Stefan Zweig : Maria Stuart

Maria Stuart

Stefan Zweig

Maria Stuart

Maria Stuart Manuskript: 1933/34 Originalausgabe: Insel-Verlag, Leipzig 1935 Süddeutsche Zeitung / Bibliothek,Band 57, München 2007, 413 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Vor dem Hintergrund der von Reformation und Gegenreformation geprägten Geschichte des 16. Jahrhunderts erzählt Stefan Zweig die Lebensgeschichte der schottischen Königin Maria Stuart, die am 8. Februar 1587 im Alter von 44 Jahren von ihrer Widersacherin, der englischen Königin Elisabeth I., hingerichtet wurde.
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Kritik

Obwohl Stefan Zweig sachlich bleibt, schreibt er so lebendig, als sei er dabeigewesen und inszeniert eine Handlung, die so wuchtig wie eine Shakespeare-Tragödie wirkt: "Maria Stuart".
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Maria Stuart (Kurzbiografie)


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Über wenige Frauen gibt es so viel Literatur wie über die schottische Königin Maria Stuart, die eineinhalb Jahre lang an der Seite von Franz II. zugleich Königin von Frankreich war und am 8. Februar 1587 nach achtzehn Jahren Haft in England von ihrer Rivalin Elisabeth I. hingerichtet wurde.

[…] es gibt vielleicht keine Frau, die in so abweichender Form gezeichnet worden wäre, bald als Mörderin, bald als Märtyrerin, bald als törichte Intrigantin, bald als himmlische Heilige. Allein diese Verschiedenheit ihres Bildes ist merkwürdigerweise nicht verschuldet durch Mangel an überliefertem Material, sondern durch eine verwirrende Überfülle. (Seite 7)

Anka Muhlstein, die eine Doppelbiografie über Maria Stuart und Elisabeth I. geschrieben hat (Élisabeth d’Angleterre et Marie Stuart ou Les périls du mariage; deutsch: Die Gefahren der Ehe. Elisabeth von England und Maria Stuart, Insel-Verlag, Frankfurt/M 2005, 352 Seiten, ISBN: 3-458-17273-4), wirft Stefan Zweig Voreingenommenheit vor:

Der von ihr [Maria Stuart] faszinierte Schriftsteller [Stefan Zweig] entschuldigt alle Fehler seiner Heldin und wirft einen gnadenlosen Blick auf ihre Rivalin [Elisabeth I.], deren Schuld es wäre, nicht wie alle anderen Frauen zu sein.

Dieses Verdikt kann ich nicht nachvollziehen. Stefan Zweig macht zwar aus seiner Bewunderung für Maria Stuart kein Hehl, aber er kritisiert ihr Verhalten an mehreren Stellen seines Buches. Eher könnte man das Frauenbild bemängeln, das Stefan Zweig in Passagen wie den folgenden ausdrückt:

Maria Stuart ist als Frau ganz Frau, in erster und letzter Linie Frau, und gerade die wichtigsten Entschließungen ihres Lebens kamen aus dieser untersten Quelle ihres Geschlechts. (Seite 92)

Großartig ist dieser Gegensatz [zwischen Elisabeth und Maria Stuart] in Raum, Zeit und seinen Gestalten: wäre doch nur die Art nicht so erbärmlich kleinlich, in der er durchfochten wird! Denn trotz ihrem überragenden Format bleiben diese beiden Frauen immerhin Frauen, sie können die Schwäche ihres Geschlechts nicht überwinden, Feindschaften, statt aufrichtig, immer nur mesquin und hinterhältig auszutragen. (Seite 97)

Dazu passt auch die Behauptung, Elisabeth I. sei nur aufgrund missgebildeter Geschlechtsorgane eine jungfräuliche Königin gewesen (Seite 93), aber diese Unfähigkeit zum Koitus habe ihr Verhalten geprägt.

„Maria Stuart“ ist nicht ganz frei von Widersprüchen. Hier ist ein Beispiel:

Nichts ist falscher, oberflächlicher und banaler erfunden als die schon schematisch gewordene Auffassung (wie sie Schiller in seine Tragödie übernommen hat), als hätte Elisabeth wie eine tückische Katze mit einer sanften und wehrlosen Maria Stuart gespielt. Wer tiefer blickt, spürt in dieser Frau, die einsam friert inmitten ihrer Macht, die sich mit ihren Halbliebhabern immer nur hysterisch quält, weil sie sich keinem ganz und eindeutig hingeben kann, eine verborgene, verschlagene Wärme und hinter all ihren Schrullen und Heftigkeiten einen ehrlichen Willen, großmütig und gütig zu sein. (Seite 93f)

Der Konflikt Maria Stuarts und Elisabeths […] entbehrt dieser hellen männlichen Aufrichtigkeit, er ist ein Katzenkampf, ein Sich-Umschleichen und Belauern mit verdeckten Krallen, ein hinterhältiges und durchaus unredliches Spiel. Durch ein Vierteljahrhundert haben diese Frauen einander unablässig belogen und betrogen […] (Seite 97)

Von Kritikpunkten wie diesen abgesehen, ist „Maria Stuart“ eine fulminante Biografie über eine außergewöhnliche Frau und deren atemberaubende Lebensgeschichte vor dem Hintergrund der von Reformation und Gegenreformation bestimmten Geschichte Europas im 16. Jahrhundert. Die Hälfte des Buches hat Stefan Zweig dem Geschehen in der Zeit von Juli 1565 bis Februar 1567 vorbehalten, auf je einem Viertel der Seiten schildert er, was davor und danach geschah. Obwohl er sachlich bleibt, schreibt er so lebendig, als sei er dabeigewesen und inszeniert eine Handlung, die so wuchtig wie eine Shakespeare-Tragödie wirkt.

Psychologische Deutungen altern rasch wie aller Zeitgeist, aber Stefan Zweigs Schilderung wirkt kaum verstaubt, sondern ungebrochen suggestiv […] Er bedient sich des Kunstgriffs, Geschichte, das zufällige, verworrene Geschehen erst in ein klares Bild zu fassen, Spieler und Gegenspieler zu charakterisieren, als habe er sie gekannt […] Dann erst, nachdem ihm alles Poesie, Episode eines Romans, Novelle oder Szene eines Dramas geworden ist, deutet er. (Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 2. Juni 2007)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007
Textauszüge: © S. Fischer Verlag, Frankfurt/M

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