jojo das Durcheinander, um mit Kathrins Handtasche zu verschwinden. Sobald er im Wettbüro aus den 20 000 Mark mehr gemacht hat, will er Kathrin das Geld und die Handtasche zurückgeben.

Kathrin bemerkt den Diebstahl und bringt Tom dazu, mit ihr ein Taxi zu nehmen und die Orte abzusuchen, an denen Jojo sich aufzuhalten pflegt. Sie finden ihn in einer Zockerrunde. Kathrin verlangt die 20 000 Mark zurück, aber die hat Jojo inzwischen bereits bei Pferdewetten verloren. Mit Kathrins Hilfe gewinnt er beim Kartenspiel eine größere Summe – aber da gibt sich Strobek (Joachim Kemmer), einer der Teilnehmer, als verdeckt ermittelnder Polizist zu erkennen, erklärt den gesamten Einsatz für beschlagnahmt und beginnt, das Geld einzustecken. Es kommt zu einer Rangelei. Strobeks Dienstpistole fällt zu Boden. Kathrin kriegt sie zu fassen und läuft mit Jojo davon.

Mit vorgehaltener Pistole zwingt sie einen Herrn vor einem Bankautomaten, 400 Mark abzuheben und ihr auszuhändigen.

Am nächsten Morgen bringt Jojo seine Cousine ins Klosterinternat zurück. Bevor Kathrin hineingeht, klettert sie mit Jojo auf das Fünf-Meter-Brett des dazu gehörigen Freibads. Sie ziehen sich aus und lieben sich, aber dabei kippen sie über den Rand des Bretts und plumpsen ins Wasser. Daraufhin wird Kathrin von der Schule relegiert.

Durch Zufall entdecken Tom und Jojo Kathrin in einem Wettbüro in München. Sie hat gerade gewonnen und jubelt vor Freude. Gemeinsam spielen sie weiter – bis Strobek auftaucht und sie mit dem Gewinn fliehen müssen. Nach einem kurzen Aufenthalt bei Tom und Jojo geht Kathrin wieder ihre eigenen Wege.

Strobek ist alkoholkrank und wird wegen einiger Unregelmäßigkeiten degradiert und zur Streife versetzt. Um sich seine Dienstpistole zurückzuholen, nimmt er Tom und Jojo fest. Im Streifenwagen fahren sie zu einem Campingplatz, wo Strobek Kathrin ausfindig gemacht hat. Tom und Jojo sollen sie aus dem Wohnwagen locken. Erneut kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Kathrin verletzt Strobek durch einen Schuss, bevor sie mit Tom und Jojo über die dicht befahrene Autobahn in der Nähe des Campingplatzes davonrennt – und Strobek gerät bei der Verfolgung unter einen Lastwagen.

Weil wegen des toten Polizisten nach ihnen gefahndet wird, setzen Kathrin, Tom und Jojo sich ins Ausland ab.

An der Côte d’Azur verfällt Jojo beim Anblick zweier berühmter Zockerinnen erneut der Spielleidenschaft und nimmt heimlich das von Kathrin im Auto versteckte Geld an sich. Als Tom und Kathrin ihn finden, hat er bereits alles verspielt. Kathrin ist über Jojos Unzuverlässigkeit verzweifelt. Sie eröffnet ihm, dass sie schwanger von ihm sei, aber das Kind nun nicht mehr austragen wolle, und läuft fort. Jojo legt sich quer über eine Straße, aber bevor er von einem herannahenden Lkw überfahren wird, reißt Tom ihn hoch. Gemeinsam suchen sie die Abtreibungskliniken an der Riviera ab. In Menton finden sie Kathrin, die bereits in einem gynäkologischen Stuhl liegt. Ein paar Sekunden später hätten sie den Eingriff nicht mehr verhindern können.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mit den Gewinnen aus den Spielautomaten in der Vorhalle eines Kasinos gehen Tom, Jojo und Kathrin zu einem der Roulette-Tische – und gewinnen Unsummen. Aber beim Betreten des Kasinos hat man sie erkannt und die Polizei verständigt, die nun das Gebäude mit einem großen Aufgebot umstellt. Mit Kathrin am Steuer fliehen die Gesuchten. Tom und Jojo werden von Schüssen getroffen. Am Strand hält Kathrin an. Jojo bittet sie, seine Katze auszuführen. Sobald sie sich vom Auto entfernt hat, zündet Jojo eine Handgranate und sprengt sich, Tom und den Wagen in die Luft. Die schwangere Kathrin entkommt in einem Ruderboot.

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„Spieler“ ist eine gelungene Mischung aus Komödie, Melodram, Thriller und Roadmovie über drei Charaktere, denen ihre Freiheit und Individualität über alles geht. Ihr Vabanque-Spiel endet allerdings tragisch. Es gibt nur wenige Filme mit so einem Feuerwerk an skurrilen Einfällen und schrägen Dialogen wie „Spieler“ von Dominik Graf.

Jojo zu Kathrin: „Es gibt bestimmt tausend Frauen, die mich besser verstehen als du. Ich möchte nur wissen, wo die alle sind!“

Unnachahmlich ist vor allem Peter Lohmeyer in seiner tragikomischen Rolle. Kathrins Rolle wurde übrigens von Katharina Abt gesprochen.

„Spieler“ lief 1990 als offizieller deutscher Wettbewerbsbeitrag bei den Filmfestspielen von Venedig.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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