Frank Schätzing : Breaking News

Breaking News

Frank Schätzing

Breaking News

Breaking News Originalausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014 ISBN: 978-3-462-04527-7, 965 Seiten, 26.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der deutsche Journalist Tom Hagen initiiert 2008 in Afghanistan eine Geiselbefreiung und versucht 2011 in Libyen bei der Ergreifung Gaddafis dabei zu sein. Weil er auch aus Israel keinen Scoop liefern kann, behauptet er in einem Telefongespräch mit seinem Redakteur, er habe Beweise dafür, dass Ariel Scharons Hirnblutung durch einen Anschlag herbeigeführt wurde. Das Telefonat wird abgehört, und Hagens Lüge trifft beim Geheimdienst einen Nerv ...
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Kritik

Im Kern ist "Breaking News" ein actionreicher Politthriller, aber doppelt so viele Seiten verwendet Frank Schätzing für den Hintergrund – den Nahostkonflikt – und andere Themen.
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Am 15. Januar 1928 trifft Schalom Kahn mit seiner 26-jährigen hochschwangeren Ehefrau Rachel in Palästina ein. Sie haben sich aus Berlin abgesetzt. Bald nach der Ankunft bringt Rachel Zwillinge zur Welt: Jehuda und Benjamin. Fast gleichzeitig kommt Vera Shneorov, die mit ihrem Lebensgefährten Samuel Scheinermann aus Tiflis geflohen ist und ihr Medizinstudium abgebrochen hat, mit einem Sohn nieder, der den Namen Ariel („Arik“) erhält. Die Kinder wachsen zusammen in Kfar Malal auf, einem Moschaw in der Scharon-Ebene, 30 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv. Sie besuchen schließlich die Geula-Schule in Tel Aviv.

Schalom Kahn und sein langjähriger Freund, der Tabakhändler Tufik as-Azuri, kommen 1939 bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben.

Benjamin Kahn, der seit einem Fahrradunfall im Alter von neun Jahren einen verkrüppelten Fuß hat, heiratet Leah Szymanski, deren Eltern aus Warschau stammen und studiert an einer Talmudschule in Tel Aviv.

Sein Bruder Jehuda Kahn hat Landwirtschaft als Studienfach gewählt und wohnt in Rechovot.

Sie alle erleben mit, wie David Ben Gurion am 14. Mai 1948 im Museum of Art in Tel Aviv die israelische Unabhängigkeitserklärung verliest.

Bereits am Tag darauf wird der neue Staat von einer Allianz arabischer Staaten angegriffen. Arik Scheinermann führt im Unabhängigkeitskrieg einen Zug einer Infanteriekompanie, der bei der Schlacht um Latrun am 26. Mai 1948 zerrieben wird. Arik selbst überlebt mit einem Bauchschuss. Sein Freund Jeruda besucht ihn regelmäßig im Krankenhaus in Tel Aviv.

Den Arabern gelingt es nicht, den israelischen Staat zu beseitigen, und das Scheitern des Krieges lässt die israelfeindliche Allianz zerbrechen. David Ben Gurion, der am 25. Februar 1949 das Amt des ersten Premierministers des Staates Israel übernimmt, führt die verschiedenen militärischen Organisationen zur Zalal zusammen (Israel Defense Forces).

Arik studiert Geschichte und Kultur des Nahen Ostens an der Hebräischen Universität Jerusalem. Am 29. März 1953 heiratet er die rumänische Jüdin Margalit („Gali“). Als David Ben Gurion ihn vier Monate später mit der Führung einer Spezialeinheit zur Abwehr palästinensischer Angriffe betraut, bricht er sein Studium ab. Bei seinen militärischen Abschreckungs- und Vergeltungsaktionen greift Arik hart durch. Beispielsweise lässt er am 14./15. Oktober 1953 die Häuser des jordanischen Dorfes Qibya zerstören. Zwar forderte er die Bewohner vorher auf, das Dorf zu verlassen, aber nicht alle folgten dem Aufruf. Deshalb kommen 69 Menschen bei den Sprengungen ums Leben (Massaker von Qibya). David Ben Gurion findet Ariks Vorgehen zwar grausam, aber er schätzt den kompromisslosen Kämpfer und schlägt ihm vor, seinen Namen in Ariel Scharon zu ändern. (David Ben Gurion heißt eigentlich David Grün.)

Ariel Scharon propagiert schließlich einen groß angelegten Präventivschlag gegen die feindlichen Nachbarn. So kommt es im Juni 1967 zum Sechstagekrieg (5. – 10. Juni), in dem er zum Kriegshelden wird. Danach übernimmt er das Kommando über die eroberte Sinai-Halbinsel. Unverdrossen tritt er dafür ein, die im Sechstagekrieg besetzten, für Israel strategisch wichtigen Gebiete nicht nur durch Militärstützpunkte, sondern auch durch zivile Siedlungen zu sichern.

Nach dem Sechstagekrieg werden beispielsweise für die zurückeroberte Stadt Hebron jüdische Siedler gesucht. Der Rabbi Mosche Levinger residiert in einem Hotel in Hebron und gründet außerhalb der Stadt die jüdische Siedlung Kirjat Arba, in der sich auch Benjamin und Leah Kahn mit ihren fünf Kindern einrichten.

Während Ariel Scharon als Generalstabsoffizier zum inneren Zirkel des Premierministers Levi Eschkol gehört, arbeitet sein Freund Jehuda Kahn seit 1955 als Projektleiter für das auf Bewässerungssysteme spezialisierte Unternehmen Netafim. Und Phoebe, mit der Jehuda seit 1953 verheiratet ist, bessert das Familieneinkommen als freie Journalistin auf.

Nach dem Jom-Kippur-Krieg vom 6. bis 26. Oktober 1973 siedeln sich Jehuda und Phoebe Kahn mit ihrer 1967 geborenen Tochter Miriam in der nach dem Sechstagekrieg in der Sinai-Wüste gegründeten israelischen Stadt Jamit an. Ihr Sohn Uri zieht mit seiner Frau Anastasia in eines der Nachbarhäuser.

1976 nutzt Jehuda die Abwesenheit seiner Frau für ein Schäferstündchen mit der 52-jährigen Nachbarin Alison Titelman. Als sie nackt vor ihm liegt, weicht er jedoch zurück. Alison, die älter als Phoebe ist, ahnt, dass er sie nicht begehrenswert findet und ist durch die Zurückweisung schwer gekränkt.

Jamit war ursprünglich für 250 000 Bewohner konzipiert. Tatsächlich wohnen nie mehr als 3000 Menschen dort. Nach dem Abschluss des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags am 26. März 1979, in dem die Rückgabe des Sinai an Ägypten vereinbart wird, beschließt die israelische Regierung jedoch, die Stadt zu räumen und zu zerstören. Der Greis Dror Katzenbach weigert sich, sein Haus in Jamit zu verlassen. Er verschanzt sich am 23. April 1982 mit Waffen, Handgranaten und drei Geiseln darin. Phoebe Kahn geht furchtlos zu ihm hinein und redet mit ihm, bis er die Geiseln freilässt. Aber dann sprengt Dror Katzenbach sich mit dem Haus in die Luft.

Jehuda, Phoebe und Miriam kommen vorübergehend bei Rachel in Kfar Malal unter. Dann gründen sie mit anderen aus Jamit vertriebenen Juden das Dorf Elei Sinai im seit dem Sechstagekrieg besetzten Gazastreifen.

Am 3. Juni 1982 wird der pazifistische israelische Botschafter Shlomo Argov von Mitgliedern der Abu Nidal-Organisation im Auftrag des irakischen Geheimdienstes Muchabarat beim Verlassen eines Hotels in London durch Schüsse schwer verletzt. Daraufhin marschiert Israel in den ohnehin unter einem Bürgerkrieg ächzenden Libanon ein, und zwar mit dem Ziel, die PLO zu zerschlagen, obwohl diese an dem Attentat auf Shlomo Argov nicht beteiligt war. Dem PLO-Chef Jassir Arafat bleibt nichts anderes übrig, als Ende August nach Tunis auszuweichen.

Am 14. September 1982 kommen der libanesische Präsident Bachir Gemayel und 26 weitere Personen bei einem von Habib Schartouni im Auftrag des syrischen Geheimdienstes durchgeführten Bombenanschlag ums Leben.

Unter den Augen der israelischen Militärs richten etwa 150 maronitische Milizionäre Mitte September 1982 ein Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila an. Der Soldat Uri Kahn muss tatenlos zusehen, wie Frauen und Kinder erschossen werden. Als er aus dem Libanonkrieg nach Hause kommt, leidet er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dann verlässt ihn auch noch seine Frau Anastasia. Uri erschießt sich.

Yael Kahn, die verwaiste vierjährige Tochter von Uri und Anastasia, wird von Phoebe und Jehuda aufgenommen.

Jehuda rechnet fest damit, von der für die Wasserversorgung zuständigen staatlichen Behörde eingestellt zu werden. Aber dann übernimmt Alison Titelmann die Leitung der entsprechenden Abteilung und verhindert, dass er unter Vertrag genommen wird, denn sie hat die Demütigung von 1976 nicht vergessen. Um nicht arbeitslos zu bleiben, beginnt Jehuda im November 1982 mit Phoebe in Elei Sinai Amaryllis zu züchten.

Im Jahr 2000 lässt Jehuda das fünfte Gewächshaus errichten. Inzwischen beschäftigt er acht Angestellte. Vier Jahre später sind nur noch drei der Gewächshäuser intakt.

Im Jahr darauf setzt Ariel Scharon, der seit 2001 als Ministerpräsident amtiert, gegen den Widerstand der Siedler und der politischen Rechten die Aufgabe des Gazastreifens durch, und die Israelis in Elei Sinai und in den anderen Siedlungen werden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Der 77-jährige Jehuda Kahn und seine zwei Jahre jüngere Frau Phoebe sind davon ebenfalls betroffen. (Rachel starb 2003.) Jehuda wendet sich an die SELA, die Behörde für die Umsiedlung, und man verspricht ihm ein schönes Apartment in einem Neubau in Aschkelon am Strand. Aber nachdem er den Vertrag mit der SELA unterschrieben hat, zerschlägt sich die geplante Umsiedlung nach Aschkelon. Stattdessen wird Jehuda und Phoebe eine Übergangsunterkunft in Beer Scheva angeboten. In seiner Verzweiflung ruft Jehuda seinen Jugendfreund Arik an. Der verspricht, ihm zu helfen und fordert ihn auf, am nächsten Tag zu ihm nach Jerusalem zu kommen. Auf der Fahrt gerät Jehuda über den Mittelstreifen, prallt gegen einen entgegenkommenden Sattelschlepper und ist sofort tot. Möglicherweise verlor er wegen eines Herzinfarkts die Kontrolle über das Fahrzeug.

Ariel Scharon verlor seine erste Frau 1962 ebenfalls durch einen Autounfall. 1967 starb der Sohn aus dieser Ehe. Später heiratete Ariel Scharon Lily, die jüngere Schwester seiner toten Frau. Mit ihr bekam er noch zwei Söhne: Omri und Gilad. Lily Scharon erlag im März 2000 einem Lungenkrebsleiden.

Am 28. September 2000 besuchte Ariel Scharon, der am 27. Mai 1999 Benjamin Netanjahu als Vorsitzender des Likud abgelöst hatte, in Begleitung von tausend Politikern, Sicherheitskräften und Reportern demonstrativ den Tempelberg in Jerusalem. Diese Provokation löste die Zweite Intifada aus, die sich schon seit einiger Zeit abgezeichnet hatte.

Am 7. März 2001 übernahm Scharon von Ehud Barak das Amt des Regierungschefs.

Nachdem Ariel Scharon am 18. Dezember 2005 einen leichten Schlaganfall erlitten hat, wird ein Herzfehler – ein Foramen – bei ihm entdeckt. Um sich vor der für 5. Januar 2006 geplanten Operation zu erholen, zieht er sich auf seine Schikmim-Farm bei Sderot zurück. Aber am 4. Januar erleidet er schwere Hirnblutungen. Sein Stellvertreter Ehud Olmert übernimmt die Regierungsgeschäfte. Trotz mehrerer neurochirurgischer Operationen erwacht Ariel Scharon nicht mehr aus dem Koma. (Am 11. Januar 2014 stirbt er.)

– – –

2008 werden die französische Entwicklungshelferin Marianne Degas und ihr deutscher Kollege Max Keller zusammen mit ihrem einheimischen Fahrer Walid Bakhtari in Afghanistan entführt.

Der 44-jährige Hamburger Journalist Thomas („Tom“) Hagen vermutet, dass die Geiseln in der Gewalt eines paschtunischen Clanchefs sind, der sie den Taliban gegen Bezahlung überlassen wollte. Die Taliban haben jedoch ihre Strategie geändert und von den Militärs aus dem Westen gelernt: Statt die Bevölkerung weiter zu terrorisieren, füllen sie das Machtvakuum, sorgen für Ordnung und bauen die Infrastruktur aus. Die Führung der Taliban in Quetta Shura ist deshalb nicht an Geiseln interessiert. Über seinen pakistanischen Fixer Bilal Husain lässt Hagen den Entführern ausrichten, dass er für ein Medienecho sorgen könne. Das würde nicht nur den Wert der Geiseln steigern, sondern zugleich auch den Unwillen in der deutschen Bevölkerung über den Krieg in Afghanistan, also den Druck auf die Abzugspläne der Militärs erhöhen.

Bald darauf werden Hagen und sein schwedischer Fotograf Krister Björklund von Peschawar aus zu einem Compound in den Bergen gebracht. Damit sie nicht sehen, welchen Weg der Fahrer des Geländewagens nimmt, müssen sie sich Säcke über die Köpfe ziehen. In der bewachten Wohnanlage treffen sie außer auf den Hausherrn Muneer auf einen 26-jährigen Talib, der sich als Amanullah vorstellt, einige andere Männer und die drei Geiseln. Das Interview mit Amanullah zeichnet Hagen mit einem Diktiergerät auf.

Erst als die beiden Reporter wieder zurück sind, erfährt Björklund, dass Hagen den Compound mit Hilfe eines als Ersatzakku des Diktiergeräts getarnten GPS-Trackers lokalisierte. Im Camp Kunduz nennt er einem deutschen Brigadegeneral die Koordinaten. Wie von ihm angestrebt, bereitet die Bundeswehr daraufhin die Befreiung der Geiseln vor. Allerdings ist der General nicht bereit, ihn bei der Operation als Beobachter mitzunehmen.

Hagen, der auf den Scoop nicht verzichten will, dringt deshalb auf eigene Faust mit seiner Assistentin Inga und Björklund zu dem Compound vor. Während sie sich anschleichen, rutscht Inga auf dem Geröll ab. Das Getöse des Gesteins alarmiert die Wachen. Aber bevor sie etwas unternehmen können, greifen zwei Apache-Hubschrauber aus der Luft an und Elitesoldaten seilen sich aus Chinooks ab. Aber sie können nicht verhindern, dass sich die Paschtunen mit den Geiseln in eine Höhle zurückziehen und dort eine selbstmörderische Sprengung auslösen, durch die auch Inga getötet wird.

Drei Jahre nach diesem Misserfolg hofft Tom Hagen in Sirte darauf, bei der Ergreifung Gaddafis dabei zu sein. Am 19. Oktober 2011 beobachtet er als inbound Kriegsreporter die Erstürmung eines Gebäudes, in dem sich Scharfschützen verschanzt haben. Dabei wird er von einem herabfallenden Trümmerteil getroffen und muss im Matiga-Krankenhaus in Tripolis behandelt werden.

Er ist also nicht auf seinem Posten, als Gaddafi am 20. Oktober aus Sirte flieht und der aus 70 Geländewagen bestehende Konvoi von einer US-Drohne und zwei französischen Mirage-Kampfjets aufgerieben wird.

Frustriert reist Hagen Ende Oktober nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus von Tripolis über Kairo nach Damaskus, um sich in Homs umzusehen und über den Bürgerkrieg in Syrien zu berichten. Aber er ist nicht in der Lage, vernünftig seinen Job zu machen. Stattdessen verfällt er dem Alkohol, und einmal wacht er nach einem Filmriss in einer Hotelsuite neben einer amerikanischen Millionärin auf, die ihm 1000 Dollar für die Nacht im Bett bezahlt.

Hagen hat sein Ansehen eingebüßt, und nur noch ein drittklassiges Internet-Magazin wartet – vergeblich – auf einen brauchbaren Artikel des Freelancers.

Da hört Hagen erstmals seit drei Jahren wieder etwas von Krister Björklund, der inzwischen zahlreiche Preise für seine Fotografien bekommen hat. Sie treffen sich am 3. November 2011 in Tel Aviv. Björklund erinnert Hagen daran, dass der israelische Enthüllungsjournalist Uri Blau im November 2008 einen kritischen Bericht über Targeting in der Haaretz veröffentlichte, der auf Dokumenten basierte, die von Anat Kamm gestohlen worden waren, während sie von 2005 bis 2007 ihren Wehrdienst im Büro des Chefs des Israelischen Zentralkommandos geleistet hatte. Dass Anat Kamm und Uri Blau mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen mussten, motivierte die Informatikstudentin Esther Weinstein, die ebenfalls Zugang zu Geheimakten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet hatte, im Juni 2010 Unmengen von Dokumenten auf CDs herauszuschmuggeln. Zwei dieser CDs wurden Björklund nun durch die Vermittlung des Korrespondenten Stefan Lukoschik von einem Junkie namens Pini Silberman angeboten. 50 000 Dollar verlangt er dafür.

Hagen hofft, seinen Ruf durch Enthüllungen über das israelische Targeting endlich wiederherstellen zu können. Das Programm ist vor allem wegen der „Kollateralschäden“ sehr umstritten. Beispielsweise wurden bei dem israelischen Bombenanschlag auf den Hamas-Führer Salah Shehadeh am 22. Juli 2002 nicht nur er, sondern auch 14 weitere Menschen getötet, hundert verletzt und neun Häuser zerstört.

Nachdem Hagen und Björklund den Preis für die CDs auf 25 000 Dollar heruntergehandelt haben und der Deutsche sich das Geld von dem Internet-Magazin anweisen ließ, treffen sie sich am 4. November in einem Parkhaus in Tel Aviv mit Pini Silberman. Der kommt mit einem Motorrad. Nachdem er die CDs auf den Boden gelegt hat, will er das Geld sehen. Vereinbart wurde, dass Hagen das Material vor der Bezahlung prüft, aber Silberman attackiert plötzlich Hagen und Björklund, schnappt sich das Geld und flüchtet mit dem Motorrad.

– – –

Ricardo Perlmann, ein israelischer Geheimagent, der es bis zum Stellvertreter des Schin Bet-Direktors Eli Ben-Tov bringt, rekrutiert 1999 eine sowohl körperlich als auch geistig außergewöhnliche junge Frau namens Soshana („Shana“) Cox und lässt sie drei Jahre lang intensiv ausbilden. Ein Jahr lang observieren Perlmann und Shana den Junkie Pini Silberman, der verdächtigt wird, von Esther Weinstein gestohlene Geheimdokumente zu besitzen. Dann wird die Aktion Ende Oktober 2011 auf Anweisung von oben beendet. Aber Shana macht auf eigene Faust weiter.

Als Pini Silberman am 4. November 2011 auf seinem Motorrad aus einem Parkhaus rast, verfolgt Shana ihn ebenfalls auf einem Motorrad. Er merkt es und versucht sie abzuhängen, aber das gelingt ihm nicht. Stattdessen verunglückt er tödlich, und aus seiner Tasche flattern Geldscheine.

Auf dem Überwachungsvideo des Parkhauses ist gut zu sehen, wie Silberman zwei Fremden CDs übergibt, sie dann angreift und mit dem Geld flüchtet. Eine der beiden Kontaktpersonen wird als Thomas Hagen aus Hamburg identifiziert. Er reiste über Ankara ein. Der Mossad besorgt sich beim BND Verbindungsdaten von Hagens Handy, und der Schin Bet schickt ihm eine SMS mit einem Spähprogramm. Sobald er es öffnet, wird es nicht nur seine Position durchgeben, sondern auch das Mikrofon eingeschaltet lassen.

Allerdings ist der Akku fast leer und Hagen schaltet das Handy deshalb nur nach Bedarf kurz ein. Das erschwert es dem Geheimdienst, ihn zu orten. Am 5. November telefoniert er mit dem Redakteur des Internet-Magazins, von dem er die 25 000 Dollar bekam. Hagen steht unter Druck: Das Geld ist weg, aber auf den CDs hat er keine Informationen gefunden, die es ihm ermöglichen würden, einen brisanten Artikel zu schreiben. In seiner Not behauptet er am Telefon, auf den CDs befänden sich Beweise dafür, dass Ariel Scharons Hirnblutung die Folge eines Anschlags war. Er müsse nur noch ein paar Einzelheiten recherchieren, dann werde er einen Scoop liefern.

Am selben Abend lassen sich Hagen und Björklund von zwei Mädchen in deren gemeinsame Wohnung abschleppen. Irina ist die Tochter des vor 15 Jahren immigrierten Russen Dmitri Gussinski, der inzwischen mit Waffengeschäften und Prostitution ein Vermögen verdient hat. Bei Tonja handelt es sich um ihre Cousine. Tonja und Irina haben sich bereits halb ausgezogen, als die Tür aufgebrochen wird und Vermummte die Wohnung stürmen. Irina geht mit einem Küchenmesser auf einen der Männer los, wird jedoch erschossen, bevor sie zustechen kann. Tonja wird in der Badewanne ertränkt. Die Verbrecher fragen Hagen nach den CDs und wer seine Informanten seien. Dabei fallen die Namen Yael Kahn und Yossi Backenroth. Hagen kennt niemanden, der so heißt, aber immer wenn er sagt, er wisse nichts, schneidet einer der Männer Björklund einen Finger ab. Plötzlich stürmt eine andere Gruppe das Apartment und greift die Vermummten an. In dem Chaos gelingt zwar Hagen die Flucht, aber Björklund wird erschossen.

Als Shana Cox in die Wohnung von Tonja und Irina kommt, trifft sie nur noch auf Tote.

Hagen tötet in Mea Schearim einen Mann in Notwehr und findet dann einen Ausweis bei der Leiche, aus dem hervorgeht, dass es sich um einen Polizisten handelte.

Weil er zufällig sein Hotelzimmer mit Björklunds Kontaktmann Stefan Lukoschik tauschte, verliert Shana im falschen Zimmer Zeit. Als sie ihren Irrtum bemerkt, ist Hagens Zimmersafe bereits leer. Im letzten Augenblick konnte er die CDs holen.

Eli Ben-Tov, Ricardo Perlmann und Shana Cox stehen vor einem Rätsel: Wer außer ihnen und den Beteiligten wusste von Tom Hagens Telefongespräch mit dem Redakteur? Und wer waren die Vermummten in der Wohnung der Mädchen?

Hagen nimmt an, dass er mit seiner Notlüge einen Nerv getroffen hat, weil Ariel Scharon tatsächlich Opfer eines Attentats wurde. Yael Kahn und Yossi Backenroth lauteten die beiden Namen, nach denen er gefragt wurde. Bei Yossi Backenroth handelte es sich um eine Pflegekraft im Chaim Sheba Medical Center, einer Klinik in Tel Hashomer bei Ramat Gan. Er ist tot. Seine Leiche wurde in einer öffentlichen Toilette gefunden. Er scheint sich eine Überdosis Heroin gespritzt zu haben. Die Neurologin Dr. Yael Kahn arbeitet ebenfalls am Chaim Sheba Medical Center. Sie ist verreist, wird jedoch am 6. November zurückerwartet. Hagen will sie am Ben Gurion Airport abpassen. Bevor er sie ansprechen kann, beobachtet er, wie sie von zwei Männern zu einem Lieferwagen geführt und zum Einsteigen gezwungen wird. Er stellt sich dem Fahrzeug in den Weg und schießt. Der Wagen kracht gegen einen Pfeiler. Hagen reißt die Ärztin heraus und flüchtet mit ihr.

Shana Cox schaut sich die Aufzeichnungen der Überwachungskameras des Parkhauses an und sieht, dass Yael Kahn entführt werden sollte und Tom Hagen sie rettete.

Yael begreift zunächst nicht, was los ist. Hagen berichtet ihr schließlich, was er weiß, verschweigt allerdings, dass es sich bei der Behauptung, er verfüge über Beweise für ein Attentat auf Ariel Scharon, um eine dreiste Lüge handelte. Die Ärztin nimmt deshalb an, dass er darüber tatsächlich Bescheid weiß – ebenso wie sie. Yael erzählt ihrem Retter, dass sie den Krankenpfleger Yossi Backenroth dabei ertappt habe, wie er die von den Ärzten verschriebenen Medikamente, die er Ariel Scharon vor der geplanten Herzoperation täglich zweimal verabreichte, gegen andere vertauschte, um durch die Manipulation des Blutdrucks und der Blutgerinnung eine Hirnblutung herbeizuführen. Sie habe geschwiegen, sagt Yael, weil sie von einem Geheimagenten namens Schimon Bug massiv bedroht worden sei.

Yael sucht mit ihrem Retter Zuflucht bei ihrer mit dem Rabbi David Cantor verheirateten Tante Miriam, der Tochter von Jehuda und Phoebe Kahn. David ist mit einem Palästinenser namens Mansour al-Sakakini in Nablus befreundet, der die beiden Flüchtigen am 7. November bei sich, seiner Frau Hanaan und den sieben bzw. zehn Jahre alten Söhnen aufnimmt. Er verspricht außerdem, Yael Kahn und Tom Hagen von Schleusern nach Jordanien bringen zu lassen. Das dafür benötigte Geld streckt David Cantor vor.

Am nächsten Tag liest Yael eine Mail des Agenten Schimon Bug. Er drängt sie, Hagen zu verraten und versichert, dass ihr nichts geschehen werde. Eine halbe Stunde später berichtet Yael dem Deutschen von der Nachricht. Hagen ahnt sofort, dass ihr Aufenthaltsort durch das Öffnen der Mail ermittelt wurde. Sie müssen unverzüglich fort.

Auf der Straße werden sie von Tal Adler entdeckt, einem Agenten des Schin Bet, der sich unter dem Namen Schimon Bug an Yael herangemacht hatte. Er versucht, die beiden Flüchtigen in seine Gewalt zu bekommen, wird jedoch seinerseits von Shana Cox verfolgt, die auf ihrem Motorrad nach Nablus raste, nachdem sie herausgefunden hatte, dass Tal Adler hinter dem Überfall in der Wohnung von Tonja und Irina steckte. Zwei von ihren Agenten – Sivan und Noy – beschatteten Adler und informierten sie darüber, dass er nach Nablus unterwegs war. Ricardo Perlmann und Reuben Dreyfus kommen mit dem Hubschrauber. Als Adler versucht, Yael und Hagen mit dem Auto umzufahren, kracht ihm Noy mit seinem Wagen in die Seite und schiebt ihn quer über die Straße. Adler erschießt den Kollegen kurzerhand und setzt die Verfolgung fort. Shana Cox greift ihn an, stürzt jedoch, und als sie wehrlos am Boden liegt, richtet Adler seine Waffe auf sie. Bevor er abdrücken kann, wird er von Dreyfus erschossen.

Hagen lockt Shana kurz darauf in einen Hinterhalt. Sie hat inzwischen durchschaut, dass er die Geschichte, die er seinem Redakteur am Telefon erzählte, erfunden hatte. Und sie warnt ihn vor Yael. Nicht Yossi, sondern Yael habe Ariel Scharon die falschen Medikamente verabreicht, behauptet sie. Während Shana und Hagen miteinander reden, springt Yael in einen Bus nach al-Bira, die Zwillingsstadt von Ramallah.

Bevor Adler erschossen wurde, hörte Yael ihn telefonieren. Hagen, der Shana Cox abgeschüttelt hat, informiert die Agentin telefonisch darüber. Dabei seien die Namen Absalon und David gefallen, berichtet er, der Agent habe von einer auf den nächsten Tag vorgezogenen Aktion gesprochen, von einem Start und einem Container hinter den fünf Samaritern – was immer damit gemeint ist.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Während Shana fieberhaft versucht, sich einen Reim auf die Bedeutung dieser Worte zu machen, bringt Mansour al-Sakakini Yael Kahn und Tom Hagen im Gästehaus des Cousins eines mit ihm befreundeten Tahini-Fabrikanten in Bait Sahur unter. Aber als die beiden dort mit einem Taxi unterwegs sind, werden sie entführt und nach Kiryat Arba gebracht. Dort stoßen sie auf den Mann, der Hagen schon einmal in der Wohnung der beiden Mädchen befragte. Diesmal stößt er Hagen Nadeln unter die Fingernägel. Aber dann taucht plötzlich ein Mann im Rollstuhl auf und verlangt den Abbruch der Folter. Yael erkennt in ihm ihren Großonkel Benjamin.

Inzwischen findet Shana Cox den gesuchten Bürocontainer im Tel Tzafit Nationalpark. Er steht nicht hinter fünf Samaritern, sondern hinter fünf Felsen, die als „Philister“ bezeichnet werden. Von diesem Container aus soll eine in Kürze startende Drohne gekapert werden, bei der es sich um eine Neuentwicklung mit der Bezeichnung „Artemis“ handelt. Israelische Fanatiker wollen damit den Tempelberg bombardieren, einen Aufstand der Muslime auslösen und die messianische Endzeit heraufbeschwören.

Der Start der „Artemis“ lässt sich nicht mehr verhindern. Wie befürchtet, weicht die Drohne kurz danach vom geplanten Kurs ab und nähert sich Jerusalem. In Palmachim steigen zwei F-15-Jäger auf. Einer von ihnen soll versuchen, die Drohne abzuschießen, der andere den von Shana Cox aufgespürten Container bombardieren.

Die Agentin kämpft mit den Männern im Container. Nachdem es ihr endlich gelungen ist, den Kurs der „Artemis“ zu ändern, reißt sie die Maus und die Tastatur heraus. Sie sitzt erst wieder ein paar Sekunden lang auf ihrem Motorrad, als die F-15 den Container in die Luft jagt. Die Druckwelle schleudert Shana durch die Luft.

Die Drohne schlägt in einem freien Feld ein, ohne größeren Schaden anzurichten.

Als Benjamin Kahn die Meldung über den Fehlschlag erhält, nutzt Hagen die Verwirrung, um seinem Peiniger die Pistole zu entreißen und ihm die Mündung an den Hals zu drücken. Benjamin Kahn befiehlt daraufhin, die beiden Gefangenen freizulassen.

Einige Zeit später warten Yael Kahn und Tom Hagen in einer Ferienwohnung in Amdar Village bei Eilat auf den Schleuser, der sie nach Jordanien bringen soll.

Yael gesteht, dass nicht Yossi, sondern sie Ariel Scharon die falschen Medikamente gab. Ebenso wie ihre Pflegemutter Phoebe hasste sie den Ministerpräsidenten, den sie für den Suizid ihres Vaters verantwortlich machte, weil er das Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila nicht verhindert hatte. Deshalb gelang es Schimon Bug, sie zu überreden, den Anschlag auszuführen. Zuerst mischte sie der für Ariel Scharon eingeteilten Krankenschwester Rivka Abramovitsch etwas in den Kaffee, damit diese ausfiel und sie einspringen konnte. Ariel Scharon freute sich, sie nach vielen Jahren wiederzusehen und sich mit ihr über seinen Jugendfreund Jehuda unterhalten zu können. Deshalb ordnete er an, dass Rivka Abramovitsch dauerhaft von Yael abgelöst wurde. Was das für ihn bedeutete, konnte er nicht ahnen. Yossi ertappte sie einmal durch einen Zufall beim Vertauschen der Medikamente. Damit er schwieg, ging sie mit ihm aus, mischte ihm K.o.-Tropfen in den Wein und brachte ihn dann mit Schimon Bugs Hilfe in ein bereits reserviertes Hotelzimmer. Dort zog sie sich aus und ließ sich mit dem wehrlosen Krankenpfleger im Bett fotografieren. Als Yossi am nächsten Morgen wieder zu sich kam, zeigte sie ihm die kompromittierenden Aufnahmen und drohte damit, sie seiner Ehefrau zuzuspielen.

Am 1. Januar 2006 wurde Yael unvermittelt bewusst, dass sie sich von religiösen Fanatikern hatte manipulieren lassen. Von da an verabreichte sie Ariel Scharon die richtigen Medikamente und hoffte, dass sein inzwischen bedenklich hoher Blutdruck bis zur geplanten Operation sinken werde. Aber stattdessen fiel er vier Tage später nach einer Hirnblutung ins Koma.

Benjamin Kahn und seine Mitverschworenen werden verhaftet. Ein kleiner Kreis entgeht dem Zugriff und wird nicht enttarnt. Die Verbrecher zwingen Mansour al-Sakakini mit der Drohung, seinen Söhnen etwas anzutun, das Versteck der Gesuchten zu verraten.

Kurz darauf klingelt es bei Yael Kahn und Tom Hagen. Über die Gegensprechanlage meldet sich jemand, der sich als der von Mansour al-Sakakini bestellte Schleuser Abu ausgibt und behauptet, er müsse vorab noch etwas mit ihnen klären. Yael erkennt ihn an der Stimme und warnt Hagen: Es handelt sich um Reuben Dreyfus alias Schimon Bug. Hagen hält ihn hin, bis Yael durchs Fenster geflohen ist. Dann drückt er den Türöffner. Sobald Dreyfus in der Wohnung ist, zwingt Hagen ihn mit vorgehaltener Waffe, seine Männer telefonisch anzuweisen, Mansour al-Sakakini und seine Familie in Ruhe zu lassen. Während Hagen sich dann durch ein Telefongespräch mit Mansour vergewissert, dass niemand aus seiner Familie mehr bedroht wird, reißt Dreyfus seine Waffe aus dem Holster und trifft Hagen mit einem Schuss in den Bauch. Bevor Hagen jedoch zusammenbricht, erschießt er den Verbrecher.

Reuben Dreyfus ließ Yossi mit einer Überdosis Heroin ermorden, weil er es für möglich hielt, dass der Krankenpfleger dem deutschen Journalisten Informationen zugespielt hatte. Seinen Kollegen und Mitverschwörer Tal Adler erschoss er, um nicht selbst enttarnt zu werden.

Shana Cox erwacht im Krankenhaus aus dem Koma. Sie ist schwer verletzt, wird jedoch überleben.

Yael Kahn ruft Ricardo Perlmann aus dem Ausland an. Dem Schin Bet gelingt es nicht, sie zu orten. Yael droht mit der Veröffentlichung der auf den beiden CDs gespeicherten Informationen und verlangt, dass die Ermittlungen gegen sie und Tom Hagen eingestellt werden. Nach dem Telefongespräch kümmert sich die Ärztin wieder um ihren Geliebten, der sich zunehmend von dem Bauchschuss erholt.

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Wer einfach nur einen spannenden Krimi lesen möchte, wird von „Breaking News“ enttäuscht sein. Denn der Triller-Plot in diesem Roman von Frank Schätzing fängt erst auf Seite 343 an, und das auch nur ansatzweise. Es folgen noch einmal 50 Seiten über die Geschichte Israels, bevor es auf Seite 397 mit dem Thriller richtig losgeht.

Der Krimi spielt vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts – aber „Breaking News“ beginnt 2008 in Afghanistan, wo der Kriegsreporter Thomas Hagen Kontakt mit den Taliban aufnimmt und auf einen Scoop über eine Geiselbefreiung hinarbeitet. Dieser Teil des Buches hat mit der eigentlichen Handlung ebenso wenig zu tun wie der zweite: Da befindet sich Tom Hagen im Oktober 2011 in Sirte (Libyen) und hofft, bei der Festnahme Gaddafis dabei zu sein. (Um zu erklären, warum Hagen in Israel einen Scoop erfindet, wären keine hundert Seiten nötig gewesen.) Erst nach seinem Scheitern in Libyen reist er über Ägpyten nach Syrien und weiter nach Israel, wo die Thriller-Handlung nach dem ersten Drittel des 965 Seiten langen Romans einsetzt.

In einem Kriminalroman geht es üblicherweise um einen einzigen Fall. Damit gibt Frank Schätzing sich jedoch in „Breaking News“ nicht zufrieden; er erzählt von zwei Verbrechen, einem geplanten (Bombardierung des Tempelbergs im November 2011 durch eine Drohne) und einem, das bereits stattfand (Ariel Scharon fiel am 4. Januar 2006 aufgrund eines Anschlags ins Koma). Dabei verwendet er historische Fakten als Eckpfeiler für eine fiktive Handlung.

„Breaking News“ ist nur zum Teil ein Polit- bzw. Agententhriller. Ein Drittel des Buches verwendet Frank Schätzing für die drei Generationen umfassende Geschichte der (fiktiven) israelischen Familie Kahn, die mit der Biografie Ariel Scharons eng verknüpft ist. Kulisse sowohl des Politthrillers als auch der Familiengeschichte ist der Nahostkonflikt. Immer wieder lässt Frank Schätzing Romanfiguren darüber reden. In politischen Diskussionen erläutern Vertreter verschiedener Standpunkte die Entwicklung vom Ersten Weltkrieg bis zur Aufgabe des Gazastreifens und dem Bau der Sperranlagen.

Aber Frank Schätzing beschäftigt sich in „Breaking News“ nicht nur mit dem Nahostkonflikt, sondern erst einmal mit dem Afghanistan-Krieg. Die politischen Analysen sind treffend und die Erläuterungen aufschlussreich. Aber – wie bereits gesagt – mit der in Israel spielenden Haupthandlung haben weder Hagens Erlebnisse in Afghanistan noch die politischen Betrachtungen über die Strategie der Taliban viel zu tun. Im zweiten, in Libyen angesiedelten Teil des Buches, verzichtet Frank Schätzing auf den politischen Hintergrund. (Stattdessen erläutert er ausführlich, wie mit auf Pick-ups montierten UB-32 Raketenwerfern umzugehen ist.)

Die Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi am 17. Dezember 2010, den „Arabische Frühling“, die Entwicklung in Ägypten und den Bürgerkrieg in Syrien erwähnt Frank Schätzing nur, ohne näher darauf einzugehen. Ebenso flüchtig kommt er auf viele Ereignisse der israelischen Geschichte zu sprechen: Balfour-Deklaration (2. November 1917), Faisal-Weizmann-Abkommen (3. Januar 1919), Staatsgründung Israels (14. Mai 1948), Unabhängigkeitskrieg (1947 – 1949), Sechstagekrieg (5. – 10. Juni 1967), Jom-Kippur-Krieg (6. – 26. Oktober 1973), Israelisch-ägyptischer Friedensvertrag (26. März 1979), Friedensnobelpreis für Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzhak Rabin (10. Dezember 1994), Ermordung Jitzchak Rabins durch den Jura-Studenten Jigal Amir (4. November 1995), demonstrativer Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg (28. September 2000), Sprengstoffanschlag auf die Diskothek Dolphinarium in Tel Aviv (1. Juni 2001), Sprengstoffanschlag auf die Pizzeria Sbarro in Tel Aviv (5. Dezember 2005). Mit der Handlung verknüpft sind politische Ereignisse wie das Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila (16. – 18. September 1982), Räumung des Gazastreifens (August 2005), Ariel Scharons Hirnblutung (4. Januar 2006). Diese Aufzählung veranschaulicht, wie viel Frank Schätzing in „Breaking News“ hineingepfercht hat. Zu viel! Einerseits ist dieser Ehrgeiz bewundernswert, andererseits wirkt das Überangebot aber auch eitel (Bildungshuberei). Weniger wäre mehr gewesen.

Die actionreiche Handlung des Politthrillers bildet in der ausufernden Darstellung nur Inseln. Der deutsche Kriegsreporter Thomas Hagen bleibt eine Schablone, und die israelische Geheimagentin Soshana Cox wirkt eher wie eine Comic- als wie eine Romanfigur. Charaktere sind das jedenfalls nicht. Trotz des großen Personalaufgebots gibt es in „Breaking News“ keine Figur, mit der man sich identifizieren würde.

Die enorme Fülle, die hier zwischen zwei Buchdeckel gepresst ist, stellt für die Leser eine Herausforderung dar. Die wird von Frank Schätzing aber noch gesteigert, indem er nicht chronologisch erzählt, sondern ständig in der Zeit und noch häufiger zwischen den Orten bzw. Handlungssträngen hin- und herspringt. Das gipfelt in Abschnitten, die mit einem Datum überschrieben sind, die aber erst einmal mit einer Rückblende beginnen.

„Breaking News“ ist in einem schnodderigen Stakkato-Stil geschrieben. Als ob kurze Hauptsätze nicht genug wären, trennt Frank Schätzing sie auch noch durch Absätze.

Der Krieg deformiert jede Psyche, auch die des Beobachters.
Was nichts daran änderte, dass Verleger und Chefredaktion ihm ihr Vertrauen entzogen.
Hart in der Sache.
Mild im Tonfall.
Und das war beinahe noch schlimmer, als hätten sie ihn angeschrien.
In ihren verständnisvollen Blicken lag ein Maß an Verachtung, dass Hagen sich auf Milbengröße schrumpfen fühlte. Der Druck hat dich fertiggemacht, sagten sie, dein Einschätzungsvermögen hat gelitten.
Du brauchst Ruhe.
Zwei, drei Jahre mindestens.
Sie haben ihn behandelt wie einen psychisch Kranken.

Übrigens hätte Frank Schätzing für eine der Figuren besser einen anderen Namen als Dreyfus wählen sollen, denn dabei denkt man unwillkürlich an Alfred Dreyfus, und das sollte man bei dieser Romanfigur besser nicht.

Den Roman „Breaking News“ von Frank Schätzing gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Oliver Stritzel und Hansi Jochmann (München 2014, 2000 Minuten, ISBN 978-3-8445-1464-3).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014
Textauszüge: © Verlag Kiepenheuer & Witsch

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"Die letzte Matinee" ist eine Satire auf die Intellektuellen, die Existenzialisten der Fünfzigerjahre, die den Bezug zur Realität verloren haben. Martin Walser schildert diese surreale, kafkaeske Geschichte teils ironisch, teils sarkastisch in einer funkelnden Sprache.
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