Anneliese Michel


Anneliese Michel wurde am 21. September 1952 als Tochter streng katholischer Eltern geboren. Ihr Vater Josef Michel war gelernter Zimmermann und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg das Sägewerk seines Vaters in Klingenberg am Main übernommen. Ihre Mutter Anna, die Tochter eines Sägewerksbesitzers in Leiblfing, hatte 1948, während sie mit Josef Michel erst verlobt gewesen war, eine Tochter geboren, die im Alter von achtzehn Jahren starb und als uneheliches Kind statt im Familiengrab an der Friedhofsmauer beigesetzt wurde.

Anneliese Michel kam nicht in Klingenberg, dem Wohnort der Familie, zur Welt, sondern in Leiblfing, dem Heimatort der Mutter. Sie bekam drei jüngere Geschwister: Gertraud Maria (* 1954), Barbara (* 1956) und Roswitha Christine (* 1957).

1959 wurde Anneliese Michel in Klingenberg eingeschult. Fünf Jahre später wechselte sie auf das Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in Aschaffenburg über. Die ausgezeichnete Schülerin galt als intelligent, fiel durch ihre besondere Frömmigkeit auf, nahm Klavierstunden und war Mitglied im Sportverein. 1968 diagnostizierte man bei ihr Epilepsie. Zwei Jahre später verbrachte sie wegen Tuberkulose ein halbes Jahr in der Lungenheilanstalt von Mittelberg im Allgäu. Nach dem Abitur (1973)

studierte Anneliese Michel an der Pädagogischen Hochschule in Würzburg mit dem Ziel, Lehrerin zu werden.

Die katholischen Geistlichen Arnold Renz und Ernst Alt, die Anneliese Michels Zwangsvorstellungen und Verhaltensauffälligkeiten als Besessenheit deuteten, führten 1976 mit Erlaubnis des Würzburger Bischofs Josef Stangl (1907 – 1979) einen Großen Exorzismus bei der Dreiundzwanzigjährigem durch, die ab Ostern kaum noch etwas aß [Anorexie] und sich so schwere Verletzungen zufügte, dass man sie zeitweise auf dem Bett festbinden musste. Als Anneliese Michel nur noch 31 Kilogramm wog, schaltete Ernst Alt die Staatsanwaltschaft in Aschaffenburg ein. Anneliese Michel starb am 1. Juli 1976 in Klingenberg.

Am 21. April 1978 verurteilte ein Gericht in Aschaffenburg unter dem Vorsitz des Richters Elmar Bohlender sowohl die Exorzisten Arnold Renz und Ernst Alt als auch die Eltern Josef und Anna Michel zu je sechs Monaten Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. In der Urteilsbegründung hieß es, sie hätten Anneliese Michel die benötigte medizinische Hilfe vorenthalten.

Wie der Fall zu beurteilen ist, bleibt umstritten. Während die einen überzeugt sind, dass Anneliese Michel besessen und der Exorzismus deshalb die adäquate Behandlungsmethode gewesen sei, gehen andere von einer Autosuggestion aus, die sich nicht zuletzt aus der angstbesetzten und überfordernden Erziehung ergeben habe.

Das Schicksal von Anneliese Michel liegt den Spielfilmen „Der Exorzismus von Emily Rose“ von Scott Derrickson und „Requiem“ von Hans-Christian Schmid zugrunde.

Die Würzburger Historikerin Petra Ney-Hellmuth befasste sich in ihrer Dissertation mit dem Thema: „Der Fall Anneliese Michel. Kirche, Justiz, Presse“ (302 Seiten, Königshausen und Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3826052309).

© Dieter Wunderlich 2007 / 2014

Hans-Christian Schmid: Requiem
Scott Derrickson: Der Exorzismus von Emily Rose

Exorzismus
Maricica Irina Cornici

Martin Suter - Die dunkle Seite des Mondes
"Die dunkle Seite des Mondes" ist eine Mischung aus Psychothriller und Wirtschaftskrimi. Martin Suter wechselt nicht nur fortwährend zwischen den Handlungssträngen hin und her, sondern schildert an einigen Stellen auch ein- und dieselbe Szene aus verschiedenen Blickwinkeln.
Die dunkle Seite des Mondes

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