Manhattan Murder Mystery

Manhattan Murder Mystery

Manhattan Murder Mystery

Originaltitel: Manhattan Murder Mystery – Regie: Woody Allen – Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman – Kamera: Carlo Di Palma – Schnitt: Susan E. Morse – Darsteller: Woody Allen, Diane Keaton, Jerry Adler, Lynn Cohen, Alan Alda, Anjelica Huston, Melanie Norris, Marge Redmond, Zach Braff, Ruth Last u.a. – 1993; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Der nicht mehr ganz junge Lektor Larry Lipton hat sich mit seinem wohlgeordneten Eheleben arrangiert, aber seine Frau Carol möchte noch etwas Aufregendes erleben. Als die Nachbarin Lillian House tot aus dem Haus getragen wird, obwohl sie am Vorabend noch gesund aussah, malt Carol sich aus, Paul House habe sie ermordet. Larry will seine Ruhe, aber der gemeinsame Freund Ted hilft Carol bei ihren Nachforschungen ...
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Kritik

Der Wortwitz und die skurrilen Situationen in "Manhatten Murder Mystery" sind für Woody Allen typisch, aber in dieser turbulenten Komödie hat er sich auch an klassischen Thriller-Plots orientiert und parodiert "Das Fenster zum Hof".
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Larry und Carol Lipton (Woody Allen, Diane Keaton) wohnen in einem vornehmen Apartment-Haus in Manhattan. Der Verlagslektor und seine Ehefrau sind nicht mehr ganz jung und haben die stürmischen Zeiten hinter sich. Ihr Sohn Nick (Zach Braff) studiert auswärts. Carol begleitet Larry zum Eishockey, obwohl sie sich dabei langweilt, und er muss dafür hin und wieder wenigstens ein oder zwei Aufzüge einer Wagner-Oper mit ihr erdulden. (Mehr Wagner-Musik verkrafte er nicht, erklärt Larry, sonst überkomme ihn der Drang, Polen zu überfallen.) Während Larry ganz zufrieden mit dem geregelten Leben ist, möchte Carol gern noch etwas Aufregendes erleben. Sie beabsichtigt, ein Restaurant zu eröffnen und lässt sich bei der Suche nach einer geeigneten Location von dem mit ihr und Larry befreundeten Dramatiker Ted (Alan Alda) helfen, dessen Ehe mit Julie unlängst geschieden wurde.

Eines Abends lernen Larry und Carol zufällig im Aufzug des Apartment-Hauses ihre Nachbarn Paul und Lillian House (Jerry Adler, Lynn Cohen) kennen. Paul House zeigt Larry Lipton seine Briefmarken-Sammlung und erzählt ihm, er sei dabei, ein baufälliges Kino zu renovieren. Am nächsten Tag, als die Liptons aus dem Film „Frau ohne Gewissen“ kommen, sehen sie, wie Lillians Leiche abtransportiert wird. „Herzinfarkt“, heißt es. Dabei hatten Larry und Carol am Vorabend den Eindruck, die Frau sei rüstig und gesund.

Obwohl Paul House gar nicht wie ein gramgebeugter Witwer aussieht, bringen die Liptons ihm von Carol selbst gemachte Îles flottantes. Als sie in seiner Küche Kaffee kochen will, findet sie im Unterschrank eine mit Asche gefüllte Urne. Hat Paul House die Tote einäschern lassen? Dabei sprachen er und seine Frau doch von einem Doppelgrab, das sie sich kauften.

Carol argwöhnt, dass Lillian nicht eines natürlichen Todes starb. Hat ihr Mann sie ermordet und die Leiche einäschern lassen, um Spuren zu beseitigen?

Am nächsten Tag wartet Carol, bis der Nachbar das Haus verlassen hat. Dann stiehlt sie beim Hausmeister unbemerkt den Ersatzschlüssel für die Wohnung und dringt dort ein, um nach Hinweisen zu suchen. Die Urne ist weg, aber sie findet zwei Flugscheine nach Paris, einen für Paul House, den anderen für Helen Moss. Hat der Verdächtige eine Geliebte und deshalb seine Frau umgebracht? Weil Paul House auf der Straße merkt, dass er etwas vergessen hat, kommt er nach kurzer Zeit zurück, und Carol versteckt sich unter dem Bett.

Nachdem er wieder gegangen ist, kann sie zwar sein Apartment unbemerkt verlassen, aber einige Zeit später stellt sie fest, dass sie ihre Lesebrille dort liegen ließ. Als sie Larry erzählt, sie habe die Nachbarwohnung durchsucht, treibt sie ihn beinahe in den Wahnsinn. Er will seine Ruhe haben und sich nicht um die Angelegenheiten fremder Leute kümmern. Doch als Carol ihm gesteht, dass ihre Brille noch in der Nachbarwohnung liegt, lässt er sie nicht im Stich, sondern begleitet sie, als sie Paul House einen Teller Mousse au chocolat bringt, um nach der Brille suchen zu können. Die hat House allerdings schon gefunden. Rasch behauptet Carol, die habe sie wohl am ersten Abend hier vergessen. House wundert sich jedoch darüber, wieso sie unter dem Bett lag.

Während Larry nichts von weiteren Nachforschungen über den Nachbarn wissen möchte, zeigt Ted volles Verständnis für Carol, hört ihr zu, entwickelt mit ihr Theorien über das vermutete Verbrechen und observiert mit ihr zusammen das Haus, in dem laut Telefonbuch die junge Schauspielerin Helen Moss (Melanie Norris) wohnt. Als sie nach Stunden herauskommt und ein Taxi nimmt, folgen sie ihr und beobachten, wie sie ein baufälliges Kino betritt und sich dort mit Paul House trifft.

Die Begeisterung, die Carol und Ted miteinander teilen, macht Larry eifersüchtig. Deshalb versucht er, seinen Freund mit der Schriftstellerin Marcia Fox (Anjelica Huston) zu verkuppeln.

Kurz darauf glaubt Carol, Lillian House in einem Bus gesehen zu haben. Larry hält das für ein Hirngespinst, aber Ted hilft Carol, die Spur zu verfolgen. Sie führt zum Hotel Waldron. Weil Larry nicht will, dass Ted und Carol noch einmal stundenlang allein im Auto sitzen, erklärt er sich bereit, das Hotel zusammen mit Carol zu observieren. Tatsächlich dauert es nicht lang, bis sie Lillian House hineingehen sehen. Von einer Putzfrau (Gloria Irizarry) erfahren sie, in welchem Zimmer sie zu finden ist. Auf ihr Anklopfen und Rufen antwortet niemand. Die Tür ist unverschlossen. Sie gehen hinein – und stoßen hinter dem Bett auf Lillians Leiche. Offenbar wurde die Frau erwürgt.

Die herbeigerufene Polizei findet jedoch keine Leiche.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Irritiert sehen Carol und Larry noch einmal nach. In Zimmer 611 finden sie zwar einen von der Polizei übersehenen Ehering, aber keine Tote. Als sie nach unten fahren, bleibt der Aufzug stecken. Larry, der unter Klaustrophobie leidet, dreht beinahe durch, aber Carol behält die Nerven. Als sie die Deckenluke aufdrückt, um hinauszuklettern, stößt sie auf die verschwundene Leiche.

Nachdem es den Liptons gelungen ist, sich aus dem Aufzug zu befreien, verlassen sie das Hotel. Da sehen sie gerade noch, wie Paul House etwas Schweres in den Kofferraum seines Autos packt und wegfährt. Die Leiche! Widerstrebend lässt Larry sich von Carol überreden, ihm nachzufahren. House bringt die Leiche seiner erwürgten Frau zu einer Stahlschmelze, und dort wirft er sie in die Glut.

Bei einem gemeinsamen Essen beratschlagen Larry und Carol, Ted und Marcia, wie sie den Mörder überführen können. Sie sind sicher, dass er seine Frau umgebracht hat, wissen aber noch nicht, um wen es sich bei der anderen Toten handelte. Der Polizei würde ihnen nicht glauben, denn die beiden Leichen existieren nicht mehr. Weil Paul House das weiß, fühlt er sich sicher. Also müssen sie ihm glaubhaft vormachen, dass die Leiche in der Stahlschmelze gar nicht verbrannte, sondern von ihnen rechtzeitig beiseite geschafft wurde.

Als Teil ihres Plans veranstaltet Ted ein Vorsprechen, lädt Helen Moss dazu ein und nimmt sie auf Tonband auf. Dann lassen die vier Amateurdetektive die Aufnahme von einem Techniker so schneiden, dass sie damit House bei einem Telefonanruf vormachen können, seine Geliebte habe Lillians Leiche mit eigenen Augen gesehen. Kurz darauf ruft Larry von einer öffentlichen Telefonzelle noch einmal bei House an und verlangt 200 000 Dollar Lösegeld – aber der Mörder schöpfte Verdacht und brachte inzwischen Carol in seine Gewalt. Larry soll die Tote in das renovierungsbedürftige Kino bringen, dann werde House Carol freilassen.

In dem leer stehenden Kino lässt Paul House gerade der Film „Die Lady von Shanghai“ laufen. Als er merkt, dass Larry keine Leiche im Kofferraum hat, will er ihn erschießen. Da taucht jedoch Mrs Dalton (Marge Redmond) auf, seine gehbehinderte Assistentin. Sie liebte ihren Chef, aber nachdem sie jetzt durchschaute, dass er sich mit der jungen Schauspielerin Helen Moss ins Ausland absetzen will, erschießt sie ihn.

Larry befreit seine Frau von den Fesseln.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei der ersten Toten um Lillians reiche Schwester (Ruth Last) handelte. Nachdem sie einem Herzinfarkt erlegen war, täuschte Paul House den Tod seiner Frau vor, während diese sich im Hotel Waldron einquartierte. Erst nachdem Lillian sich als ihre Schwester ausgegeben, deren Konten leer geräumt und das Geld ihrem Mann übergeben hatte, wurde sie von ihm erwürgt, denn sie stand seiner Beziehung mit Helen Moss im Weg.

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„Manhattan Murder Mystery“ beginnt mit einem grandiosen Kameraschwenk auf einen Eishockeyspieler und weiter zu dem im Publikum sitzenden Ehepaar Lipton (Woody Allen, Diane Keaton). In dem rasanten Tempo geht es weiter; die turbulente Handlung nimmt unerwartete Wendungen und wird immer verwickelter. Dass sie unrealistisch ist, spielt keine Rolle. Eine tot geglaubte Frau taucht wieder auf und wird kurze Zeit später erwürgt vorgefunden, doch als die Polizei eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Der Wortwitz und die skurrilen Situationen in „Manhatten Murder Mystery“ sind für Woody Allen typisch, aber in dieser Komödie hat er sich auch an klassischen Thriller-Plots orientiert und parodiert „Das Fenster zum Hof“.

Bei den beiden Filmen, die in „Manhatten Murder Mystery“ erwähnt werden bzw. in Ausschnitten gezeigt werden, handelt es sich um „Frau ohne Gewissen“ von Billy Wilder und „Die Lady von Shanghai“ von Orson Welles.

Ursprünglich sollte Woody Allens damalige Lebensgefährtin Mia Farrow die weibliche Hauptrolle in „Manhattan Murder Mystery“ spielen, doch wegen seiner Affäre mit ihrer Adoptivtochter Soon-Yi Previn zerstritten sie sich und trennten sich 1992, und bei den Dreharbeiten sprang Diane Keaton ein.

Der Diogenes Verlag veröffentlichte 1994 eine deutsche Übersetzung des Drehbuchs für „Manhattan Murder Mystery“ von Jürgen Neu.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
Daniel Glattauer holt das Genre des Briefromans in die Ära der elektronischen Kommunikation. Allein mit (fiktiven) E-Mails entwickelt er eine komplette Geschichte. "Gut gegen Nordwind" ist romantisch, lebendig, tempo- und pointenreich, spannend, unterhaltsam und originell.
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