Der Exorzismus von Emily Rose

Der Exorzismus von Emily Rose

Der Exorzismus von Emily Rose

Der Exorzismus von Emily Rose – Originaltitel: The Exorcism of Emily Rose – Regie: Scott Derrickson – Drehbuch: Scott Derrickson, Paul Harris Boardman – Kamera: Tom Stern – Schnitt: Jeff Betancourt – Musik: Christopher Young – Darsteller: Laura Linney, Tom Wilkinson, Campbell Scott, Jennifer Carpenter, Colm Feore, Joshua Close, Kenneth Welsh, Duncan Fraser, J R Bourne, Mary Beth Hurt, Henry Czerny, Shohreh Aghdashloo u.a. – 2005; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Als die in einer streng katholischen Familie aufgewachsene Studentin Emily Rose glaubt, von Dämonen heimgesucht zu werden, diagnostizieren die Ärzte eine Psychose als Folge einer Epilepsie und behandeln sie mit Psychopharmaka. Nach kurzer Zeit bricht sie die medizinische Behandlung ab und überlässt sich ganz und gar Pater Moore, der von ihrer Besessenheit überzeugt ist und deshalb einen Exorzismus durchführt. Die 19-Jährige stirbt, und der Geistliche muss sich vor Gericht verantworten ...
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Kritik

Hätte Scott Derrickson auf Horrorszenen verzichtet und sich auf ein Gerichtsdrama über den Zusammenprall von zwei unvereinbaren Auffassungen beschränkt, wäre "Der Exorzismus von Emily Rose" besser geworden.
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Ein Stipendium ermöglicht es der auf dem Land in einer streng katholischen Familie aufgewachsenen Emily Rose (Jennifer Carpenter), aufs College zu gehen.

Eines Nachts rennt Emily im Nachthemd panisch vor Angst aus dem Studentenwohnheim auf die Straße, weil sie in ihrem Bett fühlte, wie sie von Dämonen heimgesucht wurde. Verzweifelt ruft sie von einer Telefonzelle aus ihre Mutter an. Weil sie das Geklapper der Bestecke und des Geschirrs in der Mensa nicht erträgt, isst sie kaum noch etwas. Und in der Bibliothek glaubt Emily an den angelaufenen Fenstern Fratzen zu sehen. Ihr Freund Jason (Joshua Close) findet sie eines Nachts verrenkt am Boden liegend vor.

Die Ärzte diagnostizieren eine Psychose als Folge einer Epilepsie und behandeln Emily mit Psychopharmaka. Sie wohnt erst einmal wieder im Elternhaus. Nach kurzer Zeit bricht Emily die medizinische Behandlung ab und überlässt sich ganz und gar dem katholischen Geistlichen der Gemeinde: Pater Moore (Tom Wilkinson). Der ist überzeugt, dass Emily von Dämonen besessen ist und führt mit der Genehmigung des zuständigen Bischofs und dem Einverständnis der Betroffenen und ihrer Eltern (Andrew Wheeler, Marilyn Norry) einen Exorzismus durch, bei dem auch ein mit ihm befreundeter Arzt anwesend ist. Es gelingt Pater Moore jedoch nicht, auch nur einen der sechs Dämonen auszutreiben, von denen er Emily besessen wähnt.

Emilys Zustand verschlimmert sich, bis die Neunzehnjährige nach einigen Wochen stirbt.

Pater Moore wird festgenommen und eingesperrt. Man wirft ihm vor, Emily Rose von der psychiatrischen Behandlung abgebracht und damit ihren Tod verschuldet zu haben. Weil die Kirche jedes Aufsehen vermeiden möchte, beauftragt sie eine Anwaltskanzlei, Moores Verteidigung zu übernehmen und auf einen außergerichtlichen Deal hinzuwirken. Die ehrgeizige Anwältin Erin Bruner (Laura Linney) übernimmt den Fall, aber Pater Moore lässt sich auf keinen Kompromiss ein: Wichtig ist ihm nur, dass er vor Gericht die Gelegenheit bekommt, öffentlichkeitswirksam zu berichten, was mit Emily Rose geschehen ist. Dafür nimmt er das Risiko in Kauf, zu einer langen Haftstrafe verurteilt zu werden.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Vor Gericht kommt es zu einem Psychoduell zwischen der Verteidigerin und dem Staatsanwalt Ethan Thomas (Campbell Scott). Thomas glaubt zwar im Gegensatz zu Erin Bruner an Gott, aber er ist überzeugt, dass Emily Rose bei einer adäquaten psychiatrischen Behandlung noch am Leben wäre und der Angeklagte ihren Tod verschuldet habe. Erin Bruner weist die Geschworenen dagegen darauf hin, dass dies nicht bewiesen sei und die Existenz von Dämonen nicht ausgeschlossen werden könne. Gegen den erklärten Willen ihres Vorgesetzten und der Kirche ruft sie Pater Moore in den Zeugenstand und lässt ihn ausführlich schildern, was seiner Meinung nach mit Emily Rose geschah.

Am Ende plädiert die Jury auf „schuldig“, empfiehlt der Richterin (Mary Beth Hurt) jedoch zugleich, den Angeklagten zu einer Haftstrafe von der Dauer der Untersuchungshaft zu verurteilen. Die Richterin folgt der Empfehlung: Pater Moore kann trotz seiner Verurteilung den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

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Der Fall der dreiundzwanzigjährigen deutschen Studentin Anneliese Michel, die am 1. Juli 1976 nach einem Exorzismus gestorben war, inspirierte Scott Derrickson zu dem Film „Der Exorzismus von Emily Rose“. Er verlegte die weitgehend fiktive Handlung allerdings in die USA.

Das Interessante an „Der Exorzismus von Emily Rose“ ist der Zusammenprall von zwei grundverschiedenen Sichtweisen: Ein irdisches Gericht, das auf logische Beweisführungen angewiesen ist, befasst sich mit einem Angeklagten, der an Dämonen glaubt, deren Existenz weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden kann.

Wenn Scott Derrickson die Frage offen gelassen hätte, könnte man seinen Film ernst nehmen. Er mischte jedoch die Genres Gerichtsdrama und Horrorfilm und suggeriert – wohl aus dramaturgischen Gründen –, dass Emily Rose tatsächlich besessen sei. In Rückblenden zeigt er, wie sie von Dämonen heimgesucht wird. Wenn beim Exorzismus ein Pferd in Panik gerät und aus dem Stall ausbricht und Schlangen von der Decke fallen, lässt sich das nicht mehr als Wahn verstehen. Dass die Anwältin Erin Bruner während des Prozesses um 3 Uhr nachts aufwacht und Rauch zu riechen glaubt, kann man als unbewusste Reaktion auf die Warnungen des Paters vor Angriffen der Dämonen erklären, aber Scott Derrickson zeigt auch, wie ihre Uhr um 3 Uhr nachts stehenbleibt.

Fans von Horrorfilmen langweilen sich vermutlich beim verbalen Schlagabtausch im Gerichtssaal, und wer gern Gerichtsdramen sieht, könnte sich von den Horrorszenen abgestoßen fühlen. Auch sonst lässt sich nicht viel Gutes über „Der Exorzismus von Emily Rose“ sagen: Die schauspielerischen Leistungen sind durchschnittlich, die Bilder fahl in den Farben und matt ausgeleuchtet … Sehenswert ist der Film nur, weil Scott Derrickson ein ernstes Thema aufgegriffen und damit einen Denkanstoß gegeben hat.

Subtiler haben sich Bernd Lange (Drehbuch) und Hans-Christian Schmid (Regie) in ihrem Film „Requiem“ mit dem Fall auseinandergesetzt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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