Sweeney Todd

Sweeney Todd

Sweeney Todd

Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street – Originaltitel: Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street – Regie: Tim Burton – Drehbuch: John Logan, nach dem Musical "Sweeney Todd" – Kamera: Dariusz Wolski – Schnitt: Chris Lebenzon – Musik: Stephen Sondheim, Hugh Wheeler, Christopher Bond – Darsteller: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall, Sacha Baron Cohen, Jamie Campbell Bower, Laura Michelle Kelly, Jayne Wisener, Ed Sanders u.a. – 2007; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Um an die hübsche Lucy Barker in London heranzukommen, lässt Richter Turpin ihren Ehemann Benjamin festnehmen und aus England verbannen. Hasserfüllt kommt der Barbier 15 Jahre später unter dem Namen Sweeney Todd zurück. Die Pasteten-bäckerin Mrs Lovett, die ihn wiedererkennt, quartiert ihn bei sich ein. Lucy ist angeblich tot, und Todds Tochter Johanna wird von Turpin wie eine Gefangene gehalten. Sweeney Todd kann an nichts anderes mehr denken, als an Rache ...
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Kritik

"Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street" – die Verfilmung eines Broadway-Musicals durch Tim Burton – ist eine böse Schauerballade, die weniger durch die Handlung als durch die Optik beeindruckt.
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Der naive, gutmütige Londoner Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp) liebt seine Ehefrau Lucy (Laura Michelle Kelly) und freut sich über die neugeborene Tochter Johanna (Gracie May, Ava May, Gabriella Freeman). Aber sein Glück ist nicht von langer Dauer, denn Richter Turpin (Alan Rickman) hat es auf die hübsche Lucy abgesehen und lässt ihn aus dem Weg schaffen: Barker wird unter falschen Anschuldigungen festgenommen und aus England verbannt.

Fünfzehn Jahre später kehrt Benjamin Barker unter dem Namen Sweeney Todd hasserfüllt nach London zurück. Als er in der Fleet Street etwas zu Essen sucht, gerät er an Mrs Lovett (Helena Bonham Carter), die dort selbst gemachte Fleischpasteten anbietet. Sie erkennt den Friseur wieder und überlässt ihm eine leer stehende Dachkammer. Sie behauptet, Lucy habe sich vergiftet [Suizid] und Richter Turpin daraufhin die verwaiste Tochter Johanna großgezogen. Er halte sein Mündel wie eine Gefangene in seinem Haus.

Sweeney Todd kann an nichts anderes mehr denken, als an Rache.

Auf einem Marktplatz bezichtigt Sweeney Todd den angeblich italienischen Barbier Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen) des Betrugs, weil er den Leuten ein den Haarwuchs förderndes, tatsächlich jedoch wirkungsloses Elixier anpreist.

Am nächsten Tag taucht Pirelli in Todds Dachkammer auf. Eigentlich heißt er David Connor und ist Engländer. Er weiß, wer Sweeney Todd in Wirklichkeit ist, denn er hatte früher einmal in Benjamin Barkers Friseursalon als Laufbursche gearbeitet. Nun will er ihn um die Hälfte seiner Einnahmen erpressen. Sweeney Todd tötet ihn kurzerhand.

Der Waisenknabe Toby (Edward Sanders), den Pirelli von der Straße aufgelesen hatte und als Handlanger beschäftigte, bekommt davon nichts mit, weil Mrs Lovett ihn mit Pasteten füttert und ihm Gin zu trinken gibt. Als er nach Pirelli fragt, behauptet Sweeney Todd, der sei ohne ihn weggegangen, und Mrs Lovett nimmt den Jungen wie einen Sohn bei sich auf.

Anthony (Jamie Campbell Bower), ein junger Seemann, der Sweeney Todd auf dem Schiff kennenlernte, verirrt sich in London und sieht zufällig Johanna (Jayne Wisener), die an einem Fenster sitzt und stickt. Er verliebt sich auf der Stelle in sie. Turpin entdeckt den Schmachtenden und lässt ihn von dem Büttel Beadle (Timothy Spall) verprügeln, aber Anthony nimmt sich vor, Johanna zu befreien. Dem Richter entgeht allerdings nicht, dass Johanna dem Fremden einen Schlüssel zuwirft und mit Anthony ihre Flucht verabredet.

Um ihren Plan zu durchkreuzen, macht Turpin seinem Mündel einen Heiratsantrag. Weil Johanna nicht darauf eingeht, rät Beadle dem Richter, sich erst einmal von dem neuen Barbier in der Fleet Street die Bartstoppeln wegrasieren zu lassen. Endlich sieht Sweeney Todd den Augenblick der Rache gekommen, doch gerade als er mit dem Rasiermesser ansetzt, um Turpin die Kehle durchzuschneiden, platzt Anthony herein – und vereitelt damit Todds Vorhaben.

Um Pirellis Leiche beseitigen zu können, baut Sweeney Todd einen entsprechend großen Fleischwolf und bringt Mrs Lovett, die fortwährend über die hohen Fleischpreise klagt, auf die Idee, die Fleischpasteten von nun an statt aus streunenden Katzen aus Menschenfleisch zu machen. In seinem Zorn schneidet Sweeney Todd einem Mann nach dem anderen die Kehle durch. Die Leichen purzeln durch eine Falltür in den Keller hinunter und werden dort durch den Fleischwolf gedreht. Mrs Lovetts Geschäft beginnt zu florieren; ihre Gaststube ist nun jeden Abend voll.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Richter Turpin überrascht Johanna beim Packen und lässt sie daraufhin in ein Irrenhaus sperren. Als angeblicher Perückenmacher, der Frauenhaar kaufen möchte, verschafft Anthony sich dort Zutritt und befreit Johanna.

Während Toby der Pastetenmacherin blind vertraut, beobachtet er den Barbier immer argwöhnischer – bis Mrs Lovett ihn in den Keller sperrt. Als Toby dort menschliche Körperteile entdeckt und begreift, woraus die Pasteten gemacht sind, versteckt er sich entsetzt in der Kanalisation.

Beadle will sich in Mrs Lovetts Haus umsehen, weil Nachbarn sich über den seit einiger Zeit aus dem Kamin quellenden Gestank beschwerten. Sweeney Todd schneidet ihm die Kehle durch.

Um Turpin noch einmal in seine Dachkammer zu locken, schreibt er ihm einen Brief.

Als er sich von einer Obdachlosen gestört fühlt, ermordet er auch sie.

Bevor er Richter Turpin die Kehle durchtrennt, gibt er sich als Benjamin Barker zu erkennen.

Beinahe hätte er auch seine Tochter Johanna getötet, die während seiner Abwesenheit von Anthony in seiner Kammer versteckt wurde. Als Sweeney Todd sie entdeckt, zückt er sein Rasiermesser, doch ein Schrei Mrs Lovetts lässt ihn innehalten und in den Keller laufen.

Dort erkennt er in der neben Turpin liegenden Toten Lucy wieder.

Mrs Lovett wusste die ganze Zeit über, dass Lucy die Vergiftung überlebt hatte und seither als Bettlerin durch die Straßen lief, aber sie belog Sweeney Todd, weil sie ihn liebt, von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm träumt und sich vorstellt, wie sie mit Toby zu dritt am Meer picknicken. Rasend vor Wut wirft Sweeney Todd sie in den lodernden Ofen.

Dann kauert er sich auf den Boden und nimmt seine tote Frau in die Arme. Der Trauernde bemerkt nicht, wie Toby aus der Kanalisation kommt, ein Rasiermesser ergreift und sich anschleicht. Mit einer raschen Bewegung schlitzt ihm der Junge die Kehle auf.

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Der britische Journalist und Schriftsteller Peter Haining (1940 – 2007) behauptete in zwei Büchern – „The Mystery and Horrible Murders of Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street“ (1979), „Sweeney Todd. The Real Story of the Demon Barber of Fleet Street“ (1993) –, dass Sweeney Todd tatsächlich gelebt und einhundertsechzig Menschen ermordet habe, im Dezember 1801 zum Tod verurteilt und am 25. Januar 1802 im Gefängnis von Newgate gehängt worden sei. Aber das wird allgemein bezweifelt. Sicher ist, dass Thomas Peckett Prest die Figur Sweeney Todd 1846 zum Helden seines Groschenromans „The String of Pearls: A Romance“ (1846) machte. 1926 drehte George Dewhurst den Stummfilm „Sweeney Todd“, und weitere Filme folgten. Sweeney Todd war auch die Hauptfigur in einem Hörspiel (1947), einem Ballett (1959) und dem Bühnenstück „Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street“ von Christopher Bond, das Stephen Sondheim zu dem gleichnamigen Musical anregte, das am 1. März 1979 am Broadway Premiere hatte und nun wiederum von Tim Burton fürs Kino adaptiert wurde.

Die Handlung von „Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ ist nicht besonders komplex, sondern es geht um eine simple Rachegeschichte. Daraus hat Tim Burton allerdings eine böse Schauerballade mit Splattereffekten gemacht, die in einem London spielt, das Charles Dickens nicht düsterer hätte beschreiben können. Die dunklen Augenringe in den kreidebleichen Gesichtern von Helena Bonham Carter und Johnny Depp erinnern an Nachtgestalten in Stummfilmklassikern. Wie in einem expressionistischen Schwarz-Weiß-Film sehen auch die Kulissen aus. Um so mehr erschreckt uns das hellrote Blut, das aus aufgeschlitzten Kehlen spritzt. Das weitgehende Fehlen anderer Farben wirkt um so finsterer, weil die Erinnerungen an glückliche Zeiten in warme Farben getaucht sind und Mrs Lovetts Zukunftstraum in klaren, hellen Farben gezeigt wird.

Ob „Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ ohne Songs ein besserer Film wäre, ist umstritten. Zu Beginn nervte mich der Gesang, aber dann zog mich die Inszenierung in ihren Bann. Die Lieder wurden übrigens für die deutsche Fassung nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen. Wir hören also die Originalstimmen von Johnny Depp, Helena Bonham Carter und den anderen Schauspielern.

Sehenswert ist „Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ vor allem wegen der Optik und der schauspielerischen Leistungen. Meisterhaft sind auch Kameraführung (Dariusz Wolski) und Schnitt (Chris Lebenzon), besonders in der Inszenierung von Mrs Lovetts Zukunftstraum.

In der Kategorie „Bestes Szenenbild“ wurde „Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch die Kostüme und Johnny Depp als Hauptdarsteller.

Helena Bonham Carter und Tim Burton sind seit den Dreharbeiten zu „Planet der Affen“ ein Paar, und Johnny Depp ist der Patenonkel ihrer drei Kinder.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Tim Burton (kurze Biografie / Filmografie)

Tim Burton: Batman
Tim Burton: Edward mit den Scherenhänden
Tim Burton: Batmans Rückkehr
Tim Burton: Sleepy Hollow
Tim Burton: Planet der Affen
Tim Burton: Big Fish
Tim Burton: Charlie und die Schokoladenfabrik
Tim Burton: Alice im Wunderland
Tim Burton: Dark Shadows
Tim Burton: Big Eyes

Reinhart von Eichborn - Der kleine Eichborn
"Der kleine Eichborn" entstand als gekürzte Taschenbuchausgabe des im Econ-Verlag erschienenen Wirtschaftswörterbuches, das in Deutschland und in den angelsächsischen Ländern als "Eichborn" geschätzt wurde.
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