Gefährliche Fremde

Gefährliche Fremde

Gefährliche Fremde

Gefährliche Fremde – Originaltitel: The Kindness of Strangers – Regie: Tony Smith – Drehbuch: Kate O'Riordan – Kamera: Julian Court – Schnitt: Xavier Russell – Musik: Sarah Class – Darsteller: Julie Graham, Hermione Norris, Neil Pearson, Gillian Hanna, Sean Verey, Katy Murphy u.a. – 2006; 180 / 110 Minuten

Inhaltsangabe

Ellie und Joe Farrelly haben bereits einen Sohn im Jugendalter, aber als sie Zwillinge bekommen, freuen sie sich. Joe steht beruflich unter Stress, und Ellie ist mit den Kindern und dem Haushalt überfordert. Aufgrund der blank liegenden Nerven gerät die Ehe in eine Krise. Da gewinnt Ellie in einer Frau namens Fiona Charters eine neue Freundin, die ihr tatkräftig hilft. Doch schon bald argwöhnt Ellie, dass Fiona es auf Joe abgesehen hat ...
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Kritik

In dem spannenden Thriller "Gefährliche Fremde" werden die psychologischen Entwicklungen realistisch und differenziert dargestellt. Drehbuch, Inszenierung und schauspielerische Leistungen sind überzeugend.
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Der vierzigjährige englische Bauunternehmer Joe Farrelly (Neil Pearson) und seine gleichaltrige Ehefrau Ellie (Julie Graham) bekommen im Jahr 2006 Zwillinge. Einen Sohn im Jugendalter haben sie bereits: Alex (Sean Verey). Sie freuen sich, aber Joe steht beruflich unter Stress, und Ellie ist mit den drei Kindern, dem Haushalt und der Buchhaltung für die Firma überfordert. Außerdem fehlt es ihr an Schlaf. Joes Vorschlag, eine Haushaltshilfe einzustellen, lehnt Ellie ab. Aufgrund der blank liegenden Nerven beginnt es in der bisher glücklichen Ehe zu kriseln.

Als Ellie in einem Supermarkt ein Glas Kaffeepulver aus der Hand fällt und sie daraufhin einen Weinkrampf erleidet, wird sie von einer zwei Jahre jüngeren Frau getröstet, die ihr kürzlich in einem Schnellrestaurant bei der Versorgung der Säuglinge half. Sie heißt Fiona Charters (Hermione Norris). Die beiden Frauen trinken zusammen einen Kaffee, plaudern und werden Freundinnen. Fiona erzählt, ihr Ehemann Ralph, ein Arzt, sei vor fünf Jahren an Krebs gestorben. Kinder habe sie keine. Sie bietet Ellie ihre Hilfe an und macht sich im Haus der Farrellys bald unentbehrlich. Auf Fionas Rat hin lässt Ellie sich von ihrer Ärztin Dr. Sarah (Katy Murphy) ein Antidepressivum verschreiben, verschweigt das allerdings ihrem Mann.

Joe empfindet die Fremde zunächst als Eindringling. Eifersüchtig beobachtet er die enge Freundschaft seiner Frau mit ihr, zumal er immer häufiger mit Ellie in Streit gerät. Erst als Fiona starkes Interesse an Architektur zeigt, von der Form gewordenen Schönheit der Mathematik schwärmt und sich von Joe durch einen Rohbau führen lässt, ändert er seine Meinung und lässt sich sogar darauf ein, sie als Büroleiterin einzustellen, um seine Frau weiter zu entlasten.

Obwohl Ellie regelmäßig ihre Tabletten schluckt, verschlimmert sich die postnatale Depression. Sie wird vergesslich. Eines Tages will sie das Auto nach einer Reparatur abholen. Weil sie in der Werkstatt niemanden antrifft und der Schlüssel steckt, fährt sie los. Zu spät merkt sie, dass die Bremsen nicht funktionieren. Sie kracht in einen geparkten Wagen. Fiona habe ihr am Telefon gesagt, der Wagen sei fertig, behauptet sie, aber Fiona will ihr mitgeteilt haben, dass sich die Reparatur verzögert. Einige Tage später liegt Ellie in der Badewanne, als es in der Küche zu brennen anfängt. Fiona ist nicht da, sondern geht mit dem Kinderwagen spazieren. Gerade noch rechtzeitig kommt Joe nach Hause und löscht das Feuer. Diesmal behauptet Ellie, Fiona habe das Kochen übernommen und sie ins Bad geschickt. Ellie ist inzwischen überzeugt, dass Fiona keine Freundin, sondern ihre ärgste Feindin ist und alles daran setzt, Joe für sich zu gewinnen. Sie wirft Fiona hinaus und gleich darauf auch ihre Schwiegermutter Hannah (Gillian Hanna), die ihr helfen sollte. Dann verbarrikadiert sie sich mit den Zwillingen im Haus.

Gegen ihren Willen liefert man sie in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik ein.

Joe bittet erneut seine Mutter, den Haushalt zu führen und sich um die Kinder zu kümmern. Nach ein paar Tagen bricht Hannah beim Staubsaugen zusammen. Sie hat einen Stromschlag erlitten und wird ins Krankenhaus gebracht. Alex, dem nicht entgeht, dass sein Vater inzwischen Fiona näher zu stehen scheint als seiner Frau, entdeckt eine Beschädigung am Stromkabel, und er verdächtigt Fiona, den Unfall absichtlich herbeigeführt zu haben.

Joe ist nach dem Ausfall Ellies und Hannahs auf Fionas Hilfe im Haus angewiesen. Auch im Betrieb leistet sie hervorragende Arbeit, und sie zeigt viel Verständnis für ihn. Einmal lässt er sich zu einem flüchtigen Kuss hinreissen, stellt jedoch sofort klar, dass er seine Frau nicht betrügen wolle.

Dem behandelnden Psychiater (Graham Padden) spielt Ellie vor, dass sie ihre Angriffe gegen ihre Freundin bedaure, und als Joe und Fiona sie im Beisein des Arztes besuchen, gibt sie sich gegenüber Fiona reumütig und friedfertig. Als Fiona behauptet, sie vor den Tabletten gewarnt zu haben, bestätigt sie dies, obwohl sie sich genau daran erinnert, dass Fiona ihr riet, die Dosis zu erhöhen. Durch ihr Verhalten erreicht Ellie, dass sie rasch entlassen wird.

Zu Hause tut sie so, als sei alles harmonisch, aber als sie mit Fiona allein ist, sagt sie ihr den Kampf an.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Sie zieht Erkundigungen über Fiona ein und findet heraus, dass Ralph Charters 2001 nicht an Krebs starb, sondern depressiv war und sich mit Tabletten das Leben nahm. Fiona wurde durch den Suizid ihres Mannes aus der Bahn geworfen und musste psychiatrisch behandelt werden.

Als Fiona merkt, dass ihre Wohnung durchsucht wurde, zerstört sie die Einrichtung und ruft dann Joe zu Hilfe. Der ist entsetzt und rät ihr, die Polizei zu holen, aber Fiona lenkt den Verdacht auf Ellie. Joe stellt seine Frau zur Rede und glaubt ihr nicht, als sie behauptet, Fiona habe ihre Wohnung selbst verwüstet.

Joe hat geschäftlich in Manchester zu tun. Unerwartet taucht Fiona bei ihm im Hotelzimmer auf. Sie bringt ihm Pläne, die er für die Besprechung am nächsten Tag benötigt. Er wundert sich darüber, dass er sie im Büro vergessen haben soll, denn er glaubte, sie seien in seinem Aktenkoffer. Fiona erinnert Joe daran, dass Ellie und sie zu Beginn ihrer Freundschaft in einer Diskothek waren. Dort seien sie von zwei Männern angemacht worden, behauptet sie. Ellie habe sich auf eine Affäre eingelassen und ihr gesagt, sie wäre erleichtert, wenn Joe und Fiona zusammenfänden. Das erzählt sie so geschickt, dass Joe es glaubt und sich von ihr trösten lässt.

Alex findet durch einen Anruf im Hotel heraus, dass Fiona bei seinem Vater ist und sagt es seiner Mutter.

Weil er annimmt, dass Ellie untätig bleibt, besorgt er sich Drogen, versteckt sie in Fionas Sachen und gibt der Polizei anonym einen Hinweis. Sie wird daraufhin festgenommen. Joe verdächtigt seine Frau, Fiona die Drogen untergeschoben zu haben, bis Alex ihm die Wahrheit sagt. Fiona kommt bald wieder frei, und weil sie von der Polizei erfahren hat, dass es sich bei dem anonymen Anrufer um einen Jugendlichen handelte, weiß sie, dass Alex ihr das angetan hat.

Im Streit beschuldigt Ellie ihren Mann, mit Fiona in Manchester geschlafen zu haben, und er wirft ihr ebenfalls einen Seitensprung vor. Als er merkt, dass durch Fiona absichtlich oder ungewollt seine Ehe zerstört wird, entlässt er sie.

Kurz darauf hört Joe, wie jemand mit einem Vorschlaghammer auf die Dachkonstruktion über einem Atrium einschlägt. Er verdächtigt zunächst seinen Sohn, aber als er hinaufklettert, trifft er auf Fiona. Sie behauptet, Alex gerade vertrieben zu haben. Ellie habe ihn angestiftet, das Dach zu zerstören. Joe glaubt ihr jedoch nicht mehr. In ihrer Verzweiflung schlägt Fiona ihn mit einem Balken nieder. Da taucht Ellie auf. Die Frauen kämpfen. Fiona stürzt. Sie hält sich an einem Balken fest, droht jedoch in die Tiefe zu stürzen, sobald ihre Kräfte nachlassen. Joe, der wieder zu sich kommt, hilft seiner Frau, Fiona heraufzuziehen. Dann verlassen Joe und Ellie den Rohbau, während Fiona allein zurückbleibt.

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Der Plot von „Gefährliche Fremde“ weist Ähnlichkeiten zu „Eine verhängnisvolle Affäre“ und vor allem zu „Die Hand an der Wiege“ auf, aber Kate O’Riordan (Drehbuch) und Tony Smith (Regie) haben ein eigenständiges Drama geschaffen. Obwohl oder weil „Gefährliche Fremde“ weniger spektakulär als die beiden Hollywood-Filme ist, werden die psychologischen Entwicklungen eher noch realistischer und differenzierter dargestellt. Das ist nicht nur auf das sorgfältig aufgebaute Drehbuch zurückzuführen, sondern auch auf die schauspielerischen Leistungen vor allem von Hermione Norris und Julie Graham. Die Handlung ist zwar im Groben vorhersehbar, bleibt jedoch wegen der Feinheiten bis zur letzten Einstellung spannend. Im Gegensatz zu „Die Hand an der Wiege“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ lassen Kate O’Riordan und Tony Smith das Ende in „Gefährliche Fremde“ offen.

Hermione Norris erläutert die Rolle der Fiona Charters:

On the surface Fiona is seemingly warm, kind, supportive, centred, and sane. But underneath she is in a lot of pain, is utterly broken, and is not sure what she should do to help her overcome the loss she has suffered […] she is utterly destroyed by losing her husband. So she tries to grasp hold of some sort of reality. She is very isolated, she doesn’t have any contact with anybody, so when she meets Ellie (Julie Graham) who reaches out to her, she just grabs hold and is so desperately grateful that she’s given her a window into the world again. She becomes a woman with a mission!

Der Psychothriller „The Kindness of Strangers“ war im Juni 2006 als zweiteiliger, drei Stunden langer britischer Fernsehfilm erstmals zu sehen. Der Bayerische Rundfunk ließ davon eine 110 Minuten lange deutsche Fassung herstellen, und strahlte sie am 20. März 2007 erstmals aus: „Gefährliche Fremde“. Das Buch für die Synchronisation schrieb Jörg Hartung. Synchronsprecher: Madeleine Stolze (Ellie), Sabine Falkenberg (Fiona), Martin Urbach (Joe), Tim Schwarzmeier (Alex), Eva-Maria Lahl (Hannah), Ursula Wolff (Dr. Sarah).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Jean-Patrick Manchette - Nada
Kalt und sachlich schildert Jean-Patrick Manchette in "Nada" das Geschehen. Dabei beschränkt er sich auf das Wesentliche und hält auch die Dialoge kurz. Mit dieser reduzierten Form begründete er den néo polar.
Nada

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